Mittwoch, 29. Juli 2009

Heuschrecken ... eine asoziale Plage!

Nein, nicht jene Heuschrecken, die in Schwärmen ins Land einfallen, alles leerfressen und dann wieder dahin sind. Oder doch diese Heuschrecken? Jedenfalls ist die Bezeichnung treffend gewählt!

Heuschrecken sind Investoren, die Unternehmen aufkaufen, diese finanziell ausnehmen und nur auf schnellen Maximalprofit ausgerichtet sind. Heuschrecken sind skrupellose Hedgefonds, die für ihre Anleger hohe Renditen "erarbeiten". Viele übernommene Unternehmen bleiben dabei auf der Strecke.

Eine typische Heuschreckenübernahme passiert folgendermassen. Ein Hedgefond kauft den Eigentümern (Aktionären) ein Unternehmen ab. Sehr oft sind diese Übernahmekanditaten traditionelle, kapitalmässig gut aufgestellte Firmen. Der Übernahmepreis, der vorerst von der Heuschrecke geleistet wurde, muss das Unternehmen nach der Übernahme den neuen Eigentümern zurückerstatten. Das heisst, es wird aus dem übernommenen Unternehmen Kapital abgezogen.

Zum Vergleich, normalerweise kauft oder übernimmt ein bestehendes Unternehmen ein anderes, weil es in den bestehenden Betrieb passt - zB. als Sortimentserweiterung - oder weil man sich ein Konkurrenzunternehmen angelt - zB. wegen Synergien oder KnowHow. Heuschrecken schauen nur auf die zukünftige Rendite! Profit! Profit! Profit! ... und sonst nichts!

Die ausgesaugten und danach oftmals unterkapitalisierten Unternehmen werden entweder, solange diese noch profitträchtig sind, weiter ausgesaugt oder abgestossen. Im schlechtesten Falle in die Insolvenz geschickt.

Sehr viele bekannte und lukrative Unternehmen sind von Heuschrecken "gefressen" worden. Bei denen sich die jetzige Finanzkrise fatal auswirkt. Denn oftmals wurde der Übernahmepreis von den übernommenen Firmen per Kredit finanziert. Die Heuschrecke selbst hat das Geld schon bekommen, das Unternehmen steckt möglicherweise in grossen Schwierigkeiten.

Zum Beispiel wurde der Herrenbekleider Hugo Boss mittels des Mutterkonzerns Valentino von der britischen Heuschrecke Permira übernommen. Heute hat Hugo Boss grösste finanzielle Probleme und ging sogar soweit, bei Lieferanten bereits belichene Rechnungen neue Konditionen auszuhandeln und die betroffenen Unternehmen schwer unter Druck zu setzen (siehe Link unter Meldungen).

Bei Heuschrecken zählt das Prinzip des Shareholder Values. Das heisst, alles für den Profit des Investors. Der Investor ist fast immer ein Hedgefond und damit die Zeichner von Hedgefondanteilen. Wie schon erwähnt, es zählt nur die hohe Rendite. Meist viel, viel höher als bei anderen Investments, zB. bei Aktien oder Anleihen.

Das wirft natürlich die Frage nach der sozialen Verantwortung auf, die jeder Eigentümer eines Unternehmens haben sollte. Ein Unternehmen sorgt für Arbeit, zahlt Steuern und ist in der Infrastuktur eines Landes eingebunden. Demnach erfüllt jedes Unternehmen eine wichtige Rolle, auch im Sozialsystem eines Landes. Wird von skrupellosen Investoren die finanzielle Basis eines Unternehmens abgezogen, verlieren meist nicht nur viele Mitarbeiter ihren Job, sondern es wird die gesamte Region in Mitleidenschaft gezogen. Die Gemeinden und Länder bekommen weniger Steuern, Arbeitslose kosten dem Staat viel Geld - auch wenn sie umgeschult werden! Schlussendlich geht alles auf Kosten des Volksvermögens, auf Kosten des Steuerzahlers. Das heisst, die Allgemeinheit leidet unter der Profitgier einiger Wenigen, denen die Dramatik der Heuschrecken oft gar nicht bewusst ist. Sie zeichnen einen Fonds, der eben besonders hohe Renditen abwirft. Wie diese Renditen, die nicht Unternehmensgewinne sind, sondern abgezogenes Kapital, zustandekommen, wird teilweise verschleiert oder sie wollen es gar nicht wissen.

Jetzt, in der Finanzkrise, wo auch viele "normale" Unternehmen schwer zu kämpfen haben, trifft es jene, die von Heuschrecken übernommen wurden, besonders schwer, weil viel Kapital abgezogen wurde (teilweise auch jetzt noch immer wird, wie die letzte Aktionärssitzung bei Pro7 gezeigt hat - gehört auch mehrheitlich zu Permira) und so der Handlungsspielraum sehr eingeschränkt ist. Die kaufmännische Sorgfaltspflicht eines Kaufmannes oder Ökonomen wird bei Heuschrecken nicht berücksichtigt. Teilweise unterstützt der Staat auch Heuschreckenübernahmen mit Subventionen und enormen Steuererleichterungen ... mit Volksvermögen!

Egal wie man es dreht und wendet, der grosse Verlierer in der jetzigen Finanzkrise ist ... DAS VOLK, wir, du und ich!



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:



Formel 1: BMW steigt nach dieser Saison aus (derstandard.at)
Daimler fährt Milliardenverlust ein (kurier.at)
Opel: Magna blitzt mit neuem Vorschlag ab (kurier.at)
Deutsche Bank: Milliardengewinn schickt Aktie in den Keller (wirtschaftsblatt.at)
Deutsche Kommunen unter dem Fallbeil der Krise (welt.de)
Unternehmen kommen schwerer an Bankkredite (sueddeutsche.de)
Argentinien: heißer Winter voraus! (binladenspenpal.blogspot.com)
Litauen überrascht mit Horrorzahlen (binladenspenpal.blogspot.com)
Gold: und es will nicht fallen! (mmnews.de)

Krisenansichten: es reicht (hartgeld.com)
Der unstillbare Hunger nach Geld - Kreditklemme und Geldmangel (hartgeld.com)



Den Mut die Wahrheit anzunehmen - Obwohl immer mehr Menschen aufwachen und den Lügen nicht mehr glauben, ist es eine Tatsache, die Mehrheit der Menschen sind in einem Zustand der völligen Leugnung der Realität und wollen nicht sehen was vor ihren Augen abläuft. Man kann ihnen noch so viele Beweise der Widersprüche präsentieren, sie stecken den Kopf in den Sand und verschliessen sich jeder Logik und Vernunft. Sie wollen offensichtlich nicht in den Zustand kommen wo sie akzeptieren müssen, alles was sie glauben ist falsch, das die Welt in der sie leben nur eine Illusion ist. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Brechen unsere Lebensversicherungen zusammen?
- Lebensversicherungen stehen mittelfristig vor dem Crash, da ihre Kapitalanlagen aufgrund der Weltfinanzkrise nicht mehr sicher sind. (kopp-verlag.de)

Geldsystemkrise: Betrug geht weiter -
Die Börsen steigen zwar wieder, die Ursachen der Finanzkrise sind aber weiterhin ungelöst. Der Betrug durch die Fed, die Ratingagenturen und fragwürdige Bonuszahlungen läuft weiter. Die zweite Welle der Krise ist damit programmiert. (mmnews.de)

Die Milliardengewinne und die Klick-Affen
- Nachdem die „Green Shoots“ in der Zwischenzeit verwelkt sind und die Realwirtschaft jetzt überall neu einbricht, hat man sich ein neues Manipulations-Mittel einfallen lassen: „Milliardengewinne“ der US-Banken sollen „beweisen“, dass die Finanzkrise vorbei ist. Dr. Goebbels würde neidisch werden. (ef-magazin.de)

Peking kauft die Regale leer
- Während Unternehmen in aller Welt sich durch die Wirtschaftskrise kämpfen, nutzt China die Gunst der Stunde - und seine gigantischen Währungsreserven - und kauft ein. Fürchten muss die Expansion aber keiner: Die Einkaufstour verfolgt wirtschaftliche Ziele und keine politischen. (ftd.de)

Baltikum am Boden
- Nach dem Boom: Kaum noch Rente, Hungergehälter für Staatsdiener, hohe Schuldenlast: Lettland zerfetzt soziales Netz für Kredite gegen Staatsbankrott. (jungewelt.de)

Ackermann vor Untersuchungsausschuss: "Wir hätten einen Meltdown gehabt"
- Vor dem HRE-Ausschuss schildert der Deutsche-Bank-Chef noch einmal die dramatischste Rettungsaktion der deutschen Bankengeschichte. Er macht es dabei beiden recht: Den Rettern auf Regierungsseite, aber auch den Systemkritikern der Opposition. (ftd.de)

Hugo Boss knebelt Lieferanten
- Der klamme Modekonzern geht mit seinen Lieferanten nicht gerade zimperlich um: Mit harschen Methoden will das Unternehmen seine Einnahmen erhöhen. Das wäre bitter nötig: Der Hugo-Boss-Eigner Permira ist erheblich in Bedrängnis. (ftd.de)

Datenschützer halten Terrorfahndung mit Bankdaten für verfassungswidrig
- Die USA zapfen seit Jahren Bankdaten von Europäern ohne rechtliche Basis an - jetzt soll ein Abkommen die Praxis zementieren. Datenschützer schlagen Alarm und sind sicher: Eine Verfassungsklage wird die Regelung umgehend kippen - weil jeder Bürger als potentiell Verdächtiger behandelt wird. (spiegel.de)

Dollar-Krieg: Lässt China den Greenback fallen? - Was können die Chinesen tun, um sich aus der Dollar-Falle zu befreien? Seit Ende 2008 haben die Chinesen jeden Monat zwischen 50 und 100 Millarden ihrer US-Währungsreserven abgestoßen. Nach der Flucht aus der Dollarfalle werden die Chinesen sich daran machen, die Dollardominanz im internationalen Währungssystem zu brechen. (mmnews.de)




kostenloser Counter



Keine Kommentare: