Montag, 20. April 2009

Wie weit geht es eigentlich abwärts?

Tja, in der Tat eine äusserst schwer zu beantwortende Frage, aber ich fürchte, es geht solange abwärts, bis wir den Null-Punkt erreicht haben. Der Null-Punkt ist jener, wo nichts mehr geht, wo alle Strukturen enden, wo jeder auf sich allein gestellt ist. Jener Punkt, wo selbst die staatliche Ordnung zusammengebrochen ist ...

Ich werde zur Zeit sehr oft mit dieser Frage konfrontiert: "Wie weit geht es eigentlich abwärts?" Dabei habe ich den Eindruck, die Menschen wollen nur hören, dass es doch nicht schlimm wird, dass die Eliten die Krise unter Kontrolle bekommen und dass es eben eine mehr oder weniger kurze Zeit gibt, wo man den Gürtel enger schnallen muss.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass das System nicht gänzlich herunter fahren wird. Leider ... oder auch Gott sei Dank. Denn - aber mit dieser Ansicht wiederhole ich mich - um etwas gänzlich Neues zu schaffen, muss das Alte komplett vernichtet werden. Sonst laufen wir Gefahr, aus den Resten des Alten wieder das bisherige System zu reanimieren. Das wäre allerdings nicht der Sinn dieses globalen Reinigungsprozesses.

Lassen wir die emotionalen Ansichten mal weg und betrachten wir die Probleme des "alten Systems" pragmatisch. Die Vermögens- und Machtverteilung ist äusserst ungerecht. Nur wenige Menschen besitzen einen Grossteil des weltweiten Vermögens und schaffen es ausserdem, dies progressiv zu vermehren. Lüge, Geheimnistuerei und Desinformation haben Hochkonjunktur. Bloss nicht in die Karten sehen lassen, keine Strategien erkennen lassen und von Experten kreierten (Halb)Wahrheiten publizieren. Eines ist jedenfalls sicher, die Eliten wollen, dass wir einen gewissen Wohlstand erreichen (haben wir auch), allerdings möglichst nicht mehr. Wenn wir uns an den Wohlstand gewöhnt haben, sind wir lenkbar und kontrollierbar. Denn die Angst, diesen wieder zu verlieren, ist sehr gross. Der Wohlstand darf aber auch nicht so gross sein, dass wir autark sein können. Mitten drin schön in der Schwebe gehalten. Mit viel Annehmlichkeiten und viel Abhängigkeiten. Und der Blick auf das Wesentliche, wie auch auf die Wahrheit sehr getrübt.

Ich werde wahrscheinlich als Gutmensch beschimpft, wenn ich fordere, dass es allen Menschen auf diesem Planeten gutgehen müsste. Die Ressourcen und das Vermögen sind diesbezüglich vorhanden ... nur eben ziemlich einseitig verteilt. Manche meinen, dass Völker, Stämme oder Staaten selbst daran schuld sind. Doch lernten sie nicht von uns durch Hegemonie, Imperialismus, Ausbeutung und Gier? Haben nicht auch Konzerne und Regierungen diese Entwicklungen gezielt gefördert? Aus welchem Grunde auch immer!

Die Gier nach Reichtum und Profit hat unser System schlussendlich ad absurdum geführt. Niemand, oder nur wenige, wollten sich mit dem Erreichten zufrieden geben. Alle Kraft in den grenzenlos wachsenden Kapitalismus, der sich aufblähte wie eine Kaugummiblase. Irgendwann findet jedes Schneeballsystem seine Grenzen, weil es kein unendliches Wachstum gibt. Vielleicht gibt es das doch - kosmisch, aber nicht irdisch.

Wir gehen mit unserer Erde so um, wie mit unseren Mitmenschen. Unseren Generationen, die uns nachkommen werden, lassen wir nur mehr die Reste einer dekadenten, selbstsüchtigen Gesellschaft, die glaubte, die Party würde nie aufhören.

