Freitag, 15. Mai 2009

Des Teufels Alternative

Gestern erhielt ich ein Email, das eine teuflische Alternative beschreibt, wie die USA ihre Schulden los werden könnten. Dirk Müller von cashkurs.de beschreibt folgendes Szenario, das sich jetzt aus der Diskussion des AAA-Ratings ergeben hat:

Die USA erkennen, dass sie ihre Schulden niemals zurückführen können. Sie sanieren Ihre großen Player (Banken, GM, Chrysler, General Electric etc.) komplett auf Kosten des Staates und führen in einer Art Panikblüte die Staatsverschuldung in schwindelerregende Dimensionen. Unter Umständen werden auch noch die privaten Haushalte saniert, in dem man Ihnen bei den Hypotheken unter die Arme greift.
Danach zwingt man die Gläubiger (Pensionskassen, Versicherungen, China) an den Verhandlungstisch und nötigt die Teilnehmer zu einem Schuldenerlass in Höhe von, na sagen wir mal 75%.
Mit welchem Druckmittel? Mit dem genau gleichen Druckmittel, mit dem auch die Gläubiger von Chrysler und GM zur Zustimmung gezwungen werden. (Schöne Blaupause, nicht wahr?).
„Wenn Sie dieser Schuldenreduzierung nicht zustimmen, können wir leider nicht verhindern, dass S&P das Rating der USA auf AA herabsetzt. Da können wir gar nichts machen. Das ist eine unabhängige Ratingagentur. Wir wollen das nicht.“
Das würde zum sofortigen Platzen der Anleiheblase und dem Totalverlust der Anleihegläubiger führen.
Sind Kommentare wie die von S&P von Anfang des Jahres oder jetzt vom Chef des amerikanischen Rechnungshofes a.D. ein „Wedeln mit dem Fähnchen“?
Wenn die Gläubiger – vielleicht begleitet von einigen anderen Zugeständnissen, Währungsveränderungen usw.- dem zustimmen (was bliebe ihnen auch übrig!?), könnte es anschließend eigentlich weitergehen wie bisher. China wäre um Jahre zurückgeschmissen, die Anleger in Anleihen und Lebensversicherungen zahlen die Zeche ebenso mit. Würden Guthaben dann ebenfalls um 75% gekappt? Vielleicht, es sei denn, es wird rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
Und jetzt wird es erst richtig spannend. Dient der ungewöhnlich harte und brutal geführte Kampf um die Steueroasen ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt (das hat jahrzehntelang keinen interessiert) in Wirklichkeit dazu, dem Geld vor diesem Schritt die Fluchtwege zu versperren?
Dieses Szenario würde das Problem der extremen Staatsverschuldungen mit einem Schlag auf dem Verhandlungswege lösen, ohne dass es zuvor zu einem Zusammenbruch der Währung, einer Hyperinflation oder was auch immer kommt.
Wenn dieses Gedankenspiel umgesetzt würde, dann erst nachdem die wichtigen Player saniert sind und die „Friends&Family“ ihre Anleihen verkauft und in „Reales“ umgetauscht haben. Stehen der Einbruch bei den US-Staatsanleihen in den letzten Wochen und der Aufschwung bei Rohstoffen, Aktien, Öl etc in diesem Zeichen? Möglich, aber ich denke es war nur ein Vorbeben. Die Umsätze waren zu dünn, als dass hier große Umschichtungen der „Eingeweihten“ stattgefunden haben. An deren Stelle würde ich dann noch eine finale Verkaufspanik abwarten, um diese realen Werte dann zum Schlussverkaufspreis einzusammeln. Für eine Verkaufspanik muss man aber zunächst den Optimismus im Markt schüren. Wer eh schon mit dem Schlimmsten rechnet (wie der gesamte Markt vor 8 Wochen) kommt so leicht nicht mehr in Panik.
Die großen Player wären saniert und stünden besser da als in den letzten Jahrzehnten. Die „Eingeweihten“ hinter den Kulissen haben ganze Unternehmensbeteiligungen und Straßenzüge zum Spottpreis erworben und stehen besser da als je zuvor. Die Mächtigen sind noch mächtiger, China zurückgeworfen und die USA sind wieder im Spiel.

Das würde bedeuten, dass sich die USA auf Kosten der restlichen Welt entschuldet. Und das, obwohl die weltweite Finanzkrise ihren Ursprung in den USA hatte. Diese teufliche Alternative würde China, Europa und auch Russland entscheidend schwächen und der USA einen fast uneinholbaren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Das würde aber mit sich bringen, dass das Image der USA und amerikanische Waren und Dienstleistungen für Jahrzehnte kaputt wäre. Niemand würde freiwillig mit dem "Teufel" Geschäfte machen, wenn sicher ist, dass jener nur auf den eigenen Vorteil ohne Rücksicht und Skrupel bedacht ist.

Deshalb traue ich mich fast zu behaupten, dass diese "teuflische Alternative" bei den Gläubigern kaum durchzubringen ist. Es könnte sein, dass sie lieber den Totalausfall von US-Staatsanleihen, US-Unternehmensanleihen und Dollarreserven in Kauf nehmen, weil diese Variante die langfristig bessere ist. Vor allem würde sich zwangsweise eine sehr starke Allianz von China-Russland und Europa ergeben, die der amerikanischen Wirtschaft und Politik den Kampf ansagen würde. Trotz allem wäre eines sicher, der US-Dollar hätte nur mehr regionale Bedeutung und würde den Status der globalen Leitwährung verlieren und die USA wären weitgehend isoliert.


Johannes (schnittpunkt@gmail.com)



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