Sonntag, 17. Dezember 2017

Ja, heute geht es um Regionalpolitik, Regionalpolitik in Graz

Und dass denen im Grazer Rathaus nicht die selben Fehler passieren, wie den Wienern, deren Naschmarkt heute nur mehr ein Schatten dessen ist, was er einmal war.

Lendplatz Graz, ein kulinarisch-kulturelles Kleinod, um dass uns viele im Inland und Ausland beneiden. Sogar die New York Times war dem bunten Treiben am Lendplatz eine Empfehlung wert.

Der Lendplatz ist erst in den letzten Jahren erst zu dem geworden, was er heute ist ... und zu dem wie beliebt er ist. Für viele meiner Bekannten und Freunde ist bei einem Grazbesuch der Lendplatz ein Fixpunkt - nicht das Kunsthaus, nicht der Hauptplatz, nicht das Landhaus, sondern der Lendplatz.

Mit Enthusiasmus, Engagement, Fantasie und Können haben die "Standler" neben dem täglichen Bauernmarkt eine besondere Szene geschaffen, der sich kaum jemand entziehen kann ... ausser offensichtlich Stadtpolitiker und Beamte!

Obwohl diese "Lendplatzverweigerer" Graz als moderne, offene Stadt sehen wollen, ist ihnen "der Wildwuchs an Veranstaltungen" (O-Ton Stadtrat Eustacchio, FPÖ) ein Dorn im Auge. Und somit hat die Stadtregierung beschlossen, für 2 Plätze (nicht für alle!!!), nämlich dem Lendplatz und dem Franz Josefs Platz eine gesonderte Gebühr (Strafgebühr) von 650 € pro Veranstaltung in Rechnung zu stellen: für erhöhten Aufwand bei Reinigung. Doch am Lendplatz reinigen nach jeder Veranstaltung die Standler selbst - ein Reinigungstrupp der Stadt war noch nie gesehen worden, ausser nach den täglichen Bauernmärkten, doch die Bauern zahlen dafür mit ihrer Standgebühr.

Eustacchio meint ohnehin, der Lendplatz sei nicht seine Welt und verdingt sich in Schicki-Micki-Treffs. Aber hallo, darf das ein Politiker überhaupt denken, der auch von Lendbewohnern in die Stadtregierung gewählt wurde?

650 € pro Veranstaltung zusätzlich müssen erst einmal übrig bleiben. Kleinere Veranstaltungen bringen das sicher nicht, also werden sie in Zukunft ausfallen. Auch die beliebte wöchentliche Latin Night im Sommer mit Live Musik ist nicht mehr sicher. Man kämpft ohnehin mit dem Wetterglück, ein zusätzlicher Aufwand ist kaum finanzierbar.

Ausserdem musste heuer das jährliche, ebenfalls immer gut besuchte Erntedankfest mit Spanferkelbraten abgesagt werden. O-Ton einer Beamten: "Die Politik wünscht keine Veranstaltungen an Sonntagen!" ... auch in Zukunft nicht!

Übrigens, diese neue Gebühr wurde im Rathaus mit der Stimme des Gemeinderates Michael Schunko von der ÖVP (für Wirtschaft und Tourismus) mitbeschlossen. Schunko betreibt das Kunsthauskaffe und dafür werden nicht nur viel Fördergelder, sondern auch Ressourcen bereit gestellt. So wird die Betriebsfläche vergrössert und ein zweiter Gastgarten gebaut. Sollte einer meinen, das geht nur, weil Schunko die besten Beziehungen zur Stadtregierung hat? Denn auf jenem Plätzen, wo er seine Lokale betreibt, wird die neue "Sondergebühr" natürlich nicht eingehoben ...

War man der Meinung, dass mit den Blauen in der Stadtregierung der "rote Filz" verschwindet, muss man feststellen, dass sich kaum etwas geändert hat, nur die Farben sich anders geworden.

Schade um eine Stadt, die versucht, sich dem modernen Leben zu entziehen, Veranstaltungen durch Extragebühren zensuriert und sich an den verbliebenen unverschämt bereichert.

Den Grazern muss klar sein, dass jeder für diese neue Gebühr bezahlt, nicht nur die Standler am Lendplatz und am Franz Josefsplatz. Und dass die Grazer Stadtregierung zwar immer wieder betont, wie toll Graz sei, doch alles tut, um in die Mittelmässigkeit abzurutschen.



Graz Lendplatz (iss-xund.eu)

36 Hours in Graz, Austria (nytimes.com)

7 Dinge, die man im Urlaub in Graz machen muss (lilies-diary.com)







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)





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