Samstag, 28. April 2018

Heimisches Superfood: Brennessel

An Häusern, Hecken, Zäunen, Waldrändern, an Wegen und Straßen wächst sie, und es gibt kaum einen Menschen, der nicht schon einmal schmerzhafte Erfahrungen mit ihr gemacht hat. Nicht nur deshalb wird sie gemieden, auch wird sie als hartnäckiges Unkraut in unseren Gärten bekämpft. Doch im Grunde zählt sie zu unseren wertvollsten Heilpflanzen und ist gerade im Frühjahr vielseitig verwendbar.

Schon seit der Antike sind die medizinischen Eigenschaften der Brennessel bekannt und wurden bei den verschiedensten Krankheiten eingesetzt. So vertrat der römische Dichter Petronius die Auffassung, dass Männern bei Potenzstörungen geholfen werden könne, wenn man „die Stelle unter dem Nabel, die Lenden und das Gesäß“ mit einem Brennesselstrauß peitsche. Auch „Liebestränke“ wurden aus den Brennesselsamen hergestellt, denn die Brennessel galt als das Sinnbild hoffnungsloser Liebe.

Von einigen Arten werden die grünen Pflanzenteile, die unterirdischen Pflanzenteile und die Samen verwendet. Als Frühjahrsgemüse werden die jungen Brennesseltriebe wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium und Silizium, Vitamin A und C (ca. zweimal mehr Vitamin C als Orangen), Eisen, aber auch wegen ihres hohen Eiweißgehalts geschätzt. Die Brennessel enthält in der Trockenmasse etwa 30 Prozent Eiweißanteil. Der Geschmack wird als „dem Spinat ähnlich, aber aromatischer“ und als feinsäuerlich beschrieben.

Besondere Verbreitung fanden Brennesselgerichte in Notzeiten, in denen Blattgemüse wie Spinat oder Gartensalat zugunsten nahrhafterer Pflanzenarten kaum angebaut wurden, und bei der armen Bevölkerung, da Brennesseln auf Brachflächen und in lichten Wäldern reichlich gesammelt werden können. Eine weitere bekannte Zubereitungsart ist die Brennesselsuppe. Den besten Geschmack haben die ersten, etwa 20 Zentimeter langen oberirdischen Pflanzenteile im Frühjahr oder bei größeren Pflanzen der oberste jüngste vegetative Bereich, die oberen zwei bis vier Blattpaare. Aber auch die Samen der Brennessel eignen sich geröstet zum Verzehr.

Der unangenehmen Wirkung der Nesselhaare kann man bei der rohen Verwendung für beispielsweise Salate entgegenwirken, indem man die jungen oberirdischen Pflanzenteile in ein Tuch wickelt und stark wringt, sie sehr fein schneidet (beispielsweise mit dem Wiegemesser), mit einem Nudelholz gut durchwalkt oder ihnen eine kräftige Dusche verabreicht. Kochen sowie kurz blanchieren für Brennesselspinat sowie -suppe macht die Nesselhaare ebenfalls unschädlich. Auch durch das Trocknen der oberirdischen Pflanzenteile für die Teezubereitung verlieren sie ihre reizende Wirkung.

Früher wurden gelegentlich Butter, Fisch und Fleisch in Brennesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten. Tatsächlich verhindern die Wirkstoffe der Brennessel die Vermehrung bestimmter Bakterien. Diese Praxis ist sogar gerichtsnotorisch: 1902 wurde eine Berliner Milchhändlerin auf Grund der Brennesselblätter in ihrer Milch wegen Lebensmittelverfälschung angeklagt. Mit der Begründung, dass dies ein „allgemein geübtes Verfahren“ sei, wurde die Händlerin jedoch freigesprochen. In Mitteleuropa, unter anderem den Niederlanden, Luxemburg, Österreich und Deutschland, werden Brennesseln auch als Zutat für Brennesselkäse verwendet.

Volkssprüche:

  • Am Gründonnerstag Brennesselgemüse zu essen, was für das folgende Jahr vor Geldnot schützen soll.
  • Fünf Brennesselblätter in der Hand zu halten, um frei von Furcht und bei kühlem Verstand zu bleiben.
  • Am Johannistag Brennesselpalatschinken (-pfannkuchen) zu essen, um gegen Nixen- und Elfenzauber gefeit zu sein.
  • Am 1. Januar Brenesselkuchen zu essen, um sich ein gutes Jahr zu sichern.



Rezepte mit Brennessel (iss-xund.eu)







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)





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