Dienstag, 26. Mai 2009

Volksfeind Ö3?

Sind die Radiostationen, im Besonderen Ö3, in Österreich volksfeindlich, egoistisch oder nur einfach dumm? Denn wenn die wirtschaftliche Situation sich zuspitzt und die globale Finanzkrise fast jede Branche erzittern lässt, spielen unsere Radios weiterhin hauptsächlich amerikanische, britische und deutsche Produktionen.

In Österreich hat die Entscheidung Anfang der 90er der damaligen Ö3-Macher Hannes Eder und Bogdan Roscic, keine (oder nur mehr sehr wenig) österreichische Produktionen ins Airplay aufzunehmen, der heimischen Musikszene fast den Todesstoss versetzt. Nach und nach kamen auch Privatradios, die ja vorher wegen erfolgreichen ORF-Monopol-Lobbying verboten waren, sich aber mit Ausnahme kleiner Stadtradios als mehr oder weniger Kopie der ORF-Cashcow Ö3 entwickelten. Die fast gleiche Musik auf jeder Frequenz, die gleichen Schmähs, die gleichen Gewinnspiele und der gleiche peinlich-niedere Österreicheranteil bei der Musik ...

Danzer, Ambros und Fendrich waren passeé, den aufstrebenden Neuen wurde die Verbreitung durch das Radio untersagt, bis zur ORF-Produktion Starmania lag das Musikland im Koma, bzw. waren plötzlich nur mehr die Nische Volksmusik bis Schlager existent. Doch Starmania war eine Fernsehunterhaltungsshow und keine Förderung heimischer Musiker. Der Aufstieg von Christina Stürmer war die Ausnahme, alle anderen verschwanden wieder in der Versenkung.

Warum ich dieses Thema aufgreife? Weil es ein wirtschaftliches ist und im Besonderen der ORF durch seine Ignoranz neuer österreichischer Musik etwas geworden ist, das vor noch nicht all zu langer Zeit als "Volksschädling" benannt wurde.

Trotz der "tollen ORF-Eigenwerbung" der "Neuen Österreicher" liegt die Quote bei Ö3 nach wie vor im einstelligen Prozentbereich! Und das trotzdem die Österreicher Gebühren zahlen müssen, der ORF einen Kulturauftrag innehat und die Werbung durch österreichische Wirtschaftsleistung finanziert wird.

Das heisst, wir, die arbeiten und zahlen Steuern, liefern Monat für Monat unseren Zwangsobulus an den ORF in Form von Gebühren (versteckte Steuer) ab. Diese Geldleistung stammt aus der in Österreich erbrachten Wirtschaftsleistung!

Durch den Kulturauftrag, den der öffentlich-rechtliche Moloch per Gesetz verordnet bekommen hat, müsste dieser im Grunde über die heimische Kultur, dazu gehört auch die moderne Unterhaltungsmusik, ausreichend informieren. Nicht im Gesetz steht und auch nicht als Kulturauftrag verstehe ich die Information amerikanischer, britischer und deutscher Musiker! Der ORF wäre demnach verpflichtet, heimische Musik zu spielen und darüber zu berichten!

Neben den Zwangsgebühren finanziert sich der ORF auch zu einem erheblichen Teil aus Werbeeinnahmen. Diese stammen ausschliesslich von Unternehmen, die in Österreich tätig sind. Diese Werbeeinnahmen sind Teil der österreichischen Wirtschaftsleistung! Egal ob ein multinationaler Konzern oder ein heimisches Unternehmen dahinter steht - die Werbeeinnahmen resultieren aus Wirtschaftsleistung, die in diesem Land erbracht wurde!

... das meiste dieser Einnahmen verschwindet in das Ausland! warum? Jeder Künstler, jeder Musiker, jede Band bekommt Tantiemen für das Abspielen der Musik im Radio. Bei einem ungefähren Österreichanteil von unter 5% bei Ö3 verbleiben unter 3,5 Millionen €uro in Österreich, der Rest der rund 70 Millionen €uro geht ins Ausland! Das zu einer Zeit, wo die Stärkung der heimischen Wirtschaft enorm wichtig wäre, anstatt heimische Wirtschaftsleistung ins Ausland abzuziehen. Vor allem ist ein signifikant erhöhter Anteil heimischer Musik nicht nur eine Stärkung der österreichischen Wirtschaft, es würde auch die dringend notwendige Wiederbelebung der heimischen Musikszene bedeuten und die Hörer würden es in Hinblick auf die Krise in jedem Fall verstehen und akzeptieren!

Denn jeder €uro, der einen amerikanischen, britischen oder deutschen Musiker verrechnet wird, fehlt im eigenen Land. Wenn österreichische Musiker die Tantiemen verrechnet bekommen, dann kommt dies über die Umwegrentabilität der heimischen Wirtschaft zu Gute. Neue Produktionen werden gemacht, es profitieren Studios, Grafiker, CD-Hersteller, Musikalienhändler, Konzertveranstalter, usw. ... das Geld, das du und ich verdient haben, dem ORF zwangsweise übergeben wird, bliebe zum einem akzeptablen Teil der heimischen Wirtschaft erhalten.

Österreich liegt, was die heimische Musikquote beim staatlichen Radio (alle Stationen zusammen: Ö1, Ö-Regional, Ö3, FM4) betrifft, weltweit auf dem sagenhaft DRITTLETZTEN Platz, nur Neuseeland und Venezuela haben eine noch niedere Quote. In Europa sind Quoten von 35-50% üblich, Spitzenreiter sind Kroatien und Finnland mit rund 60%. Österreichs ORF schafft gerade rund 15%, bei Ö3, dem Radiosender mit der höchsten Verbreitung, liegt die Quote unter 5%!!

Das soll nicht heissen, dass nur mehr österreichische Musik gespielt werden soll, doch von den jährlichen 70 Millionen €uro, sollten in jedem Fall zumindest ein Drittel im Land bleiben!

Das Argument, wir haben kaum spielbare Musik, kann leicht widerlegt werden. Als Beweis für hochwertige heimische Pop- und Rockmusik lege ich dir diese junge Grazer Band names *Sonnenwasser ans Herz. Wirklich gute Musik aus Österreich!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



www.sonnenwasser.net




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