Mittwoch, 8. Juli 2009

Banken-Stresstest der Österreichischen Nationalbank

Die heimischen Grossbanken wurden von der ÖNB durchleuchtet und das Ergebnis war ein Positives. Laut dem Bericht würden alle österreichischen Banken eine weitere Krise weitgehend unbeschadet überstehen. Also alles in Butter Freunde! Lasst die Champagnerkorken knallen! Bald geht es sowieso wieder bergauf!

Leider ist dem nicht ganz so, wie uns die ÖNB glaubhaft machen möchte. Denn der Test ging von heimischen Kreditausfällen um die 10% und von Kreditausfällen in Osteuropa um die 20% aus, die abgeschrieben werden müssen. Sollte dieses das Worst Case Szenario werden, so verblieben minimal knapp über 5% Kernkapital bei den Banken und dieses wäre immer noch mehr, als gesetzlich verlangt. Demnach wäre auch keine neuerliche Kapitalerhöhung vom Staat, also mittels Steuermilliarden, notwendig. Soweit zum Bericht der ÖNB, wobei ein Zitat von Gouverneur Ewald Nowotny nicht unerwähnt bleiben darf: "Das ist eine Annahme, keine Erwartung!"

Erinnern wir uns kurz zurück an den Oktober 2008. Die amerikanische Grossbank Lehman & Brothers ging bankrott und ein Beben sondergleichen erschütterte die Finanzwelt weltweit. Plötzlich stand Angela Merkel vor den Fernsehkameras und verkündete, dass die deutsche Bundesregierung alle Sparguthaben garantierte. Kurz darauf gab es diese Garantie auch von der österreichischen Regierung, nachdem kurz zuvor der ehemalige Bundeskanzler Gusenbauer diesen Schritt als nicht notwendig erachtete. Was war passiert? Die Menschen hatten das Vertrauen in die Banken verloren und hoben enorme Beträge in bar ab. Deutschland stand kurz vor einem Bankenrun. Die deutsche Bundesbank drängte die Bundeskanzlerin diese Garantie abzugeben und den bereits sich aufbauenden Run auf die Konten und Sparbücher zu verhindern. Das wurde auch geschafft, es wurde zwar übermässig viel Geld abgehoben, doch der Run blieb aus.

Was passiert bei einem Bankenrun eigentlich? Banken verwalten unser Geld, das auf Konten und Sparbücher liegt, Mit diesem Geld wird gearbeitet: Kredite werden vergeben und natürlich wird auch anderwertig investiert. Böse Zungen behaupten, im Grunde sind die Spareinlagen schon lange verzockt ... und ich bin der selben Meinung. Nur, wir wissen es noch nicht! Kommt es zu einem Bankenrun, wird alles verfügbare Bargeld abgehoben und die Banken sind nicht mehr liquid! Kurz, das wäre für die Banken der Super-Gau. Binnen Stunden würde die komplette Bankenwelt eines Staates zusammenbrechen! Nichts geht mehr! Finito!

Wenn es zu einem Bankenrun kommt, werden auch nicht alle Guthaben bzw. Sparbücher ausbezahlt, denn so viel Bargeld ist einfach nicht vorhanden. Das stärkt natürlich nicht das Vertrauen in die Bankenwelt und wenn publik wird, dass die meisten der Kunden kein Geld mehr bekommen, beginnt auch in anderen Regionen oder Staaten das selbe Spiel. Klarerweise haben sowohl Banker wie auch Politiker vor einem möglichen Bankenrun die meisten Angst. Denn dann steht alles, dann bricht auch die Infrastruktur zusammen. Denn Überweisungen können ebenfalls nicht mehr getätigt werden. Der bargeldlose Geldtransfer - auch Bankomat und Kreditkarten werden betroffen sein - ist auch tot.

Doch zurück zum Thema: der Banken-Stresstest der ÖNB. Die Frage muss gestellt werden, warum man bei diesem Test von den oben angeführten Kreditausfällen ausgegangen ist. Tatsache ist, dass sich seit Beginn der Krise fast alle Experten in ihren Prognosen geirrt haben! Immer wieder wird von Aufschwung, Stabilisierung und Krisenende gesprochen, dabei verschärft sich die Situation fast täglich. Vor allem auch, weil immer wieder Fakten und Zahlen publik werden, die, wenn es tatsächlich zum Worst Case kommen wird, die globale Finanzwelt binnen Stunden zusammenbrechen lassen. Das wird die nächste "Krise"! Auch zeigt der Banken-Stresstest nicht auf, wie hoch die österreichischen Bankinstitute an toxischen Papieren leiden, das heisst, wie hoch die Verluste sein können oder werden, wenn die amerikanische Finanzwelt kollabiert?

Auch die Zahlen der Kreditausfälle erscheint mir ein wenig zu tief angesetzt. Noch hat der Insolvenz-Tsunami noch nicht eingesetzt, noch ist es zu keinen nennenswerten Massenentlassungen gekommen. bereits einige grössere Unternehmen die Konkurs anmelden müssen, können heimische Banken in Schieflage bringen ... und in Osteuropa schlummert trotz aller Dementis ein gewaltiges Desaster! Ich rechne nach meinen Informationen in Osteuropa mit Kreditausfällen jenseits der 50%! Die Wirtschaft und der private Wohlstand in ganz Osteuropa ist kreditfinanziert! Das kann einfach nicht gut gehen!

Es ist ein Teufelskreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt. Weniger Aufträge, bedeutet weniger Poduktion, Arbeiter müssen entlassen werden, immer weniger Steuern müssen an den Staat abgeführt werden. Der Staat kürzt das Arbeitslosengeld, viele Kredite können nicht mehr bezahlt werden und der Konsum geht zurück. Geht der Konsum zurück, bedeutet das abermals weniger Aufträge, weniger Produktion, weitere Entlassungen, noch weniger Steuern, usw.

Kommt es dann noch zu einer Insolvenz eines wirklich grossen Finanzhauses oder Bank, könnte ein Bankenrun einsetzen. Was dann passiert, wenn man diesen nicht sofort irgendwie abwendet, habe ich schon beschrieben.

Der Banken-Stresstest ist reine Makulatur, wenn die Annahmen, von denen ausgegangen wurde, anders sind. Klar, man will Vertrauen schaffen, relativ positive Aussichten positionieren und quasi ein Bollwerk gegen den weltweiten Zusammenbruch aufbauen. Was allerdings nicht gelingen wird, denn sowohl die Bankenwelt wie auch die Wirtschaft ist global zu sehr vernetzt und damit abhängig. In Deutschland wird jedenfalls vor innerdeutschen Kreditausfällen in der Höhe von über 800 Milliarden €uro gewarnt (BaFin) ... und Österreich erwartet nur 10% Ausfälle? ...

Und klar ist auch, man kann sich kein anderes Ergebnis eines Banken-Stresstestes leisten ... weder die Regierung, noch die ÖNB, noch die Banken selbst. Das wäre der unmittelbare Anfang des grossen Finales ...



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Österreichs Banken könnten weitere Krise wegstecken (kurier.at)

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Standen wir vor einem Banken-Run? (fact-fiction.ne)



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