Sonntag, 2. Mai 2010

1. Mai und die Sozialdemokratie sucht sich selbst

Die Aufmärsche von früher sind längst Relikte einer vergangenen Zeit. Heute, ein paar Eisenbahner, Gewerkschaftler und Politiker ziehen am "Tag der Arbeit" durch die Strassen. Das rote Fahnenmeer ist vergangen, heute suchen nicht nur die Politiker, sondern vor allem die Basis, die Sozialdemokratie, deren Ideologie und Werte. Der Maiaufmarsch ist zu einem Maiaufmärschchen geschrumpft, ehemals kämpferische, flammende Politikerreden wurden von zahnlosem, fast mitleidsheischendem Gewimmer verdrängt. Die rote Bewegung hat eine Bauchlandung hingelegt. Mittlerweile sind sie die grossen Verlierer jeder Wahl, nur den Bundespräsident dürfen sie stellen. Die SPÖ am Weg hinunter zur dritten Macht. Die SPÖ am Weg in die Bedeutungslosigkeit.

Hat man mit Dr. Bruno Kreisky einen Machthöhepunkt erreicht, so gab es nach ihm niemanden mehr, der in dieser Partei auch nur annähernd so charismatisch, weltgewandt, staatsmännisch und mit Überzeugung Sozialist war. Sogar Banker bemühten sich die Roten zu führen (Vranitzky) - das österreichische Grosskapital als Sozialdemokrat. Die Glaubwürdigkeit war schlicht mit den Füssen getreten worden und der Weg abwärts begann. Gesichtslose (Sinowatz, Klima) und Unbeliebte (Gusenbauer) waren vielleicht keine schlechten Sozialisten, doch sie konnten sich kaum vermarkten.

Zwischen sozialistischen Kapitalisten und unfähigen Ideologen wird jetzt, um Schadensbegrenzung bemüht, nach Richtungen und Wegen gesucht. Glaubte man, dass die Krise den Roten einen höheren Zulauf bescheren und sie als Arbeiterpartei ernst genommen würde, so hat sich auf fast dramatische Weise das Gegenteil bewahrheitet. Der SPÖ mit ihren nichtssagenden Gestalten in den Bundes- und Landesregierungen wird nicht geglaubt, für das sie ohnehin nicht mehr steht. Vom Kapital unter Druck gesetzt und verkauft, ist die rote Partei heute möglicherweise alles, nur kein Freund und Vertreter der Arbeiter. Die ursprüngliche Idee, damals revolutionär, und ein Sturm, der über den Kontinent fegte, ist ein laues Lüfterl geworden. Der Mann (und die Frau) von der Strasse ist ihnen fremd geworden. Sie kennen die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste nicht mehr. Es sind alle samt realitätsfremde Sesselkleber geworden ... um ihrer Willen und Vorstellungen. So wie der ehemalige Marxist Gusenbauer, der als Juso (Jungsozialist) den Moskauer Boden küsste und heute ob seiner Kontakte in den Vorständen diverser Konzerne sitzt. Oder Cap, früher intelligenter Revoluzer gegen die herrschenden Eliten, heute sitzt er als Wadlbeisser und harmloser Streithansel im Parlament.

Ja, Herrschaften, es gibt eigentlich keinen in dieser Partei, der ideologisch glaubhaft wäre, der Charisma aufweist, die nötige Intelligenz besitzt und noch dazu beliebt wäre. Irgendwie sind die Roten heute austauschbar, farblos, charakterlos und ihnen haftet das Verlierer-Image an. Wahrlich keine gute Ausgangsposition. Wo sind jene Persönlichkeiten, die das Bild der SPÖ so positiv geprägt haben?

Leider ist, wie bei allen anderen Parteien auch, kein freidenken und keine persönliche Meinung gefragt. Starke Persönlichkeiten haben keine Aufstiegschancen. Es kommen nur Jasager, Schulterklopfer und Parteisoldaten nach oben. Und das ganze Drama ist, genau diese sind jetzt am Ruder. Kein Wunder, dass die Sozialistische Partei nach "neuen" Ideologien, Richtungen und Wegen sucht. Doch ich glaube nicht, dass sie diese mit der jetzigen Riege finden wird. Sie werden weiterwurschteln, irgendwie halt und von der Grosspartei zur bedeutungslosen Kleinpartei werden.

Wer die Menschen auf der Strasse nicht versteht oder ignoriert, kann nicht von sich behaupten eine sozialdemokratische Bewegung oder Partei zu sein! Gerade jetzt in der Krise hätte sich die SPÖ hervortun können und wirklich positives produzieren. Derweil hat man sich den Christlich/Bürgerlichen verkauft und streitet quasi nur um den Senf zu den Würsteln.

Es hilft kein Marketingspezialist, kein neuer Ideologe, kein neues Image, sondern nur die Rückbesinnung zu den Wurzeln und Werten, die damals gegolten haben und heute möglicherweise aktueller sind als je zuvor.

Kreisky und seine Mannschaft waren bei Gott nicht fehlerlos, doch sie hatten etwas, was heute in dieser Partei fehlt: ein Programm, eine Richtung und ein Ohr für den kleinen Mann ...

Geht es so weiter wie jetzt, wird sich der 1. Mai bald aufhören, weil niemand mehr dabei sein möchte! Dann reden sie alleine zu leeren Plätzen und Staatsmedien, die Faymanns, Häupls, Burgstallers und Voves´!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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