Mittwoch, 8. August 2018

Wien kulinarisch

Über Wien, seine Menschen, seine Bauten, seine Kulinarik sind Bücher geschrieben worden. Wien, als seinerzeitiger Schmelztiegel des grossen Habsburgerreiches ist eine besondere Stadt geworden, die sich von allen anderen unterscheidet. Wien ist Wien und mit keiner anderen Stadt vergleichbar.

Wenn man mit offenen Augen durch Wien wandert, sieht man die Vielfältigkeit und die vielen Einflüsse, die die "Weana Stodt" zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Die Kunst, die Literatur, die Kulinarik, das Leben, aber auch der Tod - die Wiener selbst nennen den Tod so bittersüss wie Marzipan - haben überall ihre Spuren hinterlassen ... das Barock, das Biedermeier, der Jugendstil, der soziale Wohnbau (Der Karl Marx Hof war der erste Gebäudekomplex, den man sozialer Wohnbau nannte), die Nachkriegszeit, das Wirtschaftswunder, die Moderne ... die Juden, ebenso wie die Böhmen, die Ungarn und die Russen (in der Besatzungszeit).

Dieser Schmelztiegel aller Länder des grossen Habsburgerreiches hat auch dazu geführt, dass Wien eine grosse Vielfalt an kulinarischen Köstlichkeiten, heute als Wiener Küche bekannt, für den Gourmet bereit hält. Dazu gehören gekochtes Rindfleisch (Tafelspitz), ungarisches Gulasch, Wiener Schnitzel, Backhendl, Schweinsbraten mit Kraut und Knödel, Zwiebelrostbraten, Girardibraten, Stefanibraten, Szegediner Krautfleisch, Frankfurter Würstl bis hin zu den Süßspeisen: Somloer Nockerl, Apfelstrudel, Torten, Buchteln, Golatschen, Kaiserschmarrn, Marillenknödel, Palatschinken, Guglhupf ...

Wien ist durch die Türkenbelagerungen zum Kaffee gekommen und hat eine eigene Wiener Kaffeekultur entwickelt. In Wien bestellt man nicht, wie anderswo einfach Kaffee, sondern einen Mocca, einen Braunen, eine Melange, einen Einspänner, einen Fiaker, einen Obermeier ... es gibt unzählige Wiener Kaffeespezialitäten, die es wert sind, entdeckt zu werden.

Wien ist auch die einzige Bundeshauptstadt der Welt, in der Weinbau betrieben wird. In den Randbezirken Döbling, Sievering, Stammersdorf und Liesing kultiviert man vor allem Weißwein. Eine besondere Spezialität ist der Gemischte Satz. Der geschichtliche Hintergrund: Traditionellerweise pflanzten die Wiener Winzer in einem Weingarten meist bis zu 15 verschiedene Rebsorten bunt durcheinander. Der große Vorteil: Quantitative und qualitative Jahrgangsschwankungen wurden somit ausgeglichen. In der einzigartigen Aromakomposition ergänzen sich die Exotik der hochreifen Sorten mit der Frische und Rasse der spät reifenden Trauben wunderbar.

Mit dem Wein, dem Wiener Lied und dem Hang der Wiener zur Gemütlichkeit, haben sich die Heurigen etabliert. Das Recht der Weinbauer, Eigenbauwein im eigenen Haus ohne besondere Lizenz auszuschenken, geht in Österreich auf eine Verordnung des Kaisers Joseph II. von 1784 zurück. Der Heurige wurde ursprünglich abgehalten, um den Landwirten und der Bevölkerung des Ortes und der unmittelbaren Umgebung den Wein der aktuellen Ernte zu präsentieren. Ein zweiter jährlicher Termin war üblich, um Platz in den Fässern für die kommende Weinlese zu schaffen. Daraus hat sich eine eigene Heurigenkultur in Wien entwickelt, die auch touristisch vermarktet wird (Grinzing).

Neben all den Museen, Ausstellungen, Kirchen und Einkaufsstrassen sollte bei einem Wienbesuch das Kulinarische nicht vergessen werden. Es zahlt sich aus, denn nirgendwo auf der Welt ist die Kulinarik so vielfältig und breitgefächert wie in Wien!



mehr über Wien kulinarisch (iss-xund.eu)







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)





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