Montag, 15. Juni 2009

Erholung ... oder nur Scheinerholung

Derzeit wird von Politikern und Medien sehr viel über eine Erholung der Krise gesprochen bzw. geschrieben. Befinden wir uns derzeit tatsächlich in einer Phase der Erholung oder ist es nur eine scheinbare Erholung?

Die Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass wir uns NICHT in einer Erholungsphase befinden, allerdings wurde der Abschwung ein wenig abgebremst. Die offiziellen Daten der Banken deuten auf eine Erholung hin, die Börsenkurse ebenfalls. Tatsächlich hat sich allersings noch nichts geändert, die Probleme sind immer noch die selben, was negative Bewegungen in anderen Gebieten zeigen und leider auch die Alarmglocken schrillen lassen. Also doch keine Erholung, sondern eher eine kurze Atempause.

Zu den einzelnen Fakten. Vor allem in den USA hat sich der Arbeitsmarkt und die allgemeinen Wirtschaftsdaten im Verleich zu den Vormonaten etwas gebessert, allerdings sind sie immer noch extrem schlecht. Die durchschnittlichen Exportzahlen der wichtigsten Staaten sind fast unverändert schlecht. Deshalb kann noch lange nicht von einer Erholungsphase gesprochen werden. Bei Daten von und über Banken muss man sehr vorsichtig sein, denn einerseits sind viele Schrottpapiere an Bad Banks ausgelagert worden, andererseits öffnen die skurrilen Bilanzierungsregeln jeglicher Manipulation Tür und Tor. Ich glaube den Banken keine Zahlen! Dass einige der amerikanischen Banken ihre Milliardenhilfen, die sie vom Staat als Rettung bekommen haben, jetzt schon zurückzahlen wollen, sagt nur aus, dass sie jegliche Einmischung, im besonderen bei Gehälter und Boni, vom Staat nicht wünschen. Der belastende Schrott ist weitgehend weg, den Rest bewertet man einfach besser (bzw. falsch) und schon sind wieder Milliardengewinne am Papier möglich. Doch die gefälschten Daten werden noch für gewaltige Überraschungen sorgen! Nur zur Erinnerung, es sind über 850 Billionen US-Dollar ($-trillions) an CDS derzeit offen, das ist das 17fache des weltweiten Bruttosozialprodukts!

Nicht viel beachtet wird die Lage bei den Staatsanleihen, die bedenklicher nicht sein kann! Einige Staaten bringen ihre Staatsanleihen überhaupt nicht mehr (Lettland) oder andere nur teilweise an (USA kauft über die FED die eigenen Staatsanleihen auf). Fazit, die Zinsen auf die Staatsanleihen steigen. Die sinkenden Steuereinnahmen und die steigenden Ausgaben durch erhöhte Arbeitslosigkeit, treiben jetzt viele Staaten in den Bankrott. Es müssen immer mehr Schulden gemacht werden, doch wie lange gibt es noch Käufer dafür? Wenn die FED und die EZB massenhaft Staatsanleihen kaufen, müssen horrende Summen Geld neu geschaffen werden. Das ist Kraftfutter für die Inflation, die in kurzer Zeit beginnen wird zu galoppieren (Hyperinflation). Russland und China beginnen derzeit Dollarreserven und US-Staatsanleihen in grossem Stil los zu werden. Das wird auf Zeit gesehen, viele Investoren nachdenklich machen und plötzlich wird die globale Flucht aus dem Dollar beginnen.

Der derzeitige Börsenaufschwung wird gerne als Idiotenralley bezeichnet, denn die Wirtschaftsdaten deuten eigentlich auf das Gegenteil hin. Ein weiterer Börsencrash wird immer wahrscheinlicher. Doch die im letzten Jahr verlorenen Milliarden hofft man zu kompensieren, deshalb steigen die Kurse, jeder will noch einmal schnell abzocken!

Der Wirtschaftsraum Osteuropa steht nach wie vor kurz vor dem Kollaps. Es wurden zwar Milliarden €uro hineingepumpt, doch geholfen hat es nur den Banken, und auch nur vorübergehend. Und wie wir wissen, kann Osteuropa die westeuropäische Bankenwelt zum Einsturz bringen. Und durch die enorm hohen Staatsgarantien für Banken, können Staaten bankrott gehen.

Lieber Freund, es gibt keine Erholung, sondern höchstens eine manipulierte Verschnaufpause. Bald, sehr bald werden wir wieder mit den fast schon alltäglichen Horrormeldungen konfrontiert werden, dann geht es wahrscheinlich noch schneller abwärts in Richtung Null-Punkt. Nein, es kann keine Entwarnung gegeben werden. Und ja, die Regierungen werden alles versuchen, den endgültigen Absturz noch hinauszuzögern. Gerettet werden kann das System nicht mehr ...



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



PS: Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, mit einem Landespolitiker zu sprechen. Dieser ist überzeugt davon, dass die Krise bald stabilisiert werden kann und noch heuer, aber spätestens im Frühjahr 2010 der Aufschwung wieder einsetzt. Dieser Politker gehört der ÖVP an und vertritt sozusagen Wirtschaftskompetenz. Auf die Frage, warum im Herbst oder nächsten Frühjahr der Aufschwung einsetzt bzw. wieso die Krise stabilisiert wird, konnte er keine aussagekräftige Antwort geben: "Weil Staaten wie die USA, Grossbritannien und Deutschland das nicht zulassen werden und es sieht sowieso schon viel besser aus, als noch Ende 2008 ...!" Gut, dachte ich mir, seichte Argumentation und ich hab´ keine Erkärung dafür, warum solche Personen, die offensichtlich realitätsverweigernde, inkompetente Heissluftproduzenten sind, vom Volk gewählt werden!



Meldungen:



Hyperflation läuft an (mmnews.de)
Österreichs Banken: Milliardenrisken in den USA (diepresse.com)
Beunruhigende Signale vom Treasury-Markt der USA (nzz.ch)
G-8 plädieren für Ende des Geldausgebens (derstandard.at)
Amerikaner werden immer ärmer in dem sich $14 Billionen in Luft auflösen (alles-schallundrauch.blogspot.com)
Militär boomt: Rekordausgaben (mmnews.de)
Baltische Staaten: vom Boom zum Bankrott (stern.de)
Lettland vor dem Bankrott gerettet (diepresse.com)
Schweden zittert vor baltischem Finanzkollaps (diepresse.com)
Chinas Exporte brechen unerwartet stark ein (handelsblatt.com)



Weltbank sagt Absturz der globalen Wirtschaft voraus - Wie schlimm wird die globale Wirtschaftskrise wirklich? Die Weltbank legt jetzt eine besonders düstere Prognose vor: Die Organisation erwartet ein Minus von drei Prozent - und korrigiert damit die eigene Vorhersage radikal nach unten. Für die Exportnation Deutschland wäre dies ein herber Schlag. (spiegel.de)

"Sind noch weit vom Aufschwung entfernt" - Laut IHS-Chef Felderer reicht die Wirtschaftskrise noch weit ins Jahr 2010 hinein. Eine düstere Prognose zeichnet er für den Arbeitsmarkt. (kurier.at)

Vorsicht bei Staatsanleihen - Das einst sichere Investment werde die Anleger in den kommenden Monaten viel Geld kosten, warnen Experten. Hohe Staatsschulden der Industrieländer sowie Inflationsängste gelten als Risiko. (diepresse.com)

Öffentliche Infrastruktur in Milliardenwert verkauft - Cross Border Leasing in Österreich - Der Verkauf kommunalen und öffentlichen Eigentums an US-amerikanische Investoren hat auch in Österreich grossen Zuspruch gefunden. Seit Mitte der 90er Jahre wird Cross Border Leasing (CBL) praktiziert. Infrastruktur wird also in Milliardenhöhe verkauft und wieder zurückgeleast. Diese Verträge werden auf 99 bzw. 100 Jahre abgeschlossen, können aber nach etwa 30 Jahren aufgelöst werden. Dann wird dem Leasingnehmer (zum Beispiel der Gemeinde Wien) das Recht eingeräumt, eine Kaufoption zu einem schon zu Beginn vereinbarten Preis auszuüben. Das Transaktionsvolumen umfasst mindestens 150 Millionen Dollar, denn bei den enormen Nebenkosten (Anwälte, Beratung und sogenannte Arranger, die alle Beteiligten koordinieren) rentiert sich dieses Geschäft sonst nicht. (zeit-fragen.ch)

Inflation unausweichlich - Die Ruhe an der Preisfront ist trügerisch. Die Realität: Das viele leistungslose neu produzierte Geld verursacht zwangsläufig eine hohe Inflationsrate, die sich aus der neuen nicht unterlegten Geldmenge ergibt. (mmnews.de)

US-Kreditpyramiden - Gestern veröffentlichte das Federal Reserve Boards den Flow of Funds Accounts Bericht zum 1. Quartals 2009. Die US-Notenbank bietet in ihrem vierteljährlichen Bericht eine umfassende Aufstellung der Vermögen und der Verbindlichkeiten der USA. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Die Macht der Banken über die Staaten muss gebrochen werden - So wie die Finanzkrise gehandhabt wird, speziell wie bevorzugt die Banken behandelt werden, die offensichtlich allmächtig sind und die Politiker völlig kontrollieren, gleichen die Zustände im Westen eher der von Ländern der dritten Welt. Deutschland, aber alle anderen sogenannten hoch entwickelten westlichen Länder auch, sind im Besitz der Bankster, in dem diese Gruppe von Finanzkriminellen, egal was es den Steuerzahler kostet, am Überleben gehalten werden, aber gleichzeitig die Industrie und die Arbeitnehmer verrecken dürfen. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Gold gegen Dollar - Welche Handlungsmöglichkeiten haben China und die USA in Bezug auf Gold und den Dollar? Die eine Partei besitzt massenhaft grüne Zettel und will mehr Gold, die andere muss sich laufend mehr gutgläubige „Gläubiger“ suchen und will nicht, dass Gold abfließt. (mmnews.de)

Eine Geschichte von zwei auseinander driftenden Wirtschaftswelten - In der globalisierten Welt von heute zeigt sich immer mehr eine tiefe Trennlinie, die für die politische Stabilität und wirtschaftliche Zukunft Europas von größter Bedeutung sein wird. Die Trennlinie verläuft zwischen den Ländern, die noch immer in das Dollar-System eingebettet sind, also sogar Länder in der Eurozone, und den so genannten Schwellenländern – besonders die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China –, bei denen zunehmend neue Wirtschaftsmärkte und -regionen die übermäßige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten als Haupt-Exportmärkte und als wichtigste Quelle für Investitionen ablösen. Langfristig wird dies zur Folge haben, dass sich die Vereinigten Staaten endgültig als politische und wirtschaftliche Supermacht verabschieden, während neue dynamische Wirtschaftszonen entstehen, die zunächst allerdings vornehmlich nur von regionaler Bedeutung sind. (kopp-verlag.de)

Kostendruck: Obama erwägt den Abriss von 50 amerikanischen Städten - Es klingt wie ein Aprilscherz, doch es ist Realität. Im Weißen Haus denkt man über den Abriss vieler amerikansicher Städte nach – aus Kostengründen. (kopp-verlag.de)

Neuer Krieg ums Öl? Öl ist immer noch das alles beherrschende Thema für die US-Wirtschaft und genau aus diesem Umstand heraus hat Präsident Obama die Verteidigungsausgaben nicht gesenkt, sondern um weitere 10 % erhöht. (mmnews.de)

Bank Rescue Costs EU States $5.3 Trillion, More Than German GDP - European governments have approved $5.3 trillion of aid, more than the annual gross domestic product of Germany, to support banks during the credit crunch, according to a European Union document. (bloomberg.com)

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