Samstag, 24. Oktober 2009

Von Plastikquietschenten und Betonfertigteilen

Stell dir vor, mein Freund, du hast eine Firma. Ja, so ein richtiges Unternehmen. Du produzierst und verkaufst. Du hast Mitarbeiter und Maschinen, kaufst Arbeitsmaterial ein und fertigst Produkte. Egal ob es sich um Plastikquietschenten, Betonfertigteile oder HighTechelektronikteile handelt. Du investierst sehr viel Geld in dein Unternehmen, das meiste sind natürlich Kredite, schaffst damit die Basis und möchtest mit deiner Geschäftsidee, deinem Angebot natürlich Geld verdienen. Das heisst, du musst es schaffen, dass mehr Geld hereinkommt, als du ausgibst. Sonst geht die Rechnung nicht auf und irgendwann musst du zusperren, weil du weder deine Mitarbeiter noch das Rohmaterial bezahlen kannst.

Weil dein Unternehmen floriert und ziemlich viel abwirft, beginnst du, andere Unternehmen aufzukaufen, wenn sie in deine Strukturen passen. Auch hier solltest du darf schauen, dass du nur Unternehmen kaufst, die mittelfristig auch positiv zu führen sind. So weit, so gut.

Nun ist die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise doch schon einige Monate alt und wir wissen noch zu genau, wie vor einem Jahr plötzlich grosse Banken getaumelt sind. Einige waren über Nacht pleite. So auch Lehman & Brothers, die grösste Bankenpleite bisher. Der Staat griff ein und rettete mit Milliarden Volksvermögen die anderen Banken. Doch das Grundübel, die toxischen, giftigen Papiere waren noch immer vorhanden, obwohl die Banken wieder gut kapitalisiert waren. Dadurch konnte es noch immer passieren, dass diese Papiere ein Bank zum Zusammenbruch brachten. Man erfand zwei Dinge dagegen. Zunächst die "Bad Bank", die den "guten Banken" für "gutes Geld" die Schrottpapiere abkaufte und irgendwie darauf hofft, sie könnten irgendwann einmal wieder einen Wert bekommen. So hatten es die Banken geschafft, die Bilanzen von enormen Verlusten zu befreien. Doch das war nicht genug, darum erfanden die "Experten" neue Regeln zur Bilanzierung der Banken (die bekanntlicherweise quartalsweise bilanzieren müssen). Politiker segneten diese neuen Regeln ab, damit waren sie plötzlich legal. Und was änderten die neuen Regeln? Sie überliessen die Bewertung der eigenen Geschäfte, also wiederum geht es um Wertpapiere, den eigenen Bankfachleuten. Das heisst, jede Bank kann ihre Papiere weitgehnd selbst bewerten und nicht nach dem realen Marktwert in den Bilanzen führen. Das, liebe Freunde, ist kein frisieren der Bilanzen, das ist regelrechter Betrug, eine Vorspielung falscher Tatsachen!

Nun, wir schreiben Herbst 2009, machen Gerüchte die Runde, dass einige grosse Versicherungsunternehmen ebenso Schrott in ihren Bilanzen führen. Nun wurde, dass ja nicht viel an die Öffentlichkeit dringt, still und leise auch für die Versicherungsbranche neue Möglichkeiten eingeführt. Sie dürfen Teile ihrer Aktien aus ihrer Ergebnisrechnung auslagern. Das hat für Besitzer von Lebens- und Kapitalversicherungen weitreichende Folgen!

Damit nicht genug, will man auch zwei weitere "Problemkinder" wieder "gesellschaftsfähig" machen. Nicht die Regulierungen und Restriktionen gegen Hedge Fonds und Private Equity Fonds, meist als Heuschrecken bezeichnet, sollen von der EU verordnet werden, sondern man will die Vorschriften lockern.

Hallo Freunde, dreht sich nicht die Welt verkehrt?

Zurück zu dir als Unternehmer. Du hast, weil das Geschäft gut ging, einige andere Unternehmen gekauft. Leider sind einige dabei, die gewaltige Verluste produzieren, die natürlich in deiner Konzernbilanz aufscheinen. Das heisst, die Unternehmen verbrauchen wesentlich mehr Geld, als sie verdienen. Du musst Geld nachschiessen. Das allerdings belastet deine Bilanzen. Also versteckst du diese Posten, schreibst erfundene Fantasiezahlen in deine Bücher und plötzlich stehen alle deine Unternehmen, der gesamte Konzern gut da. Du darfst dich nur nicht erwischen lassen, denn sonst kommst du in den Häfen (für alle deutschen Freunde: in das Gefängnis) ... wegen Betruges und Bilanzfälschung!

