Freitag, 9. April 2010

Containershopping

Unsere Überfluss- und Konsumgesellschaft hat (noch) sehr hohe Ansprüche an das Angebot in den Supermärkten und Einkaufsläden. Es muss immer genug vorhanden, das Aussehen (nicht der Geschmack!!) möglichst perfekt und natürlich noch im Rahmen der Haltbarkeitsgrenzen. Der Film "We Feed the World" zeigt die Auswüchse in der Lebensmittelproduktion und -handel eindringlich auf. Im Grunde ein Wahnsinn, der hier passiert und den wir als Konsument unterstützen ...

Und doch hat alles in dieser Welt zwei Seiten. Ein guter Freund von mir, noch junger Pensionist und gar nicht mittellos, macht sich jeden Freitag und Samstag auf die Suche nach ... Lebensmitteln in den Supermarktcontainern! Containershopping, eine neue Art der Lebensmittelbeschaffung. Obwohl immer mehr Unternehmen dazu übergehen, abgelaufene und nicht mehr frische Lebensmittel nicht einfach zu entsorgen, sondern sie caritativen Organisationen oder Sozialmärkten zu überlassen, bleibt noch mehr als genug für geschickte und suchende Containershopper.

So bekomme auch ich fast jede Woche Besuch von meinem Freund, der mir teilweise Gourmetware originalverpackt und noch genussfähig bringt. Was schon alles dabei war? Von vakuumierten Leberkäse (Fleischkäse) über Pfefferschinken, Speck bis hin zu Würsten. Natürlich auch Obst und Gemüse. Am Samstag vor Ostern kam er allerdings mit einer Überraschung. Er fand in einem Container eines Lebensmittelgrosshändlers einen ganzen, noch original verschlossenen Korb mit 50 Stück frischen Austern. Fin de Claires natürlich, aber immerhin. Keine einzige Muschel war kaputt oder schlecht! Gelagert auf feuchten Seetang im Holzkorb. Mit gutem Grünen Veltliner, da kein Chardonnay oder Weissburgunder zu Hause war, serviert, ein kulinarischer Hochgenuss!

Obwohl mein Freund es nicht nötig hat, schliesslich bekommt er Beamtenpension, ist er kurz vor dem Wochende ständig auf der Suche nach Lebensmittel aus Supermarktcontainern. Du darfst jetzt nicht glauben, dass dies eine unappetliche Sache ist, wo irgendwelche Essensabfälle durchwühlt werden, wo man in Stiefeln in Sosse, Matsch und Brösel steht. Nein, das meiste ist noch originalverpackt, oft erst kurz vor dem überschreiten des Haltbarkeitsdatums und ist ohne Bedenken essbar bzw. verarbeitbar.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es fast undenkbar, nicht verdorbene Lebensmittel wegzuwerfen. Heute ist dies leider Alltag geworden. Doch nicht nur Lebensmittel werden so "entsorgt". Eine junge Mutter, sie hat Zwillinge geboren, die noch kein Jahr alt sind, bekam kürzlich einen Anruf einer Freundin, die in einer Drogeriekette arbeitet. Einer bekannte Marke wurde ein Relaunch verpasst, das heisst die Verpackung, das Erscheinungsbild überarbeitet bzw. modernisiert. Dadurch sind die sich noch in den Regalen befindlichen Artikeln zu "entsorgen" - also in den Müll zu kippen - und durch die neuen zu ersetzen. Ein riesiger Karton mit Babycremen, -salben und Was-weiss-ich-noch-alles wurde ihr heimlich im Hinterhof übergeben. Der Einkaufswert betrug einige Hundert Euro, alles einwandfreie Ware, die sonst teuer gekauft werden müsste ...

Containershopping ist zwar nicht jedermanns Sache, doch es zahlt sich aus! ... und findet immer mehr Anhänger, aber nicht alle sind bedürftig!

Was viele allerdings nicht bedenken, ist der Umstand, dass all diese "weggeworfene Ware", seien es Lebensmittel oder Kosmetika, als Schwund im Budget eingerechnet werden müssen. Das heisst, diesen offenbar notwendigen Schwund bezahlt der Konsument! Denn caritativ sind Vereine, keine Unternehmen oder Konzerne! So wie auch das Werbebudget vom Konsumenten bezahlt werden muss. Wir müssen für diesen Wahnsinn aufkommen.

