Dienstag, 22. November 2011

Ein gefährlicher Trugschluss

Die europäische Politik versucht Feuer mit Benzin zu löschen. Das heisst, die äusserst prekäre und gefährliche Situation der Staatsüberschuldungen durch noch mehr Schulden und rigorosen Sparprogrammen zu entschärfen.

Eine gefährliche Entwicklung, weil nicht die Ursache gelöst wird, sondern einer der Auslöser der jetzigen Krise in seiner Wirkung verstärkt wird.

Solange unser Wirtschafts-, Währungs- und Geldsystem nicht grundlegend verändert wird, kann es zu keiner Entspannung oder Lösung kommen! Das müsste jedem Ökonomen und Politiker klar sein ...

Kommt es auf Grund der Überschuldung eines Staates zu einer Senkung der Bonität durch Ratingagenturen, steigen die Zinsen auf die Staatsanleihen. Der Staat, der eigentlich nun weniger Geld ausgeben sollte, muss aber auf Grund der Zinsenerhöhung plötzlich wesentlich mehr dafür aufbringen und rutscht dadurch noch tiefer in die Schuldenfalle ...

An den leidigen Patienten (PIGS-Staaten), wie auch an Frankreich und Österreich können wir sehen, dass diese Entwicklung nicht von heute auf morgen stattfand, sondern durch die Politik offensichtlich nicht erkannt wurde oder nicht erkannt werden wollte. Man log und schwindelte sich auf höchst betrügerische und verbrecherische Art durch, sichtlich hoffend, dass es den eigenen Staat nicht erwischen werde. Auch die extreme Selbstüberschätzung und Inkompentenz der Politiker ist ein gewichtiger Grund, warum sich die Situation immer mehr zuspitzt, als entschärft.

Um mit höheren Zinsen doch Geld (Schulden) zu bekommen, werden drastische Sparprogramme beschlossen, die allerdings kaum wirklich umsetzbar sind und dort den Leuten Geld entziehen, wo es am wichtigsten wäre - bei jenen, die nicht oder gar nicht begütert sind.

In Zeiten der Hochkonjunktur wurden Sozialprogramme entwickelt und in Wahlkämpfen versprochen, die kaum finanzierbar waren. Nun nimmt man den unteren sozialen Schichten diese wieder weg. Was bleibt, ist eine kollabierende Wirtschaft, da der wichtige Konsum dieser Schichten ausbleibt.

Jenen die Schuld zuzuschreiben, ist allerdings ein grosser Fehler. Denn über Jahre hinweg haben wir uns in Europa von einer Produktions- zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Produziert werden all jene Konsumgüter nicht mehr bei uns im Land, sondern irgendwo am anderen Ende der Welt, weil die Arbeitskräfte billiger und die Umweltschutzgesetze lascher sind. Zurück blieb ein schnell wachsendes Heer von Arbeitslosen, die auf Sozialgelder angewiesen waren. Dieses Heer wuchs sehr schnell und betraf in den letzten Jahren besonders die Jugendlichen. Es ist falsch zu sagen, diese wollen nicht mehr arbeiten - es gibt schlicht kaum mehr Arbeit für sie! In Regionen der südlichen Staaten, wo die Arbeitslosigkeit weit über 15 und 20% beträgt, ist der Anteil an Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch - bis zu 60%!!!

Diese Arbeitslosen müssen versorgt werden! Sie müssen zu Essen und Trinken bekommen, ein Dach überm Kopf, medizinische Versorgung, Kleidung und entsprechendes Entertainment (Ablenkung) als Freizeitgestaltung (sonst könnte es zu einem Aufstand kommen!) - aber auch Altersversorgung. Das kostet die Jahre durch, sehr viel Geld ... das aber nicht vorhanden ist und mehrheitlich nur durch Schulden aufzubringen war.

Diese Schicht ist allerdings ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft. Entzieht man der Wirtschaft einen Teil dieser Schicht, eben durch Sparprogramme, so fehlt dieses Geld der Wirtschaft und das Steueraufkommen sinkt. Damit nimmt der Staat weniger Geld ein.

Dies kann man durch verschiedene Massnahmen kurzfristig kompensieren, doch mittelfristig rutscht man in eine Depression - das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, es kommt zu einem "Minus-Wirtschaftswachstum" (Wer auch immer dieses Wort kreiert hat, sollte an den öffentlichen Pranger gestellt werden!) ... also einem Rückgang der Wirtschaft.

