Mittwoch, 17. Juni 2009

Das 138 Milliarden G´schichterl

Es gibt immer wieder "G´schichtln", die aus mehreren Gründen unglaublich klingen, offensichtlich manipuliert in die Öffentlichkeit drängen und Anlass für wilde Spekulationen geben. So wie das 138 Milliarden G´schichterl.

Zuerst berichteten Blogger, mit Tage verspätung erst die Mainstreampresse. Doch fast jeder Artikel war eine eigene Version der Vorfälle. Zwei Japaner wurden in Italien verhaftet, weil im doppelten Kofferboden US-Wertpapiere in Milliardenwerten gefunden wurde. Sie verstiessen gegen die bestehenden Devisen & Wertpapierein- bzw. Ausfuhrgesetze.

Normalerweise wird nach solch einem Vorfall von der zuständigen Behörde, in diesem Falle der Guardia di Finanza, eine Pressekonferenz einberufen, auf der die Journalisten alle zur Veröffentlichung geeigneten Daten und Fakten bekommen. Über nationale und internationale Presseagenturen, wie z.B. Reuters, wird dieser Vorfall weltweit den Medien angeboten. Das heisst, die Fakten sollten überall annähernd gleich sein ...

Nicht in diesem Fall. Es begann damit, dass in diversen Medien stand, zwei, rund 50jährige Japaner wurden im italienischen Chiasso verhaftet. Chiasso liegt aber in der Schweiz. Die Schweiz ist kein EU-Land und die Guardia di Finanza hat dort keine Berechtigung jemanden zu verhaften. Dies kann nur auf italienischem Staatsgebiet erfolgen, nicht im Ausland.

Weiters schwanken die Angaben über den Wert der beschlagnahmten Wertpapiere zwischen 95 und 138 Milliarden US-Dollar. Nachwievor nicht bekannt ist der oder die Eigentümer, ob es sich um Fälschungen oder Originale handelt und warum diese Anleihen in die Schweiz transportiert werden sollten. Natürlich regt der Ablauf des Transportes und des Auffindens die Gerüchteküche an.

Zum einen, weil es unüblich ist, Papiere in diesem Wertrahmen von knapp oder über 100 Milliarden US-Dollar im doppelten Boden eines Koffers von zwei Personen im Zug zu transportieren. Entweder man transportiert diese Papiere im Diplomatengepäck und damit darf es weder durchsucht noch beschlagnahmt werden. Oder, falls dies nicht möglich ist, mit entsprechender Begleitung als Schutz. Es ist in jedem Fall zu gefährlich, auch in Blickrichtung Kleinkriminalität, diese enormen Werte nicht entsprechend abzusichern. Oder war nur Gedankenlosigkeit im Spiel? Ich glaube es nicht!

Warum fanden die Guardia di Finanza die Papiere überhaupt? Sicherlich kann es Zufall gewesen sein, es deutet aber viel darauf hin, dass es entweder einen entsprechenden Tip gab oder dass die Papiere gefunden werden mussten ... aus welchem Grund auch immer. Die zwei Japaner sind mittlerweilen angeblich wieder auf freiem Fuss.

Nachdem weder Hintermänner Preis gegeben werden, noch nähere Details warum diese Anleihen in die Schweiz gebracht werden sollten, spekulieren die Medien und Blogger wild bis hin zu Verschwörungstheorien. So ist die Rede davon, dass die Nordkoreaner dahinter stecken, die das europäische und amerikanische Währungssystem zerstören wollen. Ebenso ist jene These aufgetaucht, dass der Wert der Anleihen angeblich exakt mit jenem Betrag übereinstimmt, nämlich 134,5 Milliarden US-Dollar, der aus dem Bankenrettungsprogramm Troubled Asset Relief Program (TARP) bei der Fed fehlt! Oder möchte bloss ein Staat seine US-Dollar-Anleihen los werden?

Ich hatte in den 80ern ein Buch über den österreichischen Wein bei einem Wiener Verlag veröffentlicht. Dort lernte ich Leopold Ledl kennen, dessen Buch "Im Auftrag des Vatikans" beim selben Verlag erschien (FAMA Verlag). Ledl wurde verhaftet, als er mit gefälschten Aktienpaketen von Firmen wie Coca Cola, IBM, Disney im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar nach Italien unterwegs war. Er war Bote und die Fälschungen waren offensichtlich eine Probelieferung. Auftraggeber war damals angeblich das Bankenumfeld des Vatikans. Erinnern wir uns an den umtriebigen Kardinal Marcinkus, der lange mittels internationalem Haftbefehl wegen Wirtschaftskriminalität gesucht wurde, den aber der Vatikan versteckte und niemals ausgeliefert wurde. Ledl und davor auch der britische Journalist David Yallop (Enthüllungsbestseller "Im Namen Gottes!") zeichneten ein konspiratives, kriminelles und gar nicht christliches Bild des Gottesstaates. Vieles von damals erinnert an die zwei Japaner mit dem "Milliarden-Koffer".

Ob tatsächlich die Wahrheit ans Licht kommt, ist zu bezweifeln. Doch gerade in diesem Fall wäre etwas notwendig, was es kaum mehr gibt, nämlich engagierten, investigativen, seriösen Journalismus. Denn die Gerüchteküche brodelt, die ersten konspirativen Theorien werden schon gebastelt und die Offiziellen schweigen, wie immer!



Johannes (schnittpunkt2012.blogspot.com)



Geschmuggelte Anleihen sind wohl echt (aol.de)
Milliardenkoffer lässt Gerüchte sprießen (derstandard.at)
US-Staatsanleihen im Wert von $134 Milliarden an Grenze beschlagnahmt (alles-schallundrauch.blogspot.com)



Chiasso-Gate: Berlusconis späte Rache an den USA? Noch ist die Nachrichtenlage dünn, die Spekulationen schießen ins Kraut. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass der aufgeflogene Schmuggel von US-Anleihen in der schier unglaublichen Höhe von 134,5 Milliarden Dollar in Chiasso das missratene Ergebnis eines geheimen und ziemlich überhasteten Government-to-Government-Deals gewesen sein könnte, der - spekulieren wir mal - nicht ganz zufällig aufflog? (oraclesyndicate.twoday.net)

Geldschmuggel? Japaner mit 134 Milliarden Dollar erwischt - Zwei Japaner wollten mit über 134 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen in die Schweiz. Dabei sollte doch jedem klar sein, dass man in Europa nur mit maximal 9999 Euro reisen darf. Festnahme in Chiasso. (mmnews.de)



Meldungen:



Auf KTM rollt Staatshilfe zu (ftd.de)
Conti schließt Ex-Semperit-Werk Traiskirchen endgültig (diepresse.com)
Geldwäsche: Der Koffer hat wieder Saison (kurier.at)
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Welche Staaten noch das AAA haben (ftd.de)
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EZB sieht US-Top-Rating in Gefahr (ftd.de)
US-Anleihen im Verlauf nach schwachen US-Daten mit Aufschlägen (focus.de)

Kugelsicher: Das Polizeiauto der Zukunft (kurier.at)



Warum sich die US-Banken zu früh freuen - Die ersten US-Großbanken feiern sich als Überlebende der Krise und wollen den Staat als Aktionär wieder loswerden - doch Jubel ist fehl am Platz. Den Finanzkonzernen könnten noch größere Verluste drohen als in jedem Stresstest vorhergesagt. (spiegel.de)

Die Bilanzwillkür - Um den Banken in der Krise zu helfen, verwässern die Regierungen die Bilanzierungsstandards. Dass dabei Transparenz und Vergleichbarkeit verloren gehen, stört sie nicht. (ftd.de)

"Das Schlimmste liegt ganz klar noch vor uns“ - Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, warnt vor einem Jobdesaster: Die Zahl der Arbeitslosen werde auf mehr als fünf Millionen steigen. Dennoch gebe es Hoffnung für 2010. (focus.de)

Krise: Im Auge des Hurricans? - Je mehr die Federal Reserve über Bailouts versucht das System zu stabilisieren und je mehr Geld sie dafür über angekaufte Anleihen in den Umlauf bringt, desto katastrophaler wird sich die Weltwirtschaft entwickeln. Der Hurrikan trifft in Bälde mit voller Wucht auf das amerikanische Festland. (mmnews.de)

Obama will mehr Macht für die Federal Reserve - Der amerikanische Präsident Barack Obama wird am Mittwoch Pläne für eine umfassende Neuordnung der Finanzmarktaufsicht in den Vereinigten Staaten vorlegen. Vorgesehen ist Berichten zufolge, die Notenbank Federal Reserve (Fed) mit der Kontrolle der größten und bedeutendsten Finanzkonzerne und Marktakteure zu betrauen. (faz.net)

Die Operation Sarkozy : Wie die CIA einen ihrer Agenten zum Präsidenten der Republik Frankreich machte - Vorbemerkung: Man soll Nicolas Sarkozy an seinem Handeln messen, nicht an seiner Persönlichkeit. Wenn aber sein Verhalten selbst seine eigenen Wähler überrascht, ist es gerechtfertigt, sich eingehend mit seiner Biographie zu befassen und nach den Verbindungen zu fragen, die ihn an die Macht gebracht haben. Thierry Meyssan hat sich entschieden, die Wahrheit über die Herkunft des Präsidenten der Französischen Republik niederzuschreiben. Alle Informationen des vorliegenden Artikels sind nachprüfbar, mit Ausnahme zweier Behauptungen, die vom Autor als solche kenntlich gemacht sind und für die er die volle Verantwortung übernimmt. (voltairenet.org)

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