Montag, 10. Mai 2010

Stirb langsam - unwiderruflich letzter Teil!

Anfangs wusste ich nicht, was von diesem gigantischem 750-Milliarden-Euro-Schutzschirm zu halten ist. Sind doch unsere Politker davon überzeugt, ein besonders nachhaltiges und effizientes Instrument gegen Staatspleiten, Eurospekulationen und für Währungsstabilität geschaffen zu haben. Dieses Paket könnte bei erster Betrachtung dem auch entsprechen, doch schaut man sich die Sache näher an, wird es zu einer tödlichen Waffe. Einer tödlichen Waffe für den Euro. Was man erreichte, ist fraglos ein wenig Zeit ... aber nicht mehr. Im Gegenteil, das Sterben wird jetzt wesentlich länger dauern und wird mit Sicherheit qualvoller. Es wurde nach dem Filmmotto "Stirb langsam - unwiderruflich letzter Teil" (die hard) gehandelt.

Konnte man bisher davon ausgehen, dass, sollte der befürchtete Domino-Effekt eintreten, alles sehr, sehr schnell gehen würde. Im Speziellen wären die europäischen Märkte samt dem Euro in kürzester Zeit zusammengebrochen. Das hätte auch geheissen, es wäre ein kurzer, schmerzhafter Tod gewesen.

Mit dem neuen Rettungsinstrument dieser 750 Milliarden Euro, wobei nicht klar ist, wieviel davon im Notfall tatsächlich aufgebracht werden kann, wird dieser Tod noch viel schmerzhafter hinausgezögert, bis der Patient dann schlussendlich wirklich das Zeitliche segnet ...

Wie stellt sich dieses Rettungspaket zusammen? Die EZB übernimmt 60 Milliarden, der Rest sind, man höre und staune, Haftungen der EU-Staaten! Österreich haftet zB. mit über 14 Milliarden Euro!

Mir kommt dies so vor, als würde sich ein Arbeitsloser einen neuen Bentley oder Rolls Royce kaufen und als Kreditbürgen nimmt er sich einen ebenfalls arbeitslosen Kumpel.

Eines muss jedenfalls klar sein, es geht bei diesem Euro-Schutzschirm NICHT um die Rettung bankrotter Staaten, sondern - wieder einmal - um die Rettung systemrelevanter, risikofreudiger Banken! In Österreich, so sagt man, sitzen die heimischen Banken auf rund 4 Mrd. Staatsanleihen von Griechenland. Freunde, es ist nicht erst seit gestern bekannt, dass Griechenland in die Pleite rutscht ... aber die hohen Zinsen entfachten die Gier auf mehr Profit! Darum müssen wir alle Griechenland retten (das heisst, die involvierten Banken!).

Eine interessante Grafikserie hat der deutsche Spiegel publiziert (spiegel.de). Dabei wird offenbar, wie hoch die 2010 fälligen Schulden der PIIGS-Staaten sind: Griechenland 15,8 Mrd., Italien 251,5 Mrd., Spanien 76,5 Mrd., Portugal 17,9 Mrd. und Irland 8,6 Mrd. Euro Euro. Das ergibt für 2010 gesamt rund 370 Mrd. Der Bedarf an Schuldenrückzahlungen dieser Staaten bis Ende 2012 sind sagenhafte 974 Mrd. Euro!

Wenn innerhalb dieses Rettungspakets nun die Haftungen aufgeteilt werden, so ist bereits jetzt klar, dass einige dieser von Staaten die bereits jetzt mehr oder weniger pleite sind, nicht eingehalten werden können. Wobei nicht klar ist, ob diese Haftungen jene noch zahlungsfähigen Staaten übernehmen oder ob sich die Gesamtsumme reduziert.

In jedem Fall wirft die EZB nun die Gelddruckmaschinen an und bekämpft Schulden mit noch mehr Schulden, indem sie ein bisheriges Tabu bricht und Schrottpapiere, also Staatsanleihen von sich in Schieflage befindlicher Staaten aufkauft. Auch Unternehmen dürfen hoffen, Anleihen in der EZB unterzubrngen, wenn der Markt sie nicht aufnehmen kann.

Dadurch entsteht eine höchst gefährliche Situation, die eine äusserst bedenkliche Praxis der letzten Jahre fördert. Banken kaufen Schrott-Staatsanleihen wegen der hohen Zinsen an, die wenn sie unerfüllbar sind, der EZB weiter verkauft werden. Der freie Markt, mein lieber Freund, hat sich schon lange verabschiedet!

