Samstag, 18. August 2012

Krisenvorsorge mal aus anderer Sicht ...

Vor einiger Zeit bekam ich das erste Email eines Österreichers, der vor längerer Zeit für einige Jahre im Gefängnis war. Es entwickelte sich ein reger Schriftverkehr und so erfuhr ich viel über den Aufenthalt in einer der grössten Strafvollzugsanstalten des Landes.

Immer wieder äussert er, nennen wir ihn der einfachkeithalber Herbert, sich über das Thema Krisenvorsorge und gab Tipps bzw. beschrieb das karge Leben hinter Gitter.

"Wenn du einfährst (= ins Gefängnis kommst) hast du meist gar nichts an persönlichen Dingen. Du musst schnell lernen, wie man ohne grossen Aufwand über die Runden kommt. Es sind Dinge wie selbstgemachte Tauchsieder zum Aufheizen von Kaffee- und Teewasser, kleine Leuchten aus leeren Konservendosen, Butter oder Schmalz und Stoffresten oder das Schärfen des Essensmessers mit Porzellan oder auch Metall - diese werden grundsätzlich ziemlich stumpf ausgegeben. Um an Zigaretten, die gefragte Gefängniswährung, zu kommen, solltest du deine Talente anbieten, die bei den anderen Mithäflingen gefragt sind. Ich habe zB. für andere den Schriftverkehr für das Gericht und die Behörden gemacht, denn viele können nicht fehlerfrei schreiben und sich nicht ausdrücken. Das hat mir den Nimbus eines 'Intellektuellen' eingebracht. Andere haben Kassiber (Botschaften, handgeschriebene Zettel) an den Beamten vorbeigeschmuggelt und den Empfängern übergeben, andere wieder gezeichnet oder gemalt, vorzugsweise nackte oder halbnackte Frauen, die dann Zellenwände geziert haben [...] Du musst im Häf´n (Gefängnis) deine Bedürfnisse auf ein Minimum reduzieren. Es ist ein karges und bescheidenes Leben. Aber mit etwas Improvisation und guten Ideen kann man sich das Leben hinter Gitter etwas erleichtern und komfortabler gestalten. Es sind auch strikte Hierarchien vorhanden, die du respektieren und einhalten musst ..."

Was hat dies mit Krisenvorsorge zu tun?

"Nun, wenn man davon augeht, dass es bald eine Zeit gibt, wo die Infrastruktur und die öffentliche Ordnung total zusammenbricht, helfen die Häf´n-Praktiken (= Gefängnispraktiken) einem doch viel weiter. Nicht nur, dass man ein Leben ohne den herkömmlichen Tand und Luxus erfahren hat, sich auch damit auseinandersetzen und arrangieren muss, du bist sehr eingegrenzt, abhängig und von der 'normalen' Welt vollkommen abgeschnitten ... bis auf ein paar Briefe und Besuche. Wenn dieser Umstand sehr plötzlich kommt, wie seinerzeit meine Verhaftung, so hatte ich doch das Glück, von schon erfahrenen Häf´nbrüdern (= Mithäftlingen) zu lernen. Gehen da draussen die Lichter aus, Tankstellen werden trocken und die Supermarktregale leer, zeigt diesen Tausenden kaum jemand, wie sie über die Runden kommen können, möglicherweise überleben können. Denn vorgesorgt haben nur wenige! Mit dem Convenience-Food-Trend haben die Menschen da draussen sogar das Kochen verlernt. Was werden die wirklich tun, wenn nichts mehr geht? Im Häf'n (= Gefängnis) haben wir kaum etwas weggeschmissen. Es hat alles irgendwie Verwendung gefunden. Selbst Pomatschka (= Gefängniswein) haben wir uns mit frischem Obst und Zucker selbst gebraut. Da gab´s welche, die haben sogar ganz annehmbare Qualitäten zusammengebracht. Erwischen lassen durften wir uns nicht! Ich bin mir sicher, es ist zwar keine Ruhmestat eingesperrt gewesen zu sein, aber wir werden mit Sicherheit die wenigsten Probleme haben, wenn es ernst wird. Und damit meine ich nicht die potentiell höhere Gewaltbereitschaft. Aber wir haben gelernt, dass Egoismus weniger bringt, als Gemeinschaft und Zusammenhalt. Und dass es wichtig ist, die eigenen Talente und das eigene Wissen zu erkennen und in die Gemeinschaft einzubringen. Handfertigkeiten und Improvisationstalent erleichtern das Leben in extremen Situationen natürlich sehr. Das ist im Grossen und Ganzen was ich mitteilen wollte."







