Mittwoch, 21. April 2010

Über den Tellerrand geschaut ... (Teil IV)

Zwei, leider überstrapazierte Begriffe, schliessen sich gegenseitig aus. Nämlich Shareholder Value und Soziale Verantwortung. Dass immer mehr Unternehmen und Konzerne, die mit Fremdkapital arbeiten, das Shareholder Value Prinzip anwenden, also die rigorose Gewinnmaximierung, schliesst fast alle sozialen Aspekte aus. Nur der Gewinn, der Profit ist wichtig, alles andere bloss lästige Nebensache. Einerseits verlangen die Investoren möglichst hohe Gewinne, dadurch auch hohe Renditen, andererseits arbeiten sehr viele Manager auf Erfolgsbasis, das heisst höhere Gewinne sind gleich höhere Gehälter, höhere Prämien, höhere Boni.

Der Begriff soziale Verantwortung wird speziell in der Politik und von Unternehmen sehr oft zitiert, bleibt allerdings meist eine leere Floskel. Wer soziale Verantwortung tatsächlich übernimmt, dem liegen nicht nur seine Angestellten am Herzen, sondern auch andere wichtige Bereiche, wie Umwelt, regionale Integration, regionales bzw. nationales Bewusstsein und Werte wie Ethik und Moral. Natürlich muss jedes Unternehmen zunächst trachten, wirtschaftlich zu arbeiten, denn sonst könnte es nicht existieren. Allerdings schliessen soziale Verantwortung und ökonomische Aspekte einander nicht aus. Nur dann, wenn man beginnt, ausschliesslich auf Gewinnmaximierung zu setzen, bleibt soziale Verantwortung auf der Strecke.

Nun hat sich, nachdem immer mehr Unternehmen auf Gewinnmaximierung setzten, einige Trends durchgesetzt, die eher asozial sind, als sozial und jegliche Verantwortung missen lassen. Dazu zählt die rigorose Verjüngung des Personals. Heute finden ältere Menschen kaum mehr Arbeit, weil sie teurer sind als junge. Erfahrung, Praxis und Wissen wird durch geringere Kosten und höhere Fluktuiation ersetzt. Auch der unschöne Begriff Outsourcing zählt dazu, oft verlegt man Produktionsstätten in Länder, die keine oder nicht so strenge Umweltauflagen haben (quasi exportiert man auch den Dreck, den man produziert), teilweise beschämend niedere Gehälter und Sozialstandards und eventuell höhere Förderungen oder Subventionen. Die Argumentation ist immer die gleiche, nämlich Kostensenkung. Dass dabei am ehemaligen Standort Fabriksruinen und Arbeitslose zurück gelassen werden, interessiert die Shareholder Value Anhänger nicht im Geringsten. Auch die früher hochgehaltene Firmentreue ist heute nur mehr Makulatur. Durch hohe Fluktuation verbleiben wenige Arbeitnehmer für längere Zeit in ein und dem selben Betrieb. Der Trend von der Fixanstellung zum flexiblen Leiharbeitersystem verstärkt dies natürlich.

Diese Ansicht ist nicht nur von dieser Seite zu betrachten, sondern auch aus der Sicht der Investoren. Diese stecken ihr Geld natürlich fast nur in Unternehmen, wo sie möglichst viel Rendite erwarten können. Also in jene Unternehmen, die auf Gewinnmaximierung setzen. Und Fremdkapital ist für die Unternehmen wichtig, um entsprechend expandieren zu können.

Dabei stellt sich die Frage, was nachhaltiger ist, rigorose Gewinnmaximierung oder soziale Verantwortung. Ich glaube, dass beim Konsumenten schlussendlich sich ein Bewusstsein entwickeln wird, das in Ansätzen schon zu erkennen ist, die ihre Kaufentscheidung davon abhängig machen, ob ein Unternehmen auf Gewinnmaximierung oder soziale Verantwortung setzt.

Drei gute Beispiele sind die Handelsketten Schlecker, Lidl und Kik. Diese Firmen waren äusserst negativ in den Schlagzeilen, da sie ihre Angestellten fast wie Leibeigene behandeln. Viele Bekannte aus meinem Umfeld gehen deswegen in diese Läden nicht mehr einkaufen, weil sie diese Personalpolitik ablehnen (wobei, frage ich mich immer, wenn ich bei einem Kik-Laden vorbei gehe, was man dort überhaupt kaufen kann, denn die haben doch nur Billigstramsch - das ist meine Meinung!).

Andererseits unterstützt man jene Betriebe, die verstärkt auf soziale Verantwortung Wert legen. Also Zulieferer aus der Region oder Nation fördern, gerechte Gehälter zahlen, die Zufriedenheit des Personals durch niedere Fluktuation ersichtlich wird und möglichst umweltschonend agieren. Dadurch profitiert langfristig jeder, das Personal, die Region und die Nation. Und das scheint in jedem Fall der nachhaltigere Weg zu sein.

Was hat dieses Thema mit der Krise zu tun? Zum einen zeigt es uns, wie sehr unsere Gesellschaft auf das "schnelle Geld machen", das heisst auf Gewinnmaximierung und hohe Renditen fixiert ist und im Grunde wichtige Aspekte zu Gunsten des "schnöden Mammons" vernachlässigt. "Die Gier is a Hund!", sagen die Wiener und unterstützen damit diese Ansicht. Dadurch ist auch alles viel schnellebiger geworden. Fast nichts hat mehr Bestand, unsere Welt ändert sich in immer kürzeren Abständen.

Durch Outsourcing in andere Länder geht auch viel Wirtschaftsleistung eines Landes verloren. Nicht nur, dass Personal freigesetzt wird, das nicht mehr benötigt wird, fehlt schlussendlich auch sehr viel Geld in den Staatskassen. Doch unsere Gier nach immer mehr und immer billigere Produkte unterstützen diesen Trend. Allerdings ist gar nicht so oft ersichtlich, wo das Produkt herkommt, auch wenn eine deutsche oder österreichische Marke darauf ist. Made in China oder Made in Taiwain ist heute schon trauriger Alltag geworden. Zur Kasse wird die Allgemeinheit gebeten, die zuerst für Förderungen herhalten musste und später für die Arbeitslosen und fehlenden Steuereinnahmen (siehe die Geschäftspolitik von Nokia in Deutschland).

Langfristig wird eine Wirtschaftspolitik ohne soziale Verantwortung nicht mehr machbar sein. Denn Unternehmen leben nicht nur vom Profit, sondern auch vom Image, für das sie selbst verantwortlich sind. Verstärkt sich dieser Trend bei den Konsumenten, Unternehmen zu fördern, die auf soziale Verantwortung und nicht auf Gewinnmaximierung zu achten, gewinnen wir alle ... die Angestellten und Arbeiter, die Region und die Nation. Und nicht zuletzt auch der Konsument selbst, denn Made in Austria oder Made in Germany ist immer noch ein Qualitätskennzeichen!

Die Abkehr von für die Gesellschaft wichtiger Werte wie soziale Verantwortung stellt langfristig natürlich auch die Gesellschaft und das System als solches in Frage. Werden gewisse Werte wie diese, aber auch andere, die hier nicht behandelt wurden, ignoriert, so krankt die Gesellschaft und führt sich selbst in den Abgrund. Nur einige wenige sind die allerdings fragewürdigen, gierigen Profiteure und sahnen ab. Wie wichtig ist der Profit auf Kosten aller wirklich?

Fortsetzung folgt!







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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