Montag, 25. Mai 2009

Rating - wann verliert die USA ihren AAA-Status?

Auf Grund des Downgradings der Bonität Japans und nicht auch der der USA, liess mich meinen Freund, der im Vorstand einer grossen, österreichischen Bank vertreten ist, anrufen. Ich wollte Auskunft darüber haben, wie diese Ratingagenturen arbeiten und entscheiden.

Meine erste Frage war: "Würde die USA, China und auch Japan, wären sie normale Unternehmen von eurer Bank Kredite bekommen? Und ist das derzeitige Rating durch die Agenturen Moodys und S&P realistisch?"

Er sagte: "Eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist, denn wir kennen die 'Bilanzen' nicht. Aber darf ich es so sagen, wenn der Verschuldungs-, in diesem Fall schon der Überschuldungsgrad so hoch ist, benötigt man schon gute Sicherheiten bzw. Argumente um noch einen Kredit zu bekommen. Vor allem dann, wenn das aktuelle Geschäft seit einiger Zeit stark rückläufig ist und die Prognosen eher schlecht bis katastrophal aussehen. Ich glaube nicht, vorsichtig ausgedrückt, dass die USA, wäre sie ein Unternehmen, auf normalen Weg bei irgendeiner europäischen Bank noch die Bonität für einen Kredit hätte ... aber die USA ist kein Unternehmen, deshalb gelten hier andere Masstäbe! Würde man der USA das Rating abwerten, alles ausser AAA ist defacto Junk, wäre das ein globales Problem und derzeit würde das Finanzsystem diesen Schritt möglicherweise nicht überleben. Die USA verdienen keinen AAA-Status mehr, aber - jetzt muss ich eine Gegenfrage stellen - kann sich eine amerikanische Ratingagentur überhaupt ein Downgrading des eigenen Landes leisten? Gräbt sie sich da nicht selbst das Grab? Es ist ein Politikum und sonst nichts! Deshalb nehme ich an, dass es erst dann zu einer Abwertung kommen wird, wenn der internationale Druck grösser wird. Aber solange die USA noch halbwegs funktioniert und nach wie vor Waren importiert, möchte niemand diesen Schritt wirklich tun. Denn alle produzierenden Staaten, natürlich auch China, benötigen das Konsumland USA. Kurz zusammengefasst, wenn die derzeitigen Wirtschaftszahlen aus den USA halbwegs stimmen und davon gehe ich aus, ist der Staat wie auch die einzelnen Bundesstaaten schwerst insolvenzgefährdet, ein Verlust des AAA-Status wäre wohl der Todesstoss!"

"Wie sieht es bei China und Japan aus?"

"Bei China traue ich mir absolut keine Beurteilung zu, denn dort dürfte fast alles, was an Zahlen publiziert wird, manipuliert sein. Das Land dürfte in grösseren Schwierigkeiten stecken, als von offizieller Seite zugegeben wird. In vielen Gebieten herrscht eine Arbeitslosigkeit von über 30%, über 100.000 Fabriken haben im letzten halben Jahr zugesperrt und die Devisenreserven schrumpfen. Wenn der Export weiter zurück geht, kann die Lage in China gefährlich werden, denn mehr als eine Milliarde Menschen sind ein explosives Revolutionspotential. Noch kann man es mit falschen Zahlen belügen, aber nicht mehr lange. Zu deiner Frage, ja ich denke die Chinesen haben noch eine relativ gute Bonität, allerdings sind die mittelfristigen Zukunftsaussichten ebenso wie bei der USA nicht gut. Wäre China ein Unternehmen und würde es bei uns um Kredit vorsprechen, müssten sie ein ziemlich radikales Sanierungskonzept vorlegen. Aber wie gesagt, hier spielen kaum wirtschaftliche, sondern vor allem politische Faktoren eine Rolle. Ein grosses Manko ist auch die mangelnde Erfahrung, da China ein erst relativ junges Wirtschaftsland ist und die kommunistische Führung leicht überfordert sein könnte.
Bei Japan sehe ich die Sache komplett anders. Der Staat konnte sich nach der schweren Krise Anfang der Neunziger nie mehr richtig erholen. Allerdings verfügt Japan über eine fundierte und sehr, sehr gute Wirtschaft, die durch die jetzige Krise und die Exportabhängigkeit besonders leidet. Allerdings glaube ich, auch durch die Erfahrung der letzten Jahrzehnte, dass Japan die nächsten Jahre am Besten von allen durchstehen wird, da auch das Revolutionspotential relativ gering ist, im Gegensatz zu anderen Staaten. Japan wäre bei einer möglichen Kreditvergabe zwar ein Sorgenkind, allerdings sind die mittelfristigen Aussichten die besten von den 3 hier zitierten Staaten. Das heisst, unter gewissen Auflagen würden sie kreditfähig sein.
Dem zufolge ist das Downgrading der Japaner und das weitere Halten der Amerikaner am AAA-Status nicht realistisch, aber politisch erklärbar. Ausserdem muss man auch die Auslandsverschuldung in Betracht ziehen, diese ist bei den USA sehr, sehr hoch, bei Japan fast gar nicht gegeben. Das heisst, Japan hat mit einem Verlust des AAA-Status weit weniger Probleme, als die USA. Bei Japan ist es in erster Linie ein regionales Problem, bei den USA wäre es ein fast unlösbar globales!"

"Zu der Arbeit der grossen Ratingagenturen. Ihre Ratings sind, vorsichtig ausgedrückt, nur eine subjektive Trendanalyse, die teilweise auch einen starken politischen Hintergrund haben. Es ist ein schwerer Job, denn wenn ein Staat ein gutes Rating verliert, kann sehr viel dranhängen. Höhere Zinsen für Schulden zu zahlen ist nur ein Aspekt. Investoren können ausbleiben und neben der verteuerten Rückzahlung kann es auch zu einer Flucht aus der Währung kommen, die Währung wird abgewertet, Importe werden teurer ... soferne man diese Währungspolitik nicht ohnehin verfolgt, so wie früher Italien mit der Lira oder Griechenland mit dem Drachmen. Es verdient nicht jeder Staat das begehrte Triple-AAA-Rating auch wenn dieser so eingstuft ist, aber ein Downgrading ist in jedem Fall mit erheblichen Problemen verbunden. So wie es aussieht, werden heuer noch einige Staaten hinunter gestuft, das heisst sie werden ihre gute bzw. sehr gute Bonität verlieren. Das beinhaltet enormes Expolsionspotential, daran kann auch die EU zerbrechen! Aber wir werden es heuer noch erleben."

"Danke für Deine Ausführungen!"


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Zweifel an Kreditwürdigkeit: USA bangen um AAA - Erst jüngst zog die Ratingagentur Standard & Poor's eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Großbritanniens in Betracht. Nun geraten die USA in die Schusslinie. "Auch große Länder sind antastbar", sagen Experten. (diepresse.com)

Die USA müssen um ihre Bonität fürchten - Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für Großbritannien wegen dessen explodierender Staatsschulden bereits von "stabil" auf "negativ" herabgestuft. Doch jetzt droht offenbar auch den Vereinigten Staaten ungemach. Befürchtungen, dem Land könnte ein Verlust der Bestnote drohen, drücken schon jetzt auf den Dollar. (welt.de)

Wirtschaftswissenschaftler: Die wahre Situation der chinesischen Wirtschaft - Die Verschleierungspolitik von Chinas Kommunisten, verbunden mit dem Mangel an Mut bei den Wirtschaftsexperten, die Wahrheit zu sagen, hat dazu geführt, dass die Welt sich über die wahre wirtschaftliche Situation in China täuscht. (epochtimes.de)

