Mittwoch, 25. August 2010

Email aus Chicago ...

Ich lese schon seit längerer Zeit Ihren Blog Schnittpunkt2012. Ich bin gebürtiger Österreicher (Burgenland) und seit über 30 Jahren in Chicago/Illinois.

Hier im Norden spürt man die Krise in den Staaten am meisten. Illinois ist bankrott, ebenso die grossen Städte. Die Arbeitslosigkeit wächst enorm und die Menschen sind immer hoffnungsloser. Oft, so hört man, werden Arbeiter per Telefon oder SMS gekündigt. Es gibt keine Kündigungszeiten, so dass diese Menschen von heute auf morgen auf der Strasse stehen. Hoffnung auf einen neuen Job gibt es nicht. Sollte der seltene Fall eintreten und eine Arbeitsstelle ausgeschrieben werden, so gibt es oft einige Tausend Bewerber.

Ganze Stadtviertel stehen leer. Dort können sie für wenig Geld ganze Strassenzüge kaufen. Meist, noch bevor die Menschen wegziehen, weil sie die Häuser nicht mehr bezahlen können, schliessen auch die Geschäfte. Es gibt dann keine Infrastruktur mehr. Wenn es wirklich noch Familien gibt, die dort wohnen, müssen oft bis zu 30 km fahren, um einen noch nicht geschlossenen Supermarkt oder eine Shopping Mall zu finden. Viele der leerstehenden Häuser werden von Obdachlosen, Drogensüchtigen (die bei uns ein Riesenproblem sind) und Asozialen besetzt und meist auch verwüstet.

Sie können fast stundenlang mit dem Auto zwischen aufgelassenen Industrie- und Gewerbeanlagen fahren, wo Fabriken, Lagerhallen, Shopping Malls und Einzelgeschäfte verfallen. Es ist ein trauriges Bild, das die Hoffnungslosigkeit unterstreicht.

Es ist ein Kommen und Gehen. Viele Familien, die ihr Haus nicht mehr halten können, geben es einfach auf, schicken die Schlüssel per Post zur Bank und ziehen hoffnungsvoll in einen anderen Bundesstaat. Doch die Lage ist überall beschissen und hoffnungslos.

Vor Chicago gibt es viele Zeltstädte, wo ganze Familien in Zelten und Wohnmobilen, auch alten Vans leben. Mit viel zu wenig sanitären Einrichtungen. Wasser wird mittels Gartenschläuchen hingeleitet oder es sind mit Glück Hydranten vorhanden. Nicht selten sieht man primitive, selbstgebaute Latrinen und Dusch- bzw. Waschvorrichtungen. Es sind alles Lebensmittelkartenempfänger, kaum jemand von ihnen hat noch einen Job, ausser tageweise irgendwo aushelfen.

Die Kriminalität explodiert richtig, die Polizei ist völlig überfordert und reagiert oft auch sehr brutal. Nach dem alten Gesetz des Wilden Westens: "Zuerst schiessen, dann fragen!" Die Stimmung dreht sich immer mehr und vor allem immer offener gegen Obama und seine Politik. Man traut ihm nicht mehr zu, die Lage in den Griff zu bekommen.

Selbst in den Städten, auch in Chicago, liest man permanent von Abverkauf (Sale), die Geschäfte geben hohe Rabatte und doch sind kaum Menschen drinnen, die wirklich kaufen. Nur in Gegenden, wo die Besserverdiener leben und arbeiten, merkt man von der Krise noch wenig.

Aber am Land und in den kleineren Städten versuchen die Bürgermeister alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, zu verkaufen - Parkhäuser, Gemeindeflächen. Überall liest man zu vermieten, zu verkaufen ... Und Gemeindebetriebe wie Polizei (Sheriff) und Feuerwehren werden auf ein Minimum reduziert. Niemand glaubt mehr die offiziellen Arbeitslosenzahlen, weil mittlerweilen jede Familie davon betroffen ist. Selbst sicher geglaubte Jobs werden wegrationalisiert. Hat man das seltene Glück, einen neuen Job zu bekommen, so ist die Bezahlung sehr, sehr schlecht.

Wir haben südlich von Chicago viel Landwirtschaft, es wird hauptsächlich Mais und Sojabohnen angebaut. Viele der Landwirte kämpfen durch das genmanipulierte Saatgut und die extremen Spritzmittel mit den immer stärker sich ausbreitenden Super-Unkraut (Superweeds), das gegen alles bekannte resistent ist. Viele Felder müssen aufgegeben werden, weil sie nicht mehr bearbeitet werden können. Entlang der 55er von Chicago nach Springfield, sind rund ein Viertel aller Ackerflächen aufgegeben, dort wächst Unkraut wie ein riesiger, dichter Wald.

Ich habe selbst mit meiner Frau ein kleines Lokal an der Peripherie Chicagos. In unserer Strasse waren vor einigen Jahren mehr als 20 kleine Kneipen, Pizzarias und Cafes. Heute sind nur mehr drei geöffnet. Wir selbst leben hauptsächlich von anderen ehemaligen Österreichern, meist Burgenländern, die mein Lokal als Treffpunkt benutzen. Das Geschäft ist zurück gegangen, aber ohne meine Stammkunden hätte auch ich schon zusperren müssen.

Zwei riesige Probleme sind Drogen und Kriminalität. Abends auszugehen, kann gefährlich sein. Mein Lokal wurde im letzten Jahr zweimal überfallen, jedesmal wegen ein paar hundert Dollar. Die Menschen bewaffnen sich wieder. Ein Freund, ebenfalls aus dem Burgenland und ebenfalls seit über 30 Jahren in Chicago, hat einen Waffenshop. Er erzählt von Rekordumsätzen! Übrigens diee österreichische Glock-Pistole ist eins der Lieblingsspielzeuge der Amerikaner, die gehen weg, wie warme Semmeln (ich glaube, so sagt man!).

Wer sich´s leisten kann, deckt sich mit Lebensmittel ein. Auch in meinem Lokal ist das Gesprächsthema die Krise und wie es weitergehen wird. Survivalkurse und -camps sind ausgebucht, viele wollen lernen, wie man Gemüse und Obst anbaut, wie man Kleintiere zur Nahrungsmittelversorgung züchtet und wie man sich schützen kann. Ich glaube, das ist so ähnlich, wie ihre Krisencamps.

Wir sind endgültig in der Depression gelandet, wenn das Volk nur mehr Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit verspürt. Ich habe in den letzten Monaten oft darüber nachgedacht, wieder nach Österreich zu gehen. Aber ich habe all meine Freunde hier und kenne niemanden mehr im Burgenland. Vor 5 Jahren habe ich meine Heimatstadt das letzte Mal besucht. Euch geht es, wie ich aus den österreichischen Medien heruaslesen kann, ja noch ganz gut. Scheint Kreisky doch recht gehabt zu haben, mit dem Ausspruch: "Österreich ist eine Insel der Seligen!". Ihr würdet einfach nicht glauben, welche Zustände hier in Illinois herrschen! Gott schütze Euch! Uns (Amerika) glaube ich, hat er schon verlassen!

Frank Weissmann (früher Franz Josef Weißmann)

Text einer Email an schnittpunkt2012@gmail.com. Danke Frank Weissmann!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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Fed stemmt sich gegen Publikation der Bailout-Dokumente (wirtschaftsfacts.de)

Pentagon mit USB-Stick aufs Kreuz gelegt (kleinezeitung.at)

Feuertornado wirbelte durch Amazonasgebiet (kleinezeitung.at)

Permakultur – Tipps und Tricks für mehr Autarkie (gesundheitlicheaufklaerung.de)



Alles wird gegenüber Gold entwertet werden - Max Keiser: "Jeder, der sagt, dass sich Gold in einer Blase befindet, spricht idiotisches Zeug." - "Die Wall-Street-Banken mit ihren Kreditausfall- versicherungen, ihrem Hochfrequenz-Computerhandel und ihrem betrügerisch-fingierten Market Making injizieren das Äquivalent von finanziellem Zyklon B in die amerikanische und globale Wirtschaft." (mmnews.de)

Das beste Goldinterview des Jahres 2010 - Vieles von dem, was heute als "Insider-Information" gilt, erscheint verschwörerisch oder hochgradig spekulativ. Echte Insider-Informationen sind nur schwer zu bekommen. Daher ist das Folgende eine erfrischend offenherzige und ungeschnittene Version meines Gesprächs mit jemandem, der die undurchschaubare und unverstandene Welt der Goldanlagen, Münzen und Bullionhändler aus erster Hand kennt.
Wenn ich normalerweise ein Unternehmen für eine mögliche Empfehlung in Betracht ziehe, diskutiere ich ausgiebig mit dem Management. Während einer dieser Untersuchungsprozeduren kam ich mit Andy Schectman von Miles Franklin ins Gespräch - und hörte einige beunruhigende Berichte über das Angebot, die jeder Anleger hören sollte.
Andy ist ein Bullion Verkäufer, daher dürfen Sie seine Worte nicht völlig für bare Münze nehmen. Andererseits könnte Sie das, was er Woche für Woche beobachtet und was er aus den höchsten Kreisen der Industrie zu hören bekommt, doch dazu bringen, nicht nur seine Worte, sondern auch Ihren eigenen Bestand an Anlagemetall auf die Goldwaage zu legen. (goldseiten.de)

Staat im Staat - Finanzämter außer Kontrolle - Knapp 130 Milliarden für Griechenland, 1,5 Milliarden Hermesbürgschaft für ein marodes Kernkraftwerk in Brasilien, 30 Milliarden für die HSH Nordbank - Deutschland braucht Geld. Und holt es sich beim Mittelstand. Gnadenlos werden Kleinunternehmer in den Schraubstock gespannt und mit abenteuerlichen Konstruktionen zu Nachzahlungen erpresst. Da sollen Gastronomen ihren Kaffee selbst verzehrt, Tanzlehrerinnen ihren 700 Euro teuren Fiat nicht dienstlich genug genutzt haben und renommierte Filmemacher ihren Schnittplatz zu Hobbyzwecken gekauft haben. Und um den dubiosen Forderungen Nachdruck verleihen, sperrten die Finanzämter die Konten der Betroffenen. Kosten je Fall: ca. 400 Euro, Dauer der Freischaltung elf Tage, ein Schaden, auf dem der Steuerzahler sitzen bleibt, von der Peinlichkeit seines Bankberaters gegenüber ganz zu schweigen. (readers-edition.de)

Nachschlag - Eine Steigerung des Outputs der industriellen Produktion erfordert einen entsprechenden Anstieg beim Massenkonsum. Das deutsche Exportmodell ist in der Hinsicht fragwürdig, weil das erforderliche zusätzliche mehr an Konsum um den eigenen Output abzusetzen, auf Grund der schwachen Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen im eigenen Land nicht generiert werden kann. Stattdessen setzt die Strategie auf die Nachfrage im Ausland. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Die Wiedergeburt der Lüge - In den USA greift eine antiislamische Stimmung um sich. Angeheizt und gewissenlos ausgeschlachtet wird sie von den Republikanern. (bernerzeitung.ch)



SCHNITTPUNKT:2012-Krisencamps am Reisslerhof

Freitag 10. 09. bis Sonntag,12.09. 2010
Freitag 24. 09. bis Sonntag 26. 09.2010


jeweils von Freitag 14 Uhr bis Sonntag 14 Uhr!

Wie funktioniert einfache Trinkwasseraufbereitung?

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Kommentare:

navigatorc hat gesagt…

Hallo Johannes
Bist Du sicher das Du mit dem Mail nicht veräppelt wurdest ?
Wie auf den ziemlich aktuellen pics zu sehen, alles super.
Neue Autos, Shopping bis der Arzt kommt, Großinvestitionen,..., alles propper.


Bike Ride on The Illinois Prairie Path
http://www.youtube.com/watch?v=Lw5Fs4xaRsM

Illinois State Fair tour 2010
http://www.youtube.com/watch?v=9khg7fm7hBg

News Update: Exelon to Make $4.6B Investment in Illinois
http://www.youtube.com/watch?v=LUa16LSMbSw

Adrian hat gesagt…

Es ist vielleicht nicht so krass wie beschrieben,aber in den states gehts mit dem Yes we can tatsächlich Flussabwärts.
Und bald kommt der Wasserfall.

Hasenfleisch hat gesagt…

Erschreckend das zu lesen. Erstmal Recht herzlichen Dank an Herr Weissmann. Würde mich über updates freuen.

@navigatorc, auf dem ersten Schein sieht es so aus. Heute vor 5 Jahren ,wurde New Orleans von Kathrina heimgesucht. Kostete über 1500 Menschen das Leben und zich Milliarden Dollar.

Das Problem dabei ist, das die Kameras nur die Innenstadt zeigen wie alles neu ist und die Menschen wieder lachen. Das gilt für ALLE US Großstädte. Fährt man aber mal an den Stadtrand oder in die Elendsviertel Herr im Himmeldenkst ,man denkt, man sei in einem dritte Welt Land. In New Orleans z.B. hausen die Menschen denen Versicherungen und Staat nicht halfen bzw. helfen unter Freeways. Richtige Zeltstädte sind das, und dafür brauch ich nicht Kathrina sondern das ist in den Großstädten und bald auch in den kleinen Altag. Das ist heftigst was man da sieht. Die Leute werden von allem und jeden allein gelassen . Hier ein Artikel von Welt Online.

http://www.welt.de/wirtschaft/article4914589/Jeder-sechste-US-Buerger-unter-der-Armutsgrenze.html


Nun kann man auch verstehen warum die USA überall da einfallen wo es Erdöl gibt bzw. vermutet wird. Stellen wir uns vor das schwrze Gold ginge für die USA zu Ende und auch gleich noch die Waffenindustrie. Ja was dann mit THE AMERICAN WAY OF LIFE????

Die USA schreien immer und immer wieder wir schaffen es ,wir haben es immer geschaft. Jaja aber man sieht ja wie sie es schaffen.

Irgendwann wird es so sein das man nur noch in den Großstädten wohnen kann, weil das die einzigen Orte sein werden die sicher sind. Und übers Land ziehen die Verwahrlosten . Vielleicht nicht heute oder morgen aber in 10 bis 20 Jahren bestimmt.


Zitat von Bertolt Brecht:

Armer Mann trifft reichen Mann und sehn sich an.
Da sprach der Arme zum Reichen: 'Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich!'