Mittwoch, 9. Dezember 2009

Heimat oder Fremde?

Derzeit überlegen einige Deutsche, vor allem wegen des Steuerdrucks und der Arbeitsplatzknappheit, auszuwandern und woanders ihr Glück zu versuchen.

Grundsätzlich kein schlechter Gedanke, bin doch auch ich einst in die Welt gezogen und viel von fernen Kulturen und Völkern gelernt und mitgebracht. Doch der Zeitpunkt ist verdammt schlecht. Warum?

Ich lebte zB. ein Jahr auf Gran Canaria. Es war wunderschön auf der Insel des ewigen Frühlings. Ich hatte einen Job, das Meer vor der Haustür, eine tolle kulinarische Welt und ein atemberaubendes Inselinneres. Auf Halli-Galli bin ich schon damals nicht sehr gestanden. Aber schon damals, und das ist bereits über 10 Jahre her, gab es einen Konkurrenzkampf für die wenigen freien Arbeitsstellen zwischen einheimischen Canarios und Nichtcanarios. Nur mit dem Vorteil für uns, dass es Jobs gab, die ausschliesslich an dort wohnenden oder urlaubenden Nationalitäten (deutsche, englische, spanische, skandivasche, ...) gerichtet war. Es gab einen grossen Markt für die einzelnen Nationalitäten, denn so kaufte der Deutschsprachige, wenn möglich, nur bei Deutschsprachigen ein, traf sich in der deutschen Kneipe und kaufte seine Finca bei einem deutschen Immobilienmakler. Sogar deutschsprachige Rechtsanwälte und Ärzte gab es. Doch die Zeit ist vorbei. Waren es zuerst die Engländer, die immer weniger wurden, so schrumpft auch die deutsche bzw. österreichische Gemeinschaft auf den Kanaren. Die Arbeitslosenrate beträgt weit über 25%!

Wenn es nun durch die Wirtschaftskrise noch schlimmer wird, sind die Nichteinheimischen im Nachsehen. Hatten die während den guten Zeiten schon kaum Kontakt zu den Canarios, verbessert sich dies in immer schlechter werdenen Zeiten mit Sicherheit nicht. Vor allem lehnten die Einheimischen zumeist den Kontakt zu Fremden generell ab. Auch zu Festlandspanier, die man nur als Urlauber akzeptierte. Ein soziales Netz wie wir es aus Österreich oder Deutschland kennen, gibt es sowieso nicht. Im Notfall ist jeder Nichteinheimische und Nichtintegrierte auf sich alleine gestellt. Dies kann zu einem existentiellen Problem werden. Ich rate jedem, der nicht in Einheimischenkreise integriert ist, von einer Übersiedlung, ab. Auch schon länger im Ausland Lebende, wenn sie nicht voll integriert sind, empfehle ich eine Rückübersiedlung in die Heimat. Man findet Zuhause in jedem Fall eher Hilfe als wie ein Fremder in einem fremden Land!

Betrachtet man die Arbeitslosenzahlen, dann ist die Chance auf einen Job im Ausland sowieso verschwindend klein. Eventuell gut ausgebildete Spezialisten in gefragten Branchen könnten Glück haben, aber die Masse mit 08/15-Ausbildungen wird kaum eine Anstellung bekommen. Und ohne Geld geht nichts mehr ...

Die schöne Urlaubswelt in vielen Ländern bricht gerade zusammen. Aus Spanien hört man, dass Immobilien kaum mehr zu einem vernünftigen Preis veräusserbar sind, dass Hotels unterbucht sind und viele leer stehen. Glaubst du, mein lieber Freund, die warten auf Ausländer?

Viel wichtiger finde ich, sorgfältig in die Zukunft zu investieren. Alle Papierwerte in Edelmetalle umtauschen, auch wenn der Goldpreis gestiegen ist, er wird noch viel weiter steigen! Und diese Münzen und Barren verstecken, vielleicht sogar einmauern. Denn niemand weiss, ob nicht auch in unseren Ländern ein Gold- und Silberverbot oder eine Sondersteuer auf Edelmetalle kommen wird. Bereitet euch in eurem eigenen Land auf den Notfall vor, auch hier wird es verdammt schwierig werden. In Ländern, wo man fremd ist und als Ausländer gilt, wird es fast aussichtslos.

Und glaube nicht, dass du Zeit und Glück hast, das letzte Flugzeug oder den letzten Zug in die Heimat zu ergattern. Dort werden plötzlich zu viele um eins der begehrten Tickets anstehen.

Wie zu vermuten ist, wird der Crash plötzlich und unvermutet kommen. Noch am Tag zuvor werden Politiker und Experten vom Aufschwung träumen und wie viele andere auch, einfach überrascht und überrollt werden. Von einem Tsunami, der brutal jede Infrastruktur für einige Zeit völlig lahmlegt.

Zu diesem Zeitpunkt möchte ich in meinem Heimatland sein, nicht in der Fremde!



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Heute im Adventkalender:




Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird! Keiner weiss, ob der Crash kommt oder nicht. Noch weniger, wann dies sein wird. Vor Jahren habe ich ein Interview gelesen, in dem ein bekannter Investor gefragt wurde, in was er langfristig investieren würde. Er sagte: "In Kaviar und Champagner, wer weiss, wie lange wir das noch geniessen können!" Unter diesem Motto, heute eine aussergewöhnliche, kulinarische Spezialität - noch dazu gar nicht dekantent, sondern nur einfach deliziös! (9. Fenster im Adventkalender)




Gestern im Adventkalender:




Wenn ich mich morgens an meinen Computer setze und die aktuellen News durchgehe, bin ich insofern beruhigt, als dass meine Speisekammer mich und meine kleine Familie wohl 6 Monate oder mehr versorgen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Rückhalt nicht zu haben! ich habe allerdings Zeit gehabt und langsam aber kontenuierlich ein Lager aufgebaut. Wer das nicht sein Eigen nennt, der sollte sich schleunigst darum kümmern! Ich habe gegenüber meiner Lebensgefährtin und unserem Kind eine Verantwortung übernommen. Was würde ich ihnen wohl sagen müssen, wenn es plötzlich nichts mehr zu Essen gibt? (8. Fenster im Adventkalender)




Meldungen:



Hypo Alpe Adria wird „notverarztet“ (diepresse.com)
Grossbritannien schrumpft zur Mini-Macht (spiegel.de)
Eine Pleite in Athen wäre zu teuer (handelsblatt.com)
Was die jungen Griechen so wütend macht (diepresse.com)
US-Regierung hat ihre "Munition verschossen" (wirtschaftsfacts.de)
Ein Quentchen Klima gefällig? (diepresse.com)



Experten warnen vor Schuldenexplosion - Der Schuldenberg der Republik Österreich wird sich nach Berechnung von Experten bis Ende 2009 auf 189 Mrd. Euro erhöhen. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresultimo, wie Österreichs Staatsschuldenausschuss am Mittwoch mitteilte. Immerhin ist aber die Bonität Österreichs nicht in Gefahr - und Deutschland steht gemessen am Bruttoinlandsprodukt noch schlechter da. (handelsblatt.com)

Großbanken weltweit in Schwierigkeiten - Der Schock der Finanzkrise sitzt noch tief, vor allem bei Großbanken. Sogar eine Zwangsauflösung von US-Banken ist kein Tabu mehr. In Russland ist das ganze Bankensystem und in Österreich die Volksbank in Gefahr. (kopp-verlag.de)

Griechenland-Krise erreicht Geschäftsbanken - Der Staat lebt auf Pump, die Bonität sinkt: Das trifft auch Griechenlands eigentlich grundsolide Banken. Möglicherweise dreht ihnen die EZB bald den Geldhahn zu. Dabei haben sie bislang das Haushaltschaos des Landes geschickt ausgenutzt. (ftd.de)

Die LBBW-Razzia war erst der Anfang - Mit Schadenfreude blickte mancher Landesbanker auf die Großrazzia bei der LBBW. Die Häme wird jedoch vielleicht zum Bumerang, denn der Skandal zeigt: Das Aufräumen bei HSH, BayernLB & Co. wird wohl noch unappetitlicher ausfallen, als bisher angenommen. Zudem drängen sich einige unangenehme Fragen auf. (handelsblatt.com)

Panik in Dubai - Die Zahlen liegen auf dem Tisch - und die Börse bricht ein. Die DP-World-Tochter Nakheel verstört nach Offenlegung ihrer Ergebnisse die Anleger. (sueddeutsche.de)

Schrecklich nette Familien - Drohen, dealen und im Zweifel schießen: Tagtäglich fordern ethnisch abgeschottete Clans den Rechtsstaat heraus. In Bremen wollen die Behörden nun nach Jahren der Zurückhaltung durchgreifen. Doch wie lange reicht der "Null Toleranz"-Atem des Innensenators? (spiegel.de)

Ein knallharter Schlag mit Signalwirkung - Die britische Regierung hat ihre Zurückhaltung gegenüber dem Finanzplatz aufgegeben. Die drastische Steuer auf Boni zeigt, dass die Empörung in der Bevölkerung über die Arroganz der Banken Wirkung zeigt. (bernerzeitung.ch)

37,176 Millionen US-Bürger erhalten Food Stamps - Glühender Optimismus ist in Hinblick auf die Bewältigung der jahrzehntelangen Fehlentwicklungen in den USA völlig unangemessen! Ob chronisches Handelsbilanzdefizit, chronisches Staatshaushaltsdefizit, dem unangemessenen und aufgeblasenen Rüstungsetat, einer dramatischen Verschuldung aller Bereiche der Gesellschaft, dem kranken US-Banken- und Finanzsystem, einer weit vorangeschrittenen Deindustriealisierung und der daraus resultierenden mangelnden industriellen Wertschöpfung mit fehlenden Jobs und Einkommen zeigen klar, keines der vielfältigen Probleme wurden gelöst, sondern sie wurden nur mit historisch niedrigen Zinsen, Liquidität und Kredithilfen des Staates und der Notenbank mühsam überdeckt. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Zocker wieder am Spieltisch - Hickel befürchtet neue Spekulationsblase: "Die Zocker sitzen wieder an den Spieltischen". Die nach oben korrigierten Wachstumsprognosen "haben überhaupt nichts zu tun mit einem sich selbst tragenden Aufschwung". (mmnews.de)

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1 Kommentar:

Markus hat gesagt…

Eine andere Sicht - aus Paraguay.

Wo du sein möchtest, wenn SHTF (wenn es kracht) hängt denke ich sehr viel von der persönlichen Situation ab.

Menschen, die einen JOB haben und ein monatliches Einkommen beziehen mit vielen "Kreditraten", eine Lebensversicherung, gerne auf Bürgerkarte zum Arzt gehen und generell den Sozialstaat anbeten sind in der Tat in DE/AT so gut aufgehoben, wie niergends sonst auf dieser Welt.

Auch jene, welche meinen im Krisenfall auf die Hilfe der Familie und Freunde zurückgreifen zu können - weil sie selber es sich nicht zutrauen ohne Staat und Hilfe auf eigenen Beinen zu stehen - sind in der "Heimat" wohl am besten aufgehoben.

Die schlechte Nachricht - die beiden beschriebenen Menschengruppen sind auch sehr zahlreich. Mehrheitsfähig und deswegen auch sehr gefährdet dem "Lemmingprinzip" zum Opfer zu fallen. Ich verweise hierzu auf alle Ereignisse 1936-1955, welche in den nächsten 10-15 Jahren noch stark an Aktualität gewinnen werden....