Mittwoch, 2. März 2011

Das nachrevolutionäre Chaos wird explodieren!

Was man jetzt, vor allem in Tunesien erkennen kann, sind die Zerstörung letzter Strukturen und der freie Fall in ein hochexplosives Chaos. Jedwede Einnahmequelle steht still - allen voran der Tourismus.

Laut Augenzeugenberichten ist die staatliche Ordnung völlig zusammengebrochen, der Staat funktioniert trotz Nachfolgeregierung absolut nicht und ein Ende des Chaos ist kaum zu erwarten ...

Ähnlich bewegen sich die Zustände auch in Ägypten in diese Richtung, allerdings nicht so schnell und nicht so drastisch. Doch mit dem Zusammenbruch des Tourismus, der sowohl in Tunesien wie auch Ägypten eine sichere, stetige und wichtige Einnahmequelle und Arbeitsplatzsicherung war, fehlen in beiden Ländern eine der wichtigsten Säulen der Wirtschaft.

Flüchtlinge aus Tunesien treffen zu Tausenden in Lampedusa, der italienischen Mittelmeerinsel, ein. Ihr Land bietet keine Zukunft, keine Perspektiven und keine Einnahmen mehr. Noch viele Tausende mehr werden erwartet.

Trotzdem die Lage absolut chaotisch und teilweise, wie in Libyen, völlig unübersichtlich ist, will die Mehrheit der Menschen die Situation, vor allem in politischer Hinsicht selbst regeln und verbieten sich einen Eingriff der USA oder Europas. Der Revolutionsprozess und der Sturz der diktatorischen Regime - die alle "west- bzw. USA-freundlich" waren, ist ihre ureigene sache und Militärtruppen aus Europa oder Amerika würden die ohnehin schon explosive Stimmung nur unnötig erhöhen.

Der Westen ist aber besorgt! Nein, nicht um die Menschen, sondern um das Öl, das wir benötigen, um unseren Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Nervosität liess den Ölpreis steigen. Doch niemand weiss, wo diese orientalische und nordafrikanische Revolution fortgesetzt wird. Demonstrationen, Ausschreitungen und Zusammenstösse mit Polizei und Militär gab es schon in Jemen, Bahrein und Algerien. In keinem Land dieser ohnehin sensiblen Region kann Entwarnung gegeben werden, der Virus des Volksaufstandes und der Volksrevolution hat sie alle schon befallen. Die Bevölkerung träumt von einem freien Leben ohne Einschränkungen und Zensuren, mit Bildung und Jobs, mit Wohlstand und Sicherheit.

Doch bei Revolutionen, wie wir sie derzeit sehen, werden alle Strukturen zerstört. Waren Länder wie Ägypten vom Westen und ihren Geldern (vor allem aus der USA) abhängig, so stellt sich die berechtigte Frage, ob diese in Zukunft auch noch fliessen werden. Ägypten ist, nicht zuletzt durch den Suezkanal und seinem Nachbarstaat Israel strategisch von immenser Bedeutung im Nahen Osten. Es gibt Experten, die sagen, die USA könne sich das Chaos und die damit verbundene Schwäche Ägyptens zunutze machen und sich den Suezkanal unter den nagel reissen. Der Suezkanal ist tatsächlich nicht nur das sprichwörtliche Nadelöhr sondern auch der strategisch wichtigste Ort im Nahen Osten. (Suezkanal bei Wikipedia)

Die Nervosität am Ölmarkt wird jedenfalls bleiben, denn niemand kann heute voraussagen, wie sich die Situation entwickeln wird. Logisch-rationelle Argumente haben ausgedient, jetzt geht es den Menschen um emotionale Gründe. Zu erwarten ist jedenfalls, dass es immer mehr Diktatoren und Regierungen, aber möglicherweise auch in Frage gestellte Monarchien, gibt, die sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren werden ... so wie Gaddafi es permanent ankündigt. Und Waffen haben diese Typen genug!

Mit Tunesien wurde die Büchse der Pandora geöffnet. Der Virus der Revolution befällt immer mehr Staaten. Geordnete, strukturelle Oppositionen gibt es kaum. Die Machthaberer versuchten, diese möglichst auszuschalten, damit sie nicht gefährlich werden können. Das rächt sich nun und reisst leider auch jene Türen weit auf, durch die radikale Dogmatiker und Populisten kommen können und vermutlich die chaotische Situation ausnützend, auch kommen werden. Dabei ist gar nicht einmal so sicher, dass dies radikale, moslemische Fundamentalisten sind! Denn jene von uns akzeptierten und unterstützten Diktatoren war auch nicht der Glaube zu Gott, sondern wie man an Hand der Summen, die jetzt publiziert werden, der Glaube zu Reichtum wichtiger - ja, ja, weitgehend im Sinne Allahs, oder?

Dass die Situation südlich des Mittelmeeres explosiv ausarten kann, befürchte ich sehr. Dass dabei auch durch mögliche Einmischungen westlicher Militärmächte zur Sicherung der Ölproduktion der Weltfriede gestört wird ist ebenfalls zu befürchten. Der übrigens sowieso nicht existiert, weil ständig irgendwo Kriege geführt werden ... Und dass es möglicherweise skrupellose Staaten bzw. Regierungen gibt, zB. Israel, welche die Situation zum eigenen Vorteil mit militärischen Operationen ausnützen können und damit die gesamte Lage noch brisanter machen, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Ich befürchte, dass die Situation im Nahen Osten noch in diesem jahr völlig ausser Kontrolle gerät, einige westliche Staaten wegen des begehrten Erdöls in einen Krieg hineinziehen wird und einen Flächenbrand in Gang setzen wird, der kaum zu löschen sein wird!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



China läutet das Ende der Dollar-Herrschaft ein - Überraschend schneller Befreiungsschlag. Pekings Notenbank verkündet, dass der gesamte Außenhandel noch dieses Jahr in Yuan abgewickelt werden kann. (welt.de)

Web 2.0: Droht zweite Dotcom-Blase? Viele Firmen sind noch nicht an der Börse notiert - doch Anleger wetteifern bereits um Anteile des Web 2.0, hohe Rendite geht vor Sicherheit. (kurier.at)

Der zivile Ungehorsam der Griechen - In Griechenland hat sich eine „Ich zahle nicht“ Bewegung formiert, die immer grösseren Zulauf findet. Viele Griechen sind nicht bereit die sogenannten „Sparmassnahmen“ zu akzeptieren, die darauf hinauslaufen, sie sollen für die Schuldenwirtschaft der Politiker und Bankster zahlen, durch höhere Steuern, Gehalts- und Renten- kürzungen und durch Erhöhung der Gebühren für öffentliche Dienstleistungen. Es hat sich eine Verweigerungshaltung eingestellt, die am deutlichsten bei der Nichtbezahlung der Strassenbenutzungsgebühr sich ausdrückt. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Es könnte zum Weltkrieg kommen ... entschuldigt bitte den reißerischen Titel aber meine Nachbarin ist Ministerialbeamtin (i.R.) - sie besitzt in Tunesien, seit 12 Jahren, ein Haus und dort lebte sie für 6 - 8 Monate im Jahr. Gestern traf ich sie im Hausflur, da kam sie gerade vom Flughafen. Im Gesicht war der blanke Schrecken zu sehen da sie es gerade noch so aus Tunesien heraus geschafft hat, ihr Auto wurde auf dem Weg zum Flughafen angegriffen. Viele Straßen/Schnellstraßen sind mit hunderttausenden Flüchtlingen verstopft weil diese dort überall campieren. (dasgelbeforum.de)

kostenloser Counter