Donnerstag, 18. Juni 2009

Wer hat die Macht?

Macht, Definition bei Wikipedia: Nach einem weitverbreiteten Verständnis des Wortes bezeichnet Macht die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, auf das Verhalten und Denken sozialer Gruppen oder Personen - in ihrem Sinn und Interesse - einzuwirken. Es handelt sich um einen grundlegenden sozialen Aspekt, welcher in praktisch allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle spielt. So führt das Sozialverhalten von Individuen in Gruppen und von Gruppen untereinander zum Entstehen von Sozialstrukturen, in denen sich auch unterschiedliche Machtpositionen ausdifferenzieren. (de.wikipedia.org)

Wer hat die meiste Macht? Nein, weder irgendein Staatsoberhaupt, noch ein Militärbefehlshaber oder Geheimdienstchef, noch ein Konzernchef. Die meiste Macht haben wir, das Volk. Doch wir wissen es nicht, wir üben sie daher kaum aus und wir werden von jenen Personen und Gruppierungen beherrscht und benutzt, die wesentlich weniger Macht haben, aber uns gegenüber mächtig erscheinen.

Wie kommt das? Die Mächtigen, die sogenannte Elite hat über uns Macht, weil wir es ihnen "erlaubt" haben. Sie "belohnen" uns dafür, indem sie zB. für Schutz, Sicherheit und Wohlstand sorgen. Tatsächlich arbeiten sie diffiziler und effektiver. Dieses Spiel mit der Macht geht schon Jahrtausende lang und funktioniert noch immer! Ein nicht so Mächtiger muss den wahren Mächtigen abhängig machen, dann kann er Macht über ihn ausüben.

Das heisst auf die heutige Zeit übertragen, die Elite sorgt für Annehmlichkeiten, wie Wohlstand, soziale Sicherheit und andere trügerische Illusionen. Wir, das Volk sind dankbar dafür, dass wir uns ein Leben in Wohlstand leisten können und wollen auch nicht, dass dies gefährdet wird. Daher müssen sie auch für eine offensichtlich reale Gefahr sorgen, damit dieses angenehme Leben in Wohlstand und Sicherheit gefährdet ist. Womit kann das Volk in einen permanent-latenten Angstzustand versetzt werden, wobei sich die Elite wieder als Beschützer aufspielt? ... Terrorismus, Kriegsgefahr, Krankheiten, Epidemien, etc. Eine unglaubliche Abhängigkeit entsteht. Auch durch das fast bedingungslose Obrigkeitsdenken des Volkes - man vertraut der Elite fast blind und sieht durch diese "Blindheit" nicht, wie abhängig und unfrei man geworden ist und wie man schamlos benutzt und ausgenutzt wird. Das Volk hat die Freiheit für Abhängigkeit aufgegeben, durch den Wunsch nach immer mehr ...

Wie kann das Volk seine Macht gegenüber der Elite demonstrieren und die Abhängigkeit lösen? Leider gar nicht! Denn zu viele verschiedene Interessen, die ausgeprägte Bequemlichkeit und die Sucht nach der Abhängigkeit, vor allem die Infragestellung des Wohlstandes und der Sicherheit führen eine mögliche Einigkeit von Beginn an ad absurdum. Doch wenn es einig wäre und die selben Interessen vertreten würde, dann wäre es möglich!

Ein kleines Beispiel. Kannst du dich noch an die Aufrufe, den Mineralölkonzern Shell zu boykottieren, erinnern, weil sie damals eine ausgediente Ölplattform im Meer versenken wollten. Wegen der immensen Erdölrückstände wäre das eine tickende Ökobombe irgendwo in den Tiefen der See gewesen, die wahrscheinlich langfristig eine grosse Umweltkatastrophe auslösen hätte können. Den Boykott schlossen sich zwar nicht viele aus dem Volk an, aber doch genug, um bei Shell für empfindliche Umsatzeinbussen zu sorgen. Die Plattform wurde nicht versenkt, sondern an Land geschleppt und entsorgt. Die Macht des Konsumenten (des Volkes) zwang einen mächtigen Konzern in die Knie.

Das heisst, wir hätten die Macht, jeden Konzern UNSERE Interessen aufzuzwingen oder Regierungen zu stürzen. Doch durch unsere Uneinigkeit, Bequemlichkeit und Angst Eigenverantwortung zu übernehmen, bleibt diese effektiv auszuüben wohl oder übel ein visionärer Traum.

