Samstag, 27. März 2010

Droht ein Zerfall der EU?

Oder besser gefragt, droht mit der anstehenden Währungsreform ein Zerfall der EU? Zur Zeit ist die EU in zwei Gruppen aufgeteilt, die sogeannten "Geberländer" und "Nehmerländer". Geberländer sind jene Staaten, die mehr in die EU einzahlen, als sie unterm Strich herausbekommen. Die Nehmerländer bekommen mehr von der EU, als sie bezahlen. Die Geberländer sind in der Minderheit. Dieses Ungleichgewicht driftete in den letzten Monaten ziemlich auseinander. Der Kapitalbedarf diverser Länder steigt exorbitant.

Dass hier natürlich die Diskussion aufkommt, dass die wenigen Geberländer nun quasi als Freunde einspringen müssen und Teile ihres erarbeiteten Volksvermögen in den Rachen der "Unersättlichen" werfen müssen ... als Verpflichtung, erregt naturgemäss die Gemüter. Vor allem, weil Steuer- und Abgabenerhöhungen anstehen und auch die Geberländer sich zur Zeit in einer Depression befinden.

Die Währungsreform eines kleinen Teils europäischer Staaten, alles Geberländer (Deutschland, Österreich, Niederlande), zeigt vor allem eines auf. Der Euro ist langfristig gestorben, denn ohne diese Staaten wird dieser in jedem Fall drastisch abgewertet. Doch das ist eine altbekannte Massnahme, die Währungsabwertung, mit der sich vor allem die Südschiene (PIGS-Staaten) jahrzehntelang wirtschaftlich über Wasser gehalten haben und ihren Export ankurbelten.

Treten diese drei Staaten durch die Einführung einer neuen Währung aus dem Euroverbund aus, so birgt dieser Schritt auch enorme Brisanz und Explosivität in der gemeinschaftlichen Idee. Anfeindungen inklusive! Ein System zerfällt, das langfristig kaum existieren konnte, weil zu viele Ungleichheiten existent sind, die ausgeglichen werden müssten.

Mit der neuen Währung wird wahrscheinlich gleichzeitig oder bald darauf das Schengenabkommen aufgekündigt. Die Unterschiede werden immer eklatanter und durch die fehlenden Kontrollen im Schengenraum wird nicht nur der Kriminalität die Tür weit offen gehalten. Das heisst, ob man will oder nicht, die gesamteuropäische Idee wird damit weitgehend zu Grabe getragen. Kurz gesagt, die Reichen grenzen sich gegenüber den Armen ab. Wobei die Definition von Reichen und Armen als äusserst relativ zu verstehen ist!

Ein Zerfall der EU droht! ... zumindest aus langfristiger Sicht. Nationale Interessen werden die gemeinschaftlichen übertrumpfen und in der Bevölkerung regt sich Unmut. Vor allem gegen die Bevormundung einer meist unverständlichen Brüsseldiktatur, die anscheinend den Bezug zur Realität und den tatsächlichen Bedürfnissen der Bürger vollkommen verloren hat.

Ich erinnere mich noch, mit welchen Versprechungen und Aussichten wir Österreicher in die EU gekommen sind. Nein, ich stelle die Gemeinschaft, die europäische Idee deshalb nicht in Frage, haben wir doch alle weitgehend profitiert. Auch die Idee einer gemeinsamen Währung hat viele Vorteile. Allerdings wurden von den Politikern und Verhandlern sehr viele Fehler gemacht, welche der EU ein Ablaufdatum verpassten. Derzeit wird versucht, irgendwie einen Zusammenhalt und gemeinsamen Nenner zu finden.

Oft verglichen wird die EU mit den vielen amerikanischen Bundesstaaten unter dem Dach eines "Überstaates", quasi einer Staatsholding. Doch die Voraussetzungen sind völlig andere. Bei uns in Europa spielen Kultur-, Mentalitäts- und Traditionsunterschiede eine viel stärkere Rolle. Die USA ist damals aus der Euphorie ausgewanderter Europäer, Asiaten und versklavten Afrikaner entstanden und wuchs trotz aller Widerstände irgendwie homogen zusammen. Vergleiche innerhalb Europas nur jene Attribute, die wir den verschiedenen Nationalitäten zuordnen und die teilweise auch der Realität entsprechen. Dann wird sofort klar, dass das Korsett, das uns Brüssel zur Vereinheitlichung verordnet, nicht lange halten kann. Zwang ist immer das falsche Werkzeug, um neue, nicht gewachsene Strukturen einzuführen. Die USA hatte bei ihrer Gründung zwar viele verschieden Menschen aus aller Welt, doch keine Tradition, höchstens eine mitgebrachte, also importierte Kultur - keine gewachsene. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass die Amerikaner kulturlos sind ...

Europa, zusammengewürfelt, die Idee einer funktionierenden Gemeinschaft im Hinterkopf, driftet wieder auseinander und beginnt langsam aber sicher zu zerfallen. Jeglich weitere beitrittsverhandlungen und Diskussionen entbehren jeglicher realistischen Grundlage. Was bleiben wird, ist eine neue Form der ehemaligen EWG, der Europäischen Wirtschafts Gemeinschaft. Oder einigt man sich auf eine loser, ohne grossen Zwänge und Gesetze beinhaltende Gemeinschaft. Die Individualität der einzelnen gewachsenen Nationen müsse wieder stärker in den Vordergrund treten. Jetzt versucht die EU-Diktatur alles und jeden zu vereinheitlichen und ihn seiner ureigenen, individuellen Identität zu berauben.

Die Staaten sind zu Huren geworden, sie prostituieren sich, sie biedern sich gegenseitig an, die Unzufriedenheit wächst und das immer realer werdene Gespenst des völligen Zusammenbruchs hängt wie ein Damoklesschwert über allen. Die EU selbst fühlt sich an wie schaler, leerer Wein, der längst seinen Höhepunkt überschritten hat. Es ist auch nicht zu erwarten, dass die jetzige Riege der völlig realitätsfremden Europapolitiker den Zug in die richtigen Bahnen lenken kann.

Ob die geplante Währungsreform inklusive der Abkapselung der richtige Weg ist, wird sich weisen. Auf Grund der latent offensichtlichen Unfähigkeit der Politik ist eher eine Steigerung der anstehenden Probleme zu erwarten. Denn eine Lösung ist dieses Vorgehen mit Sicherheit nicht.

Abzuwarten ist natürlich auch, was einerseits die internationalen Märkte dazu zu sagen haben und andererseits die Initiatoren des Euros, von denen bekannt ist, dass Deutschland die DM aufgeben musste um eine Wiedervereinigung zu ermöglichen. Aber viele Westdeutsche würden ein eigenes Ostdeutschland durchaus begrüssen, teilweise sogar lautstark fordern.

Die Zeit bleibt äusserst spannend. Bei interessierten Beobachtern wird keine Langeweile auftreten. Gesamteuropäische Spannungen sind damit vorprogrammiert und benötigen besonders sensibel agierende Politiker. Diese sind allerdings nicht in Sicht. Wie man aus der Vergangenheit weiss, könnten unbedachte oder auch bewusste Äusserungen von obskuren Staatsmännern vom Schlage des italienischen Obermachos die Beziehungen eintrüben und zusätzliche Aggressionen und Hass freisetzen.

In jedem Fall könnte jenes Europa, in dem wir jetzt leben, bald der Vergangenheit angehören. Eine gute, gemeinschaftliche Idee wurde von Politikern, Ideologen, Bürokraten, Strategen, Egoisten und Scharlatanen zu einem nicht lebensfähigen Krüppel kaputt getreten. Europa liegt in der Intensivstation und ein Überleben ist äusserst fraglich. Ich sehe auch niemanden, der dies ändern könnte.

Uns, dem kleinen Mann auf der Strasse, bleibt abzuwarten, sich auf stürmische Zeiten vorzubereiten und dem drohenden SuperGau ins Augen zu blicken. Aus Brüssel kommen leere Worthülsen nicht einzuhaltender Versprechen und die bange Gewissheit, dass wir nur belogen werden.

Dass in diesem vergifteten Klima Populisten und Demagogen mit ihren faschistoiden Ideen immer mehr Zuhörer erhalten, beängstigt zusätzlich. Der Gutmensch, der politisch Korrekte, der Idealist und der Ehrliche sind Relikte einer Vergangenheit, die es leider nie schaffte real zu werden. Trotzdem halten die Mehrheit an den wunderschönen Versprechungen fest und glauben, dass die Zeiten wieder besser werden. Wir haben die Talsohle nicht nur nicht erreicht, wir sehen sie noch nicht einmal. Und diesen Teil des Weges, den wir jetzt zu durchschreiten beginnen, ist wahrscheinlich der härsteste und schwierigste. Auch wenn Brüssel sich immer noch Sorgen macht um unsere Gurkenkrümmung, unsere Duschköpfe und andere sonderbare Verordnungen. Dort sitzen nur Menschen, die sich ihren Arsch vergolden wollen - auf die Kosten der Allgemeinheit. So gesehen, tut uns der Niedergang der EU gar nicht weh. Im Gegenteil, es könnte so etwas wie eine Befreiung sein ...

... für jene Staaten, die eine neue Währung einführen, wie auch für jene Staaten, die bei der jetzigen bleiben. Ich weiss nicht, was wie kommen wird. Das kann auch kaum jemand prophezeihen. Wir driften nur in Etwas hinein, das unbekannt, seriöserweise auch nicht definierbar und der schlussendliche Ausgang vollkommen verborgen ist.







Johannes (schnittpunkt@gmail.com)



Meldungen:



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Kommentare:

survival scouts hat gesagt…

Vielen Dank für deinen Artikel. Ich muss hier noch etwas hinzufügen. Ich selbst bin kein Ökonom etc. Alles was ich weiss, hatte und habe ich mir selbst beigebracht durch Eigenstudium seit über 14 Jahren. Plus natürlich die obligat. Schule und Ausbildung, die war jedoch nur 2. Jahre. Nun, ich bin ein Empirist in allen Lebensbereichen, das heisst, alles muss ich auch körperlich und geistig durchleben bzw. Erkenntnise, Erfahrungen sammeln. Dass ist nicht jedermanns Sache, da durch diese Handlungsweise viel Leid, Opfer, Hingabe, Schmerzen entstehen. Was ich sagen möchte, jeder der an diesen Kollaps glaubt, sollte sich körperlich und geistig darauf vorbereiten. Nicht nur Gold. Dass alleine hilft bestimmt nicht. Siehe z. B. Gerald Celente, der Trendforscher, der auch noch mit 64 Jahren mit gutem Beispiel vorangeht. Er ist körperlich und geistig fit, besitzt den Schwarzen Gürtel usw. Diese Dinge kamen ihm nun bei diesem Erdbeben in Chile zugute, wachsam, vorausahnend, reagierten er und sein Freund blitzschnell, rannen die Treppenstufen herunter, ohne Nichts. Lauf um dein Leben, sagte er sich. Viele starben in diesem Hotel wo er wohnte, weil sie vor Panik erstarrten. Und genau dies, wird geschehen. Viele werden quasi einen Herzinfarkt erleiden, weil sie so gar nichts vom Leben wissen, ich sehe es ja hier in Brasilien. OK> Gerald Celente sagte ja bereits voraus, das die EU zerfallen werde, Walter K. Eichelburg, auch Martin Armstrong u.a. Kriege, Aufstände von England bis nach Russland hinein. Dass mit Währungsreformen funktioniert nicht lange. Die Menschen werden kein Papier mehr akzeptieren. Jeder wird gegen jeden kämpfen. Überleben!

RAUS aus Deutschland hat gesagt…

Ein interessanter Bericht.

Ich ziehe aus den Gegebenheiten nur andere Schlüsse.

"Alle Macht geht von den Banken aus"

Diese Banken haben ein Interesse daran die Länder zu kontrollieren was einfacher geht, wenn alle Brüssel gehorchen.

Es ist im Interesse von den USA welche Deutschland kontrollieren das ihr Einfluß in Europa größer wird.

Darum glaube ich wird es einen Bailout für alle schwachen Länder geben.

Der Preis der Hilfe ist die Aufgabe der Souveranität. Deutschland, als Vasall von den USA, wird Europa kontrollieren.

Natürlich werden die Franzosen da auch noch ein Wort mit reden.

Nach dem Bailout kommt dann die Währungsreform.

Freundliche Grüße
David

http://rausausdeutschland.wordpress.com/