Samstag, 11. Juni 2011

Griechenland - game over?

Der Fall Griechenlands scheint immer aussichtsloser zu werden. Jede bisherige Berrechnung der benötigten finanziellen Mittel erwies sich binnen kurzer Zeit als zu gering. Der Bedarf an EU-Milliarden steigt ins Astronomische. Wieder muss aufgestockt werden und offensichtlich kann sich die EU und die EZB keine Umschuldung - das heisst ein Schuldennachlass - leisten. Denn die griechischen Schrottpapiere bedrohen den Banken und Versicherungssektor. Bei einem Schuldennachlass würden einige grosse Institute in enorme Schwierigkeiten kommen. Momentan stossen sie griechische Papiere ab, sie versuchen es zumindest. Denn Käufer sind plötzlich ziemlich rar, auch wenn die Zinsen sehr hoch sind. Doch ein möglicher Zahlungsausfall ist nicht mehr unmöglich. Die finanziellen Mittel der EU bzw. der EU-Staaten sind beschränkt. Ausserdem regt sich Unmut in der Gemeinschaft. Da es sich einige Staaten nicht leisten können und nicht leisten wollen, Geldgeschenke zu machen. Denn es wird immer offensichtlicher, dass die Griechen die als Kredite deklarierten Milliardenbeträge kaum zurückzahlen können.

Insider gehen davon aus, dass Griechenland bald zahlungsunfähig ist und machen daraus auch kein Geheimnis. Sollte die Finanzierung via EU weiter gehen, sehen sie nicht nur Griechenland, sondern die gesamte Eurozone und die EU bedroht. Griechenland könnte der Auslöser für ein gesamteuropäisches Desaster werden. Finanzminister Schäuble hat sich diese Woche besorgt geäussert und gewarnt. das Besorgniserregende daran ist, dass er als Involvierter wesentlich mehr Einblick hat, als wir alle!

Die Sparmassnahmen, welche die EZB und EU so loben, bringt das Land selbst völlig zum Stillstand. Dies lässt natürlich auch die Volkswut kochen und dass die Griechen auf die Strasse gehen, ist nachvollziehbar. Versagt hat die Politik und muss jetzt alles auf die Bürger abwälzen. Detail am Rande, Papandreou, der griechische Ministerpräsident, hat vor einiger Zeit am Wertpapiermarkt auf die Pleite seines Landes wettet und damit Milliarden verdient.

Demnach kann man kaum von seriöser Anstrengung seitens der Regierung sprechen, das Land zu retten. Es sind nicht mehr als politische Floskeln und Scheinaktionen, die im Moment gemacht werden. Wer ist so infantil und glaubt dadurch jahrzehntelange Misswirtwirtschaft und politischen Betrug ungeschehen zu machen? Die Probleme Griechenland liegen wesentlich tiefer und können nicht so leicht aus der Welt geschaffen werden. Im übrigen waren sie schon immer Überlebenskünstler am Rande des Bankrotts.

Export von Oliven, Öl, Wein und Käse, zusammen mit Tourismus war offensichtlich doch zuwenig und die Produktivität ingesamt zu gering, um im Euroverbund überleben zu können. Unser gewinnorientiertes, kapitalistisches System ist nicht in jedem Land anwendbar. Noch dazu, wenn die langjährig übermittelten Daten gefälscht waren.

Wenn ein Unternehmen gefälschte Bilanzen präsentiert, wo nur durch eine scheinbare Produktivität und eine frisierte Aktiva/Passiva-Aufstellung am Kreditmarkt neues Geld aufgenommen werden kann, muss irgendwann dazu führen, dass der gesamte Vorstand sich vor dem Richter verantworten muss. Die strafrechtlichen Tatbestände könnten eine lange Liste ergeben, wobei Betrug, Veruntreuung und arglistige Täuschung die schwersten Verfehlungen sind und in der Regel hohe Haftstrafen und Wiedergutmachung mit sich ziehen.

Das ist auch der Beweis dafür, dass politische Verantwortung eine völlig abstruse Floskel ist, mit der Politiker sich zwar nur zu gerne schmücken, doch in der Realität völlig unerheblich ist. Wie sollte man sie auch zur Verantwortung ziehen? Der Schaden ist viel zu hoch!

Hat man die Rolle Griechenlands bisher herunter gespielt und den Eindruck erweckt, die EU bzw. Eurozone würde mit den Problemen dieses wirtschaftlich gesehen relativ kleinen Landes ohne Probleme fertig werden und selbst einen Staatsbankrott unbeschadet überstehen, so wird immer deutlicher, dass Griechenland zum Sargnagel des Euros werden könnte. Zu lange wurde abgewartet, saniert, transferiert, gerettet und zugesehen. Und nun versucht man, alles auf das griechische Volk abzuwälzen ...

Sicher, wenn kein Geld vorhanden ist, kann auch keines ausgegeben werden. Griechenlands Staatssäckel sind mehr als leer. Und trotz neuer Milliardenzahlungen ist die Pleite nicht abgewendet, sondern nur verschoben.

Ich erinnere mich an ein Zitat von Hans A. Pestalozzi, schweizer Ex-Manger und Buchautor, der in "Auf die Bäume ihr Affen" schrieb: "Politiker haben noch nie ein Problem gelöst, nur verschoben und mit neuen Problemen zugedeckt!" ... bis es nicht mehr offensichtlich war.

Leider sind wir an Katastrophenmeldungen gewöhnt, die täglich kolportierten Summen sind derart astronomisch, dass sie nicht mehr real und nachvollziehbar sind. Was machen ein paar Milliarden schon aus? Und die Medien versuchen erfolgreich zu verschleiern, dass wir, das Volk, diese "paar Milliarden" erst erwirtschaften müssen, die die Politiker heute schon ausgeben und mit vollen Händen aus dem Fenster werfen.

Unser Geld- und Währungssystem ist eine komplexe Sache. Deshalb bleibt es nicht ungestraft, einfach diese "paar Milliarden" aus dem Nichts zu erschaffen. Die Märkte und die Investoren reagieren sofort und können, im schlechtesten Fall, eine Währung zum Kollabieren bringen. Eine sensible, gefährliche Sache, wenn man sie genauer betrachtet. Eben deswegen wird der Fall Griechenland immer brisanter und gefährlicher für ganz Europa. Und Griechenland untergräbt das Vertrauen! Wer würde hier noch investieren, wenn alles auf Lügen, Betrug und Täuschung aufgebaut ist. Das scheint, bei genauer Betrachtung allerdings nicht nur in Europa so Sitte zu sein, auch die USA kämpfen mit diesem Eindruck!

Deshalb bemühen sich die EU und die EZB um Schadensbegrenzung und versuchen etwas an Souveränität und Seriosität zu demonstrieren. Doch dass dies absolut nicht vorhanden ist, weiss nur der Informierte, jene, die sich nicht von offiziellen Statements einlullen lassen und auch zwischen den Zeilen lesen können.

Griechenland wird unweigerlich fallen und der endgültige Bankrott ist nur eine Frage der Zeit - egal wieviel Milliarden die EU noch in diesen Staat buttern wird. Nur, dass es für jene Länder schmerzhaft wird, die für sich selbst benötigten Milliarden einfach hergeschenkt zu haben ...

Wer angesichts dieser Umstände noch an eine Rettung Griechenlands glaubt, wird enttäuscht werden. Griechenland kann nicht gerettet weden und jede weitere Zahlung verlängert nur das Leiden. Wir alle, jeder von uns, wird dies noch spüren!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:




Depression pur! Das griechische Statistikamt (ELSTAT) berichtete heute in der zweiten Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) die detaillierten Daten zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR). Das saisonbereinigte reale BIP wurde für das 1. Quartal 2011 im Vergleich zum Vorquartal, nicht wirklich überraschend, abwärts revidiert, auf +0,2% nach ursprünglich +0,8%. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wurde saisonbereinigt das reale BIP auf -5,5% abwärts revidiert, nach ursprünglich -4,8%. Saisonbereinigt schrumpften die privaten Konsumausgaben um -6,9% zum Vorjahresquartal und die Bruttoinvestitionen sanken um satte -19,2%. (querschuesse.de)

"Griechenland ist insolvent" - Ökonomen fordern Schuldenerlass - Wie geht es weiter mit Griechenland? Europäische Politiker zerbrechen sich seit Monaten darüber die Köpfe. Deutsche Ökonomen bringen nun einen Schuldenerlass ins Gespräch. laut Ifo-Chef Sinn ist Griechenland insolvent. Deutsche Versicherer und Banken trennen sich angeblich in großem Stil von griechischen Staatsanleihen. (n-tv.de)

Griechenlands Lage immer aussichtsloser - Das klamme Mittelmeerland schaffte zu Jahresbeginn nur ein Miniwachstum, wie aus den am Donnerstag vorgelegten revidierten Daten des Statistikamtes hervorgeht. In Brüssel hieß es, dass das Finanzloch des hoch verschuldeten Euro-Staates annähernd 120 Milliarden Euro betrage. 90 Milliarden Euro sollen von neuen Hilfen aus dem Ausland kommen, einschließlich eines Beitrags privater Investoren. Die übrigen 30 Milliarden Euro sollen die Griechen selbst durch die Privatisierung von Staatsbesitz aufbringen. (reuters.com)

Lage "ernst" in Griechenland und Europa - Griechenland benötigt weitere Milliarden. Ohne neues Geld bestehe die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit - "mit schwerwiegenden Risiken für die globale Entwicklung", warnt der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. (kleinezeitung.at)

Griechenland im freien Fall - In Athen droht der Staatsbankrott. Ein neues Rettungspaket soll helfen. Gibt es dazu überhaupt noch Alternativen? (zeit.de)

Barbara´s Nachrichtenüberblick (dasgelbeforum.de.org)





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1 Kommentar:

Aphrodite151122 hat gesagt…

Hallo Johannes,
kennst du den Artikel?
http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2011/06/11/griechisches-gas-%e2%80%93-hochverrat/

LG