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:



Naht das Ende der Euro-Zone? (kleinezeitung.at)

Europa spricht jetzt offen über das Euro-Ende - Ungeschminkt wie noch nie reden Spitzenpolitiker nun über den möglichen Zerfall der Währungsunion – vor allem in Finnland und Polen. Philipp Rösler hingegen wirbt für den Erhalt der Währung. (welt.de)

Wie schlecht geht es Europas Staaten? Dauerverstöße gegen die Maastricht-Kriterien haben den Euro in die schwerste Krise seit seiner Einführung gestürzt. Doch wie schlimm ist die Lage in den einzelnen Staaten wirklich? (tagesschau.de)

Das Finanzsystem ist ein kriminelles Pyramidenspiel (alles-schallundrauch.blogspot.co.at)

Die Ruhe vor dem Sturm - Der letzte Marktkommentar vor zwei Wochen hatte den Titel „Sommer-Loch“, weil sich auf den Finanzmärkten recht wenig tat. Das hält auch derzeit noch an, aber wie üblich wird auch noch im August oder September 2012 wieder die richtige Krise losbrechen. Zeit für eine Bestandsaufnahme der Situation. (mmnews.de)

Krisen-Endspiel – Danziger Verhältnisse, EZB-Schiebereien und Risse am Nordpol (markusgaertner.com)

Westerwelle und Ex-Außenminister planen Pro-Euro-Kampagne - Alle noch lebenden ehemaligen Außenminister der Bundesrepublik planen gemeinsam mit dem aktuellen Amtsinhaber, Guido Westerwelle, eine PR-Aktion zu Gunsten von Euro und Europa. Laut Presseinformationen soll der Slogan “Wir für Europa” mit einem Fototermin im Auswärtigen Amt vorgestellt werden. (goldreporter.de)

Crash-Angst in den Niederlanden: Hausbesitzer können Kredite nicht mehr bedienen (deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)

Empörung: Hollande zockt ausländische Besitzer von Zweitimmobilien ab (wirtschaftsfacts.de)

CRE-Märkte Spaniens und Italiens kollabieren in Q2 - Die Aktivitäten an Spaniens und Italiens gewerblichen Immobilienmärkten sind fast zum Erliegen gekommen. In den letzten drei Monaten brachen die Transaktionen um mehr als 90% ein, weil Investoren nicht vorhersehen können, wie sich die Lage in der Eurozone weiter entwickeln wird. Damit sind die Probleme an den privaten Häusermärkten auf die CRE-Märkte übergesprungen, was die Kreditportfolios der Banken zusätzlich belastet. Wie sich zeigt, haben Anleger ihr Vertrauen in die Krisenlösungsfähigkeit der Politik verloren. (wirtschaftsfacts.de)

Rekordlast fauler Kredite erdrückt Spaniens Banken - 9,4 Prozent der ausstehenden Kredite sind problematisch (derstandard.at)

Fünf spanische Regionen rebellieren gegen Rajoy - Jetzt wird sich die konservative Regierung von Mariano Rajoy etwas einfallen lassen müssen.  Fünf autonome Regionen Spaniens haben bereits angekündigt, dem neuen Gesetz nicht Folge leisten zu wollen, das Immigranten, deren Aufenthaltspaiere nicht in Ordnung sind, von der Gesundheitsfürsorge ausschliesst. Ein Riss geht durch das Land.  Andalusien, Asturien, das Baskenland, die Kanarischen Inseln und Katalonien sagen schlicht “No, da machen wir nicht mit und Punkt!” – In diesen Regionen werden “illegale Immigranten” (kein Mensch ist “illegal”) weiterhin behandelt wie vor der Gesetzesnovelle. (uhupardo.wordpress.com)

EU bereitet Euro-Austritt Athens vor - Die Bundesregierung und die EU- Kommission haben das finanzschwache Griechenland offenbar aufgegeben. Die Europäische Zentralbank soll die negativen Folgen eines Austritts des Landes auffangen. (rp-online.de)

Griechenland: Schuldenstand der Zentralregierung bei 303,527 Mrd. Euro (querschuesse.de)

Über 13.000 “faule” Renten in Griechenland
(griechenland-blog.gr)

Griechenland ist nicht pleite: Wir werden betrogen und verarscht (antizensur.de)

China: Faule Kredite im Bankensystem steigen auf 456,4 Milliarden Yuan (wirtschaftsfacts.de)

Japan ist größter Käufer von US-Anleihen (der-klare-blick.com)

US-Banken werden aufgefordert, sich auf Finanzkollaps vorzubereiten - Steht den USA und der Welt eine neue finanzielle Kernschmelze bevor? Das könnte man meinen, wenn man erfährt, was die Regulierungsbehörden von US-Banken verlangen. (kopp-verlag.de)

Der Krieg gehört zum israelischen Alltag! Oder nicht? Die Springerpresse übertrifft sich mal wieder selber wenn es um die Verniedlichung von Krieg geht. Unter der Schlagzeile “Iran-Konflikt : Israel bereitet sich auf 30-tägigen Krieg vor”, wird dem Krieg etwas die Ernsthaftigkeit genommen. Salopp stellt man fest, dass trotz erheblicher Vorbereitungen ca. 500 Israelis bei Raketenangriffen getötet würden. Ist das wirklich alles notwendig? Die Bevölkerung in Israel wünscht sich wie überall anders auch eigentlich nur Frieden und Sicherheit, die Regierung jedoch, lässt keine Möglichkeit aus, die Eskalation zu befeuern. Ist das wahre Problem vielleicht die Regierung? (iknews.de)

Einsatz militärischer Mittel bei Terrorangriff in Deutschland erlaubt (derstandard.at)

Wie verhält man sich bei der Straßenkontrolle durch die Armee? (martinschweiger.wordpress.com)

Schützen NATO-Truppen Heroin-Exporte aus Afghanistan? Das an Afghanistan grenzende Hochgebirgsland Tadschikistan entwickelt sich zu einem wichtigen Drogenumschlagplatz. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Transport dorthin, der über eine von der NATO erbauten Brücke verläuft, von NATO-Soldaten nicht nur ignoriert, sondern sogar bewacht wird. Das dort gehandelte Heroin wandert direkt nach Russland und Europa. (gegenfrage.com)

ZDF-Magazin „Terra Xpress“ über einen schlummernden Vulkan und seltsame Erdbeben mitten in Deutschland (z-e-i-t-e-n-w-e-n-d-e.blogspot.co.at)

Deutscher Minister macht E10 für Hunger verantwortlich - Mit Dirk Niebel (FDP) fordert das erste deutsche Regierungsmitglied ein E10-Aus. In Österreich hält Berlakovich am umstrittenen "Biosprit" fest. (diepresse.com)

"Hormonbombe Apfel" kann krank machen - Trotz EU-Verbots weiterhin hormonell wirksame Chemikalien in Obst und Gemüse (derstandard.at)




Kommentare:

Deshaun hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Deshaun hat gesagt…

Die Gemeinschaft bzw. Zusammenarbeit im Gefängnis mit Krisenvorsorge zu vergleichen finde isch schon.....GENIAL....genau um das geht's...Nachbarschaftshilfe, Tauschhandel, Geben und Nehmen im lokalen Bereich.....Gruß Deshaun (thinktankjunk.org)

3DVision hat gesagt…

Wie sollen Häftlinge eine Vorstellung davon haben was draußen in Notzeiten vor sich geht,und wie man dann klar kommt.Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen.
Das erste was die tun werden,sagen sie dir bestimmt nicht!,nämlich den Menschen draussen den Schädel einschlagen für ein Stück Brot!,wenn es drauf ankommt!Wie kann man nur so naiv sein und sich von einem Häftling tipps geben lassen?
Du bist echt naiv!

JoHy hat gesagt…

der mann, über den ich schrieb, hat seine strafe vor 15 jahren abgebüsst und ist seit damals nicht mehr straffällig geworden. er arbeitet, hat familie und ist, wie man so schön sagt, völlig resozialisiert!

Der Nordländer hat gesagt…

Wir wissen doch gar nicht warum dieser Mann im Knast war, es interessiert mich auch nicht, es geht eigentlich um die Mentalität die man dort entwickelt. Es ist quasi die Not die erfinderisch macht, einen kleinen Unterschied gibt es allerdings,, im Knast kannste nicht Brutal werden und über Leichen gehen sonst ist man bald selbst eine. In der Freiheit zur Zeiten der Krise da fällt es bestimmten Typen wohl etwas leichter.
Also dieses Beispiel finde ich nicht unbedingt GENIAL !
Aber es verdeutlicht schon was der Mensch in Notsituationen so alles bewerkstelligt.
Also Leute ab in den Knast, einfahren dort lernt ihr was, oder hab ich jetzt was falsch verstanden ???
;-)

mfg

3DVision hat gesagt…

@Der Nordländer

Johannes will in den Knast er will dort die Krisenvorsorge im Detail und ganz nah lernen. :)