Sonntag, 16. Mai 2010

Nichts passiert?

Tatsächlich ist in den letzten Tagen einiges passiert. Auch so etwas wie eine Währungsreform. Zwar haben wir keine neue Währung wie die Deutsche Mark, Schilling oder Gulden zurückerhalten, doch der Euro ist fast über Nacht ein gänzlich anderer geworden und die allgemeine Situation der Finanz- und Wirtschaftskrise hat eine neue Qualität bekommen, eine wesentlich dynamischere ... allerdings mit unübersehbaren Tendenzen nach unten.

Währungen wie der US-Dollar oder der Euro können im Grunde kaum crashen, weil jederzeit in fast beliebiger Höhe neues Geld erschaffen werden kann. Die Problematik liegt im Vertrauen jener, die dieses Geld benutzen. In den letzten Tagen haben wir beobachten können, dass dieses Vertrauen enorm gesunken ist. Eine minimale Flucht aus dem Euro, hin zu Edelmetallen und Fremdwährungen hat eingesetzt. Dieser Trend könnte, sollte er sich fortsetzen, durchaus eine Verschärfung der Situation bringen.

Der spektakuläre 750-Milliarden-Eurorettungsschirm, wie dieses Abkommen genannt wird, ist kaum das Papier wert, auf dem es unterzeichnet wurde. Und man erinnere sich an die Worte des österreichischen Finanzministers Pröll, der dieses Paket mit einem verzweifelten "all in" beim Pokern verglich. "All in" heisst, ich setze alles auf eine Karte - entweder gewinne ich alles oder verliere alles! Verlieren die Eurostaaten, ist das Spiel weitgehend aus und danach gibt es keine Möglichkeit mehr, die Währung zu retten oder zu steuern.

Nach einem euphorischen Montag wurde klar, dass diesem unrealistischen Abkommen, besser dieser unrealistischen Zahlungserklärung kein Vertrauen entgegen gebracht wird. Selbst Trichet spricht mittlerweilen von der schwersten Krise seit dem 2. Weltkrieg.

Was ist passiert, wenn alle Eurostaaten gemeinsam eine Haftungs- und damit Zahlungsverpflichtung eingehen und auch der IWF mitmacht bzw. mitzahlt? Die Zahlungsverpflichtung trifft alle Eurostaaten, auch jene, die bankrott sind. Wie können diese dann ihren Verpflichtungen nachkommen? Und wie wir wissen, stehen einige Eurostaaten kurz vor dem Bankrott ... den mittelbar sind sie an diesem Eurodebakel auch mitverantwortlich.

Der IWF, und damit die Amerikaner, haben sich durch die Beteiligung ein sehr gewichtiges Mitspracherecht in Europa und damit in der EU gesichert! Ihre Sparprogramme, welche sie den hilfesuchenden Staaten aufdrängen, sind immer mehr der Kritik von Wirtschaftsexperten ausgesetzt, weil sie nicht nur Einsparungen und Steuererhöhungen fordern, sondern die (noch) funktionierende Wirtschaft gefährden.

Der Rettungsschutzschirm hat das Vertrauen der Menschen in die eigene Währung in Frage gestellt, ist in dieser Form kaum realisierbar und verleiht den Amerikanern stärkeres Mitspracherecht über den IWF in Europa.

Gerade den Amerikanern, die derzeit mit viel grösseren Problemen zu kämpfen haben, wie Europa. Weil die Dimensionen wesentlich grösser sind. Wieder haben Banken geschlossen und dieses Wochenende ist nach Kalifornien, das die fünftgrösste Volkswirtschaft der Welt sind, auch Illinois den Bankrott zugegeben. Das heisst, Illinois ist pleite ... trotz oder wegen Detroit, dem Herzen der amerikanischen Autoindustrie. Und weder Russland, noch China, noch Europa mischen sich in diese amerikanischen Belange ein. Einige weitere US-Bundesstaaten stehen ebenfalls kurz vor dem Bankrott ...

Wie gesagt, der US-Dollar kann theoretisch nicht crashen. Doch wenn die inneramerikanischen Probleme in der jetzigen Geschwindigkeit zunehmen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass die Menschen, und noch sclimmer, die Unternehmen das Vertrauen in die grünen Scheine verlieren. Die jetzt endlich mögliche Revision der FED könnte für die Amerikaner schockierende Tatsachen ans Licht bringen und die Flucht aus dem US-Dollar provozieren.

Jede Währung, so auch der Dollar und der Euro, sind von einer nicht grundlos als skrupellos verschrieenen Branche abhängig, die allerdings möglichst intransparent, für die meisten zu kompliziert und in jedem Fall möglichst verdeckt arbeitet ... nicht zum Wohle der Währung, sondern ausschliesslich für den eigenen Profit ... die Banker. Leider sind wir denen und ihren Profit- und Machttrieben schutzlos ausgeliefert. Jedes Rettungspaket, jeder Währungsschutzschirm ist eine gross angelegte Bankenrettung! ... sonst nichts!

Ein gutes Beispiel sind die österreichischen Banken, die mit rund 4 Milliarden in griechische Staatsanleihen investierten. Griechenland war allerdings schon lange bevor die Geschichte in die Mainstreammedien gekommen ist, gefährdet. Darum auch die erhöhten Zinsen auf Staatsanleihen, darum auch die Profitgier der Banken, in den Genuss der höheren Zinsen zu kommen. Denn wenn der "Worst Case" eintritt, also die Insolvenz Griechenlands, wird der Staat und die EU einspringen. Sie, die Banken, haben wegen der hohen Zinsen auf einen Bankrott Griechenlands gesetzt und auf die Zahlung der Allgemeinheit. Eine Spekulation gegen den Euro, gegen Griechenland und gegen den Steuerzahler! Jetzt kauft die EZB die griechischen Schrottanleihen den Banken ab ...

Doch auch etwas anderes ist mit dem Beschluss des Euro-Rettungsschirmes eingetreten. Die eigenstaatliche Verantwortung hat sich still und leise verabschiedet. Der Kontrollwahn der EU hat sich durchgesetzt und die EU will nun ALLE Staaten der Gemeinschaft kontrollieren. Ein weiterer Schritt zu einer Regierung wurde damit gesetzt. Eine Regierung, die auf nationale Bedürfnisse kaum mehr eingehen wird, sondern Bürokraten, die als hochbezahlte Pseuso-Experten von einem Schreibtisch in Glas- und Beton-Prunkbauten realitätsfremde Programme und Konzepte entwerfen und umsetzen. Das ist wahrscheinlich die gefährlichste Änderung in Europa und birgt auch den grössten Zündstoff und Brisanz. Doch bis das Volk dies merkt, wird es möglicherweise zu spät sein. Ein Aufbegehren bis hin zu Aufständen werden kommen!

Auch eine gefährliche Begleiterscheinung der Vorkommnisse der letzten Tage, war eine Rede von Angela Merkel, in der sie die Bevölkerung auf einen rigorosen Sparkurs einschwor - dies zumindest versuchte - und auch neue Steuern bzw. Steuererhöhungen ankündigte. Wie lang wird der deutsche Michel sich das gefallen lassen. Und nicht nur der deutsche Michel, sondern die meisten Europäer.

Selbst sparen müssen, höhere und neue Steuern in Kauf nehmen zu müssen und auf der anderen Seite Milliarden für die Rettung von Banken, äh, anderen Staaten leichtfertig zu garantieren!

Auf Grund unseres Kredit-Wohlstands-Sicherheits-Wahns ist Europa nicht erst seit kurzem ein einziges Wirtschaftsdesaster. Wir haben von allen relevanten Staaten das geringste Wirtschaftswachstum - in den letzten Jahren kaum über 3%. Schon deshalb schlitterten wir in ein Budgetproblem. Immer höhere Ausgaben und nur eine marginal wachsende Wirtschaft. Man hätte wohl schon in den 90ern entgegensteuern müssen. Nun sind nicht nur europäische Staaten in Schieflage, noch schlimmer sieht die Situation in den Ländern und Kommunen aus. Auf Teufel komm raus wurde investiert, gefördert, subventioniert und das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinaus geschmissen. Sogar dann noch, als die Krise wie ein Tsunami über uns einschlug, beschloss man so teure und gefährliche Sozialprojekte wie in Österreich den Gratiskindergarten.

Klar ist, an der derzeitigen Situation haben Politiker die Hauptschuld zu tragen ... hier und über dem grossen Teich. Eingelullt und abhängig von Lobbies, die sie völlig in der Hand haben, suchen sie jetzt nach Auswegen, die es innerhalb der Erhaltung dieses Systems allerdings nicht mehr gibt. Zu sehr ist der Karren im Dreck stecken geblieben und vieles wird wohl erst nach und nach an die Öffentlichkeit kommen.

So wie Angela Merkel mit ihrem gelben Partner offensichtlich gescheitert ist und das Vertrauen der Bürger verloren hat, präsentieren sich fast alle europäischen Politiker. Und damit ist nicht nur die Wirtschafts- und Währungspolitik gescheitert, sondern auch der Rest, wie die Sozial-, Familien-, Bildungs- und Zukunftspolitik. Ein wahrer Scherbenhaufen liegt vor uns!

Deshalb, liebe Freunde, möchte ich euch mit etwas unsagbar Schönem beglücken. Beginnt diese Woche mit den beiden unglaublichen Stimmen von Anna Netrebko und Elina Garanca mit einer Arie aus Hoffmanns Erzählungen ... denn schöne Momente werden immer seltener!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



Das Rettungspaket hilft dem Euro nicht (diepresse.com)
Euro stürzt auf 18-Monats-Tief (focus.de)
Denn sie wissen nicht was sie tun (spiegel.de)
Bob Chapman: Der Euro, die Eurozone und die EU sind jetzt Geschichte (propagandafront.de)
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Grossbritannien verbietet 500-Euro-Noten (kopp-verlag.de)
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Weiterhin eine desaströse US-Handelsbilanz (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)
US-Staatshaushaltsdefizit mit Aprilrekord (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)
Defizit der USA im April erreicht Rekordhöhe (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Rätselraten um den Ausfall der ".de"-Domain (heise.de)



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Der Rettungsfonds - Momentan sieht sich die Eurozone in der Medialen Welt geprügelt und getrieben. Jene Zeitungen, die eben noch lobten, lassen nun keine Gelegenheit aus um dem Euro einen weiteren Blattschuss zu verpassen. Liest man sich ein wenig über den Rettungsfonds an, ist eine leichte Verwirrung nicht auszuschließen. (infokriegernews.de)

Die Euro-Lügner - Ist der Euro eine Schönwetter-Währung? In der Krise werfen Politik und Europäische Zentralbank ihre Grundsätze über Bord. Handelsblatt Online zitiert die Versprechen der Vergangenheit – und zeigt, wie sie gebrochen wurden. (handelsblatt.com)

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Ablauf bei einer möglichen Wiedereinführung der D-Mark - Die Stufen bei einer Wiedereinführung der Deutsche Mark - Vor einer möglichen Wiedereinführung der Deutschen Mark kommt die Volksabstimmung: Je nach Mehrheit, bleibt der Euro als Zahlungsmittel in der Bundesrepublik, wird als Buchwährung zurückgestuft, oder wird ganz abgeschafft. Würde die Mehrheit der deutschen Bevölkerung für die D-Mark stimmen, dann wird die D-Mark in vier Stufen wieder eingeführt ... (euroabschaffung.de)

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