Mittwoch, 21. Oktober 2009

Wie irrational ist die Bankenwelt?

Sehen wir uns um, es gibt so vieles, was wir kaum verstehen können, weil es in unseren Augen irrational ist. Trotzdem ist es alltäglich.

Die Welt der Banken zum Beispiel. Voriges Jahr noch, standen einige der grössten Banken der Welt kurz vor der Pleite. Staaten fingen die Geldinstitute mit Steuergeldern in schwindelerregenden Höhen auf. Doch geändert hat sich nichts, im Gegenteil. Die exorbitant hohen Bonuszahlungen, die hohen Managergehälter gibt es immer noch, so als wäre nichts gewesen. Nur durch alles verfälschende und betrügerische, aber leider weitgehend legale Bilanzfrisuren, konnten kurzfristig wieder Gewinne verzeichnet werden. Es allerdings bloss Papier, auf denen diese Zahlenkolonnen gedruckt werden und Papier ist, wie man weiss geduldig.

Dazu kommt, dass auf gleiche Art weiter gewettet und gezockt wird. Zu hoch waren anfangs die Gewinnaussichten, als dass die Banker davon lassen könnten, zu vielversprechend sind die Aussichten nochmals, und vielleicht das letzte Mal, die wirklich grosse Kohle zu machen. Die Politik, im besonderen in den USA, ist entweder machtlos oder gar nicht gewillt, einzuschreiten und zu regulieren. Die Wall Street hat auch einige Vertreter im Obama-Team untergebracht, allen voran den Finanzminister Timothy Geithner. Das heisst, die Wall Street regiert mit und hat grossen Einfluss auf mögliche Gesetze, Restriktionen oder Regulierungen.

Vorauszusehen ist, dass das Bankensystem wieder hochgeht. Derzeit profitiert man von billigem Geld, die Zinsen sind im Keller. Und alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Crack-Up-Boom handelt. Denn wenn die Realwirtschaft nicht mehr richtig funktioniert, dann überträgt sich das mittelfristig auch auf die Banken!

Diese haben allerdings keine Lust, die Wirtschaft durch liberalere Kreditvergaben zu stützen. Derzeit gibt es für viele Unternehmen eine Kreditklemme, denn die Kreditvergaberichtlinien sind äusserst restriktiv ausgelegt. Man nimmt bewusst in Kauf, dass vor allem der Mittelstand, die Basis der Wirtschaft, abgewürgt wird.

Statt Kredite zu vergeben, wird gezockt. Das bringt allemal mehr Gewinne ... so lange es gut geht! Einige Blasen sind derzeit am Platzen, extreme Verluste sind deshalb auch für Banken wieder zu erwarten. Die Bankenlandschaft, sowohl in den USA wie auch in Europa ist äusserst instabil. Ob diese einen weiteren Zusammenbruch einer Bank vom Kaliber Lehman & Brothers, so wie vor einem Jahr geschehen, aushält, ist fraglich. Denn die neuen Bilanzierungsregeln verdecken die wahren Zahlen. das heisst, viele Papiere werden mit angenommenen Zahlen selbst bewertet, die wahrscheinlich vom realen Marktwert ziemlich weit entfernt sind, sofern diese Papiere überhaupt noch handelbar sind.

Auch eine besondere Art des Zockens, nämlich jene, die im Vorjahr viele Banken an den Rand des Ruins gebracht hat, erfreut sich noch immer grosser Beliebtheit, das Handeln mit CDS (Credit Default Swaps). Denn grössere Investitionen, im besonderen Investitionen bei Anleihen, werden ausfallsversichert und diese Versicherungen als CDS gehandelt. Man sagt auch finanzielle Massenvernichtungswaffen zu diesen Papieren. Hier baut sich ein gewaltiges Explosionsvolumen auf, das irgendwann hochgehen muss. Auch wenn nur ein paar Prozenterln dieser Papiere faul werden (oder auch schon sind, aber sie werden verborgen), dann kann es plötzlich zu Bankenkollapsen kommen - so wie wir es schon erlebt haben ...

Derzeit verliert der US-Dollar gegenüber dem Euro und dem Yen gewaltig. Gestern wurde die 1,50 Marke kurzfristig berschritten. Der Wertverfall des Dollars wird am Weltmarkt mit grosser Sorge betrachtet. Denn zum einen gehen die Exporte in die USA zurück, weil Waren teurer werden. Zum anderen wird noch immer der grösste Teil des weltweiten Rohstoffmarktes auf Dollarbasis gehandelt. Und die Dollarreserven und US-Staatsanleihen verlieren an Wert.

Ob diese Dollarentwertung aufzuhalten ist, ist fraglich. Durch die immense Geldmengenerhöhung musste der Dollar irgendwann an Wert verlieren. Denn zusätzliches Geld in Umlauf zu bringen, ohne entsprechende Rückendeckung, das heisst, Erhöhung der Goldreserven oder Steigerung der Produktivität, kann sich nur inflationär auf die Währung auswirken.

Den Banken ist das weitgehend egal, solange das Casino noch geöffnet ist und solange noch wirklich viel verdient werden kann. Und da treffen wir auf eine ganz besonders fatale Lüge. Banker verteidigen ihre Boni mit dem Grund, dass gute Leute eben sehr, sehr viel Geld verdienen müssen, sonst heuern sie bei Mitbewerbern an. Hätten die G-20 und G-8-Runden nicht nur Absichtserklärungen für die Regulierungen der Finanzmärkte abgegeben, sondern schon gehandelt, dann würde sich diese Argumentation gar nicht stellen.

Doch, so irrational es auch sein mag, die Politiker können offensichtlich gar nichts dagegen tun, sprich regulieren und die Gehälter auf nachvollziehbaren Standard zu bringen, denn die Macht und der Einfluss der Banken ist einfach zu gross. Sie haben die Welt in Geiselhaft und wir müssen hoffen, nicht mit ihnen unterzugehen. Was aber immer wahrscheinlicher wird ...



Johannes (schnittpunkt2012@mail.com)



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