Montag, 3. Mai 2010

Griechenland ist nicht gerettet!

Die Milliarden-Rettung Griechenlands ist beschlossen! Nun sollte auch sehr schnell wirklich Geld fliessen, sonst muss Griechenland noch im Mai den Staatsbankrott erklären.

Allerdings, selbst mit weit über 100 Milliarden Euro in den nächsten 3 Jahren ist Griechenland nicht gerettet! Sondern trotz der Zusage ist ein Staatsbankrott trotzdem wahrscheinlicher, als eine dringend benötigte Konsolidierung des Staatsbudgets.

1a) Trotz Zusage der Eurostaaten ist nicht sicher, ob tatsächlich alle zahlen bzw. zahlen können. Auch andere Staaten wie Portugal, Italien oder Spanien werden kaum die benötigten Mittel aufbringen ... ausser sie leihen sich das Geld und damit verschärfen sie die eigene Lage.

1b) Durch den Druck der USA über den IWF wurde ein Sparprogramm erstellt, das die noch funktionierende Wirtschaft Griechenlands völlig lahm legen kann. Sparen ist wichtig, doch das herrschende System muss schrittweise reformiert und umgebaut werden. Ein Sparprogramm hauptsächlich auf Steuererhöhungen und Beamtengehaltsreduktion aufzubauen, kann die griechische Wirtschaft irreperabel schädigen.

1c) Der zwangsweise Verbleib im Euroverbund bietet den Griechen jenes Werkzeug nicht, dass in dieser Situation, trotz aller Für und Wider, das effizienteste wäre, nämlich die Währungsabwertung, damit griechische Exportartikel und Urlaubsreisen attraktiver werden.

Griechenland spart sich zu Tode! Auswirkungen auf andere PIGS-Staaten werden dadurch nicht ausbleiben, der Euro wird weiterhin schwach bleiben und vermutlich noch weiter fallen und der Griechenland-Bankrott ist nur aufgeschoben.

Es gäbe andere Mittel, die wesentlich effizienter wären, doch derzeit kaum in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

2a) Griechenland müsste so schnell als möglich aus dem Euroverbund raus und wieder eine eigene Währung, die Drachmen, einführen. Damit werden bei einer gleichzeitigen Währungsabwertung auch die Staatsschulden abgewertet. Im Klartext, es sollte eine geordnete Insolvenz, wie es bei Unternehmen, möglich sein.

2b) Ein realistisches Sparprogramm muss erstellt werden. Steuererhöhungen bringen relativ wenig, weil es der Wirtschaft schadet und diese in Turbulenzen bringt. Natürlich, der überdimensionale Beamtenapparat muss reduziert werden. Doch das Problem ist, dass jene Beamten, die entlassen werden, Jobs benötigen. Und die gibt eine am Boden liegende Wirtschaft kaum her.

2c) Die EU muss helfen! Doch nicht mit Steuermilliarden, die in einem schwarzen Loch verschwinden. Sondern mit realistischen und effizienten Massnahmen, ohne die Wirtschaft zu schädigen und Unruhen zu provozieren.

Ausserdem müssen die amerikanischen Interessen abgeklärt und definiert werden. Bankenzockerei, viel Geld auf einen möglichen Bankrott der Helenen setzen, muss unterbunden werden. Der Druck ist dadurch sowohl auf Griechenland wie auf den Euro enorm gross!

Und warum hat es die EU bis heute nicht geschafft, einen europäischen Währungsfond einzurichten, der in solchen Fällen einspringen kann. Die Probleme der PIGS-Staaten sind ja schon länger bekannt. Und beim IWF (Internationaler Währungsfond) sind natürlich die Amerikaner beteiligt und haben mehr oder weniger das Sagen. Dadurch können sie sich in europäische Belange mischen, die sie im Grunde nichts angehen!

Kurz, das europäische Problem Griechenland wird nicht gelöst, sondern nur hinausgezögert. Der Bankrott bleibt nicht aus! Noch dazu sind die Griechen bereits auf die Strasse gegangen und demonstrieren. Jetzt noch sehr verhalten, aber irgendwann, möglicherweise auch sehr bald, weiten sich die Proteste aus und es kommt zu tatsächlichen Unruhen und Aufstände gegen den Staat.

Und dass die Griechen unzufrieden sind, kann ich nachvollziehen! Denn schlussendlich wird es jeden Griechen betreffen und jeder wird es spüren.

Die Ursachen des Griechenland-Bankrotts sind vielfältig. Nur Geld nachzuschiessen und die Strukturen kaum zu verändern, ausser ein Sparpaket zu schnürren, ist zu wenig ... und vor allem ineffizient. Sei es die schwache Wirtschaftsleistung, das Handelsbilanzdefizit, die zu schnell erhöhten Löhne, die weitverbreitete Steuerhinterziehung und latente Korruption ... doch das lässt sich nicht von heute auf morgen verändern!

Wir alle wissen um diese Probleme seit geraumer Zeit. Doch es wurde nur gequatscht und im Grunde nicht gehandelt. Die Krise bietet allerdings die einzigartige Möglichkeit, das System zu überdenken, Fehler auszumerzen und ein neues oder verbessertes zu entwickeln. Doch man scheut sich, gewisse Dogmen und Axiome in Frage zu stellen, obwohl sie ihr Ablaufdatum offensichtlich schon lange überschritten haben.

Unsere Gesellschaft und unsere Eliten tun so, als wäre ihr Tun und Denken der Weisheit letzter Schluss. Dass es aber in dieser Richtung nicht weitergeht, ist schon lange klar. Doch es ist zuviel Geld im Spiel, von wenigen, sehr einflussreichen Personen und Organisationen, die das Sagen haben. Jede Infragestellung verläuft im Sand, denn offensichtlich kann die Welt nur so funktionieren, wie die einflussreichen Eliten dies vorgeben. Und dabei ist kein Platz für Alternativen. Das heisst, wir, unsere Gesellschaft und unser System, haben versagt. Griechenland und die anderen PIGS-Pleitekanditaten werden uns das noch eindringlich vor die Augen führen.

Das Beibehalten der alten, dogmatischen Systeme und Ansichten wird uns alle in den Abgrund reissen. Die EU hat versagt, da sie sich mehr um Glühlampen, Duschköpfe, Gurkenkrümmungen und Rauchergesetze kümmert, als die wirklichen Probleme zu erkennen, erörtern und Lösungen zu finden.

Aber die Zeit kommt bald, wo der Mob die Apparatschiks und Schreibtischpotentaten aus ihren Betonburgen jagt. Doch das fatale daran ist, der Mob hat auch keine Lösungen parat ...







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



10 Ursachen für die griechische Tragödie (kurier.at)
Strache: "Mittelmeerraum aus Euro-Zone ausschließen" (diepresse.com)
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