Montag, 6. Juli 2009

Banken, die Totengräber des Kapitalismus?

Es ist fast nicht zu verstehen, dass jene, die vorbehaltlos und gierig den Kapitalismus am meisten fröhnten und diesen bis zum Exzess ausnutzen, gleichzeitig auch jene sind, die ihn zu Grabe tragen. Aber es ist tatsächlich so!

Kreative, fantasievolle Banker erfanden immer neue "Wertpapiere", mit denen man handeln konnte. Auch wenn es nicht mehr eintreibbare Kredite waren. Alles was nur irgendwie ging, wurde in fantasievoll lautende Zertifikate und Fonds gepackt und verkauft. Die Geld- und Profitgier war ( und ist noch immer) masslos. Jede nur mögliche Grenze wurde überschritten. All das, was man vom Kreditkunden verlangte, setzte man am internationalen Wertpapierhandel ausser Kraft. Es entwickelte sich ein gigantisches Schneeballsystem, dass logischer Weise irgendwann ausgereizt war. Heute nennt man den Wertpapiermüll "toxische Papiere".

Regierungen mussten einschreiten und einerseits den Banken mit Kapital aushelfen, andererseits sogenannte Bad Banks gründen, wo dieser finanzielle Sondermüll gelagert werden kann ... ohne dass dieser in den Bilanzen der Banken aufscheint.

Mit dem Geld der Steuerzahler, das heisst, mit dem Vermögen der Bürger, wurden Milliardenbeträge in Bankenkonzerne gestopft, die sich immer mehr als Geldvernichtungsmaschinen und schwarze Finanzlöcher präsentieren. Die Bad Banks, die den Wertpapierschrott den Banken teilweise weit überhöht abkauften, taten dies ebenfalls mit Volksvermögen. Also mit dem Steuergeld der Bürger. Darauf zu warten, dass dieser weitgehend wertlose Finanzschrott wieder verkaufbar wird und den finanziellen Einsatz kompensiert, braucht man nicht. Das wäre das selbe, als würde ein Gebrauchtwagenhändler ausrangierte, nicht mehr fahrbereite Autos einkaufen, in der Hoffnung, sie würden sich irgendwann einmal wieder als Neufahrzeuge verkaufen lassen ... die Kapitalisten als infantile Träumer, wer hätte das je gedacht?

Aber Vorsicht! ... die Geschichte ist noch nicht vorbei und es wird noch viel, viel mehr Geld notwendig sein, um die Banken am Leben zu erhalten. Ebenfalls Volksvermögen, ebenfalls unser Geld. Doch eigentlich ist das, was ab jetzt für die Bankenrettung ausgegeben werden wird, schon das Vermögen unserer Enkel und Grossenkel! Unser Volksvermögen ist schon lange weg ... verzockt, leichtfertig auf´s Spiel gesetzt, verschwunden in den schwarzen Löchern der Bankenwelt.

So, nun meint man, dass wenn man die Banken "gerettet" hat und ihnen Milliarden an frischem Kapital zugeführte, alles wieder paletti wäre. Ha, ha, Freunde denkt nicht so naiv! Schwarze Löcher sind gefrässig und saugen alles auf, wenn man einmal damit begonnen hat, sie zu füttern. Nun sagen sie von sich selbst, sie müssen "gesundschrumpfen". Das heisst in Wirklichkeit, eine äusserst restriktive Geschäftstätigkeit an den Tag legen. Obwohl die Leitzinsen - das sind jene Zinssätze, für die sich Banken bei den Nationalbanken Geld borgen können - äusserst niedrig sind, werden immer weniger Kredite vergeben. Kurz, es gibt eine sich jetzt schnell und sich brutal verschärfende Kreditklemme. Dadurch wird es notgedrungen zu immer mehr Insolvenzen kommen und mehr Insolvenzen bedeuten auch immer mehr Arbeitslose. Doch das ist nur die eine Seite der Betrachtung. Die andere verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Denn nicht nur, dass Unternehmen nur mehr erschwert Kredite bekommen und dadurch einige insolvent werden, bedrohen die zusätzlichen Ausfälle von bestehenden Krediten insolventer Unternehmen ebenfalls die Bilanzen der Banken.

Kurz, der Geldfluss, wie die Wirtschaft diesen kannte, wird zusehens unterbrochen. Wobei feststeht, die wirklichen Verlierer sind nicht die Banken und die insolventen Unternehmen, sondern wir alle! Wir, die Steuerzahler, deren Vermögen dazu verwendet wird, etwas am Leben zu erhalten, was im Grunde schon lange gestorben ist.

Das tödliche an dieser Entwicklung ist die progessive Beschleunigung. Sind es jetzt noch (relativ) wenige Unternehmen, die schliessen müssen und die Belegschaft auf die Strasse setzen, wird dies bald mehr und mehr. Ebenso steigt die Kurve der Kreditausfälle ... und damit auch der Bedarf an frischem Kapital vom Staat (der ja grosszügig garantiert, mit Vermögen, das er gar nicht hat!).

Am Ende steht der Zusammenbruch! Egal ob die Gier der Banken so gross war und Milliarden bzw. Billionen in toxische Papiere investiert wurden und ebenso der Gier wegen ganz Osteuropa mit Krediten zugepflastert wurde, um die jetzt nur mehr gebetet werden kann. Osteuropa wird in jedem Fall das Waterloo der westlichen Banken, nicht nur der österreichischen.

Glaubt man den veröffentlichten Zahlen, so sind in den nächsten Monaten nicht Milliarden, sondern Billionen an "Werten" zu refinanzieren und "Ausfälle" abzuschreiben.

Das Gute daran ist, dass diese Summen auch von den Staaten nicht mehr aufzubringen sind und es schlussendlich ein Ende mit Schrecken, statt Schrecken ohne Ende geben wird!

Das Bankensystem unserer westlichen Welt ist am Ende! Es wird uns alle in einem beispiellosen Zusammenbruch mitreissen. Staaten werden daran bankrott gehen ... so gesehen sind die Banken ausschlaggebend für die Lage in der wir uns befinden, sie sind die "Pomfinewra" (altwiener Ausdruck für Totengräber) des kapitalistischen Systems!

Anmerkung: ich verteidige damit NICHT das in den letzten Jahrzehnten ausufernde Kreditsystem für Private und Unternehmen. Das Leben auf Pump ist eine wichtige Säule des sich selbst ad absurdum führenden Kapitalismus und Materialismus gewesen, ohne die nicht die Abhängigkeit entstanden wäre, das Schneeballsystem des "immer mehr wollens" bzw. "immer mehr müssens" weiterzuführen, bis das absolute Limit erreicht wurde. Viele Banken, man könnte diese skrupellos nennen, zocken trotzdem mit höchstem Risiko immer noch weiter! ... bis zum letzten Tag, wo der Rollbalken für lange Zeit runtergeht!



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



... und während ich das schreibe, erscheint im Kurier ein Artikel, demnach überstehen die heimischen Banken auch die nächste Krise unbeschadet! Na, des wea ma seh´n!! I kaun des net gaunz glaub´n!

Österreichs Banken könnten weitere Krise wegstecken (kurier.at)
Jeder fünfte Osteuropa-Kredit notleidend (derstandard.at)

18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken (diepresse.com)
Faule Wertpapiere für 18,1 Billionen Euro bei westlichen Banken (aktienboard.com)



Finanzierung am Ende? - Wie die treuen Leser dieses Blogs inzwischen erfahren haben, besteht das, was wir Geld nennen, aus Kredit. Jemand macht Schulden bei der Bank und geht mit dem erhaltenen Geld Einkaufen. Teile diese Geldes fließen zur Schuldentilgung - über die Volkswirtschaft - an ihn zurück; der andere Teil sammelt sich bei denen, die glauben, dass man Geld sparen kann. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Der nächste Orkan - Während die Bundesregierung den Rückzug des Staates vorbereitet, kämpfen die Banken mit neuen Milliardenverlusten. Die Krise kehrt mit Gewalt zurück. (zeit.de)

Kein Kredit mehr im Herbst - Die Kreditklemme wird sich dramatisch zuspitzen. ZVEI: 57 % der Mittelständler sieht Kreditklemme. Bankenverband: Flächendeckende Kreditklemme ab Herbst möglich. Ifo-Chef Sinn: Banken schrumpfen die Wirtschaft kaputt. (mmnews.de)

Banken mauern - DIHK-Chef Driftmann: Banken mauern bei Krediten. Staat soll Verwendung staatlicher Hilfen schärfer kontrollieren. Aufwand für Bankkredite immer größer. Zahlungsmoral immer schlechter. (mmnews.de)



Meldungen:



Chinesen gegen Magna (derstandard.at)
Konsumlaune in Österreich stabil (derstandard.at)
Forscher sagt Elend und raues Klima voraus (nachrichten.t-online.de)
China, Reich voller Risse (handelsblatt.com)
Biden: US-Regierung hat Wirtschaftskrise unterschätzt (handelsblatt.com)



US-Langzeitarbeitslosigkeit - Den Blog "US-Arbeitsmarktbericht Juni 2009" vom 2. Juli 2009 möchte ich mit folgenden Ausführungen ergänzen: Arbeitslose, die seit länger als 15 Wochen keinen neuen Job gefunden haben, zählen in den USA zu den "Langzeitarbeitslosen". Diesbezüglich sehen wir nun eine neue - in ihrer Dynamik bislang ungebremste und m.E. höchst bedrohliche - Dimension in der Nachkriegsära ... (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Amerika entschuldet sich - Jahrelang haben die USA auf Pump gelebt. Jetzt bauen Unternehmen und Verbraucher Schulden ab. Das senkt zwar die künftigen Risiken für die US-Wirtschaft. Es geht allerdings auf Kosten des Wachstums. (ftd.de)

Lehman-Opfer feiern zweiten Erfolg - Bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche gibt das Hamburger Landgericht einem Geschädigten recht: Die Kundin wurde von der Sparkasse falsch beraten und soll das verlorene Ersparte zurück bekommen. Die Bank kündigte Berufung an. (ftd.de)

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