Mittwoch, 26. Oktober 2011

Nationalfeiertag in Österreich

Heute war der 26. Oktober und dies ist in Österreich der Nationalfeiertag. Der 26. Oktober 1955 war jener Tag nach 10 Besatzungsjahren, an dem laut Zusicherung im Staatsvertrag keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet stehen durften. An diesem Tag beschloss der österreichische Nationalrat in Form eines Verfassungsgesetzes rückwirkend ab null Uhr die immerwährende Neutralität.

Früher als "Tag der Fahne" gefeiert, entwickelte sich der Nationalfeiertag in den letzten Jahren zu einem grotesk-peinlichen Medienspektakel mit dem Höhepunkt einer Bundesheer Leistungsschau aller Waffengattungen in Wien am Ring und am Heldenplatz. Und am Abend, zur sogenannten Primetime, hält unser Herr Bundespräsident eine Ansprache ...

Auch heuer ist der Nationalfeiertag eben so wie die Jahre zuvor abgelaufen. Nur sind in den letzten Jahren doch einige Dinge passiert bzw. bekannt geworden, die diesen Tag fast der Lächerlichkeit aussetzten. Ja, Österreich ist, und da benötigen wir gar keine "Nestbeschmutzer", eine Bananenrepublik, die sich selbst parodiert ... in bester Kabarettmanier!

Unser Bundesheer wurde in den letzten Jahren abgespeckt. Viele ehemaligen Kasernen sind verkauft oder stehen leer. Wir Österreicher sind natürlich stolz auf unsere kleine Luftwaffe, im besonderen auf die Eurofighter (Abfangjäger) und die Black Hawks (Hubschrauber). Zumindest rund um die Anschaffung der Eurofighter ermittelt seit Jahren die Staatsanwaltschaft. Es geht darum, wie das überteurerte und weitgehend ineffiziente und waffenlose Fluggerät angeschafft wurde. Damals sollen Millionen an diverse Entscheidungsträger geflossen sein (bzw. in deren Umfeld). Der Eurofighter fliegt zwar, es musste aber gespart werden, und so haben wir eine Grundversion fast ohne effiziente Bewaffnung. Fragt sich nur, ob im Ernstfall ein Flügelwinken wirkt oder nicht. Und diese Flugzeuge wurden für einen möglichen Ernstfall angeschafft, denn sonst würden wir sie nicht benötigen.

Früher einmal und es ist gar nicht so lange her, wurde in Österreich einer der besten und leichtestenen Jagdpanzer der Welt gebaut - der Kürassier. Auch ein in aller Welt begehrter Radpanzer, der Pandur - allerdings bereits in die Jahre gekommen und nicht weiterentwickelt. Heute sind in Österreich fast keine Panzer mehr in Betrieb - und wenn, dann hoffnungslos veraltet.

Das Bundesheer, einst stolze Verteidigungsmacht des neutralen Österreichs, ist zu einer, nur in unserem Land möglichen, Kafkaeske geworden. Ein Verteidigungsminister, der niemals Soldat war, sondern Wehrdienstverweigerer (!!!) ist heute der Chef der Truppe und kämpft vehemnt gegen die höchsten Militärränge. Diese sind im österreichischen Heer ohnehin in grosser Menge vertreten. Überspitzt gesagt, jedem Grundwehrdiener sein eigener General! Angeblich stehen Massenentlassungen an (laut Medienberichten). Das Bundesheer ist in Auflösung begriffen und hat mit einer modernen, effizienten Armee absolut nichts zu tun! Und doch patroullieren sie in einem grossen Aufmarsch nach dem Vorbild kommunistischer Staaten am Nationalfeiertag vor den höchsten Politikern am Ring (Parlament) vorbei und präsentieren ihre "Kampfstärke", "Ausrüstung" und "Bewaffnung". Dabei kann aus Geldmangel kaum der Fahrzeugpark bewegt werden ...

Die beiden Festredner am Nationaltag, Bundespräsident Fischer und Verteidigungsminister Darabos, parteiliche Gesinnungsgenossen (SPÖ), sprechen von zwei verschiedenen Armeen. Fischer lobt die Wehrpflicht, Darabos das Berufsheer ...

Ein Grund des Feierns ist die damals (1955) beschlossene Neutralität. Österreich musste neutral werden, sonst wären die Besatzer nicht abgezogen - sie benötigten während des Kalten Krieges eine "neutrale Drehscheibe" zwischen Ost und West. Zeitzeugen berichten, dass wohl in keiner anderen Stadt damals so viele Agenten und Spione stationiert waren. Es gab auch viele diplomatische Treffen auf neutralem Boden, genannt seien die wichtigsten, nämlich 1961 zwischen JF Kennedy und Nikita Chruschtschow und 1979 zwischen Jimmy Carter und Leonid Breschnew.

Ja, wir waren neutral! Die West- und Ostmächte tummelten sich auf unserem Staatsgebiet und wir sahen alle stolz weg - wie gesagt, wir waren neutral. Unser kleines Land konnte niemand mehr gefährlich werden ... ausser vielleicht Liechtenstein, doch das Fürstentum stand unter dem Schutz der Schweizer. Und mit denen wollten wir uns nie anlegen, das waren ja Witzfiguren (fast jeder Österreicher kennt Unmengen an Schweizer-Witzen! ;-) ... und hatten bzw. haben eine funktionierende und effiziente Armee.

Aber was erwartet man von einem Land, oder erwarten wir, das zuerst ein teures Atomkraftwerk baut und dann das Volk fragt ob es das überhaupt haben will. Das Volk sagt nein, das Kraftwerk wird eingemottet und die Mannschaft über 20 Jahre weiterhin angestellt, weil es könnte sein, dass die Volksmeinung sich ändert ... erst in den späten 90igern wurden bis auf eine Handvoll alle Mitarbeiter abgezogen und die relevanten Reaktorteile verkauft. Heute ist Zwentendorf der einzige "nicht strahlende Atomreaktor", der von jedermann gefahrlos besucht werden kann ... dafür sind uns, so grotesk es klingt, viele neidisch (hihihihi).

Österreich, so heisst es, ist das Tor zum Orient. Richtig, unsere Politik scheint ein riesiger Bazar zu sein, wo jeder jeden was verkaufen möchte, wo gefeilscht wird, gehandelt wird, als wär´s der Bazar in Marrakesch.

Unsummen verschwinden über Tische von Politikern, auch Regierungsvertretern. Die Opposition schreit auf, aber wenige Wochen später wird klar, auch sie haben die Hand aufgehalten. Und jetzt, 2011, stellt ein gewaltiger Korruptionsskandal selbst afrikanische Bananenrepubliken in den Schatten. Gegen die Hälfte der schwarz-blauen Regierung wird ermittelt ... und fast alle Parteien sind betroffen ...

Die Neutralität hat sich natürlich mit dem EU-Beitritt de facto in Luft aufgelöst. Doch sind wir stolz darauf, dass wir auf dem Papier noch immer neutral sind. In Wirklichkeit sind wir es schon lange nicht mehr und kaum einer hat´s bemerkt! Wobei zu hinterfragen ist, ob überhaupt noch Neutralität zeitgemäss in dieser Verbundenheit zur EU ist? Kann ein EU-Staat überhaupt neutral sein? Oder vertreten wir nicht schon lange "europäische Interessen", weil Ost und West in der Form während des Kalten Krieges es ja nicht mehr gibt ...

Österreich war in seiner Vergangenheit oftmals Vorreiter und Trendsetter - um zeitgemässe Ausdrücke zu verwenden. Das wahrscheinlich letzte Mal konnte Österreich mit seinem charismatischen Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky Aufsehen erregen, weil er der Erste war, der Yassir Arafat als Staatsmann und Politiker ansah und ihn in Wien mit allen Ehren empfing. Es war der Beginn einer merklichen Entspannung im Nahen Osten. Übrigens, Kreisky war jüdischer Abstammung ...

Danach kam nichts mehr! Gesichtslose Politiker, deren Namen man schnell wieder vergass, wechselten sich ab ... bis heute. Schimären, denen wir aufgesessen sind, egal ob Mascherln so gross wie Propeller, Föhnfrisuren wie aus den 80igern, Männer, die Frauenminister waren und Frauen die mit einer Königscobra verglichen wurden. Bauern, die plötzlich Österreich modernisieren mussten und Schottergrubenbesitzerinnen, die schnell in verschiesensten Bereichen ihre volle Kompetenz bewiesen. Kanzler, die mehr von Rotwein und Spargel mehr Ahnung hatten als vom Regieren und Vizekanzler, die die Griechenland Kredite als gutes Geschäft für Österreich deklarierten ... die Liste liesse sich noch sehr lange fortsetzen ...

Also, liebe Freunde, was feiern wir am 26. Oktober eigentlich? Auf was sind wir unverbesserliche Patrioten stolz? Ja, ja, auf Cordoba ´78, wo wir die Deutschen beim Fussball schlugen. Auf Niki Lauda, weil ein kleines Land einen mehrfachen Formel 1-Weltmeister hervorbrachte. Auf Johann Strauss, weil er der erste Popstar der Geschichte war. Auf unseren Wein, der seit dem Weinskandal (1985) einen beispiellosen Siegeszug in der ganzen Welt angetreten hat. Auf´s Wiener Schnitzel, das eigentlich aus Mailand stammt und auf die Topfengolatschen, die aus Böhmen kommen. Wir sind stolz auf unsere Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek - ausser jene, die sie tatsächlich gelesen haben. Wir sind stolz auf Falco, der in weiser Voraussicht seinen letzten grossen Hit nach seinem theatralischen Tod hatte (Out of the Dark). Wir sind stolz auf ein wunderschönes und vielfältiges Land mit viel Tradition und Kultur. Ja, abseits von Politik, Bürokratie und Korruption ist Österreich ein schönes und vor allem lebenswertes Land.

Ich bin viel in der Welt herumgekommen, habe wunderschöne Plätze besucht, viele Freunde gewonnen - doch immer, egal ob aus Hawaii oder Nicaragua, von den Kanaren oder der USA - ich bin immer gerne nach Hause nach Österreich gekommen. Trotz unserer Politiker, trotz der latenten Korruption, trotz der ausufernden Bürokratie und trotz der Kleinkariertheit ... deshalb habe ich den Nationalfeiertag auch wirklich gefeiert ...

... meine zwei Lieblingsneffen haben mich besucht, ich habe ein gutes Erdäpfel(Kartoffel)gulasch gekocht und es hat sogar ein paar Minuten die Sonne durch die Wolkendecke gelacht!







Eine herrliche, zum Nationalfeiertag passende Groteske mit unserem immerzu lächelnden Bundeskanzler Werner Faymann - einfach ansehen und daran denken, dies ist durch die Unfähigkeit und falschen Ehrgeiz des Kanzlers entstanden - und hat jetzt schon echten Kultcharakter!

Failmann vs. Faymann:

Facebook: 2350 vs. 1780.
Twitter: 2280 vs 405(Faymann) bzw. 527 (Teamkanzler)
Budget: 0 vs. 200.000 EUR

Failmann zieht Faymann durch den Kakao - Website, App, Facebook und Twitter: Während Österreichs Bundeskanzler üppiges Gefolge braucht, um multimedial vertreten zu sein, machte ihn ein Werner Failmann auf den Social-Media-Plattformen schon längst zum Gespött. Über echte und unechte Kanzler. (kleinezeitung.at)

"Herzlich willkommen" sagt der Kanzler 2.0 - Faymann auf Facebook, Twitter und Youtube sollen alle künftig laufend bespielt werden. (derstandard.at)

Werner Failmann auf Twitter (twitter.com)
Werner Failmann auf Facebook (facebook.com)







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:



Änderung der Bundeshymne - O du Söhne, ach du Land! Warum die Frage, ob man die Bundeshymne "töchtergerecht" gendern sollte, mit Blick auf die sonstige Textur der Hymne relativ unerheblich erscheint. (derstandard.at)

Nationalstolz der Österreicher schwindet - Die Österreicher sind laut einer aktuellen Umfrage deutlich weniger stolz auf ihr Land als noch vor einem Jahr. Das geht aus einer aktuellen "market"- Online- Befragung hervor. Laut der zwei Tage vor dem Nationalfeiertag publizierten Umfrage sind nur mehr 34 Prozent der Landsleute "sehr stolz" darauf, Österreicher zu sein. Vor einem Jahr waren noch 42 Prozent der Befragten dieser Ansicht. (krone.at)

Hickhack am Heldenplatz - Der Gleichschritt von Darabos, Faymann und Fischer täuscht: Minister und Präsident hielten konträre Reden zum Bundesheer - und der Kanzler schwieg dazu. Präsident Fischer preist die Wehrpflicht, Heeresminister Darabos eine Profi-Armee. (derstandard.at)

"Der Nationalfeiertag ist ein leeres Ritual" - Alle Jahre wieder: die "Angelobung der Jungmänner" auf dem Heldenplatz. Nur noch für eine Minderheit der Jugendlichen in Österreich steckt mehr hinter dem Nationalfeiertag. "Nationalegoismus" oder "Feiertag für alle" - Jugendliche hegen unterschiedliche Beziehungen zum Nationalfeiertag. (derstandard.at)

Osim über Ö-Kick - "Das Problem liegt in den Köpfen der Österreicher" - Osim: - "Man muss ein Konzept und Geduld haben, und viel arbeiten. Und nicht andere Nationen wie Deutschland, die Schweiz oder Slowenien imitieren." Trainer-Legende Osim rät dem Nationalteam, die Vergangenheit ruhen zu lassen und eine neue Geschichte zu schreiben. (derstandard.at)

'Schutz und Hilfe': Leistungsschau des Bundesheers (diepresse.com)


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