Aber halt, nicht ganz, denn zum einen ist das Volk, also du und ich ebenso, lernfähig und wir befinden uns derzeit in einer Krise, die sich langsam zu einem totalen Zusammenbruch aller Systeme entwickelt. Spätestens dann, kann die Wirtschaft nicht mehr für Bedürfnisse und Abhängigkeiten sorgen, die Regierungen nicht mehr für Sicherheit ... spätestens dann wacht das Volk auf, wird erkennen, wie manipuliert und ausgenutzt es wurde und wird auf die Strasse gehen. Dann wird die Elite merken, dass das Volk doch erheblich mehr Macht hat, als sie. Doch bis dahin rinnt die Mur (Fluss durch Graz ;-) noch viel Wasser hinunter und so lange werden wir auch noch ausgenutzt und gegeneinander ausgespielt ... so lange es noch geht!

Einie Male in der Geschichte hat das Volk seine Macht demonstrieren können, so wie sie es derzeit auch im Iran versucht. Oft war allerdings Manipulation einer anderen Elite der Grund dafür. Das heisst, nicht aus eigenen Interessen ging man auf die Strasse, sondern aus Interessen einer anderen Gruppe, meist eines Staates, der mehr Einfluss anstrebte. Doch das Volk stürzte Diktatoren, Regime und Regierungen. Dahinter standen Geheimdienste, andere Regierungen und profitgierige Konzerne.

Wenn es zum Zusammenbruch vieler Staaten gleichzeitig kommt, und dadurch auch zum Kollaps staatlicher Strukturen, fallen diese Manipulationen naturgemäss weg. Das Volk ist auf sich alleine gestellt, muss Verantwortung übernehmen und kann nun die Macht ausüben, die sie bisher nicht erkannt hat. Das heisst, es spielen dann kaum mehr staatliche, wohl aber ideologische Motive und Auslöser mit. Denn Regierungen werden mit sich selbst genug zu tun haben, um überhaupt noch irgendwie zu funktionieren, Konzerne ebenso.

Die Gefahr allerdings besteht, dass das Volk, das seine Freiheit sucht, plötzlich auf irgendwelche "starken Führer", Populisten und Demagogen hereinfällt und sich wieder vor dem Karren spannen lässt und die Interessen einer kleinen, weit weniger mächtigen Gruppierung, durchsetzt.

Es wird mit Sicherheit eine chaotische, wilde und vor allem verlustreiche Zeit, bis das Volk seiner Verantwortung im ideologisch-politischen, gesellschaftlichen, wie auch im wirtschaftlichen Sinn UND seiner Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft bewusst wird und verantwortungsvoll damit umgeht. Kein leichter Weg, auf dem sehr, sehr viel Porzellan zerbrochen und sehr, sehr viel Blut fliessen wird. Doch die Hoffnung besteht!

Was das Volk erwarten kann, ist bekannt, viel zitiert und klingt auch ein wenig "ausgelutscht". Und doch ist es wahrscheinlich das Wichtigste in der Geschichte der Menschheit, das all den Kampf gegen die Elite, gegen die scheinbar Mächtigen erst sinnvoll erscheinen lässt und für das man auch Verluste schlussendlich gerne in Kauf nimmt: Freiheit, Einigkeit und Brüderlichkeit ... die visionären Eckpfeiler der französichen Revolution!



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Max Weber: Nach dieser wohl bekanntesten Definition ist Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“ Diese Definition abstrahiert von den Quellen der Macht, sieht also etwa von einer Legitimiertheit der Macht völlig ab.



Meldungen:



Kurzarbeit soll Krise lindern (derstandard.at)
BMW mahnt Mitarbeiter zur Markentreue (derstandard.at)
China verkauft US-Staatsanleihen im Wert von 4 Milliarden US-Dollar (china.org.cn)
Geht die Schweiz bankrott? (woz.ch)
Buy Chinese (mmnews.de)
Zehn US-Grossbanken zahlten Staatshilfe zurück (derstandard.at)



USA und Europa - Hyperinflation am Horizont - Fachleute warnen vor überschwappender Liquidität - Unabhängige Experten der Finanzwelt, die keinerlei „Verbindung“ mit der Politik, bestimmten Banken und/oder anderen Institutionen haben, warnen jetzt immer lautstarker vor der Gefahr von Hyper-Inflation in jenen Ländern, die mit atronomischen Summen ihr Banken gerettet haben und weiter retten sowie zusätzlich immense Geldmengen in Firmen-Rettungen und andere Unterstützungsaktionen für die Industrie gesteckt haben und stecken. Das betrifft besonders die USA, aber in deutlichem Masse auch die EU/Eurozone. (berlinerumschau.com)

