Freitag, 6. November 2009

Keine Musik in Österreich?

Ich hatte im Mai 2009 schon einmal über das Thema berichtet (Volksfeind Ö3?), aber es hatte sich, wie erwartet, kaum etwas getan. Wir befinden uns in einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Das ist mittlerweilen ALLEN bekannt, nur offensichtlich nicht den zuständigen Politikern. Entschuldigung, dass mein Ton und meine Forderungen heute etwas deutlicher werden, als üblich. Es dreht sich um die heimische Musikszene! Ein leidvolles Beispiel vom absoluten Versagen der Politik, der Medienkonzerne und der vollen Ignoranz der Konsumenten. Was muss noch passieren, dass hier ein Umdenken stattfindet?

Zum Status: Ich war 2008 eingeladen, bei einer parlamentarischen Enquette zum Thema Musiknachwuchs in Österreich zu referieren. Denn in den staatlichen Medien (ORF) ist heimische Musik nur sehr spärlich vertreten. Der Anteil heimischer Musik beim Marktführer Ö3 lag damals weit unter 5%!

Nun ist die Krise schon einige Monate, sogar Jahre alt und tunlichst jeder Konsument sollte versuchen, durch den Kauf heimischer Produkte die heimischen Betriebe zu unterstützen. Eigentlich ein normaler Vorgang, denn wenn heimische Betriebe auf diesem Weg unterstützt werden, werden Arbeitsplätze - auch dein Arbeitsplatz - gesichert! Mir unverständlich, warum überhaupt noch nicht-heimisches Bier, Joghurt, Obst, Süsswaren, etc. gekauft wird! Sind wir selbst uns nicht die Nächsten? Oder wachen wir erst auf, wenn Brauereien, Molkereien, Obstbauern oder Süsswarenfabrikanten zusperren müssen und die Arbeiter auf die Strasse setzen? Dabei kann es jeden von uns treffen, der bei einem heimischen Unternehmen angestellt ist! Ebenso verhält es sich beim Konsum von Musik. Man unterstützt nicht nur den Musikschaffenden, sondern auch die Wirtschaft ... die heimische Wirtschaft.

Und das nicht gering. Denn, der Musiker schafft die Musik, doch dann möchte er im Normalfall, dass diese geschaffenen Werke auch Geld einbringen. Ein ganz normaler Vorgang! Der oder die Musiker gehen ins Studio, benötigen einen Produzenten und spielen eine CD ein. Diese sollte nun verkauft werden und als Marketingmassnahme versucht man Liveauftritte zu organisieren, die CD in den Medien vorgestellt zu bekommen und im Radio gespielt zu werden. Erst ein gewisser Bekanntheitsgrad sollte für Verkaufserfolge die Grundlage sein. Nicht behandeln möchte ich heute die Situation des Urheberrechts und der Internettauschbörsen - nur soviel - in den Tauschbörsen werden fast ausschliesslich Werke angeboten, die jemanden gefallen, doch man muss erst einmal auf diese Interpreten draufkommen ...

Eine erfolgreiche CD bzw. Musik sichert vieles ab: das finanzielle Auskommen des Musikers oder der Musiker, den Umsatz der heimischen Unternehmen, den Musikalienhändler, dem Studio, dem CD-Produzenten, der Booking-Agentur, dem Musikhandel, etc.. Du siehst, mein lieber Freund, nicht nur der oder die Musiker profitieren vom Erfolg.

Österreich war immer ein Land von weltbekannten Musikern - von Mozart über die Strauss Familie, Mahler, Orff und Gulda, bis hin zu Falco, Opus und Joe Zawinul. Doch wer kennt heute Inez, *Sonnenwasser, Feinstaub, Jackson Jailbreakers, Facelift, Tuesday Microgrooves oder Stereoface?

Die Chuzpe daran ist, dass Radiosender in Österreich ein eigenes Programm zur Förderung heimischer Künstler haben, doch sehr effizient scheinen diese nicht zu sein. Ausserdem ist selbst in Sendern, die unter einem Dach operieren, gewaltiges Konkurrenzdenken obligat. Das heisst, wenn die Gruppe "Sowieso" in FM4 (ein ORF-Radiosender) gespielt wird, wird diese kaum auf Ö3 gespielt, geschweige denn, auf anderen Sendern. Als heimischer Musikschaffender hat man leider nur einen Teil der wichtigen Medien(Radio)Landschaft zur Verfügung ... und dieser ist sehr eingeschränkt!

Noch dazu haben diese Institutionen die Macht, Stars bzw. Hits zu "machen". Je nachdem, wann, wo und wie oft was gespielt wird. Ja, Robbie Williams, U2, Madonna und wie sie alle heissen, müssen auch gespielt bzw. erwähnt werden. Sie hätten auch Platz, wenn der heimische Musikanteil entscheidend erhöht wird. Schlüssel dazu ist mit Sicherheit der Marktleader, nämlich Ö3. Der staatliche Sender, der unser aller Geld und Steuern kassiert (und anscheinend wieder beim Fenster rauswirft!) könnte eine Trendumkehr bewirken ... in kürzester Zeit!

Doch drehen wir das Rad zurück, damals waren der Chef bei Ö3 ein gewisser Hannes Eder und für die Musikauswahl zuständig, Bogdan Roscic. Roscic, ein ehemaliger Bassist in vielen heimischen Ensembles, aber wegen "Unfähigkeit" seines Bassspiels immer gefeuert, startete einen Rachefeldzug: "Niemand möchte österreichische Musik hören!", wurde bei Ö3 ein Axiom ... das bis heute Gültikeit hat. Nur gnadenhalber werden ab und zu heimische Produktionen gespielt ...

Wenn allerdings die Musikmedien es endlich zulassen würden, heimische Musik zu spielen und damit auch die heimischen Musikschaffenden zu fördern, würden sie eine nicht unbeträchtliche Wirtschaftshilfe betreiben, Wirtschaftshilfe für heimische Unternehmen! ... und diese haben es bitter nötig!

Die Politik, die besonders beim staatlichen ORF gerne eingreift und mehr Sendezeit für die eigene Partei und Parteiprogramm einfordert, versagt hier vollkommen:

"Wir werden weiterhin für eine Quotenregelung eintreten. Nur die SPÖ blockt ab." (Karlheinz Kopf, ÖVP-Klubobmann, Mediensprecher)

"Eine gesetzliche Quotenregelung kommt für uns nicht in Frage. Wir sind für eine freiwillige Selbstverpflichtung des ORF. Die Musikschaffenden sollen mit dem ORF verhandeln." (Staatssekretariat Ostermayer, SPÖ)

Das neue ORF-Gesetz sieht (noch) keine Quote vor! Wusstest du, lieber Freund, dass es bei 4 Fernsehsendern (ORF1, ORF2, ATV & Puls4) kein zeitgenössisches Musikmagazin gibt? Aber jede Menge amerikanischer und britischer SitComs und Soaps!

Im letzten Jahr wurden weit über 70 Millionen €uro von Ö3 ans Ausland überwiesen, nur knapp 3 Millionen blieben im Inland ... und die Politik schaut zu!







weitere gute heimische Musik:


*Sonnnewasser (Avantgarde Pop)
Facelift (PopRock)
Feinstaub (Rock)
Inez (Singer/Songwriter)
Jackson Jailbreakers (Blues)
Stereoface (Indie)
Tuesday Microgrooves (Jazz)



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)







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