Freitag, 10. Juni 2011

Die Wirtschaft erpresst uns alle!

Dass Wirtschaft wichtig ist, steht ausser Frage. Ohne Wirtschaft keine Produktivität, keine Jobs, kein Handel, keine Versorgung, keine Infrastruktur ... nichts. Trotzdem darf der Wirtschaft kein Freibrief ausgestellt werden, dass, wenn sie droht, alles möglich machen kann.

Die Wirtschaft erpresst uns! In vieler Hinsicht! Vor allem in sozialen, umweltbedingten und politischen Bereichen hören wir oft den Satz: "Das schadet der Wirtschaft!" Dann bekommen oft Politiker die Panik und gehen auf die Wünsche der Wirtschaft ein. Wenn ich heute über Wirtschaft schreibe, so inkludiere ich auch die Industrie. Also alle produktiven Wirtschaftszweige, von der Produktion bis zum Handel.

Es ist ein zugegeben schwieriges Thema, eine Gratwanderung. Jedes Land benötigt eine produktive, stabile Wirtschaft die Gewinne erwirtschaftet. Allerdings stellt sich die Frage: "Darf die Wirtschaft alles?" Durch ihre Wichtigkeit und ihren Status erpresst sie uns. Statt sich dem Menschen und der Umgebung anzupassen, verharrt sie in alten, konservativen Strukturen. Sie ist sich ihrer grenzüberschreitenden, enormen Macht bewusst und lässt uns das auch immer wieder spüren.

Besonders in schwierigen Zeiten verfügt die Wirtschaft über einen Freibrief. Dabei werden die Wünsche und Forderungen der Bevölkerung hinten angestellt. Die Wirtschaft verfügt nach Belieben über uns. Aus dieser Abhängigkeit nehmen wir scheinbar alles in Kauf. Tatsächlich benutzt sie uns "nur". Würden wir verweigern, hätte sie ein grosses Problem. Doch das können und wollen wir nicht, denn wir würden freiwillig kein Stückchen unseres Wohlstandes und unserer Bequemlichkeit abgeben. Darum haben wir uns auch in diese Abhängigkeit manövriert, die die Wirtschaft schamlos und selbstüberschätzend ausnutzt.

In der Wirtschaft regiert das System des Shareholder Value. Das heisst, die wichtigsten Interessen jeden Unternehmens, sind jene der Investoren und deren möglichst hohen Gewinne. Klar, sie investieren dort, wo eine Vermehrung ihres eingesetzten Kapitals am Besten funktioniert. Meist ohne die Strategien und Konzepte zu hinterfragen. Also, es geht im Prinzip nur um Geld ... das ist eben Wirtschaft. Zu fordern, dass Nachhaltigkeit, soziale Personalpolitik, Umweltschutz, soziale und regionale Verantwortung (nicht nur den Investoren gegenüber) und innovative, ganzheitliche Unternehmenspolitik zu den Prioritäten gehören müsste, wird bewusst ignoriert. Natürlich, es gibt jene Unternehmen, welche diese Punkte erfüllen. Diese sind allerdings in der Minderheit ...

Bei jeder aufflammenden Diskussion nehmen die Unternehmensvertreter eine klare und unmissverständliche Position ein und drohen mit Entlassungen, und Standortverlegungen, bis hin zur Schliessung von Betrieben. Alternative Lösungen werden oft gar nicht in Betracht gezogen.

Dass viele Betriebe wichtige regionale Faktoren sind, erhöht zwar ihre Macht, meist aber nicht ihre soziale Verantwortung. Billigstlöhne und bewusste Ausnutzung der Arbeitskräfte ist normal. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Denn die Belastungen der Löhne, wie auch der Unternehmen durch den Staat bzw. staatsnaher Unternehmen wie Sozial- und Pensionsversicherungen ist enorm hoch. Zumindest ein halbes Jahr, wenn nicht länger arbeitet man für den Staat, für seine Krankenkasse, für seine Pensionsversicherung, etc. Die Abgabenlast ist unverschämt hoch geworden und der Staat benötigt immer mehr Geld. Die Arbeiter und Angestellten müssen mit immer weniger auskommen. Das Realeinkommen ist in den letzten Jahren weit hinter der Inflationsrate und Geldentwertung zurück geblieben. Trotzdem bezahlen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter möglichst gering. Unternehmensgewinne sind wichtiger, damit die Ausschüttungen an die Investoren und das obere Management geleistet werden können. denn ohne Investoren keine Wirtschaft. Ohne hochbezahlte Manager keine Führung. Ein Teufelskreis, den der kleine Arbeiter ausgleichen muss.

Möglicherweise wäre der Reformwille in der Politik grösser, wenn die Wirtschaft kompromissbereiter wäre. Da es aber viele Länder gibt, wo Umweltschutz und Personalpolitik kaum existieren und Steuerfreiheiten angeboten werden, sind die Drohungen natürlich ernst zu nehmen. Ob ein Unternehmen hier bei uns oder in irgendwelchen Billiglohnländern produziert, ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine politische. In Zeiten der Globalisierung ist der Transport kein Problem mehr, wenn nur die entsprechenden Gewinne erwirtschaftet werden. Shareholder Value, eben - alles für die Investoren ...

So auch jetzt bei der Diskussion Atomkraft ja oder nein. Die wirtschaft zeigt auf, dass dies zu einem grossen Problem werden könnte, wenn wirtschaftliche Ressourcen stillgelegt werden. Dabei übersieht sie, dass durch Innovation, Neuentwicklung und Forschung völlig neue Möglichkeiten geschaffen werden könnten. Denn eines dürfen wir uns sicher sein, die Entsorgung stillgelegter Kraftwerke bezahlt nicht die Wirtschaft, sprich die Atomindustrie, sondern der Staat bzw. jene staatlichen und halbstaatlichen Energieunternehmen, welche die Betreiber sind. Und das ist schlussendlich der Steuerzahler. Wobei diese Kosten astronomische Summen ausmachen werden! Jedenfalls sind die Bilanzen der Wirtschaft, der privaten Unternehmen, dadurch nicht betroffen ...

Die Wirtschaft muss sich dem Menschen anpassen, nicht der Mensch der Wirtschaft. Es darf nicht sein, dass die Wirtschaft den Staat und damit die Bevölkerung erpresst. Die Wirtschaft muss zum Wohle der Menschen da sein, nicht ein kompromissloser Sklaventreiber. Nun ja, es werden viele aufschreien, dass dies nicht funktionieren würde, denn dann würden kaum Investoren Geld geben, wenn die möglichen Renditen nicht mehr so hoch wären. Das ist im Prinzip richtig, doch wenn die Wirtschaft gesamt umdenken würde, wäre es möglich. Doch das ist (noch) eine Illusion, ein Traum. Denn solange unser kapitalistisches, gewinnorientiertes System existiert, wird es keine diesbezüglichen Veränderungen geben. Im Gegenteil, denn der Staat benötigt immer mehr Geld, um seine Schulden bezahlen zu können und holt sich diese dort wo es am leichtesten geht ... bei den Schwächsten. Damit ist in diesen Zeiten jeder froh, überhaupt einen Job zu haben, auch wenn er - real gesehen - immer weniger verdient und die Unternehmen immer mehr an Gewinn erwirtschaften ... und unverschämt Forderungen an die Politik stellen!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Medienschau:




CainesTV: Ein Beamter packt aus - „Meine Loyalität für die Verfassung steht über meiner Loyalität zu meinem Chef." (caineswelt.blogspot.com)

Prof. Wilhelm Hankel: “Wortbruch, Lügen und Volksverdummung” - Ein halbes Jahr nach unserem ersten Gespräch (“Europa verlässt den Boden der Demokratie”) freut es uns, dass sich Prof. Wilhelm Hankel wieder Zeit genommen hat für ein weiteres Interview. Inzwischen ist sehr viel passiert. Hier eine Analyse der Sache mit dem Euro und den Folgen in Wort und Ton ... (rottmeyer.de)

Sie sollten geteert und gefedert werden - Dies ist ein weiteres MUST READ für uns alle! Danke, an Christa, die meine Aufmerksamkeit, durch ihren Kommentar auf “den bösen Wolf” lenkte. Bei direkten Kopien aber, da ziehe ich es lieber vor, wenn zumindest möglich – das ist nicht gegen Lupo oder so gerichtet, ich bin sicher, er verstünde dies – von der Originale Quelle zu zitieren, was in diesem Fall ein “Griechischer Wein” wäre. Das sollten nämlich so viele Menschen, wie nur möglich lesen, verteilt es und diskutiert es mit euren Freunden, Verwandten und/oder Bekannten … Ich gab nur die Bilder dazu. (stevenblack.wordpress.com)

Griechenland: Banken sanieren sich, der Bürger zahlt - Wenn politische Versprechen die gebrochen werden mit Gefängnis bestraft würden, wir hätten die blanke Anarchie und keine Politiker mehr. Griechenland ist mittlerweile zum Fass ohne Boden mutiert und wie wir alle wissen, nur der Anfang. Bereits unser damaliger Bundeskanzler Helmut Kohl stellte fest: “Nach der vertraglichen Regelung gibt es keine Haftung der Gemeinschaft für Verbindlichkeiten der Mitgliedstaaten und keine zusätzlichen Finanztransfers.” (infokriegernews.de)

Banken-Kollaps bei Griechenland-Umschuldung? Wirtschaftsforscher warnt vor Banken-Kollaps bei Griechenland-Umschuldung. Darüber hinaus sei zu befürchten, dass die aus der Umschuldung resultierenden Abschreibungen im Finanzsektor „destabilisierende Schäden“ verursachen. (mmnews.de)

Finanzpanik an Wall Street kann jederzeit ausbrechen - Geplante Massenentlassungen bei den Großbanken, explodierende Energiepreise, katastrophale Wirtschaftsmeldungen und das sinkende Verbrauchervertrauen – die Parallelen zwischen den bisherigen Entwicklungen des Jahres 2011 und dem Krisenjahr 2008 sind frappierend. Die Hinweise mehren sich, dass an Wall Street jetzt jederzeit eine vollumfängliche Finanzpanik ausbrechen kann. (propagandafront.de)

Fed-Anwalt: Die US-Notenbank verfügt seit 1934 über kein Gold mehr - Im Rahmen einer aktuellen Kongress-Anhörung erklärt ein Vertreter des Federal Reserve Systems, dass die amerikanischen Goldreserven an das US-Finanzministeriums übertragen wurde und die Fed nicht über das Gold verfüge. (goldreporter.de)

Finanzkrise: USA zittern vor neuer Rezession - Die Zahl der Arbeitslosen bleibt hoch, der Konsum niedrig. Ökonomen glauben, die USA könnten in eine neuerliche Rezession fallen – oder wie Japan viele Jahre in einer Stagnation verharren. Eine Eigenschaft zeichnet US-Amerikaner mehr aus als jedes andere Volk der Welt: Optimismus. Das Land lebt von der Zuversicht seiner Bewohner. Wenn daher, wie im April in einer Gallup-Umfrage erhoben, 57 Prozent glauben, dass die USA in einer anhaltenden Depression oder gar Rezession sind, dann hat das Auswirkungen auf die konsumgetriebene Wirtschaft. Und diese könnten dramatisch sein: Die Sorgen vor einem „Double-Dip“-Crash, also einem zweiten Crash nach dem Crash, nehmen zu. (fbkfinanzwirtschaft.wordpress.com)

US-Insolvenz kein Problem? IW-Chef Hüther sieht in US-Zahlungsausfall geringes Risiko für die Weltwirtschaft. „So sehr die USA wichtige Impulse für die Weltwirtschaft setzen, so sollte aber auch nüchtern gesehen werden, dass die Emerging Markets eine eigene wirtschaftliche Dynamik unabhängig davon besitzen“. (mmnews.de)

Warnung aus China lässt Dollar-Kurs einbrechen - Ein einzelner Artikel versetzt Anleger in Aufruhr: Ein hochrangiger Beamter aus Peking moniert, die Dollar-Reserven seines Landes seien zu groß - die US-Währung verliert massiv an Wert. Dann verschwindet der Text wieder aus dem Internet. (spiegel.de)

Augen auf, beim Häuserkauf – Oder: Trau keinem Fuchs auf grüner Heid ... Nicht nur, daß sich immer noch so viele Deutsche von einer Schildkröte Bundeswert(-los)papiere andrehen lassen, nein! Wer auch noch darauf reinfällt, sich ausgerechnet von einem Fuchs einen Bausparvertrag oder dergleichen aufschwatzen zu lassen, der muss sich am Ende nicht wundern, wenn er ohne Hosen dasteht. Denn nicht umsonst ist es doch schon in der Antike der Fuchs, der dem einfältigen Raben den Käse abluchst. Wer sich heute noch als Hausbesitzer und Gewinner der Krise feiert, dem wird es bald nicht anders ergehen. (derhonigmannsagt.wordpress.com)

EHEC: Das Imperium schlägt zurück II - Der vierte und vermutlich letzte Teil der EHEC-Erklärung von Wunschfilme.net ist nun erschienen. Wir möchten Ihnen diesen nicht vorenthalten. (infokriegernews.de)

EHEC: Bauern warnen vor Gemüse-Gau - "Schlimmste Krise seit Tschernobyl": Die Gemüsebauern stehen durch EHEC vor einem Kollaps. Brüssel will 150 Mio. Euro bereitstellen. (kurier.at)

Kernschmelze offenbar schlimmer als befürchtet - Ungeachtet des nuklearen Desasters in Fukushima hält Japan an seinem Atomkurs fest: Die Regierung plant, heruntergefahrene AKW wieder in Betrieb zu nehmen, um Stromengpässe zu vermeiden. Derweil wurde bekannt, dass die Kernschmelze möglicherweise schlimmer war als bisher angenommen. (spiegel.de)

Barbara´s Nachrichtenüberblick (dasgelbeforum.de.org)





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1 Kommentar:

der_caine hat gesagt…

Hallo!

Wirtschaft = Ökonomie ist ein komplexes Thema. Ich habe bis zu meinem 14 Lebensjahr im Sozialismus gelebt (DDR). War nicht schön, kein Paradies...

Beobachte ich heute mein Umfeld etwas genauer, muss ich feststellen, Europa bewegt sich ganz still und leise wieder in Richtung Planwirtschaft (Sozialismus).

Eine Minorität von Lobbyisten und Beamten bestimmt zusehens wie ich zu leben habe, was ich zu denken habe und was ich zu konsumieren habe. Eine bedrohliche Entwicklung...

Grüsse, aus dem Südharz, derCaine