Expertenkommission gibt zu: »Stress-Test« für die Banken ist völlig wertlos - In der Öffentlichkeit wird immer wieder behauptet, die seit Anfang Mai zu verzeichnende scheinbare Erholung an der US-Börse, eine sogenannte »suckers‘ rally«, sei vornehmlich auf den von der Obama-Regierung angeordneten »Stress-Test für die Banken« zurückzuführen. Dabei waren 19 der größten US-Banken einer Überprüfung unterzogen worden, angeblich um festzustellen, wie gefährlich das Verhältnis zwischen ihren »giftigen« Wertpapieren und ihrem Eigenkapital war. Allerdings gibt es jetzt noch keinen Grund, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Für Insider kam es überhaupt nicht überraschend, dass alle 19 überprüften Banken den Test »bestanden« hatten, das hatten ja zumindest US-Finanzminister Timothy Geithner und seine Bundeseinlagenversicherung (FDIC) bekannt gegeben und erklärt, möglicherweise brauchten die Banken nur noch zusätzliches Kapital in Höhe von 75 Milliarden Dollar – und das sei wohl kaum ein Grund für die Angst vor einer Systemkrise des amerikanischen Kapitalismus. Die Sache hat nur einen Haken: Übereinstimmend kam eine Arbeitsgruppe des US-Kongresses jetzt zu dem Schluss, dass dieser Stress-Test so konzipiert war, dass er praktisch wertlos ist. (kopp-verlag.de)

Miegel: Die nächste Krise wird noch schlimmer. Wirtschaftsexperte kritisiert staatliche Reaktionen als zu heftig. Nach Einschätzung des Wirtschaftsexperten Meinhard Miegel ist nach der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise ein noch schlimmerer Einbruch in der Weltwirtschaft zu befürchten. Bei der nächsten Krise könnten auch Staaten "ins Trudeln kommen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Denkwerk Zukunft. (dradio.de)

Protektionismus bringt Weltwirtschaft zum Absturz - Erst USA, jetzt China. Protektionismus wird der Weltwirtschaft den Todesstoß versetzen: Wer nicht aus der Geschichte lernt wird die Depression ernten! Es war genau dieses Vorgehen, warum die Wirtschaftskrise der 30er Jahre zur Grossen Depression ausartete. (mmnews.de)

The Big Unwind - Im März 2008 suchte man seitens des TIME.com-Blogs "The Curious Capitalist" eine treffende Bezeichnung für die damalige Nur-Finanzkrise, die sich mittlerweile zu einer veritablen globalen Wirtschaftskrise ausgewachsen hat. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Die «bond market vigilantes» sind an der Arbeit - Die Diskussion an den Kapitalmärkten über Grund und Folgen der trotz den Lockerungsbemühungen der Notenbanken steigenden Marktzinsen hält an. Immer häufiger sind Befürchtungen einer in Zukunft kräftigen Inflation zu hören. Das Emissionsvolumen ist anhaltend hoch. (nzz.ch)

US-Immobilienmarkt mit Trendwende? - Im Mai 2009 gibt es erstmals eine erwähnenswerte Erholung am US-Immobilienmarkt! Nach den gestrigen Daten des Census Bureau steigen die US-Baubeginne (Housing Starts) um +17,2% zum Vormonat auf 532'000 Neubaubeginne an. Es ist aber immer noch ein Einbruch von -45,2% zum Vorjahresmonat und von gewaltigen -76,6% zum letzten Hoch im Januar 2006 mit 2,273 Millionen Wohneinheiten.(wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Mit Brot, Milch und – Pistole - Aufgrund der anhaltenden Rezession bewaffnen sich immer mehr Amerikaner. Sie haben Angst vor Plünderungen und dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. (kopp-verlag.de)

Real Madrid kauft nur auf Kredit - Der FC Barcelona muss sich nicht länger wundern, woher der Erzrivale Real Madrid das Geld für die exorbitant teuren Transfers von Kaka und Cristiano Ronaldo nimmt. Der spanische Fußball-Rekordmeister finanziert seine derzeitige Einkaufstour "auf Pump". (n-tv.de)

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Kommentare:

ck hat gesagt…

Die "Gleichheit" im revolutionären Werte-Trio hat dir wohl nicht so gefallen, dass du sie einfach durch "Einigkeit" ersetzt hast??

Fakt ist, dass sich im weiten Web keine 5 Polit-Blogger über mehr als "weg mit #zensursula" einig sind.

Einigkeit ist auch kein Ziel, für das man kämpft, sondern ein Mittel, um wirkungsmächtig zu handeln.

Ich muss mit meinem Nachbarn nicht über mehr einig sein, als dass man die Päckchen füreinander aufbewahrt, die die Post bringt.

Das ist auch sehr gut so, solange wir das Haus nicht selbst verwalten müssen, sondern einfach Miete zahlen dürfen und jemand anders macht den ganzen Kram.

keltisch hat gesagt…

Freiheit gleichheit geschwisterlichkeit

:D

kein mensch steht von natur aus über einen anderen :P

deswegen eigenverantwortung und kraft :)

Gleichheit bedeutet die freiheit des anderen zu respektieren ^^