Mittwoch, 3. Juni 2009

Macht es Sinn, die Autoindustrie zu retten?

Wir haben in den letzten Jahren nicht nur enorme Überkapazitäten bei der Automobilproduktion gehabt, rund 25 Millionen Autos stehen fabriksneu weltweit auf Halde, sondern in Ländern wie China hat sich eine neue, zusätzliche Automobilindustrie mit zusätzlichen Kapazitäten entwickelt.

Wenn man das alte, jetzt nicht mehr gültige Dogma der Vertreter für den freien Markt und den grenzenlosen Kapitalismus, dass dieser freie Markt nicht nur ewig wachsen wird, sondern sich auch selbst reinigt, hernimmt, haben die Autokonzerne sich selbst in den Abgrund geführt. Gründe dafür gibt es sehr viele. Doch wenn einfach zuviel Autos erzeugt werden, bleiben einige übrig ... hier stimmt die Milchmädchenrechnung! Der Rest wird gerettet? Wie?

Wenn nun allerdins als Begleiterscheinung die gesamte Wirtschaft extreme Rückgänge verspürt und der private Konsument plötzlich sparen muss und ausserdem Autos auf Kredit oder Leasing in Anbetracht der schwierigen Zeiten, die kommen werden, die Neuwagenverkäufe um 20 - 40% drückt, dann ist dies wohl oder übel eine Überlegung wert, was überhaupt gerettet werden soll und was nicht. Alles retten zu wollen ist reine Illusion und kann nicht funktionieren.

Denn hier sind sich bereits die meisten Ökonomen und Finanzexperten einig, es wird nicht mehr so, wie es einmal war. Und bevor wir nicht aus dieser schwierigen Weltwirtschaftskrise herausen sind, können wir auch nicht sagen, wie es weitergehen wird bzw. welcher Bedarf herrschen wird. Egal ob die Kurve noch gekratzt werden kann, was eher unwahrscheinlich ist, oder ob wir einen totalen Systemcrash erleben werden.

Betrachtet man die aktuellen Wirtschaftsdaten und die (meist geschönten) Wirtschaftsprognosen, wird die Autoindustrie längerfristig zumindest um ein Drittel sinken, wenn nicht mehr. Dass Regierungen natürlich interessiert sind, im eigenen Staat die Wirtschaft möglichst zu erhalten, ist logisch. Deswegen muss aber nicht alles gerettet werden. Denn die Gefahr besteht, dass dadurch mehr Betriebe ins Trudeln kommen, weil ohne Ausfall eines ohnehin nicht lebensfähigen Herstellers die Rückgänge sich auf alle aufteilen.

Es wird weiterhin Einbrüche geben, wahrscheinlich in noch viel höherem Masse wie bisher. Stellt sich die Frage, ob jenes hineingebutterte Volksvermögen dann nicht sowieso komplett verloren ist? Auch wenn es sich nur um Bürgschaften handelt, die bei Bedarf umgewandelt werden.

Wenn die Autoindustrie Rückgänge verzeichnet, muss Personal abgebaut werden. Verschärft sich die Lage, wird man wohl mit 30.000 (soviel Mitarbeiter beschäftigt Opel) Entlassungen nicht auskommen.

Ich frage mich, woher der Optimismus kommt, die gesamte (nicht nur deutsche) Automobilindustrie retten zu wollen? Wer soll diese Kapazitäten kaufen? Oder wird nur in Richtung Wahl spekuliert, alles was danach kommt, scheint egal zu sein!

Doch es ist nicht nur die Automobilindustrie, viele andere Bereiche wollen "Staatsgeld" oder "Staatsgarantien". Früher sagte man, Zuschüsse und Garantien wären eine Verfälschung des freien Marktes. Heute halten vor allem jene, die damals so laut dagegen geschrien haben, die Hand auf. Ob tatsächlich in Anbetracht der Situation das "Staatsgeld" wieder zurück kommt, ist mehr als fraglich.

Es ist ein politisches Vabanque-Spiel, das sehr teuer werden kann. Allerdings lässt auch diese Perspektive den Schluss zu, es kommt zu einer offensichtlichen, weltweiten Entschuldung der Staaten (und einem gleichzeitigen Vermögensverlust der Bürger), denn die Schulden, die jetzt angehäuft werden, können nicht mehr zurückbezahlt werden! Auch das ist eine Illusion!

Unser Geld wird immer weniger wert. Noch sind die Zinsen relativ niedrig, werden aber bald ebenso explodieren, wie die Inflation. Und völlig ungewiss ist es, ob Magna/Sberbank Opel "retten" kann oder die Obama Regierung General Motors oder Fiat Chrysler.

Ich muss immer wieder darauf hinweisen, dass vor allem Politker, Manager und Bankiers die Lage seit Ausbruch der Krise völlig falsch eingeschätzt haben und in ihren Prognosen völlig daneben gelegen sind (mit wenigen Ausnahmen, die man erst jetzt beginnt ernst zu nehmen!) ... warum sollte es in der Autoindustrie anders sein.






Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Transatlantische Flaute am Automarkt (kurier.at)
Opel: Verraten und verkauft (jungewelt.de)


Der GM-Konkurs dient nur den Banken und die Arbeiter werden betrogen - Nach 101 Jahren Firmengeschichte hat General Motors am 1.6.2009 Insolvenz angemeldet, wie ich bereits am 26. April im Artikel: "Goodbye General Motors, ab in den Bankrott" angekündigt habe. Es ist aber nicht die grösste Pleite in der US-Geschichte. Hier eine Übersicht die zeigt, die Hälfte der grössten Konkurse fand in den letzten 12 Monaten statt. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

60 Sekunden für die Wiedergeburt von General Motors - Ab Morgen soll Insidern zufolge ein Werbespot die Amerikaner auf eine goldene Zukunft mit dem Autobauer einschwören. Im Web kursiert er jetzt schon. (bernerzeitung.ch)



Meldungen:



Die kruden Geschäfte dänischer Banken
(kurier.at)
Wirtschaft der Eurozone schrumpft um 2,5% (kurier.at)
US-Banken wollen Staat wieder loswerden (derstandard.at)
Amerika’s finanzieller Supergau (adadservices.com)
Pleitegeier über Uncle Sam (handelsblatt.com)
Merkel sieht Bankenrettung im Wesentlichen gelungen (focus.de)

The Big Collapse Could Be Very Near (globalresearch.ca)

Die größten Loser unter den Milliardären (ftd.de)



The Worst Case Scenario (Someone Has to Say It) - Since the economy began sliding downhill in late 2007, mainstream economic and market experts have consistently erred on the sunny side. As late as June 2008, mainstream consensus held that the U.S. was heading for a "soft landing" and would avoid recession. Several months later, the slump was acknowledged to have started in January 2008, but we were supposed to see renewed growth by mid-2009, with unemployment peaking in the eight-to-nine percent range. A quick "shovel-ready" stimulus bag was supposed to set us back on the road to prosperity. (silverbearcafe.com)

Welchen Teil des Wortes NEIN versteht die EU-Elite nicht? - Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt, bei der demnächst stattfindenden Europawahl soll darüber abgestimmt werden, welche Repräsentanten der einzelnen Mitgliedsländer ins EU-Parlament abgesandt werden, insgesamt laut gültigen EU-Gesetz 736 Abgeordnete, aber die EU-Diktatoren zwingen die Wähler 751 zu wählen, zusätzliche 15 Sitze, so wie es der Lissabon-Vertrag vorsieht, der aber noch gar nicht ratifiziert ist. Es wird mit einer Arroganz die bestehenden Gesetze umgangen und einfach so getan, wie wenn der Vertrag schon in Kraft ist und es sollen 15 Politiker mehr nach Brüssel geschickt werden. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Die Generation C64 schlägt zurück - Die Debatte um Ursula von der Leyens Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie im Netz macht eine gesellschaftliche Kluft sichtbar: Die Generation Online will nicht länger akzeptieren, dass über sie hinwegregiert wird. Ein Generationenkonflikt wird sichtbar, der das Land noch Jahre lang spalten könnte. (spiegel.de)

Kein Kredit - Die deutsche Wirtschaft fürchtet existenzbedrohende Kreditverknappung. Liquiditätsprobleme könnten „spätestens im Sommer existenzbedrohend werden“. Kreditinstitute stellten höhere Anforderungen an Sicherheiten oder bewerteten vorhandene Sicherheiten geringer. (mmnews.de)

Merkel gegen Fed? International große Beachtung fand die Kritik von Angela Merkel an der US-Zentralbank Fed und der Bank of England. Wall Street Journal: "Deutschland nimmt Macht der Fed unter Beschuss". "Überraschende Attacke gegen Weltzentralbanken". (mmnews.de)

Geithner: Chinas Dollar-Reserven sind sicher - Der US-Finanzminister rührte an den ersten Tagen seines Chinabesuches bereits kräftig die Werbetrommel für Investitionen in Dollar. Dieser sei weiterhin eine harte Währung, in die man auch in Zukunft vertrauen könne. (german.china.org.cn)

Heute Besäufnis, morgen Entzug - Die Bundesregierung erinnert stark an eine Versammlung von Alkoholikern, die sich heute noch einmal ordentlich besaufen – sich aber schwören, dass morgen, morgen alles anders werden soll. Künftig ist Enthaltung angesagt. (Heute Besäufnis, morgen Entzug - Die Bundesregierung erinnert stark an eine Versammlung von Alkoholikern, die sich heute noch einmal ordentlich besaufen – sich aber schwören, dass morgen, morgen alles anders werden soll. Künftig ist Enthaltung angesagt. (wiwo.de)

Innenminister warnen vor Terror aus dem Internet - Die Sicherheitslage in Deutschland ist latent gefährdet. Davon gehen jedenfalls die Innenminister von Bund und Ländern aus. Das Land sei aber unzureichend auf die Bedrohung durch Terroristen vorbereitet. Zudem werde auch die Bedrohung durch Gewalt im Inneren größer. Dies bekommen in erster Linie Polizisten zu spüren. (welt.de)

"Wer soll das bezahlen?" - Die Folgen der Finanzkrise sind bedrohlich, zwei Szenarien denkbar: Verliert das Geld massiv an Wert, kommt die große Inflation? Oder droht der Welt die Deflation, ein lähmender Preisverfall? Die Ökonomen Peter Bofinger und Thorsten Polleit streiten über die Stabilität der Währung. (spiegel.de)

Reich und ratlos - In der Krise hadern selbst Millionäre mit sich und ihrem Depot. Nur der alte Geldadel bleibt gelassen, sagt Reichenforscher Thomas Druyen. (ftd.de)

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