Dreifach "A"lbern - Natürlich können die Briten prinzipiell so viel Geld drucken, wie sie wollen. Aber für diesen Vorzug verdienen ihre Staatsanleihen wohl kaum ein "AAA". (ftd.de)

Großbritanniens Bonität ernsthaft in Gefahr - Der britischen Wirtschaft und der Labour-Regierung von Premier Gordon Brown droht ein weiterer schwerer Rückschlag. Wegen der ausufernden Staatsverschuldung könnte die Insel als erstes großes Industrieland seine erstklassige Bonitätsnote verlieren. Am Donnerstag senkte die Ratingagentur Standard & Poor’s den Ausblick für die britische Bonitätseinstufung auf „negativ“. (handelsblatt.com)



Meldungen:



Des Dollars Talfahrt (handelsblatt.com)
GM erhält weitere 4 Milliarden vom Staat (focus.de)
Die nächste Blase schwillt schon an (faz.net)
AIG-Chef Liddy kündigt Rücktritt an (bernerzeitung.ch)
"Kontrollierter Verfall" in US-Industriestädten (orf.at)
Größte Bank Floridas mit 8,6 Mrd. Dollar Einlagen pleite (diepresse.com)
Heute die Glühbirnen, morgen die Menschen: Es wird dunkel in der EUdSSR (ef-magazin.de)
Bafin: Sonderprüfung bei Deutscher Bank (mmnews.de)



USA: Größte Bankenpleite dieses Jahr - Die Banken-Pleite-Welle in den USA geht weiter. Größter Bank - Bankrott dieses Jahr. Damit sind allein dieses Jahr 34 Banken in den USA pleite gegangen. Diskussion: Downgrading der USA. Moody's: "US AAA Rating nicht auf ewig sicher" / General Motors - Insolvenz kommende Woche? (mmnews.de)

Continued Claims Hit Record - Die Anzahl der Arbeitslosen in den USA, die dauerhaft Arbeitslosenunterstützung erhalten, stieg nach dem heutigen wöchentlichen Bericht des U.S. Department of Labor auf ein neues Rekordhoch seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1967! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Könnte Präsident Obama den privaten Goldbesitz verbieten? 1933, in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, zwang Präsident Roosevelt die US-Bürger, ihren Goldbesitz zu 20 $ pro Unze zu verkaufen - und setzte den Wert später auf 35 $ fest. Könnte Präsident Obama, als einer der Jünger Roosevelts, ähnliche Pläne hegen? (goldseiten.de)

Endzeitstimmung im Labor des Liberalismus - Wird Kalifornien zwangsversteigert? Bietet Arnold Schwarzenegger die Golden-Gate-Brücke auf Ebay feil? Leistet der Gouverneur Ende Juli den Offenbarungseid? Je bizarrer das Szenario, desto näher kommt man dem Erdbeben, das der achtgrößten Volkswirtschaft droht, wenn sie zahlungsunfähig wird. (welt.de)

BaFin warnt: Viele Kreditausfälle kommen noch - Die Bankenaufsicht BaFin warnt vor zu erwartenden Kreditausfällen. Er sei sich ziemlich sicher, «dass unsere Banken in ein paar Monaten die volle Wucht der schärfsten aller bisherigen Rezessionen in ihren Kreditportfolien spüren werden», sagte BaFin-Präsident Jochen Sanio am Dienstag in Bonn. (stern.de)

Chávez verstaatlicht munter weiter - Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat die Verstaatlichung mehrerer Stahlbetriebe des Landes angekündigt – die Grundlage für einen neuen Grosskonzern. (bernerzeitung.ch)

Wandelnde Apotheken mit Hightechwaffen - Die US-Army steht vor einem neuen Problem: Tausende ihrer Soldaten nehmen rezeptpflichtige Antidepressiva ein und sind dennoch im Einsatz. Der psychische Zustand eines grossen Teils der Armee ist erschreckend schlecht. (bernerzeitung.ch)



Keine Kommentare: