Dienstag, 14. September 2010

Von Kalifornien in die Steiermark

Das steirische Ennstal im Herbst. Ich war am Wochenende in der Obersteiermark. So wie dort der Frühling um zwei Wochen hinter Graz her hinkt, so sind sie im Herbst meist um zwei Wochen früher dran. Wir, in der Landeshauptstadt verspüren geringen, aber doch deutlichen mediterranen Einfluss, aber das Ennstal liegt im Hochgebirge.

Der September begann heuer so, wie man sich den Herbst vorstellt. Als würden Maler auf den bewaldeten Berghängen jedes Blatt einzeln aus einer vielschichtigen Palette wunderbar aufeinander abgestimmten Farben bekleckern. Fast kitschig, impressionistisch wird dieser Farbenrausch täglich mehr und mehr. Die Luft ist lau und vollkommen klar. Oben auf den Bergen hast die beste Fernsicht des Jahres. Bis rüber zu den Hohen Tauern sieht man und sie scheinen näher zu sein, als den Rest des Jahres. Viele Lärchen stehen im Ennstal, das sind jene Nadelbäume, die im Herbst besonders golden glänzen und später ihre nadel verlieren. Bis sie im Frühjahr wieder in einem besonders zarten Grün neu austreiben. Ab und zu sieht man auch noch Schneefelder, die sich erst im August gebildet haben. Die Abende sind kühl und am Morgen treiben Nebelschwaden durchs Tal. Es ist wahrscheinlich die schönste Zeit im Jahr, obwohl, das kann man von jeder anderen Jahreszeit auch behaupten ...

Ich lerne eine Frau aus der Umgebung kennen, die erst kürzlich nach fast 15 Jahren aus der USA zurück gekommen ist. "Bei dem, was drüben erwartet wird, fühle ich mich zu Hause in Österreich sicherer!" Naiv frage ich, was denn erwartet wird? "Wir waren in Kalifornien. Es war eine wunderschöne Zeit, wie im Film! Doch seit einigen Monaten macht sich Hoffnungslosigkeit und Wut breit. Die Wirtschaftskrise hat Kalifornien am Rande des Ruins gebracht. Du musst dir vorstellen, die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt ist pleite. Bald, so sagen viele, ist es aus. Aus einem Traum wurde ein regelrechter Albtraum, oder wie mein Mann sagt, der American way of Life wurde zur Road to Hell ..." Was so schlimm sei, fragte ich nach, denn Arbeitslosigkeit, ausufernde Staatsverschuldung und Sparprogramme gibts bei uns auch. "Ja, aber die Amerikaner waren immer in allem was sie taten extremer, also auch hierbei. Bis vor kurzem glaubte noch keiner an die wirklich grosse Krise und Depression, mittlerweilen glaubt keiner mehr daran, dass sie unbeschadet wieder heraus kommen werden. Hatten viele bisher Angst vor Terror, so haben sie heute Existenzangst. Wenige glauben der Regierung und den Medien, denn in jeder Familie gibt es Betroffene, die entweder Job, Haus oder die komplette Existenz verloren haben. Die Kriminalität steigt enorm, doch nicht jene von früher, sondern eine ganz neue, für Kalifornien völlig unbekannte Kriminalität. Die Leute stehlen und rauben um Überleben zu können. Da helfen auch die Lebensmittelmarken kaum. Die Krise ist im Volk angekommen und hat gleich eine Bauchlandung vollführt und reisst alles mit ..." Wann habt ihr daran gedacht, wieder nach Österreich zu gehen, frage ich sie? "Voriges Jahr im Herbst. Mein Mann hat einen gutbezahlten Job in der Computerbranche gehabt, aber plötzlich war die gesamte Branche in der Krise. Auch sein Job wackelte. Ende Mai hatten wir mit viel Glück das Haus verkauft, dann hat mein Mann gekündigt, wir haben unsere Sachen gepackt und wollten noch in den Sommerferien übersiedeln. Der Container ist noch nicht da, aber unsere Kinder gehen im September erstmals in eine österreichische Schule. Das amerikanische Bildungssystem ist ja eine totale Katastrophe, nur in Eliteschulen sind die Zustände besser. Eine noch grössere Katastrophe ist das Gesundheitssystem, kaum leistbar für Normalmenschen. Und ein Sozialsystem gibt es eigentlich nicht. Diese Mankos hat kaum wer beachtet, solange die Wirtschaft halbwegs geboomt hat, doch seit diese eingebrochen ist, greift das Chaos um sich. Deshalb haben wir befunden, dass Europa viel mehr Ressourcen hat, auch in der Krise oder vielleicht gerade deswegen. Die Vereinigten Staaten können die Probleme nicht mehr lösen, sie sind einfach zu gross!" Und hier glaubt ihr der Krise entkommen zu können? "Nein, das nicht, aber die Auswirkungen werden viel milder ausfallen. Hier ist ja von Krise überhaupt noch nichts zu spüren! Sicher, sie wird auch hier für tiefgreifende Veränderungen sorgen, doch zu dem Zeitpunkt wo Amerika schon brennen wird, wird es hierzulande noch nicht so weit sein. Ist sicherer hier!" ... und sie grinst lautlos in sich hinein, trinkt einen Schluck Kaffee und starrt in den blauen, wolkenlosen Himmel: "Hier in Europa sieht man die momentanen Verhältnisse in den USA ein wenig differenzierter und kritischer, man macht sich auch mehr Gedanken, was kommen wird. In den Staaten wird fast alles an News kritiklos und kommentarlos hingenommen - im Bewusstsein, dass die Realität ein wenig anders ist. Die Menschen leben zerrissen in der Zwickmühle zwischen einer irrealen und einer realen Welt. Aber doch wird den Aufschwunglügen und versteckten Durchhalteparolen kaum mehr Glauben geschenkt. Sie, die Amerikaner, wissen zwar nicht, wie es um sie steht, aber sie ahnen es. Die Götter aus den Grossbanken haben jedenfalls sehr an Image und Reputation eingebüsst." Und unser Terminator im sonnigen Kalifornien? "Schwarzenegger hat auf Grund der Budgetsituation relativ früh erkannt, dass das Land in extremen Schwierigkeiten ist. Er ist aber weder ein Wunderwuzzi, noch einer jener Figuren, die er als Schauspieler verkörpert hatte. Und vor allem reden viel zu viele Leute mit, zum Beispiel die mächtigen Gewerkschaften, die in den letzten Monaten sich als wahre Blockierer gezeigt haben. Kalifornien und die gesamte USA sind ja nur mehr eine Dienstleistungsgesellschaft. Alle Markenware, die du kaufst, kommt aus Asien, egal ob Apple, Nike, Levis oder andere. Die Amerikaner produzieren nichts mehr, ausser Autos, Flugzeuge, Rüstungsgüter und Lebensmittel. Alles andere muss importiert werden! Sie kochen nicht einmal selbst, sondern wärmen nur Fertigprodukte auf. Sie können gar nicht kochen! Auch Salate sind fertig zu kaufen, samt Dressing ..." "Aber es war trotzdem eine schöne, erlebnisreiche Zeit. Nur jetzt braut sich drüben was Gigantisches zusammen. Einige glauben, das könnte das Ende der USA sein, wenn das Volk erst munter wird und draufkommt, wie viel Geld in Kriege und Militär gesteckt wurden und wie wenig im vergleich man für die eigenen Leute ausgegeben hat. Die Staaten werden von Konzernen, Lobbies und vor allem der Wall Street regiert. Wir, mein Mann und ich, glauben, das wird in einem Bürgerkrieg oder ähnlichem enden. das Volk wird sich auflehnen, aber die da oben werden freiwillig kaum etwas von ihrer Macht abgeben wollen. Ja, uns ist es zu unsicher, zu gefährlich geworden, drum sind wir wieder nach Österreich gekommen. Nur an die kleinen Autos hier muss ich mich erst wieder gewöhnen ..." ... und lacht laut auf. Ich frage sie, wie sie es schafften, ihr Haus zu verkaufen. "Es ist nicht so, dass keine Häuser mehr gekauft werden, nur lange nicht mehr so viele wie früher. Auch die Kredite dafür werden äusserst restriktiv vergeben. Wir haben seit Jänner unser Haus zum Verkauf angeboten, lebten aber weiterhin darin und das war wichtig. Zuviele Häuser stehen leer und wenn sie nicht mehr bewohnt sind, werden sie auch kaum mehr verkauft. Ausserdem lebten wir in einem Viertel südlich von san Francisco, wo die Infrastruktur noch halbwegs funktioniert. Die meisten, die dort leben, arbeiten in der Computerbranche und da gibt es noch einige Unternehmen die sogar noch gute Leute suchen. In anderen Branchen sieht die Lage viel ärger aus. Unser Viertel wird ausserdem von einem eigenen privaten Sicherheitsdienst bewacht und gilt als sicher. Dort gibt es kaum Kriminalität. Aber wir mussten beim Preis schon nachgeben, die Immobilienpreise sind ja ziemlich gefallen. Auch unsere Kinder sind in Privatschulen gegangen, die wesentlich besser sind als die öffentlichen Schulen. Aber gut, jetzt sind wir wieder hier und müssen uns erst daran gewöhnen, hier läuft ja alles viel langsamer, fast gemütlich, gegenüber Kalifornien. Und das ist wahrscheinlich auch besser so!" Was werdet ihr jetzt machen? "Mein Mann verhandelt derzeit mit drei Softwarefirmen wegen einer Anstellung, das sieht recht gut aus. Uns ist ein wenig Geld übriggeblieben, also haben wir auch keinen grossen Zeitdruck. Wir haben ein kleines Haus gemietet und einen kleinen Gebrauchtwagen gekauft (Anmerkung: VW Golf), der ist ja so putzig. In Kalifornien fuhr ich einen grossen Jeep und mein Mann einen Van ..." Geht dir etwas ab in Österreich? "Ja natürlich, weil hier das Leben doch ganz anders läuft. Hier muss ich kochen, hab´ keinen Pool im Garten und das Meer ist sehr weit weg. Aber dafür ist das Essen besser und ich treffe wieder viele Freunde von früher ..."







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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Kommentare:

Naguziel hat gesagt…

Leider sehr unwahrscheinlich das die USA verschwinden wird. Und noch viel unwahrscheinlicher das das was uns danach erwartet für die Welt besser sein wird. Ich sage nur Nordamerikanische Union und Amero, größerer Staat, mehr Geld, mehr Macht.
Aber spannend wird das in jedem Fall.

Colombelle hat gesagt…

Nun ja es ist nirgendwo besser als Zuhaus.
Würd ich mal sagen.
Ich wollte auch mal ende der achziger in die States auswandern.
Aber meine Mutter sagte mir,der Hund muss da fressen wo er angeleint ist.
Naja keine schönen worte,aber ich bin ihr heute dafür dankbar dass sie mir den Wurm ausgeredet hat.
Dass die Amis nicht kochen können ist nicht erst seit gestern so.
Und das wird ein böses erwachen geben!
Dass sie in allem extrem sind,wissen wir nur all zu gut.

" Die Staaten werden von Konzernen, Lobbies und vor allem der Wall Street regiert."
Und von ISRAEL!

Na dann lasst uns mal hoffen dass es ein schnelles Ende haben wird mit der faschistischen Weltpolizei USA.
Ich habe nähmlich dann die kleine hoffnung dass der Israeli-Kampfpudel USA den Iran nicht angreifen wird.
Was für den einen ein Fluch ist,ist für den anderen ein Segen!