Auch die Forderungen, die sozial Schwachen sollen doch arbeiten gehen und sich selbst erhalten, sind nicht haltbar, denn es gibt schlichtweg kaum Arbeit. Man kann sie allerdings auch nicht einfach sich selbst überlassen und quasi "verhungern" lassen, sie würden auf die Strasse gehen und die öffentliche Ordnung gefährden - wie man in Griechenland zB. sehen kann ...

Die europäischen Staaten haben seit dem zweiten Weltkrieg mit dem Einzug der sozialen Politik eine Schutz- und Versorgungsfunktion für die Bürger übernommen. Anders gesagt, man hat den Bürgern die Eigenverantwortung abgenommen. Das war für viele sehr bequem und wurde auch entsprechend ausgenutzt. Noch ist in den Köpfen die notwendige Eigenverantwortung nicht ausgeprägt - woher sollte sie auch plötzlich kommen? Darum wird der Staat für alles verantwortlich gemacht und man fordert sein Schutz- und Versorgungsbedürfnis ein!

Egal wie sehr der Staat nun sparen muss oder müsste, die unterste soziale Schicht kann und darf nicht vergessen werden bzw. unversorgt bleiben! Sonst werden die Strassen blutige Schlachtfelder!

Wo soll oder kann der Staat effizient sparen? Wahrscheinlich sind es nur die sprichwörtlichen Peanuts, wenn man diverse, nicht lebens- und wirtschaftswichtige Subventionen und Förderungen, zB. im Kulturbereich vorübergehend einspart. Das Budget würde dadurch kaum wirklich entlastet werden.

Auch das übergrosse Heer der Beamten kann nicht einfach so mir nix dir nix reduziert werden, denn es entstehen wiederum Arbeitslose und Pensionisten (Frühpensionisten, die langfristig noch teurer sind ...).

Die teilweise unverständlichen Steuererhöhungen, wir zahlen ohnehin schon sehr viel unseres Einkommens an den Staat, mindern ebenfalls die Wirtschaft, weil das Realeinkommen trotz jährlicher Lohnerhöhungen (die meist geringer sind als die Inflation) sinkt. Es ist immer weniger Geldwert im Umlauf ... dadurch werden, auch wenn es Steuererhöhungen bzw. neue Steuern gibt, die Zahlungen an den Finanzminister absolut gesehen weniger. Ein Beispiel, wenn der Finanzminister im Jahr zwei oder drei Prozent mehr an Steuern einhebt, ist dies real weniger, weil der Geldwert durch eine etwaige höhere Inflation geringer wurde! Derzeit haben wir eine echte Inflation von rund 10%, die allerdings im nächsten halben Jahr enorm ansteigen wird, was durch die angekündigten Preis- und Steuererhöhungen prognostizierbar wird!

Gleichzeitig muss der Staat unser Bankensystem irgendwie aufrecht erhalten. Speziell in Österreich scheint sich eine gewaltige Katastrophe, vor allem durch das Osteuropaengagement der Banken anzubahnen. Milliardenhilfen werden notwendig werden, obwohl das Geld nicht vorhanden ist! Dadurch ist auch unser Top-Rating (AAA) in Gefahr!

Die Politik hat in den vergangenen drei Jahren, seit 2008, die Problematiken der Staatsverschuldung und Banken völlig ignoriert und via Medien mantra-artig vorgelogen, es sei ohnehin alles in Ordnung und wir überstehen die Krise ohnehin problemlos ... nun türmen sich die Probleme gewaltig auf und können innerhalb des bestehenden Systems gar nicht mehr gelöst werden. Vor allem auch, weil man nicht mehr als souveräner, eigenverantwortlicher Staat handeln darf, sondern sich der diktatorischen Führung der EU und der Eurozone (EZB) fügen muss! Alleingänge sind nicht mehr möglich und alles richtet sich in der EU nach den schwächsten Gliedern (PIGS-Staaten)!

Diverse Treffen der Wunderfutzis und Spitzenpolitiker, egal ob G8, G20 oder EU-Finanzministertreffen, es kommt zu absolut keinem annehmbaren Ergebnis ... zu letzt auch kaum mehr zu irgendwelchen Absichtserklärungen. Zeit, endlich das Scheitern zuzugeben!

Der Euro wie auch der US-Dollar werden kollabieren - daran wird kein Weg vorbei führen. Denn gäbe es eine Lösung, müsste diese schon eingesetzt worden sein! Schulden mit noch mehr Schulden zu lösen, ist einfach absurd!

