Dienstag, 20. April 2010

Über den Tellerrand geschaut ... (Teil III)

Der freie Markt war immer das unumstössliche Credo der Kapitalisten, die auf die Selbstregulierung setzten und davon ausgingen, dass Angebot und Nachfrage diese Regulierung bestimmten. Also wurden Waren und Dienstleistungen, wenn sie genügend Nachfrage hatten, entsprechend verkauft. War die Nachfrage nicht vorhanden, mussten entweder das Angebot bzw. Sortiment verändert werden oder das Unternehmen machte Pleite.

Dieses System funktionierte tatsächlich bis zu jenem Zeitpunkt, als man begann, die Märkte zu manipulieren. Das heisst, die Selbstregulierung der Märkte war zu Ende, viele Staaten begannen mit Regulierungsmassnahmen. Unternehmen wurden mit Förderungen, Subventionen und in den letzten Jahren mit Steuergelder "gerettet". Der Markt war kein freier mehr, sondern ein manipulierter.

Unternehmen, die auf Grund fehlender Nachfrage oder eigener Misswirtschaft, sei es durch falsche Unternehmenspolitik, nicht marktgerechte Waren oder Dienstleistungen oder Fehlspekulationen in Schieflage geraten sind, wurden, meist ob ihrer Grösse oder "Systemrelevanz" mit sehr viel Geld aus Volksvermögen gerettet. Früher sagte man subventioniert. Dadurch wurde der Markt verzerrt. Nicht mehr das Prinzip von Angebot und Nachfrage war entscheidend, sondern die, man kann diese durchaus subjektiv nennen, Regulierung durch die Staaten oder Staatenverbünde.

Geht ein Unternehmen, ungeachtet der Grösse und Marktrelevanz, bankrott, so ist dies für die Mitarbeiter zwar tragisch und es wird in der Regel ein möglicherweise auch sehr grosser Schaden verursacht, doch wenn das Unternehmen vom Markt verschwunden ist, regelt sich dieser wieder selbst, da andere Unternehmen diese Lücke mittelfristig wieder auffüllen.

Diese staatlichen Regulierungsmassnahmen nehmen derzeit überhand. Das heisst, der Markt wird entsprechend stark manipuliert. Als Beispiel kann man die Branche der Airlines hernehmen. Extreme Expansion in den vergangenen Jahren führte zu einem enormen Überangebot am Markt. Es begann ein desaströser Preiskampf. Ich behaupte nicht, dass dies ethnisch, ökonomisch und sozial in Ordnung wäre, dies ist ein eigenes Thema! Der Markt expandierte, doch die Angebote expandierten stärker als es der Markt vertrug. Einige Airlines machten bankrott. Statt diese vom Markt zu nehmen, wurden sie aus verschiedenen Gründen am Leben erhalten ... mit sehr viel Geld. Ein typisches Beispiel ist die italienische Alitalia. Der italienische Staat hält ein zum Sterben verurteiltes Unternehmen mit aller Kraft und verdammt viel Steuergeld künstlich am Leben ... damit nimmt das Unternehmen anderen, möglicherweise gesunden Airlines Passagiere weg, die allerdings in der Regel billiger sind und dem Staat und damit auch dem Volk nicht so sehr auf der Brieftasche sitzen.

Es ist eine Prinzipfrage, entweder man möchte einen freien, sich selbst regulierenden Markt oder einen, der zwangsweise der Allgemeinheit teurer kommt, regulierten und damit unfreien Markt.

Ja, jede Pleite tut weh und verursacht Schaden. Doch der Schaden ist, wie man erkennen kann, grösser, wenn "Tote" am Leben erhalten werden ... teilweise nach dem Prinzip: "Koste es was es wolle!"

Hätte man, im Zuge der Krise, diese Prinzipien beherzigt und Unternehmen, darunter auch Banken, bankrott gehen lassen, so wäre ein nicht unbeträchtlicher Schaden entstanden. Doch schlussendlich ist der Preis, den die Allgemeinheit zu zahlen hat, bei weitem höher und das System stellt, wie immer offensichtlicher wird, sich selbst in Frage!

Natürlich kann es sein, dass "gerettete" Unternehmen wieder flott gemacht werden und wirtschaftlich, nach den Prinzipien des freien Marktes, "funktionieren". Das heisst, sie werden saniert. Eine Sanierung ist klarerweise manchmal notwendig, vor allem in sozialer Hinsicht. Und doch ist es ein schwerer Eingriff in den freien Markt. Sollte eine erfolgreiche Sanierung möglich sein, so finden sich in der Regel auch entsprechende Investoren, die sich von ihrem Engagement einen Gewinn versprechen. Damit ist ein staatiches "Unter-die-Arme-greifen" meist nicht notwendig und schadet auch dem Freien-Markt-Prinzip.

So wurde durch staatliche Regulierung bzw. staatlichen Eingriff der freie Markt kaputt gemacht. Ein hochgradig verzerrter, manipulierter Markt ist die Folge, die, im Speziellen von Amerika hochgehaltenen Dogmen mit den Füssen getreten und damit wurde das Ende des Kapitalismus eingeläutet.

Wie schon erwähnt, berücksichtige ich in dieser Betrachtung ausdrücklich nicht die sozialen, ökonomischen und monopolistischen Einwirkungen auf Wirtschaft, Staat und Volk. Diese Themen werden im morgigen "Über den Tellerrand geschaut" behandelt!

Fortsetzung folgt!





Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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1 Kommentar:

Rot hat gesagt…

Sehr gut - Subventionen verzerren den freien Markt und sind schliesslich das Ende des Kapitalismus. So simpel ist das, das ist vielen ueberhaupt nicht bewusst.

Misswirtschaft von Banken, Grosskonzernen und ganzen Laendern wird von den Regierungen belohnt. Wer gut gewirtschaftet hat, ist der Dumme. Der arbeitende Steuerzahler ist ebenfalls der Dumme. Das ganze System ist auf den Kopf gestellt.