Im Film "We Feed the World" wird behauptet, dass zB. in Wien täglich so viel Brot und Bäckereiprodukte "entsorgt" werden, wie täglich in Graz verzehrt werden (Graz hat 280.000 Einwohner!!). Das heisst, der Bäcker oder der Supermarkt muss diesen Schwund miteinrechnen, denn sonst würde unter der Kalkulation ein dickes, rotes Minus stehen und das Unternehmen wäre klarerweise nicht lebensfähig. Demnach solltest du, mein lieber Freund immer die Gewissheit haben, wenn du in Kilo Brot kaufst, bezahlst du auch das halbe Kilo, das am Abend übrig bleibt und im Müll landet!

Warum? Weil wir verwöhnte Konsumenten nur das kaufen, wo viele Artikel stehen. Einzelne Produkte bleiben unbeachtet. Weil wir nur perfekt aussehende Produkte kaufen. Auch wenn oft dabei der Geschmack auf der Strecke bleibt. Und weil viele von uns ebenso handeln und oft noch nicht verdorbene Ware im Müll, nicht selten originalverpackt, entsorgen.

Wenn du den Film "We Feed the World" noch nicht kennst, bitte sieh ihn dir an. Er zeigt den Wahnsinn der Lebensmittelproduktion eindringlich auf. Ein notwendiges Umdenken sollte die Folge sein!

Und ich? Ich freue mich auf meinen Freund, der morgen Samstag sicher wieder mit einigen köstlichen Dingen aus dem Grosshandelscontainer bei mir vorbeikommt ... Guten Appetit!



We Feed the World (video.google.com)







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



Zocker treiben Spritpreise in die Höhe (kurier.at)
Euro - Jeder für sich (hartgeld.com)
Zahl der Insolvenzen stark angestiegen (orf.at)
"Wir stehen erst am Anfang der Krise!" (wiwo.de)
Das deutsche 150-Milliarden-Problem (focus.de)
Deutsche Industrie auch im Februar schwach (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)
Echte Arbeitslosenzahlen in Deutschland (hartgeld.com)
Anleger stellen sich auf Pleite Griechenlands ein (welt.de)
Griechische Märkte im freien Fall (handelsblatt.com)
Spanien kombiniert Griechenland und Suprime 2.0 (infokriegernews.de)
Brüssel lehrt Staaten das Abkassieren (ftd.de)
Osteuropa: Uns geht es schlechter als “im” Kommunismus (kollateralschaden.wordpress.com)
Wie die FED den Goldpreis manipuliert (goldseiten.de)
Der Goldpreis springt auf März-Hoch (goldseiten.de)

Warum Menschen fast alles glauben (alles-schallundrauch.blogspot.com)



Ein Report der BIZ lässt Übles für Europa ahnen: Entschuldung nicht ohne Unruhen - Das jüngste Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) trägt die harmlose Nummer 300. Doch dahinter verbirgt sich massiver Sprengstoff zur Frage, wie die führenden – vor allem europäischen – Länder jemals ihre Schulden abarbeiten können. Hier das Szenario der BIZ (in den Grafiken “BIS” abgekürzt, wegen des englischen Namens) im Telegrammstil ... (markusgaertner.wordpress.com)

Geldsystem: Die letzten Zuckungen? Prof. Joseph Huber: „Wir haben ein Geldsystem, das faktische außer Kontrolle geraten ist, Das System ist auch unter Inflationsaspekten de fakto nicht mehr kontrollierbar.“ (mmnews.de)

Staaten-Bonität im Vergleich: Griechenland jetzt sogar schlechter als Island - Die Gefahr eines griechischen Staatsbankrotts steigt von Tag zu Tag. Erstmals ist es sogar teurer, sich gegen den Zahlungsausfall Griechenlands zu versichern, als gegen eine Pleite Islands. Auch die Bonitätswerte von Portugal, Spanien und Italien haben sich deutlich verschlechtert. (goldreporter.de)

Die Quadratur des Kreises - Angela Merkel gibt sich als »eiserne Lady«, die kein deutsches Geld für Griechenland geben will und verweist auf den IWF. Doch letztlich erhält der Währungsfonds das Geld von der Bundesbank. Wird der deutsche Steuerzahler also wieder einmal hinters Licht geführt? (kopp-verlag.de)

kostenloser Counter



Keine Kommentare: