Dienstag, 2. Juli 2013

Bagatellisierung und Ignoranz der Realität

Seit 2008 lebt die Krise. In einem mehr oder weniger starkem Auf und Ab haben wir offensichtlich gelernt, damit zu leben ... aber nicht, damit umzugehen. Heuer spitzt sich die Situation weiter dramatisch zu, doch dies wird weitgehend ignoriert oder einfach bagatellisiert. Nach dem Motto: Krise ja, aber keine Existenzbedrohung. Damit kann auch von viel Fehlentscheidungen, drastischen Massnahmen und Unvermögen weg argumentiert werden.

Wir brauchen die Krise offensichtlich!

Die meisten Menschen sind müde, immer mehr an dramatischer Information zu lesen oder zu hören. Es geht schon zu lange um Crash, Wirtschaftseinbruch und Krieg. Selbst die Systemmedien berichten darüber (noch verhalten). Das hätte uns vor einiger Zeit erschüttert und aufgeweckt. Heute ist die Krise Alltag und die Nullen hinter den genannten Ziffern sind abstrakt und nicht mehr vorstellbar. Wo liegt der Unterschied zwischen Millionen, Milliarden und Billionen? Nicht mehr fassbare Zahlen werden auch nicht verstanden, sind ergo auch nicht dramatisch ...

Es ist bisher relativ gut gegangen. Noch funktioniert, wider Erwarten sowohl die Wirtschaft, als auch das System an sich. Und den bereits mehrmals totgesagten Euro gibt es auch noch.

Ein gutes Beispiel ist die Nahrungsmittelindustrie. Trotz der Skandale der letzten Jahre hat kaum ein Umdenken beim Konsumenten eingesetzt. Noch, ich betone noch, werden minderwertige, verfälschte, teilweise hochgradig gesundheitsgefährdende, teilweise auch gesundheitsschädigende Nahrungsmittel verkauft und verzehrt. Wir lesen darüber, wir regen uns kurz auf und kehren in unseren Alltag zurück. Fressen den selben Scheiss wie vor dem Skandal.

Wir sind abgestumpft und satt. Wir sind in einem Hamsterrad gefangen und schauen weder links noch rechts. Wir regen uns über die Politiker auf, weil sie uns bewusst und offen belügen und betrügen. Und doch wählen wir sie wieder!

Crash-Hardliner, wie Hartgeld, werden kaum mehr ernst genommen und belächelt. "Es passiert doch nichts ..."

Wenn man allerdings die einzelnen Headlines betrachtet, so hätten viele von diesen noch vor einigen Jahren durchaus Panik ausgelöst, zumindest mehr Interesse. Heute sind wir abgestumpft!

Viele mögen auch die grösseren Zusammenhänge nicht sehen (wollen). Unser System ist ziemlich komplex und gleicht einem diffizilen Räderwerk. Das allerdings immer schneller läuft.

Schauen wir uns den Aktienmarkt an. Für viele geht davon keine Gefahr aus, der Dow Jones und auch der DAX bewegen sich in schwindelerregenden Höhen. Demnach müsste auch die Wirtschaft boomen. Denn jeder Aktionäre erwartet sich durch seine Investion einen Gewinn. Sind die Gewinne zu gering, steigen die Aktionäre aus und investieren ihr Geld in gewinnbringendere Werte. Die derzeit hohen Aktienwerte spiegeln in keiner Weise die Situation der Realwirtschaft. Wir befinden in einer Rezession, das kann man nicht ableugnen. Also wird extrem billiges Geld erzeugt, damit auch geringere Gewinne für die Aktionäre akzeptabel sind. Eine völlige Verdrehung der Realität, die allerdings irgendwann, sei es heute, morgen oder in ein paar Monate zu einer grösseren Konsolidierung führen muss. Und damit ist eine latente Crashgefahr gegeben, für einen extrem manipulierten Markt.

Auch die an Dramatik und Warnungen reichen Ausführungen von sogenannten Experten, die schon seit Jahren ein äusserst düsteres Zukunftsbild aufzeigen, dazu zähle ich Karl Albrecht Schachtschneider, Wilhelm Hankel, Bernd Senf, aber auch Andreas Popp, Dirk Müller, Franz Hörmann, uva. regen heute nicht mehr auf, haben sich ihre Prognosen und Warnungen bisher auch nicht erfüllt. Das heisst aber nicht, dass diese nicht mehr aktuell sind. Im Gegenteil.

Nun muss man sich fragen, in wie weit es noch Sinn macht, über die aktuellen Vorkommnisse zu berichten, zu informieren.

Eine brisante Thematik ist auch die Vorbereitung für eine mögliche Eskaltion der Situation, der Krisenvorsorge. Ein im Grunde falscher Terminus, denn in einer Krise befinden wir uns seit Jahren, darauf können wir uns nicht mehr vorbereiten, die ist schon existent. Es müsste heissen Notfallsvorsorge, damit ein Überleben im Extremfall, im Notfall gesichert ist.

Trotz viel Aufklärungsarbeit, auch von staatlichen Stellen, haben nur sehr wenige vorgesorgt. Lebensmittel und Trinkwasser für mehr als zwei Wochen haben die wenigsten Haushalte. Man kauft, was man verbraucht. Dabei sind, wie die heurigen Wetterextreme aufzeigen, derartige Überlegungen gar nicht so abartig. Auch ohne Krise. Doch hören möchte es niemand, weil es im allgemeinen Verständnis völlig verdrängt wird.

Hat jemand vorgesorgt und entsprechend eingelagert, so wird er leicht als Spinner, Schwarzmaler oder Pessimist bezeichnet und der Lächerlichkeit preisgegeben. Dabei ist Krisenvorsorge bzw. Vorsorge für Notfallszeiten wichtig und nicht zu vernachlässigen.

Denn eines ist sicher, wir bewegen uns tatsächlich äusserst turbulenten und extremen Zeiten zu. Unser Währungssystem kann nicht mehr lange gehalten werden. Das ist mit einfachen mathematischen Berechnungen nachzuvollziehen. Diese Grenzen können nicht wegargumentiert werden. Ausserdem eskaliert die Überschuldung. Trotz (oder auch wegen) der Sparmassnahmen verschulden sich die Staaten immer mehr. Irgendwann kann nicht einmal mehr der Zinsdienst geleistet werden, dann macht´s Rumps!

Auch die geopolitische Lage ist mehr als dramatisch. Es ist kaum denkbar, dass es in nächster Zeit nicht zu neuen, möglicherweise zu überregionalen Auseinandersetzungen kommen wird, in dem die grössen Militärblöcke involviert sein werden. Die Kriegsgefahr ist heute höher als im Kalten Krieg (mit Ausnahme einiger Eskalationen damals). Und von der Besonnenheit diverser Regierungen, Regierungschefs und Generäle bin ich nicht überzeugt, denn es stehen massive imperialistische, geostrategische und wirtschaftliche Interessen dahinter ...

Wir, die Bevölkerung, sind nutzbares Werkzeug und strategische Spielfigur zugleich. Wir müssen ihnen die erforderlichen Profite bringen, sonst nichts. Deshalb haben wir zu funktionieren, sonst nichts. Aufbegehren, rebellieren oder fordern dürfen wir nicht, sonst gefährden wir die "Hohen Ziele". Also werden wir dumm gehalten, straff an den Zügeln geführt, umfassend überwacht und rigoros kontrolliert.

Deshalb muss die Krise und die stetige Zuspitzung und stärker werdende Dramatik der Situation bagatellisiert und offiziell entschärft werden. Das Rezept Neros von Brot und Spiele ist auch heute noch gültig, wie man sieht.

Diese Ignoranz und Verdummung der Massen macht mir ebenso Angst, wie eine mögliche, zu erwartende Eskalation des Systems.

Nicht desto trotz, ich bin vorbereitet und rate dies auch jedem. Auch wenn ich belächelt werde!






Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:



Gold: Tiefpunkt erreicht? Der Gold-Crash ist ein Witz der Finanzgeschichte. Angesichts Null-Zins und steigender Staatsverschuldung ist Gold alternativlos. Felix Zulauf: Tiefpunkt könnte erreicht sein. (mmnews.de)

Bedienen die Notenbanken eigentlich nur noch die Spekulanten? (jjahnke.net)

Analysten: Deutsche Bank ist Crash-Kandidat (deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)

Zwei Milliarden Euro Steuergeld für Hypo - Schon für das erste Halbjahr 2013 braucht die notverstaatlichte Bank 700 Millionen Euro Steuergeld. IWF-Expertin Enrica Detragiache sagt, dass eine Sanierung möglich sei. (kleinezeitung.at)

Spitze der Vatikanbank tritt zurück - Der Generaldirektor und sein Vize nahmen "im Interesse des Vatikans" den Hut. Erst vor drei Tagen war ein Prälat im Zuge von Geldwäsche-Ermittlungen verhaftet worden. (diepresse.com)

Griechenland rechnet mit neuem Schuldenschnitt - Wirtschaftsminister Hatzidakis zeigt sich zuversichtlich, "dass unsere Partner ihre Solidarität zeigen werden". Deutschland lehnt einen weiteren Schuldenschnitt aber ab. (diepresse.com)

BRIC: Von der Erfolgsformel zur Crash-Chiffre (kopp-verlag.de)

Staatsschuldendebakel: US-Notenbank entgleitet die Kontrolle über die Zinssätze - Die jüngsten Kommentare des Vorsitzenden der US-Notenbank Ben Bernanke haben die weltweiten Finanzmärkte schockiert. (propagandafront.de)

Pentagon kauft russische Hubschrauber um eine Millarde Dollar (derstandard.at)

Hört man da die Nachtigall schon trapsen? Wer sich mit Alois Irlmaier beschäftigt hat, die Aktivitäten der USA in Afrika beobachtet und die Zuspitzung zwischen den USA auf der einen Seite und Russland mit China auf der anderen Seite betrachtet, dem Fällen etliche dinge auf, die alleine dadurch eine Vorsorge rechtfertigen könnten. Auch wenn die Masse diese Zeichen vielleicht nicht verstehen will, sind sie dennoch sichtbar. (z-e-i-t-e-n-w-e-n-d-e.blogspot.co.at)

Gegen das Wetter sind wir machtlos - Der Berner Klimahistoriker Christian Pfister rät zu Gelassenheit angesichts von Kälte, Hitze, Bise, Hagel und Sturm. Es sei schon viel schlimmer als dieses Jahr gekommen. (eike-klima-energie.eu)

NSA-Totalüberwachung: Tut doch nicht so! Das hat die Politik nicht gewusst?! Zahlen, Fakten, Argumente zur unendlichen Geschichte NSA. (hinter-der-fichte.blogspot.de)

Greenwald kündigt neue Enthüllungen an: NSA könne pro Tag eine Milliarde Handygespräche verfolgen, speichern und auswerten - Die NSA verfüge über »brandneue« Technologien, die es dem Geheimdienst ermöglichten, eine Milliarde Handygespräche täglich zu verfolgen und zu speichern, berichtete der Guardian-Mitarbeiter Glenn Greenwald und fuhr dann fort, bald sei mit neuen Enthüllungen in dieser Angelegenheit zu rechnen. (kopp-verlag.de)

Krisensplitter – Beethoven und das verlorene Koordinatensystem der USA - In der Finanzwelt stechen die Interessen der Gläubiger alle anderen aus. In der Politik ist das Gegenstück zu diesem Trumpf-Ass der Kampf gegen den Terrorismus. Dass unsere demokratischen Systeme massiv unter diesem Mantra leiden, das haben wir jetzt quasi schriftlich. (markusgaertner.com)

Enthüllungen von Edward Snowden: Hör auf zu träumen, Europa! Europa, hör auf zu träumen! Die Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika sind so wenig unsere Freunde wie es die der britischen Regierung sind. Sie handeln in ihrem ureigensten politischen und wirtschaftlichen Interesse und zwar ausschließlich. In dieser Hinsicht stehen sie uns nicht näher als andere Länder, die keine Demokratien sind und sich auch sonst sehr stark von uns unterscheiden, wie z.B. China. (querschuesse.de)

NSA-Spionage: Die Welt lacht über die naiven EU-Führer (deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)

Stealth Wear: Kleidung gegen Überwachung (derstandard.at)





1 Kommentar:

3dvision hat gesagt…

Super Artikel.
Danke Johannes.
Die Zombies müssen immer wieder und immer wieder daran erinnert werden.