Wir haben schon lange den Respekt verloren, gegenüber dem Menschen, der Natur und auch der Göttlichkeit. Wir wollten alles und das sofort ... jetzt verlieren wir alles und das tatsächlich sofort.

Dass das Leben wie auch das Universum gewissen Gesetzen unterworfen ist und nicht nur mit wissenschaftlichen Fakten bewiesen werden muss oder kann, wird angesichts des uns abwärts treibenden Strudels wohl bewusst werden. Dass es neben der Technik- und Fortschrittsaffinität und dem unbedingt zu erlangenden und zu erhaltenden Reichtum andere Dinge gibt, die offensichtlich essentieller sind, wird uns mit Sicherheit bewusst werden, wenn das System am Null-Punkt ankommt. Denn dann geht nichts mehr, dann ist jeder auf sich alleine gestellt ...

... und wird plötzlich entdecken, dass Freundschaft viel wichtiger ist, als ein schönes Auto oder Haus. Dass die Natur uns kulinarische Genüsse bringen wird, abseits von Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen und künstlichen Farben. Und das die Gemeinschaft wichtiger sein wird, als sich von stupiden Sitcoms und Seifenopern einlullen zu lassen.

Dann, wenn wir den Null-Punkt erreicht haben, werden wir viel Neues entdecken. Das wird notwendig sein. Denn dieser globale Reinigungsprozess soll nicht umsonst in Gang gebracht worden sein. Wir werden viel, viel Leid erfahren, eine schmerzvolle und entbehrungsreiche Zeit durchmachen. Doch aus diesen Erfahrungen wird etwas Neues entstehen. Und ich hoffe, etwas viel, viel Besseres als bisher. Vor allem etwas Menschenwürdigeres und Gerechteres. Vielleicht ist es wirklich das Goldene Zeitalter, in das wir jetzt hinein "crashen"! Ich jedenfalls, glaube daran, liebe Freunde!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)







Meldungen:


AIG bekommt erneut Staatshilfe (manager-magazin.de)
Abschwung trifft Germanischen Lloyd mit voller Wucht (ftd.de)
Trauriger Riese General Electric (ftd.de)
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OECD-Prognose sagt Rekorddefizit voraus: Nur Sparpaket kann Staatsfinanzen retten. Österreich steuert auf dunkle Zeiten zu. Nach einem bisher unveröffentlichten Länderbericht der OECD soll das Budgetdefizit 2010 auf acht Prozent der Wirtschaftsleistung explodieren. Um wieder auf ein Nulldefizit zu kommen, müssten Sparpakete im Umfang von bis zu 22 Milliarden Euro geschnürt werden. (profil.at)

Uneinigkeit der EZB belastet Euro - Seit Wochen glänzt die Führung der Europäischen Zentralbank mit etwas, was sie früher nicht zu bieten hatte: eine teils öffentliche Auseinandersetzung über den Kurs der Notenbank. Das bekommt der Gemeinschaftswährung nicht gut: Sie fällt unter 1,30 $ auf den niedrigsten Stand seit einem Monat. (ftd.de)

US-Banken: Gewinne dank neuer Bilanzierung - Die USA haben die Bewertungs-Regeln für faule Kredite gelockert. Manche „Quartals-Gewinne“ sind eigentlich Verluste. Experten zeigen sich daher nicht überzeugt, dass das Schlimmste schon ausgestanden ist. (diepresse.com)

US-Finanzsektor: Bereits jetzt so viele Bankpleiten wie 2008 - Mit zwei weiteren Regionalbank-Pleiten sind in den USA nun seit Januar bereits so viele Institute zusammengebrochen wie im gesamten Vorjahr. Nummer 24 und 25 waren zum Wochenende die Great Basin Bank im Bundesstaat Nevada und die American Sterling Bank in Montana. (ftd.de)