Das heisst, es gibt sehr wohl Branchen, die bewusst und legal Bilanzfälschung betreiben können. Du natürlich nicht, du bist weder Banker, noch nennst ein Versicherungsunternehmen dein eigen, sondern produzierst nur Plastikquietschenten, Betonfertigteile oder HighTechelektronikteile!

Das wirklich dumme an dieser Sache ist, dass all diese Papiere, Zertifikate und weissichnochwas irgendwann fällig werden. Dann möchte jemand, der am anderen Ende der Kette sitzt, Geld sehen. Spätestens dann muss real und nach Marktwert bewertet werden. Und spätestens dann, werden einige aus ihren Träumen aufwachen ...



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)







Meldungen:



Raiffeisen rutscht in der Ukraine tief in die Verlustzone (diepresse.com)
Neuer Belastungstest für Österreichs Banken (diepresse.com)
Opel: Magna könnte leer ausgehen (kurier.at)
Studie: Türken verweigern Integration (kurier.at)
Bosnien-Herzegowina: Arbeitslosenrate bei 42% (binladenspenpal.blogspot.com)
Placebos gegen den Bonus-Wahn (derstandard.at)
USA: Highway to hell (binladenspenpal.blogspot.com)
China: viele Fragezeichen??? (binladenspenpal.blogspot.com)

Nouriel Roubini: Big Crash Coming (indexuniverse.com)



US-"Recovery"? - Geht man vom Mainstream der US-Medien und der Entwicklung der US-Aktienmärkte seit März des Jahres aus, müsste man eigentlich davon überzeugt sein, die USA befänden sich in einer massiven wirtschaftlichen Erholungsphase, am Beginn eines neuen Booms. Doch leider findet sich eine ganze Reihe von nicht manipulierten Daten, die daran starke Zweifel aufkommen lassen. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Versicherer dürfen Risiken verstecken - Exklusiv Großer Lobbyerfolg für die Versicherungswirtschaft: Nach FTD-Informationen will das internationale Bilanzgremium IASB den Gesellschaften weiterhin erlauben, einen Teil ihrer Aktien aus ihrer Ergebnisrechnung auszulagern. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für den Kapitalmarkt - und Millionen Besitzer von Lebensversicherungen. (ftd.de)

EU kommt Fondsbranche entgegen - Der lautstarke Branchen-Protest gegen die geplante EU-Regulierung von Hedge-Fonds und Private Equity trägt erste Früchte: Der schwedische Vorsitzende des EU-Finanzministerrates (Ecofin), Anders Borg, will die geplante Vorschriften für Private Equity und Hedge-Fonds lockern. (handelsblatt.com)

Rogoff warnt vor Ausfall von Staatsanleihen - Der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff hat davor gewarnt, dass die Wirtschaftskrise langfristig zu Staatsbankrotten führen wird. (ftd.de)

Gewaltige Bilanzsumme mischt Fed auf - Die Fed-Bilanz ist inzwischen auf mehr als 2200 Mrd. $ angeschwollen. Und weitere Milliarden werden hinzukommen. Innerhalb der Notenbank sorgt das für heftige Diskussionen. Philadelphia-Vertreter Charles Plosser ist besonders nervös. (ftd.de)

Gefährlicher Mix für die Weltwirtschaft - Ultraniedrige US-Zinsen drücken den Dollar nach unten, Rohstoffe und die Währungen einiger Schwellenländer dagegen nach oben. Für den chinesischen Renminbi, dessen Wechselkurs fixiert ist, gilt das nicht, weswegen andere die Last tragen müssen. Brasilien hat versucht, darauf zu reagieren. Der Dollarverfall und die steigenden Märkte sind die Zutaten einer weiteren Krise. (handelsblatt.com)

Obama von Monsanto „genmanipuliert“? - Die US-Politlandschaft ist nach wie vor durchtränkt und gesteuert von Goldman Sachs und dem Genmanipulator Monsanto. Die Polit-Schmeißfliegen bleiben, selbst wenn sich der Politik-Dung im Pentagon ändert. Die Fed regiert das Geld - Monsanto zerstört die Welt. (mmnews.de)

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