Samstag, 19. Dezember 2009

Ein Arzt erzählt ...

Ich sass dieser Tage sehr lange mit einem guten Freund, einem praktischen Arzt, zusammen. Er betreibt (noch) keine eigene Ordination, vertritt aber Ärzte in ihren Ordinationen, wenn sie auf Urlaub fahren oder wegen Krankheit ausfallen. Bis vor kurzem war er auch Arzt in einem der grössten Spitäler Österreichs. Was er zu erzählen hat, ist brisant, schockierend, passt aber haargenau in unsere irrationale Zeit, in der alles aus den Fugen gerät. Lassen wir ihn aus seinem Arztalltag erzählen.

"Wir haben schon lange amerikanische Verhältnisse erreicht. Wir können uns nicht mehr erlauben, den Patienten das zu verschreiben oder zu raten, was uns als die beste Therapie erscheint, sondern wir müssen darauf gefasst sein, dass sie uns eben deswegen verklagen. Im Krankenhaus ist das fast schon Alltag und es wird bezahlt, damit nicht zu viel an die Öffentlichkeit kommt. Das heisst, wir verschreiben nicht die Arzneien oder Therapien, die wir für richtig halten, sondern wir müssen schon prophylaktisch alles tun um auch möglichst alle Eventualitäten auszuschliessen. Dabei verschreiben wir wesentlich mehr und stärkere Medikamente, die meist auch wesentlich teurer sind. Heute jemanden zu sagen, leg dich zwei Tage ins Bett, trink viel, vor allem ungesüssten Kräutertee, mach dir Essigwickel, usw. ist ein Ding der Unmöglichkeit geworden. Es werden sofort Antibiotika und oft auch teure Untersuchungen im Spital verschrieben. Wir Ärzte können uns auf nichts mehr einlassen, die rechtliche Situation kann für uns existenzvernichtend sein. Das hat zwei extreme Nachteile. Zum einen bekommt der Patient viel zu starke Medikamente, meist in zu hohen Dosierungen. Und wir belasten durch im Grunde unnötige und teure Untersuchungen in den Spitälern, das Budget der Krankenkassen extrem. Doch irgendwie bekommt man den Eindruck, dass diese Vorgangsweise auch gewollt ist. Die Krankenkassen werden, falls sie Geld benötigen, vom Staat unterstützt. Und die Mafia der Pharmaproduzenten und der medizintechnischen Branchen scheffeln Unmengen von Geld ... das in anderen Bereichen fehlt und völlig unnötig ist. Doch schon der Patient kommt mit einer etwas skurillen Erwartungshaltung zum Arzt. Er will scheinbar nicht gesund werden, sondern wenn er schon krank ist, möglichst Medikamente verschrieben haben. Warum glaubst du," frägt er mich: "Ist fast jeder Zweite schon gegen die meisten Antibiotika resistent? Fast bei jedem "steckengebliebenen Furz" wird Antibiotika eingesetzt. In den meisten Fällen völlig unbegründet! Weisst du, wie dadurch das Budget der Kassen belastet wird? ..."

"... du musst als Arzt mitspielen, das System ist leider so aufgebaut. Sonst bist du angreifbar. Ausserdem musst du in einer gewissen Zeit eine viel zu grosse Anzahl an Patienten behandeln. Dir wird nicht mehr die Zeit gegeben, dich mit den Patienten auseinander zu setzen, ihnen zuzuhören. Es ist fast wie im Supermarkt. Diagnose und Therapie erstellen, Medikament verschreiben oder zu weiteren Untersuchungen überweisen, danke, der Nächste bitte. Viele Krankheiten sind gar keine Krankheiten im eigentlichen Sinn, sondern gehen vom Kopf aus. Unsere Gesellschaft, unsere Ernährung und unser Lebensstil machen uns krank. Doch das will keiner hören ..."

"... wir alle werden dadurch finanziell ausgeblutet. Es ist kein Wunder, dass die Sozialversicherungen permanent Finanzbedarf anmelden. Die medizinische Versorgung ist zu teuer geworden! Doch wir Ärzte müssen uns absichern und sicherstellen, dass wir bei jedem Patienten alles nur menschenmögliche und noch viel mehr unternommen haben. Auch wenn es von der medizinischen Seite betrachtet völlig überzogen und in keiner Relation zum tatsächlichen Nutzen und Effizienz steht. Und noch dazu versucht man alles, um die ganzheitliche, alternative Medizin zu diskreditieren, unglaubhaft zu machen und möglichst zu verbieten ..."

"... und es ist falsch zu glauben, dass durch unser hochtechnisiertes Medizinsystem die Menschen gesünder werden! Ob ein Mensch gesund oder krank ist, spielt sich zu einem Grossteil im Kopf ab. Daran können auch Unmengen an Antibiotika und modernste Untersuchungstechniken wie Computertomografie, Magnetresonanz, etc. etwas ändern. Aber es zeigt auf, wie krank unsere Gesellschaft im Gesamten ist ..."

"... lange kann es so nicht weitergehen, denn unsere Medizin ist unfinanzierbar geworden! Es muss wieder eine Besinnung geben, die den Menschen und nicht die Pharmaindustrie und die Technik in den Vordergrund stellt. Sicher, pharmazeutische Produkte sind für die Medizin notwendig, eine hochwertige Technik ebenfalls. Doch nicht in diesem gigantischem Umfang ..."

"... wie ist die Empfehlung in den USA wenn du einen Unfall siehst? Schau wo anders hin und fahre oder geh weiter, denn wenn du hilfst, egal ob du Arzt bist oder nicht, du hast eine grosse Chance, selbst wenn du Leben rettest, verklagt zu werden. So schlimm ist es bei uns noch nicht, aber wir sind am besten Weg dorthin! ..."



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



In eigener Sache: Nachdem offensichtlich immer mehr der fast täglichen Schnittpunkt:2012-News-Email mit dem Vermerk zurückkommen "virus or spam detected" habe ich beschlossen, ab sofort die Aussendungen über den Account von survival-scout.at abzuwickeln. Ich bitte hierum um Verständnis, Danke!



Heute im Adventkalender:




Als der Mensch sich dran machte, die Welt zu entdecken, benötigte er dieses Ding. Und heute noch ein unerlässliches Instrument in vielen Bereichen der Mobilität und des Reisens. Es gibt dieses als günstiges, einfaches Instrument, aber auch als teures Präzisionsgerät. Fällt dieses allerdings aus, dann kann es zur Katastrophe kommen. (19. Fenster im Adventkalender)




Meldungen:



Klimagipfel schlittert in ein Fiasko (derstandard.at)
Saab ist am Ende (kurier.at)
Russland gewährt Serbien Kredit über 200 Millionen US-Dollar (rian.ru)
Immer mehr russische Banken müssen schliessen (welt.de)
Food Price Index (econo-matrix.blogspot.com)



Revolte in der EU gegen den IWF: Griechenland, Island und Lettland könnten den Weg weisen - Die hoch verschuldeten kleinen Länder in Europa könnten dem Beispiel Argentiniens folgen und sich aus der Schuldenfalle befreien. Das würde die Last den Gläubigerländern aufbürden, die das Problem jedoch mit einer einfachen Änderung der Buchhaltungsregeln lösen könnten. (kopp-verlag.de)

Staatsbankrott 2010
- 2010 wird das Jahr, in dem sich Rauf und Runter die Waage halten: Rauf die Steuern, runter die Renten und Sozialleistungen. Wegen wachsender Zahl der Bankrotte von Staaten, Regionen und Gemeinden werden die Zinsen steigen. Regierungen und Zentralbanken haben die Wette auf den wirtschaftlichen Aufschwung, die sie mit den Rettungsschirmen für Banken und Konjunkturprogramme eingegangen waren, verloren. (mmnews.de)

Firmen zahlen bis zu 173 Prozent Steuern auf Gewinn
- Durch die schwarz-rote Reform der Gewerbesteuer steigt die Belastung für viele Unternehmen massiv an. Die Zahlungen an den Fiskus sind so gravierend, dass mancher Firmenbesitzer seinen Betrieb finanziell in der Bredouille sieht. Nun droht der Bundesregierung eine Klage. (ftd.de)

Das Horrorwort vom Staatsbankrott
- Dubai, Griechenland und kein Ende: In der Finanzbranche wächst die Furcht vor Staatsbankrotten. Auch die USA und Deutschland stehen am Abgrund. (sueddeutsche.de)

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