Freitag, 3. Juni 2011

Griechische Tragödie, letzter Akt ...

Heute entscheidet sich, wieder einmal, das Schicksal Griechenlands. Premierminister Papandreou hat eine Audienz bei Jean-Claude Juncker. Ist Griechenland noch zu retten?

Es steht sehr viel auf dem Spiel, denn ein Staatsbankrott Griechenlands würde sehr, sehr grosse Probleme bei Europas Banken und Versicherungen auslösen. Die haben, in naiv-infantiler Weise noch zu einem Zeitpunkt massenhaft Staatsanleihen gekauft, als schon absehbar war, dass Griechenland unter normalen Umständen diese niemals mehr zurückzahlen könne. Doch die hohen Zinsen liess jeden Verstand aussetzen. Galten doch europäische Staatsanleihen als sicher, mittlerweilen sind sie Hochrisikopapiere und fast sicher Garant hoher Verluste. Es wurde der Umstand einkalkuliert, dass die EU Griechenland nicht fallen lassen würde ... Hier sehen versierte Juristen auch einen strafrelevanten Tatbestand, wenn es tatsächlich zu einer Umschuldung bzw. Forderungsnachlass käme. Man hat gewusst, dass das Land pleite ist, dass dadurch die Zinsen steigen und dass die EU und der IWF zur Kasse gebeten wird. Es besitzen auch amerikanische Institute massenhaft griechische Papiere.

Mittlerweilen ist die tatsächliche Situation Griechenlands bekannt. Auch Sparprogramme und Privatisierungen können den Bankrott nicht abwenden. Die Wirtschaft ist völlig am Boden, der Konsum bricht dramatisch ein, die Arbeitslosigkeit steigt extrem an und die Griechen hatten in den letzten Wochen einen Bank Run ausgelöst um alle Konten, Überziehungs- und Kreditrahmen zu plündern. Viele Milliarden griechischer Euros wanderten ins Ausland. Die Menschen gehen auf die Strasse und die Regierung droht mit Einsatz des Militärs. Es herrscht finanzieller und politischer Notstand.

Diese Woche hat der IWF bekannt gegeben, dass er die weiteren Milliardenzahlungen nicht durchführen wird, die EU muss deshalb weitere 12 Milliarden Euro aufbringen.

Noch vor wenigen Monaten hörten wir von Griechenlands Premier, dass sie keine Hilfe brauchen würden, die Probleme könnten selbst geregelt werden. War es Taktik oder waren die so naiv, das zu glauben? Ein Land in dieser Situation kann sich selbst nicht sanieren, weil die Bürger die Sparprogramme nicht akzeptieren.

Griechenland hat kaum nennenswerte Industrie, eine der höchsten Pro-Kopf-Rüstungsausgaben in Europa, einen gigantischen Schuldenberg der Olympischen Spiele, ein völlig irrational grosses Beamtensystem und eine kaum existierende Steuermoral. Ausserdem haben die griechischen Regierungen völlig aus der Luft gegriffene Zahlen präsentiert, um in die Eurozone zu kommen.

Der Euro war mit den anderen Faktoren auch jenes explosive Gemisch, das die Bombe hochgehen liess. Früher, so wie andere Mittelmeerstaaten auch, benutzten die Griechen das Mittel der Währungsabwertung um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Mit dem Euro war dies nicht mehr möglich und plötzlich stand man im Wettbewerb mit Staaten, die eine höhere Produktivität und Wirtschaftsleistung aufwiesen. Nur ein halbwegs funktionierende Tourismus stand auf der Habenseite.

Nun muss die EU schauen, wie sie nicht vorrangig das griechische, sondern das europäische Banken- und Versicherungsproblem löst! Griechenland kann ausserdem ein Vorreiter für andere Staaten sein. Gibt man den Helenen zu viel, halten auch Irland, Portugal, Spanien und Italien sofort die Hand auf. Auch sie wollen gerettet werden. Dabei zeigt der Eurorettungsschirm auf, dass er nicht realisierbar ist, denn bei einigen EU-Staaten regt sich Unmut. Sind es doch keine Kredite, die gewährt werden, sondern offensichtliche Zahlungen, die nicht zurückbezahlt werden können. Die europäische Union mutiert zur Transferunion.

Das griechische Volk wird ausgenommen. Steuererhöhungen bringen kaum mehr Geld in die Staatskassen, nur die Wirtschaft wird extrem geschädigt. Natürlich lässt sich das Volk eine derartige Behandlung nicht gefallen und versucht zu retten, was zu retten ist. Geld wird abgezogen. Und zwar in so astronomischer Höhe, dass die heimischen Banken fast handlungsunfähig sind und in Schieflage geraten. Durch den Abzug der Gelder können diese kaum mehr Kredite geben. Ein absoluter Stillstand droht.

Durch die Unmöglichkeit, Griechenland zu sanieren, und den aufgezwungenen Sparkurs, geht das Volk auf die Strasse. Es herrscht teilweise Bürgerkriegsstimmung. Es sind keine Demonstrationen, bei denen Spruchbänder und Parolen vom Unmut des griechischen Volkes zeugen, es sind Krawalle, Strassenschlachten und ein Krieg gegen die Unfähigkeit einer verlogenen Regierung.

Es zeigt auch wieder die Tatsache, dass das Volk für die jahrzehntelangen Fehler und Betrügereien der Regierungen zahlen muss. Nun versucht man mit fragwürdigen, teilweise totalitären Methoden, den Bürgern das Letzte aus ihren Brieftaschen zu stehlen. Doch viel ist ohnehin nicht mehr drinnen.

Es ist ein Teufelskreis aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Nach den Regeln des herrschenden Systems kann es keine Lösung geben. Allein die hohen Zinsen bringen den Staat um. Und Neuverschuldung durch die EU-Kredite verschärft die Situation zusätzlich. Grossteils sehen die Griechen kaum Geld dieser Zahlungen, weil es sofort zur Tilgung verwendet wird. Eine desaströse Loch auf - Loch zu Politik. In der Wirtschaft ein krimineller, strafrechtlich relevanter Tatbestand - Konkursverschleppung, Gläubigerbevorteilung, Betrug, Untreue, etc. in der hohen Politik offensichtlich Alltag.

Auch zeigt es einmal mehr, dass jedes Schneeballsystem irgendwann sein Ende findet. Dies droht nicht nur auch anderen Staaten, sondern auch Währungssystemen und Staatenunionen.

Deshalb wird man versuchen, weiterhin Griechenland zu finanzieren und den trotz aller Bemühungen und Sparprogrammen wachsenden Kapitalbedarf abzudecken. Denn Griechenland kann Auslöser eines europäischen, möglicherweise auch weltweiten Dominoeffekts innerhalb der Finanzwelt sein. Und sie haben die Vorreiterrolle für in Bedrängnis geratene Staaten übernommen. Wenn Griechenland geholfen wird, muss auch anderen Staaten geholfen werden. Und das wird immer illusorischer.

Egal aus welcher Perspektive man dies betrachtet, es ist und bleibt die wahrscheinlich grösste Bedrohung unseres Systems seit dem Niedergang von Lehman & Brothers 2008. Nur dass die aktuelle Situation viel angespannter und instabiler geworden ist. Lehman kam überraschend, das Sterben Griechenlands ist ein langes. Lehman haben die meisten nicht vorausgesehen, Griechenland kann man beim Sterben zusehen.

Es stellt sich nur die Frage, wie lange dauert das Sterben noch, wann werden die lebenserhaltenden Geräte abgeschalten, weil die Sinnlosigkeit des Ganzen irgendwann zu offensichtlich wird und die Zahlungen auch andere Volkswirtschaften in den Ruin treiben.

Nicht wenige fordert immer lauter: "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!" Wer drückt den Resetknopf?







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:



Griechenland: Ratlose Panik macht sich breit - Bank Run, Verunsicherung und immer neue Hiobsbotschaften - Es heißt, dass viele Köche den Brei verderben würden. Im Fall Griechenlands muss man sich fragen, ob die Kochkünstler sich nicht zumindest auf ein Gericht einigen könnten. Der eine kocht Brei und setzt auf den Schuldencut, während der andere wiederum gerade davor warnt und offensichtlich gerne eine Schlachtplatte servieren möchte. Die Opfer solcher Politik wehren sich. Sie gehen allabendlich auf die Straße (Spanische Verhältnisse nun auch in Griechenland?). (heise.de)

Griechischer Default würde US-Banken mitreißen - Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde nicht nur dessen lokale Wirtschaft und einen Großteil der Region Europa in eine neue Finanzkrise stürzen, sondern sich auch negativ auf die Vereinigten Staaten auswirken. Der dadurch angerichtete ökonomische Schaden werde im Hinblick auf seine Auswirkungen vergleichbar sein mit den Folgen der in 2008 ausgebrochenen Subprime-Krise am amerikanischen Häusermarkt. Diese Ansicht vertritt der renommierte Finanzexperte und Buchautor John Mauldin. (wirtschaftsfacts.de)

Griechische reale Einzelhandelsumsätze mit -17,5% im März - Gestern berichtete das griechische Statistikamt ELSTAT, die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen für den Monat März 2011. Um eine fulminante Rate von nominalen -13,2% sanken die arbeitstäglich bereinigten Einzelhandelsumsätzen in Griechenland zum Vorjahresmonat. Real (verbraucherpreisbereinigt) ging es sogar um -17,5% zum Vorjahresmonat abwärts! (querschuesse.de)

Griechenland: Hochverrat und Insidergeschäfte - Im Frühjahr 2010 berichtete der Kopp Verlag in seiner DVD-Reihe Unzensiert bereits darüber, dass die griechische Postbank (TT Hellenic Postbank) Kreditausfallversicherungen in Höhe von etwa einer Milliarde Euro auf den Staatsbankrott Griechenlands gekauft hatte. Es wirkte ein wenig seltsam, dass ein griechischer Staatsbetrieb auf die Pleite des eigenen Landes setzte. In diesen Tagen stellt sich aber heraus, dass das erst die Spitze des Eisberges war. Premierminister Papandreou scheint in einen schier unglaublichen Skandal verwickelt zu sein. Über Umwege sind diese Credit Default Swaps in den Besitz seiner Familie und seines Freundeskreises geraten – und angesichts des tatsächlich drohenden Staatsbankrotts mittlerweile etwa 23 Milliarden Euro wert. (kopp-verlag.de)

Griechenland: IWF zahlt nicht - Der IWF wird nächste Griechenland-Tranche nicht mitzahlen. "Es gilt mittlerweile als sicher, dass der IWF seinen Teil der Ende Juni fälligen nächsten Tranche nicht auszahlen wird". (mmnews.de)

Ist Griechenland noch zu retten? Hat Griechenland seine Sparzusagen eingehalten? Bei einem Krisentreffen muss sich heute der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou dem Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker stellen. Wird mehr EU-Geld verweigert, droht Hellas die Staatspleite. (kleinezeitung.at)

Griechenlands Bonität stürzt ins Bodenlose - Die Schläge für Griechenland werden immer schmerzhafter: Moody's hat die Kreditwürdigkeit abermals drastisch gesenkt. Und bald kommt das Urteil von EU, IWF und EZB auf den Tisch, ob Athen die geforderten Spar- und Reformaufgaben tatsächlich erfüllt. Fällt Athen durch, wird nicht nur der Währungsfonds seine Konsequenzen ziehen. (handelsblatt.com)

Moody's senkt Bonitätsnote Griechenlands um drei Stufen - Das Land steht kurz vor der Pleite und muss massiv sparen. Die Ratingagentur hat Zweifel, dass Athen die Finanzlage ohne eine Umschuldung stabilisieren kann. Nun wird Griechenland auf einem extrem spekulativen Niveau bewertet. (ftd.de)

Die Vergewaltigung Griechenlands - Der Oberbilderberger Henry Kissinger hat in Washington vor einer Gruppe von Geschäftsleuten im September 1974 gesagt: "Das griechische Volk ist anarchistisch und schwer zu bändigen. Deshalb müssen wir tief in ihre kulturellen Wurzeln stossen. Vielleicht können wir sie dann zur Konformität zwingen. Ich meine natürlich in ihre Sprache, ihre Religion, ihrer Kultur und historischen Reserven stossen, damit wir ihre Fähigkeit sich zu entwickeln neutralisieren können, um sich zu unterscheiden, oder sich zu erhalten, um sie damit als Hindernis bei unseren strategisch wichtigen Plänen im Balkan, im Mittelmeer und im Nahen Osten zu entfernen." (alles-schallundrauch.blogspot.com)




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