Dienstag, 20. April 2010

Eyjafjallajokull & blauer Himmel (Nachtrag)

Ein Email zum vorgestrigen Artikel "Eyjafjallajokull & blauer Himmel", das ich bekommen habe, möchte ich euch, liebe Leser nicht vorenthalten. Bezüglich meines Textes habe ich einen Freund zu Wort kommen lassen, der nicht nur erfahrener Pilot ist, sondern auch Fluglehrer, ua. Ausbildner für Lear Jet und Gulfstream. Doch lassen wir einen Verkehrspiloten einer namhaften und grossen Fluglinie zu Wort kommen:

Hallo Johannes,

ich lese in unregelmäßigen Abständen deinen Blog und finde ihn wirklich gut. Die Texte sprechen von Mut und der Sehnsucht nach Wahrheit. Das vereint uns.

Leider ist bei der Lektüre der Artikel über das derzeitge Flugverbot auf deinem Blog und auch auf verschiedenen anderen Seiten und Blogs (hartgeld, asr...) festzustellen, dass ihr Blogger leider von Physik und besonders von der Verkehrsfliegerei nicht sehr viel mehr Ahnung habt als VIELLEICHT ein Pilot mit Privatlizenz. So erscheint es bei der Lektüre zu mindest.

(Besonders hervor tut sich da mal wieder Walter K. E., der es wahrscheinlich selbst nie zum Verkehrpiloten geschafft hat und deshalb die Berufsgruppe aus der Hecke beschiesst, mit Polemik und vorgegaukeltem Fachwissen, welches er leider nicht besitzt... Auch wenn man Worte wie ATPL oder ILS in jedem Text benutzt! Bei IHM ist ist jeder Versuch der wahrheitsgerechten Sach-Aufklärung vergebene Liebesmüh.)

Leider benutzt ihr dieses aus Flugsicherheitsgesichtsaspekten als höchst sensibel zu betrachtende Thema dazu, Stimmung zu machen. Schon klar, das gehört auch ein wenig dazu. Ist aber leider vollkommen daneben, weil einseitig refelektiert und dabei auch noch ohne ausreichende Sachkenntnis.

Was hättest Du geschrieben, wenn ein Flieger mit verglasten Hochdruckturbinen vom Himmel gefallen wäre? Dann wäre sicherlich die Stimmung von derzeit Anti-VAAC umgeschwenkt auf Anti-Airline-Bosse. Diese raffgierigen Jungs, die sich über alles hinwegsetzen, einzig um dem Mammon fröhnend und dem Profit verpflichtet, die Sicherheitsverpflichtung gegenüber den zahlenden Gästen vergessend. Stimmts?

Der schwenk ist einfach. Aber derzeit machst du es dir, und einige andere auch, etwas zu einfach.

Ich verzichte jetzt auf Erklärungen, warum Vulkanasche so dermassen gefährlich für Jet-Engines ist. Soviel nur gesagt, der blaue Himmel (und ich freue mich besonders, ihn einmal wieder zu sehen!) ist leider KEIN Indikator für aschefreie Luft. Es ist die Menge an Luft und Partikeln, die durch das Triebwerk gesaugt werden.

Beispiel: Nimm den Triebwerksdurchmesser einer Boing 737von 1,57m und multipliziere ihn mit der waagerechten Luftsäule in Metern, die z.B. auf einem Flug von München nach Stockholm durch das Triebwerk wandert (grob 792 Miles/1455 KM).
Lass dich überraschen, auf wieviele Tausende von Qubikmetern Luft du dabei kommst. Dann sieht es schon ganz anders aus.
Du hast bestimmt einen Taschenrechner, rechne mal nach. (Nicht vergessen, ZWEI Triebwerke, also das Ergebnis mal zwei, dann stimmts!) Dabei ist noch nicht eingerechnet, das die Triebwerke ja nochmehr Luft konsumieren, da sie ja einen "längeren Weg" durch die Luft zurückliegen, als der Flieger selbst.

Ich sag dir was. Es stimmt auf BEIDEN Seiten etwas nicht. Die einen verkaufen uns für Deppen und verarschen uns mit Klimawandel, die anderen haben EINZIG ihren Profit im Kopf, Polemik pur.
Das ist derzeit äußerst schwierig auseinanderzuhalten. Nur die Verantwortung will auch ein Mayerhuber oder ein Hunold oder dieses profitgierige, profilierungsüchtige Ar...l... von Lauda nicht tragen. Und dabei weiß ich, von was ich spreche. Also, vorsicht!

Und solltest du mal wieder fliegen gehen, dann danke deinem Schöpfer gleich nach Touchdown dafür, dass die Luftfahrt etwas anders tickt, als Banken beispielsweise!

Denk mal dadrüber nach...

Du kannst ja Englisch, dann ist der Fachartikel aus der Luftfahrt über Vulcanic Ash im Anhang sicherlich mal zum Lesen sehr interessant. (Vulcanic Ash)

"Not for ungood!", wie unser Außenminister zu sagen pflegt.

Ein deutscher Verkehrspilot einer namhaften und großen Airline

Den angesprochenen, englischen Artikel " Vulcanic Ash" hier ansehen oder downloaden. (survival-scout.at)







Europas Luftraum grossteils offen (derstandard.at)
Chaos am Himmel über Europa (derstandard.at)
Asche-Krise: Airlines wollen Staatshilfe (mmnews.de)
Niki Lauda über das Flugverbot (alles-schallundrauch.blogspot.com)
Vulkanasche, Computersimulationen und Panik im Luftverkehr (kopp-verlag.de)
Vulkanasche kostet Deutsche Industrie €1 Mrd. am Tag (wirtschaftsfacts.de)

Enthüllt: Europäische Militärs nutzen den Totalausfall der zivilen Luftfahrt für Kriegsspiele
(kopp-verlag.de)



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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1 Kommentar:

Jimmy Forever hat gesagt…

hm, wenn dieses rechenbeispiel stimmt, dann müßten ja auch alle "herkömmlichen" aerosole die flugzeuge abstürzen lassen, tun sie aber nicht. (?)
trotzdem danke für diese sachliche stellungnahme.