Freitag, 15. Januar 2010

Autojahr 2010

Allgemein, schenkt man vielen "Auto-Experten" und "Auto-Managern" Glauben, so wird 2010 ein gutes Jahr für die Automobilindustrie. Diese Aussagen liessen mich die aktuelle und zukünftige Situation näher betrachten ... und ich kam zu gänzlich anderen Schlüssen!

Im Vorjahr konnten die Neuwagenverkäufe doch auf einem hohen Niveau gehalten werden, dank Abwrack- bzw. Verschrottungsprämie. Durch diese wurden allerdings viele Autokäufe vorgezogen, das heisst, es kauften viele im Vorjahr der Prämie wegen einen Neuwagen und zogen die Investition, die sie möglicherweise erst heuer oder nächstes Jahr machen wollten, vor. Diese Käufe werden heuer fehlen.

Generell geht der Trend zu kleineren, sparsameren und in der Erhaltung billigeren Autos. Der PS-Wahn hat ein Ende gefunden. Auch Autos mit alternativen Antrieben, wie der Hybridantrieb, liegen voll im Trend, da diese Blechdinger zwar in der Anschaffung etwas teurer sind, aber im Verbrauch wesentlich günstiger. Nur auf Grund dieser Trends wird es zu Umsatzeinbussen kommen und weil kleinere Autos auch weniger Ertrag abwerfen, auch zu Ertragseinbussen.

Nachfrage bei 3 grossen Autohändlern in Graz und Wien lassen ein schwieriges Jahr erwarten. Die derzeitige Nachfrage ist rückläufig, es wird von den Kunden mehr Rabatt erwartet, die Markentreue ist ebenfalls rückläufig und die Kunden kaufen vermehrt schwächere und weniger gut ausgestattete Modelle der jeweiligen Baureihen. Ausserdem ist auch eine eindeutige Trendumkehr vom Diesel zum Benziner sichtbar.

Die grossen (bisherigen) Gewinner im globalen Spiel sind in jedem Fall die Japaner und Koreaner, die mit innovativen, relativ kleinen Modellen die Nase vorne haben und sich das Image zuverlässiger, sparsamer, umweltschonender und günstiger Autos aufgebaut haben und dies auch umsetzen können ... und VW. Die grossen Verlierer sind eindeutig die Premiermarkenhersteller und in ihrer Produktpalette auch die grossen Luxuskarossen.

Bedenklich ist in jedem Fall der Neuwagenverkauf in jenen Ländern, wo die Krise für die Bevölkerung verstärkt spürbar ist ... Girechenland, Osteuropa, Irland, England, Spanien und natürlich die USA. Wobei in den USA die Privatverkäufe dramatisch abnehmen, nicht zuletzt auch wegen der restriktiven Kredit- und Leasingvergabe, aber die Flottenverkäufe die Statistik einigermassen retten. Flottenverkäufe heisst aber auch wesentlich höhere Rabatte und weitaus niedriger Wiederverkaufswerte.

Für die deutschen Hersteller ist derzeit der US-Markt weitgehend zusammengebrochen. Die Modellpolitik ist der marktsituation nicht angepasst. Zu wenig innovative Kleinwagen und zuviele Autos der Premier- und Luxusklasse veranlassen die Amerikaner, wenn sie schon neue Autos kaufen, vermehrt zu japanischen Marken zu greifen. Auch die amerikanischen Marken sind nach wie vor ziemliche Ladenhüter - allen voran Chrysler.

Äusserst instabil ist weiterhin die Situation in der Autozulieferindustrie, wo einige Unternehmen am Rande der Insolvenz stehen. Hier wird es, wenn sich die Lage nicht schnell bessert, zu einigen Pleiten und damit auch zu Entlassungen kommen. Insgesamt werden zwar alternative Antriebsmöglichkeiten mit Nachdruck weiterentwickelt und möglichst schnell zur Serienreife gebracht (zB. Elektroantrieb), doch die restliche Entwicklung wird aus Kostengründen vernachlässigt. Wesentlich längere Bauzeiten für die einzelnen Modellreihen werden wahrscheinlich. Ebenso überlegt man aus Kostengründen vermehrt Kooperationen und Gemeinschaftsentwicklungen, um so Synergieeffekte und Einsparungen zu erreichen.

Der Verkauf von Volvo hat gezeigt, dass nicht nur die Produktionstätten und die Marke gekauft wird, sondern klarerweise auch das Know How. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass verlustträchtige gegangene Marken wie Saab verkauft werden, da die meisten Patente und Fertigungsverfahren aus den Schubladen von GM stammen und diese logischer Weise nicht gerne hergegeben werden wollen. Saab ist ja weitgehend nur eine schwedische Opel-Kopie ... und dies will man nicht so einfach den Chinesen überlassen.

Alles in allem erwarten sich die Industriesprecher ein gutes Jahr und die Händler hoffen, dass die grosse Katastrophe nicht eintritt. In jedem Fall werden Autos immer mehr ihren Status verlieren und vermehrt als Transportmittel angesehen werden. Auch wird in schwierigen Zeiten überdacht werden, ob es notwendig ist, ein Zweit- und Drittauto zu haben.

Wenn nun in diesem Jahr die erwarteten Steuererhöhungen und neuen Steuern eingeführt werden, werden mit Sicherheit Autobesitzer tiefer in die Tasche greifen müssen. Und damit verändert sich der Automarkt tiefgreifend. Es wird zu einem Überangebot an Gebrauchtwagen kommen, was natürlich den Neuwagenabsatz reduzieren wird.

Es müsste schon ein Wunder passieren, dass es ein gutes Autojahr wird. Denn ein Auto, egal ob klein oder gross, ob schwach oder stark, kostet Geld und verliert an Wert (bis auf wenige Ausnahmen). Ein Automobil ist keine, wie auch immer geartete, Vermögensbildung! Deshalb werden viele Menschen versuchen Nutzen und Kosten auf vernünftige Weise abzuwägen und sich schliesslich, wenn notwendig, für das sparsamere, kleinere und praktischere Modell entscheiden. Der Luxusschlittenmarkt wird wahrscheinlich zum Nischenmarkt verfallen und somit für die meisten Hersteller nicht mehr lukrativ. Falls es in diesem jahr Gewinner gibt, so werden es jene sein, die kleine, zuverlässige Autos produzieren.

Kannst du dich noch erinnern, wie nach dem Krieg in den 50er und 60er Jahren die Massenmobilität einsetzte und welch skurille und lustige Modelle die Strassen bevölkerten? Denke an Gogomobil, Lloyd und Isetta. Ich glaube, diese Zeiten könnten sich, allerdings mit heutiger Technik und möglicherweise Elelktroantrieb durchaus wiederholen ...







Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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1 Kommentar:

Teilekäufer hat gesagt…

Die übriggebliebenen alten Autos haben durch die Abwrackprämie einen deutlichen Wertzuwachs erfahren, daher werden viele in die Erhaltung investieren. Wie das kostengünstig geht kann man hier erfahren .