Die einzige Lösung die es jetzt noch geben kann, ist der völlige Umbau unseres gesamten Wirtschafts-, Finanz- und Geldsystems. Menschen brauchen wieder Arbeit im eigenen Land, das Zinssystem muss eliminiert werden, die Macht Monopolartiger Konzernmoloche gebrochen und die Abhängigkeit von Rohstoff- und Lebensmittelpreisen von skrupellosen Finanzhaien, Hedgefonds und Investoren muss abgestellt werden. Erst dann kann man damit beginnen, die angefallenen Trümmer wegzuräumen und neu aufzubauen. Dies sind die Mindestvoraussetzungen für eine halbwegs lebenswerte Zukunft (abgesehen von neuen Technologien, ressourcenfreie Energiegewinnung, rigorosen Umweltschutz und gesunde Ernährung!).







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:



Trendforscher warnt vor länderübergreifenden Bankenschließungen nach Weihnachten - Der renommierte Trendforscher Gerald Celente, der in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Entwicklungen treffgenau voraussagte, warnt nun davor, dass es in der westlichen Welt nach Weihnachten 2011 zu länderübergreifenden Bankenschließungen kommen könnte. Und er ist nicht der einzige, der eine Finanz-Kernschmelze kommen sieht: Großbanken und Finanzmarktanalysten rechnen ebenfalls mit dem Schlimmsten. (propagandafront.de)

EU bastelt an Wunderwaffe - Europa ächzt unter hohen Schulden. Nach langem Ringen entwirft die EU-Kommission nun Modelle für Eurobonds - um die Krise zu entschärfen und das Bankensystem zu stabilisieren. Doch noch muss Deutschland umgestimmt werden. (ftd.de)

Crash bei AAA-Anleihen 2012 - GEAB: Wir sagen voraus, dass 2012 im Durchschnitt alle Staatsanleihen der westlichen Staaten um 30% wertberichtigt werden müssen. Ende 2011 wird der Zündsatz der europäischen Schulden die US-Schuldenbombe zur Explosion bringen. Wir gehen davon aus, dass bis Anfang 2013 30.000 Milliarden USD Scheinvermögen abgeschrieben sein werden. - Phase des Bankensterbens hat begonnen. (mmnews.de)

Kommt 2012 der Anleihencrash? Griechenland, die Spatzen pfeifen es seit Jahren von den Dächern, ist schon längst bankrott ... (der-klare-blick.com)

Österreichs Wirtschaft droht der Absturz - Österreich kann sich laut Analysten vom Abschwung in Europa nicht abkoppeln, dürfte aber besser aussteigen als die Resteurozone. (derstandard.at)

Österreich: Gefährlicher Cocktail aus Euro- und Osteuropa-Krise - Dunkle Wolken am Wiener Himmel: Die enormen Risiken, die die österreichischen Banken in Osteuropa eingegangen sind, könnten die Republik trotz guter Fundamentaldaten zum Getriebenen der Kapitalmärkte machen. Einen Vorgeschmack haben die Österreicher in der vergangenen Woche schon mal bekommen. (deutsche-mittelstands-nachrichten.de)

Moody's droht Frankreich erneut mit Abstufung - Die Lage auf dem europäischen Anleihemarkt spitzt sich weiter zu: Die Ratingagentur Moody's hat erneut vor einer Herabstufung Frankreichs gewarnt. Die Renditen für französische Staatsanleihen zogen daraufhin kräftig an. Auch für Spanien und Italien wird die Geldbeschaffung wieder teurer. (manager-magazin.de)

Italien, Spanien kurz vor Ramsch - Die Schuldenkrise in Europa wird sich weiter zuspitzen, da Problemländern wie Spanien, Italien und Belgien massive Herabstufungen durch die Rating-Agenturen drohen. Exklusiv-Studie der Schweizer Bonitätsprüfer von Independent Credit View: „Spanien und Italien nur noch knapp über Ramsch-Status“. (mmnews.de)

Spaniens neue Regierung sondiert bei EU wegen Bailout - Spanien: Die stellvertretende Parteivorsitzende der PP Partei sagt: „Spanien kann sich nicht länger mit 7 Prozent finanzieren.“ Daher verhandelt die neue, spanische Regierung bereits mit Brüssel. (deutsche-mittelstands-nachrichten.de)

Spaniens Banken sitzen auf einer 30-Mrd.-Euro-Immobilien-Bombe - Immobilienboom brachte Spaniens Banken Kreditschwemme. Viele Gebäude und Grundstücke wurden nun von den Instituten übernommen, da Kreditraten nicht bezahlt wurden. Ein guter Teil ist aber de facto „wertlos“. (diepresse.com)

Ungarn bittet nach IWF auch EU um Hilfe - Ungarn ämpft gegen die Staatspleite und will Finanzhilfe. Im Gegenzug dürften jedoch Sparmaßnahmen verlangt werden. Bei der Umwandlung von Fremdwährungskrediten setzt die EU Ungarn eine Frist, um zu reagieren. (diepresse.com)

Angst vor dem Crash: Reiche Chinesen flüchten in den Westen - Die wirtschaftliche Lage in China ist offenbar weit dramatischer als von der Regierung zugegeben. Ein Indiz: Reiche Chinesen verlassen das Land fluchtartig. Sie haben bisher vom System profitiert und fürchten offenbar den baldigen Zusammenbruch. (deutsche-mittelstands-nachrichten.de)

China rechnet mit dauerhaftem Einbruch der Weltwirtschaft - Die chinesische Regierung warnt vor den Folgen der Finanzkrise: Eine langwierige globale Rezession sei sicher, sagt Vizepremier Wang Qishan. Experten werten dies als Hinweis darauf, dass Peking bald noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpt - und die Inflation weiter anheizt. (spiegel.de)

Ökonom: USA werden der nächste Krisenherd nach Europa - Das Scheitern des „Super-Komitees“ bei der Bekämpfung des US-Haushaltslochs wird die USA langfristig in gewaltige Probleme stürzen, sagt der ehemalige Chefvolkswirt des IWF. Die Gründe für das US-Desaster: Die Kombination von exzessiver Kriegsführung und Steuersenkungen. (deutsche-mittelstands-nachrichten.de)

Zusammenbruch des Dollars wird größtes Ereignis der Menschheitsgeschichte - Der Kollaps des US-Dollars wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit sein. Denn es wird das erste Ereignis überhaupt sein, welches jedes menschliche Leben berühren wird. (ibtimes.com)

"Super-Komitee" gibt auf - Monatelang saßen Republikaner und Demokraten zusammen, um ein gemeinsames Konzept im Kampf gegen die US-Schulden zu finden. Doch jetzt stehen sie mit leeren Händen da. (kleinezeitung.at)

Architect of Fukushima’s Reactor 3 warns of massive hydrovolcanic explosion. (theextinctionprotocol.wordpress.com)

Barbara´s Nachrichtenüberblick (dasgelbeforum.de.org)




1 Kommentar:

Maldek hat gesagt…

Gute Zusammenfassung, aber ein wenig einseitig formuliert - Stichwort "alternativlos"

"Die einzige Lösung die es jetzt noch geben kann"
-> Es gibt auch andere Lösungen.

Hierzu ein Beispiel:
Weitermachen bis zum Kollaps, dadurch Verlust der Massenvermögen. Die arbeitende Schicht hat viel zu viel "Wolle" in EU/USA, um gegen Asien im Billigsektor konkurrenzfähig zu sein, Löhne und Lebensstandard müssen runter.

Dannach Bankenfeiertage, Währungskontrollen.
Hohe Arbeitslosigkeit und Staatsbankrotte. Dies ist NICHT das Ende der Welt; nur das Ende des Scheinwohlstandes.

Innerhalb ~5-10 Jahren geht alles weiter wie gehabt, jedoch ist der durchschnittliche Lebensstandard in EU/USA bei angenommen gleichen Preisen mit etwa Euro 500/Monat anzunehmen.

Die überzählige Wolle ist weg. Die Leute müssen wieder Arbeiten - für Essen, Wohnung und Strom und das bis über 70. Autos können sich nur die wenigsten leisten, man fährt mit Rad oder Moped. Alleinerzieher gibt es nicht mehr, Altenheime sind selten - wer nicht gestorben ist, lebt bei der Familie. Wer keine Familie hat ist ein armes Schwein.

Sozialleistungen des Staates wie Krankenversicherung/Pension/ALG sind rudimentär und nur für das Essen; etwa auf 50-80 Euro/Monat bei Preisniveau heute.

Damit werden Importe hinfällig, wir produzieren auch wieder einfache Güter selber und es steht einem Wirtschaftsboom 1960er+ nichts mehr im Wege. Gut wer rechtzeitig in Gold ging und dann damit investieren kann. SO entstehen Dynastien!

Gelingt es uns nicht den Sozialismus/Sozialstaat freiwillig abzuwerfen, ist noch ein Krieg mittendrin notwendig, eventuell Bürgerkrieg gegen die Musel.

Massenwohlstand wie er heute in EU/USA herrscht, ist auf Dauer nicht sustainable. Jeder will "ins Büro" und sich keiner mehr 50-60 Stunden/Woche die "Hände dreckig" machen. Das geht so nicht auf die Dauer.

Dies ist kein Systemzerfall - dies ist ein Reinigungsmechanismus, um Dekadenz im System zu reduzieren.