US-Banken-Stresstest Ergebnis: Katastrophe? Das Ergebnis des US-Banken-Stresstests wurde zensiert und soll offiziell erst Anfang Mai bekannt gegeben werden. Aus gutem Grund? Ergebnis katastrophal? Das gesamte US-Bankensystem steht demnach vor dem Kollaps. 16 von 19 getesteten Banken sind angeblich praktisch bankrott. Schuldenkrise ist bedeutend größer als von der Regierung angenommen. (mmnews.de)

Hohe Kreditkartenschulden alarmieren Obama - Die Chefs der führenden US-Kreditkartenunternehmen können sich warm anziehen: Präsident Barack Obama will nicht länger dulden, dass immer mehr Amerikaner wegen hohen Kreditkartenschulden in Bedrängnis geraten. Schon diese Woche soll es dazu ein Spitzentreffen mit Vertretern der Branche geben. (handelsblatt.com)

Yes we can... defend our house! Rosemary Williams ist Rentnerin, Grossmutter und lebt seit 55 Jahren in der Clinton Avenue in Minneapolis in den USA. Probleme mit den Behoerden oder der Polizei hatte sie nie und doch soll sie nun in zwei Wochen ihr Haus verlassen. Ein leeres Haus mehr - obwohl zur Zeit in den USA Millionen Haeuser ohne BewohnerInnen sind und leere Geisterviertel bilden. (indymedia.org)

Unsere und andere Krisen - In einem früheren Artikel über "Unsere und andere Krisen" hatte ich anhand der Untersuchungen von Reinhart/Rogoff die jetzige Wirtschaftskrise in den Kontext früherer kapitalistischer Krisen gestellt. An diesem Text wurde kritisiert, dass bei mir der Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu kurz komme. Einen solchen Vergleich kann ich erst jetzt machen, weil jetzt ausführlichere Daten vorliegen. (indymedia.org)

Welche Krise? Die gelassene Bundesrepublik - Die Mehrheit der Deutschen ist bisher persönlich nicht betroffen. Im Alltag ist von der Wirtschaftskrise kaum etwas zu spüren, während in den Medien eine Hiobsbotschaft die nächste jagt. (diepresse.com)

Frühling an den Finanzmärkten? Ein Lüftchen Optimismus weht über die Finanzmärkte. Die US-Banken melden besser als erwartete Quartalsergebnisse, die Aktienmärkte sind auf Erholungspfad und auch das US-Verbrauchervertrauen verbessert sich. Ein Ausdruck dieser Entwicklung ist der KBW US-Bankenindex (BKX), seit seinem 16-Jahrestief am 06. März 2009 mit 18,62 Punkten hat sich der Index, der die 24 größten US-Banken abbildet, etwas mehr als verdoppelt und notierte am Freitag bei 37,19 Punkte. Ein Blick auf den Langfristchart offenbart aber lediglich eine kleine Gegenbewegung nach einem brutalen Abwärtstrend! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Ampel auf Orange: Leichter Flop - Nachfrage für 6-Monats-Bubill bleibt unter Angebot! Die Auktionen im April liefen ganz gut - bis jetzt. Da ist nämlich eine 6-Monats-Auktion über 7.000.000.000 Euro leicht geflopt! sowas hätte ich eher bei den längerlaufenden KP-Papieren wie 10 oder 5 Jahren erwartet. Das Steinblöd nun aber schon Schwierigkeiten am Geldmarkt bekommt, hätte ich eher später erwaret. Vielleicht lags ja auch nur am schönen Vorsommerwetter oder die Kickbacks von AIG an die dt. Banken laufen aus. Oder man braucht die Kohle zum Stopfen der General Growth Properties-Löcher. (dasgelbeforum.de.org)





Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):





Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Werner Schneyder: Worüber man lachen kann? Über die Krise. Die Verursacher. Die Opfer. Die Unbelehrbaren. Die Schönredner. Die Krisenmanager. Die Schamlosen. Die Wehrlosen. U. a.



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