Aber schauen wir auf die Tendenzen der gestrigen Märkte. Die Börsen haben das Euro-Rettungspaket gut aufgenommen. Allen voran die Wiener Börse, die einen fast 10%igen Kurssprung absolvierte. Nur die osteuropäischen Börsen reagierten negativ. Der Eurokurs erholte sich ein wenig bis Mittag, um danach wieder nachzugeben. Und ob die Spekulationen gegen den Euro damit aufhören, bleibt abzuwarten. Ich glaube nicht!

Nachdem die EU und damit die EZB den amerikanischen Weg eingeschlagen haben und nun den Markt mit frisch gedruckten Euros überschwemmen werden, den Banken für Risikospekulationen und Zockerei Tür und Tor geöffnet wurde, ist das Risko einer Hyperinflation sehr hoch! Allerdings, wie wir wissen, ist die Hyperinflation, in der der Euro dramatisch an Wert verliert, ein effizientes Instrument der Verringerung der Staatsschulden ... auf Kosten des Volkes!

Aber Vorsicht, nur wegen der Schaffung dieses gigantischen Rettungspaketes, ist die Gefahr einer Währungsreform und damit den Austritt aus dem Euroverbund diverser Staaten wie Deutschland NICHT vom Tisch. Denn politisch muss dieses Paket erst den Bürgern verkauft werden. Nur zu sagen, wie toll es ist, ist wahrlich zu wenig.

Man hat dieses Wochenende in jedem Fall das Ende des Euros offiziell beschlossen. Er wird weich werden und an Wert verlieren, wie eine regionale, afrikanische Währung. Zur Kassa gebeten, werden schlussendlich wir alle!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



750 Milliarden für Rettung des Euro (derstandard.at)
Jetzt ist das Ende des Euros endgültig beschlossen (alles-schallundrauch.blogspot.com)
Dieser Mann zockt gegen den Euro (bild.de)
Östliche Börsen lassen böses ahnen (infokriegernews.de)
Griechenland: Viel Geld, viele offene Fragen (ftd.de)
Griechenlands unlösbares Dilemma (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)



Die zehn besten Lügen der Wirtschaftspolitik - Eine ganze Branche lebt recht gut davon, Nachrichten aus Wirtschaft und Politik mit dem richtigen „Spin“ zu versehen, der aber nicht immer mit der Realität übereinstimmen muss. (diepresse.com)

Europa: Geheimdienste prognostizieren mögliche Kriege um Schuldenrückzahlung - Wenn Regierungen nicht mehr weiterwissen, dann lenken sie die Bevölkerung um des eigenen politischen Überleben Willens mitunter ab, indem sie den Unmut auf einen äußeren Feind richten. Die Geschichte der Kriege ist auch eine Geschichte von Ablenkungsversuchen, die das Versagen von Staatsführungen kaschieren sollten. In Europa glaubte man all das seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges überwunden zu haben. Doch europäische Geheimdienste sprechen nun wieder ganz offen von der Möglichkeit bevorstehender Kriege. Und zwar in Europa. (kopp-verlag.de)

Obama warnt vor Atombombe - Auf dem Gipfel zur Nuklearsicherheit in Kalifornien, warnte Obama eindringlich vor den Gefahren einer Atombombe in den Händen von Terroristen. Nach seiner Aussage, welche er offensichtlich den Gebetsmühlen von G.W.Bush entnahm, streben die Terroristen eben dieses Ziel an. Interessant ist vor welchen Orten er warnt. (infokriegernews.de)

Euro Konfetti gegen Krise - EU: 750 Milliarden gegen Krise - Geld für alle, so viel wie nötig. Das ist das Rezept der EU gegen die Finanzkrise. Die EZB soll die Gelddruckmaschine anwerfen. Deutschland soll für mindestens 123 Milliarden gerade stehen. (mmnews.de)

Große Schlacht um den Euro - Waterloo, Verdun, Stalingrad - und jetzt Brüssel: Um den Euro zu retten und die Spekulanten zu zähmen, haben die Staats- und Regierungschefs der EU binnen Stunden Beschlüsse gefasst, die in vielen Jahren nicht vorstellbar gewesen waren. Es ist eine Revolution. (sueddeutsche.de)

kostenloser Counter



Keine Kommentare: