Sonntag, 24. Januar 2010

China - aus der Traum?

China ist und bleibt ein Land (unüberbrückbarer) Gegensätze. Enorm reich und trotzdem unsäglich arm, so präsentieren sich die Chinesen. Ein Mischvolk vieler Volksgruppen, China ist sozusagen die diktatorische Holding vieler Einzelnationen, die teilweise gar nicht brüderliche Gefühle für einander haben. Nach Mao Tse Tung wurde ein geradliniger Weg gewählt, um China zur Nummer 1 der Welt zu machen. Wenn man den Jubelmeldungen der Medien glauben schenken kann, sind sie auch am besten Weg dazu ...

Und doch trüben Schatten dunkler Wolken das Bild des wirtschaftlich angeblich so erfolgreichen Chinas. Vorallem scheinen die offiziell publizierten Wirtschaftsdaten ziemlich geschönt zu sein. Doch lassen wir eine Bekannte von mir zu Wort kommen, die rund ein Jahr vor Olympia in einem grossen Pekinger Hotel als Food & Beverage Managerin angeheuert hat und seit gut einem Jahr wieder zurück in den Tiroler Bergen ist: "Für die Zeit der Olympiade war dem chinesischem Regime nichts zu teuer, sie wollten sich so präsentieren, dass die Gigantonomie kein anderes Land übertrumpfen kann. Das haben sie wahrscheinlich auch geschafft. Und viele Gäste in unserem Haus waren von dieser Vorstellung schlichtweg beeindruckt. Olympia war vorbei und ein halbes Jahr später wurde unser neues Hotel mit über 800 Betten in Peking gesperrt, weil keine Gäste mehr kamen. Die staatliche Tourimusorganisation teilt Reisegruppen und Einzelreisende mehr oder weniger den Hotels, die alle in staatlicher Hand sind, zu. Dabei bleiben viele, so wie wir, leer. Das Hotel ist immer noch gesperrt, wird auch kaum mehr wieder öffnen. Doch nicht nur am Hotelsektor sind grosse Kapazitäten frei, auch viele Fabriken, man spricht von mehreren Hunderttausend, haben in den letzten 2 Jahren auf Grund von fehlenden Aufträgen schliessen müssen. Die Krise ist auch an China nicht vorüber gegangen. Trotzdem werden nur positive Eindrücke des tatsächlich enormen Wirtschaftsaufschwunges dem Rest der Welt präsentiert, die dunklen, negativen Seiten werden bewusst verheimlicht. Wobei mit den Schliessungen der Fabriken ein gefährliches Potential für Aufstände bei den Wanderarbeitern, die heute kaum mehr Arbeit finden, ausgeht. Die Führung Chinas muss reagieren, sonst ist ein sozialer Flächenbrand unvermeidlich. Ich gehe davon aus, dass es mittelfristig dazu kommen wird, die weiteren Gründe kennst du ja!"

... ja, die weiteren Gründe kenne ich und die haben teilweise ziemliches Explosionspotential in sich:

Die unglaublich grossen Unterschiede zwischen der extrem armen Lanbevölkerung und den reichen bis superreichen Städtern - schwerste soziale Konflikte sind vorprogrammiert, denn auch bei weitaus höherer Wirtschaftsleistung Chinas kann dieses Problem so schnell nicht gelöst werden. All jene, die kaum genug verdienen um ihre Familien zu versorgen, werden auch im modernen China immer mehr statt weniger.

Die exorbitanten Umweltschäden der letzten Jahre werden China enorme Geldsummen kosten. Teilweise ist die Luftverschmutzung so hoch, wie in gewissen Industriegebieten der 70er Jahre, wo zB. in Tokio "Sauerstofftankstellen für Menschen" aufgestellt wurden und der urbane Verkehr drastisch gesenkt werden musste. Auch Prestigeprojekte wie der Sieben-Schluchten-Staudamm könnten mittelfristig zu einem ökologischen und damit finanziellen Desaster werden.

China weiss, wie instabil der US-Dollar und der Euro sind. Trotzdem sie zwar versuchen, ihre Bestände ob des Risikos zu senken, bekommen sie durch die Exporte immer mehr von diesen Währungen. Dieses Vermögen kann im Falle eines Währungskollapses in den USA oder Europa, der immer wahrscheinlicher wird, weitgehend wertlos werden. Denn noch sind sie die globalen Leitwährungen, auf deren Basis Geschäfte abgeschlossen werden.

Geht der Konsum in den Industriestaaten auf Grund der Auswirkungen der Krise (Lohnreduktion, Inflation, etc.) zurück, wird auch die exportorientierte, chinesische Wirtschaft erhebliche Einbrüche verzeichnen. Auftsrebende Schwellenländer können dies kaum kompensieren. Ein Exporteinbruch ist demnach vorprogrammiert!

Die steigende Wirtschaftsleistung des vergangenen Jahres ist zum Grossteil auf Konjunkturpakete im Gesamtwert von über 1 Billion Dollar zurückzuführen. Das heisst, aus eigener Kraft ist die chinesische Wirtschaft kaum mehr gewachsen. Stellt sich natürlich die Frage, wie lange sind solche teuren Konjunkturprogramme noch zu finanzieren? Und, wie reagiert China dann?

Ein eventuell sogar kurzfristiges Problem prognostizieren Experten dem chinesischen Immobiliensektor. Völlig überteuert, grossteils auf Kreditbasis finanziert, wird wesentlich mehr gebaut, als tatsächlich gebraucht wird. Ganze Hochhäuser in sogenannten Boomregionen sind fertig gebaut und stehen leer. Ebenso riesige Shopping-Malls und Wohnblöcke, die nach Baufertigstellung nicht bezogen wurden ... weil es keinen Bedarf, keine Nachfrage gibt. Diese Blase kann kurzfristig platzen und weltweite Wirkung zeigen, da es um unvorstellbare Summen geht ... ein Gegensteuern ist zwar noch möglich, doch viele Experten meinen, dazu ist es zu spät!

Dazu kommt, dass vermutlich alle offiziell publizierten Wirtschaftsdaten geschönt und manipuliert wurden, kurz gefälscht - nach alter kommunistischer Tradition wird die banale Realität gegen eine wunderbare Scheinwelt eingetauscht. Bleibt nur die Hoffnung, dass die politischen Führer, die gleichzeitig auch die wirtschaftlichen Führer sind, nicht dieser irrealen Scheinwelt verfallen und in alter Manier ihre Euphorie ausleben. China hat sich für den Weg eines scheinbar gebremsten Kapitalismus entschieden, doch die Beschleunigung, die sie in den letzten Jahren hinlegten, verlangt nach stärkeren Bremsen, die sie zur Verfügung haben. Der Traum Chinas scheint bloss ein schönes, buntes Luftschloss zu sein, das jetzt mit lautem Knall zu platzen scheint!



Chinas Führung erklärt Finanzkrise für beendet (welt.de)
Wirtschaftsexperten: China wahrscheinlich kurz vor Wirtschaftskollaps (shortnews.de)

Chinas Immobilienboom schürt Blasenangst - Die Wirtschaft der Volksrepublik wächst rasant. Doch noch schneller nach oben schießen die Hauspreise in Metropolen wie Schanghai. Zwar steuert die Nationalbank dagegen. Investor Jim Rogers ist aber überzeugt: "Wenn etwas nach Blase aussieht, dann ist es der Immobilienmarkt." (ftd.de)

Chinas Kreditmoratorium belastet "Schönwetter-Euro" - Den Machthabern in Peking wird die selbst ausgelöste Kreditflut zunehmend unheimlich. Für den Rest des laufenden Monats verhängen Regulierer nun einen Stopp. Die Investoren sind verschreckt: Der Euro fällt unter die Marke von 1,41 $. (ftd.de)

Der nächste große Crash - Die Welt sollte sich nicht von Chinas Wachstum blenden lassen: Es könnte bald passé sein. (welt.de)







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



Thema des Tages: Krise nicht ausgestanden (kurier.at)
Zentralbank verweigert Griechenland die Rettung (welt.de)
Griechenland: Schuldenchaos (econo-matrix.blogspot.com)
UK: Inflationsanstieg "a very nasty shock" (econo-matrix.blogspot.com)
EU-Kommission fürchtet Euro-Absturz (spiegel.de)
EU warnt vor Zusammenbruch des Euro (alles-schallundrauch.blogspot.com)
Euro wird gemieden (n-tv.de)
Die Flut der Staatsbankrott-Artikel (ef-magazin.de)
Was im Busch? Credit-Default-Swaps stark gestiegen (dasgelbeforum.de.org)
2010 kann das Ende des Dollars markieren (goldseiten.de)
Ron Paul warnt vor kommendem „sozialen und politischen Chaos“ (propagandafront.de)

Krisenvorsorge für Otto Normal (hartgeld.com)


Wenn der Staat bankrott geht - Finanzkrisen. In den letzten 200 Jahren sind Österreichs Staatsfinanzen fünf Mal kollabiert. Ein Rück- und Ausblick des Wirtschaftshistorikers Roman Roman Sandgruber im Gespräch mit Alexander Purger. (salzburg.com)

USA: 5 Banken bankrott - In den USA sind am Wochenende wieder fünf Banken geschlossen worden. Damit steigt die Zahl der Pleiten allein in diesem Jahr auf neun Institute. Einlagensicherungsfonds muss für Milliarden aufkommen. (mmnews.de)

Börsen-Show und wirtschaftliche Realität in den USA - Einer der besten Indikatoren für die gesamtwirtschaftliche Verfassung ist m.E. der Transportsektor. Dessen "Rückgrat" in Nordamerika ist der Transport per Eisenbahn bzw. der koordinierte Transport von Containern über Schiene, Straße und Wasserweg, sozusagen Transportlösungen "aus einer Hand" ("intermodal traffic"). Schaut man sich die Charts der Transport-Aktien-Subindizes "Railroad" (Eisenbahnen) und "Trucking" (Schwerlastverkehr auf der Straße) an, kann man durchaus zu der Auffassung gelangen, die wirtschaftliche Erholung in den USA sei schon weit gediehen. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Experten vermuten mehr Fehler im Weltklimabericht - Es ist eine peinliche Panne, die der Glaubwürdigkeit des UN-Klimarates schadet: Die Prognose zum Abschmelzen der Himalaya-Gletscher basiert auf einem Zahlendreher. Doch Experten zufolge enthält der Weltklimabericht wahrscheinlich noch mehr Fehler. Alles andere wäre bei der Masse an Aussagen ein Wunder. (welt.de)

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