Mittwoch, 12. Februar 2014

Email aus der Schweiz

Guten Tag Johannes,

träumen Sie weiter! Unsere Basisdemokratie ist genauso verlogen, wenn nicht noch schlimmer. Wir dürfen zwar regelmässig ein Zettelchen in eine Urne schmeissen, aber seit Jahren – wenn nicht Jahrzehnten – dient dieser Akt bestenfalls als Stimmungsbarometer.

Die nun derart umstrittene MEI wäre an sich gar nicht nötig gewesen. Mit der Abstimmungsvorlage zur Personenfreizügigkeit wurde uns damals ein ganzer Katalog an „flankierenden Massnahmen“ präsentiert, der eben genau das nun erfolgte Überborden hätte eindämmen können. Diese Gesetze gibt es, sie müssten nur Anwendung finden. Dies geschieht jedoch nicht, weil die Kantone sich untereinander einen zerstörerischen Steuer-Konkurrenzkampf liefern. Wir sparen uns – allem Reichtum zum Trotz – buchstäblich zu Tode. So geht das Schulsystem in Zug wegen Kostendruck vor die Hunde und die Infrastruktur (Strassen/öff. Gebäude) im Kanton Schwyz wird seit über 10 Jahren sträflich vernachlässigt. Dies sind die zwei reichsten Kantone.

Selbstverständlich werden populäre Projekte unterstützt resp. umgesetzt, auch bei uns wollen sie alle in der nächsten Legislatur wieder gewählt werden! Darunter leiden müssen all jene Dinge, die nicht so offensichtlich sind, zum Beispiel das sinnvolle Umsetzen von ebenso sinnvollen Gesetzen. So dürfen Steuerflüchtlinge in unserer Gemeinde teure Villen besitzen, müssen diese aber nicht bewohnen, während einheimische, junge Erwachsene raus geschmissen werden, weil sie eine Liebesbeziehung im Nachbardorf haben (Lebensmittelpunkt = Steuerdomizil, so das Gesetz).

Ausländer dürfen sich allen Gesetzen widersprechend in den Städten niederlassen und vom Sozialsystem profitieren, weil die gesetzlich notwendigen Niederlassungskontrollen aus „Kostengründen“  einfach gestrichen wurden. So ächzen die idyllisch ländlichen Gebiete unter den Steuerflüchtlingen, halten mit diesen jedoch den Steuersatz tief und zwingen damit, Steuerkonkurrenz sei Dank, die Städte und Agglomerationen zu völlig irrwitzigen Sparmassnahmen, was dann für die Sozialflüchtlinge aus dem Ausland zum Paradies wird.

Das Problem will nicht gelöst werden, zu viele Neurotiker und Opportunisten profitieren davon. Im Moment hat zufällig die SVP die Nase vorn.

Ich verstehe ja die Deutschen, dass sie uns um unsere „direkte Demokratie“ beneiden. Aber glauben Sie mir, wer hinter den Polit-Vorhang schaut, sieht da genau das selbe wie überall auf der Welt! Dabei macht das absolut keinen Unterschied ob die Bevölkerung nun von der momentanen „Siegerin“ SVP oder irgend einer anderen Partei belogen und betrogen wird. Ich hatte ein politisches Amt inne. Ich habe viel aufgedeckt und genauso viel eben NICHT aufdecken können. Nach exakt 18 Monaten war ich wieder draussen – Leben oder Politik war die einfache Entscheidung. Ich habe mich fürs Leben entschieden.

Ein Musterland der Demokratie? Nein, nur noch bessere Augenwischerei als ennet der Grenze!

Beste Grüsse aus der Schweiz, E.







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)





1 Kommentar:

pedro bergerac hat gesagt…

Zur info:

http://www.politaia.org/wichtiges/in-einigen-tagen-wird-diese-seite-vom-netz-genommen/