Montag, 6. April 2009

Lichtblicke?

An den Börsen ging es vorige Woche, am Montag ausgenommen, bergauf, die wichtigsten Indexes stiegen deutlich. Der Goldpreis fiel auf unter 900 US-Dollar. Auch die Ankündigung der G-20 Teilnehmer, die Finanzmärkte regulieren zu wollen, Entwicklungsländer mit 1 Billion US-Dollar zu stützen und die Aussagen vieler Politiker veranlasste einige Medien, schon Lichtblicke für einen möglichen Aufschwung zu sehen. Die vielzitierte "Talsohle" sollte bereits erreicht sein. Also, Ärmel aufkrempeln und am Aufschwung mitarbeiten ... oder so ...

Tatsache ist aber, dass noch viele "versteckte Bomben" lagern, die über eine Explosivität verfügen, die unser Währungs-, Finanz- und/oder Wirtschaftssystem wahrscheinlich nicht aushalten werden. Das wird bei der Euphorie steigender Aktien und dem Lächeln diverser Politiker gerne übersehen!

Wir können erst dann von einem möglichen Aufschwung reden, wenn alle Fakten am Tisch liegen und wenn die "Bomben" entschärft wurden. Nach wie vor ist das Schicksal der amerikanischen Autoindustrie nicht gelöst, der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen droht. Die Kreditkartenfirmen stehen vor einem gewaltigen Debakel - ebenfalls noch ungelöst. Was tun mit toxischen Papieren in zweistelliger Billionenhöhe (weltweit)? Hier schlummert trotz Ankauf durch die FED, geänderte Bilanzierungsgesetze und Bad Bank noch eine "Atombombe"! Die ausser Kontrolle geratene Verschuldung vieler Staaten wird uns das nächste Platzen einer Bubble bescheren, die Blase der Staatsanleihen. Wie lange noch, können die Milliardenbeträge aufgetrieben werden, welche die Staaten benötigen? Mit dem Platzen dieser Blase geht es den Versicherungen an den Kragen, sie investieren traditionell in "sichere" Anleihen ... und wie lange können Staaten, die sich am Rande des Bankrotts bewegen, alte Anleihen zurückkaufen, wenn der Markt für Neuausgaben zusammenbricht? Auch das Problem Osteuropa ist noch ziemlich akut, auch wenn die EU und der IWF mit Euromilliarden versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen. Ebenfalls unentschärfte Bomben sind bankrotte EU-Staaten, die jederzeit hochgehen können (Irland, Griechenland, Lettland, Spanien, Portugal, ...).

Bei allen Versprechungen der Elite, sind die Rettungsbillionen nicht dorthin geflossen, wo sie am dringensten gebraucht werden, sondern sie sind versandet in Banken, Finanzkonzernen und Unternehmen. Der Klein- und Mittelstand, die eigentliche Stütze des Staates, ist leer ausgegangen. Noch sind hier die Probleme allerdings auch nicht akut. Relativ hohe Eigenkapitaldecken sorgen für Stabilität. Andererseits kämpft man in der Industrie mit ziemlich massiven Auftragsrückgängen, Stornierungen und Exporteinbrüchen. Diese könnten Auslöser für Massenentlassungen, Insolvenzen und Werksschliessungen werden, die ersten Indikatoren sind bereits sichtbar.

Es muss auch immer wieder erwähnt werden, dass es starke und unübersehbare Anzeichen für eine weitere Beschleunigung der Krise gibt, die keinen wie auch immer gearteten Anlass für Entwarnung, gescheige denn für einen Aufschwung gibt! Im Gegenteil! Der kontinentale Handelsaustausch ist nach wie vor zusammengebrochen, viele Containerschiffe sind geparkt, der Luftfrachtverkehr weist desaströse Zahlen auf, viele Spediteure stehen kurz vor dem Bankrott! Die Automobilindustrie kämpft nach wie vor mit historischen Rückgängen, darüber kann auch eine Verschrottungs- oder Abwrackprämie nicht hinweg täuschen, es werden dadurch nur schon geplante Neuwagenkäufe vorgezogen. Wenn die Prämie ausläuft, fallen die Neuwagenverkäufe noch viel stärker! Sie sind nur eine kurzzeitige Kosmetik der Statistiken. Erwartet wird auch ein exorbitanter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wobei hier zu bemerken ist, dass dadurch dem Staat sehr viel mehr Kosten entstehen, Steuern wegfallen und durch den Verdienstrückgang auch weniger konsumiert wird. Fazit: die Staatsausgaben steigen, die Einnahmen fallen!

Durch die Wahnsinns-Rettungs-Milliarden und -Billionen wird es zu starker Inflation, wahrscheinlich auch zu Hyperinflation kommen. Besonders die USA ist davon stark betroffen. Und gemeinsam mit hoher Arbeitslosigkeit ergibt das eine explosive Mischung, die jederzeit zu einem Flächenbrand ausarten kann. Derzeit werden Demonstrationen noch halbwegs gemässigt abgehalten, wenn der Volkszorn ausbricht, ist Schluss mit lustig. Dann werden Städte brennen. Griechenland gab schon einen kleinen Vorgeschmack ab, was uns auch erwarten wird ... früher oder später!

Das Versagen der Politik ist offenkundig. Nicht erst jetzt, sondern schon lange, denn sonst wären wir nicht in diese Situation gekommen. Starke Einflüsse der Lobbies, verfehlte Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik sind von Berlin, Madrid, Paris, Moskau über London, Rekjavik bis New York, Buenos Aires, Mexico City die eigentlichen Auslöser der Krise. Dies wird aber nicht erkannt, sondern es wird genauso weiter "gewurstelt" wie bisher, anstatt einen Strich zu ziehen und komplett neu anzufangen. Die herrschenden Systeme und Machtverteilungen haben total versagt. Nicht der Kapitalismus ist das Problem, sondern die Gier und Machtgeilheit der Menschen. Doch bei der Politik stossen wir auf unverrückbare, verlogene Ideologien, die nur abgebaut werden können, wenn alles in Schutt und Asche liegt. Wie ist es sonst zu erklären, dass ein Land, das eigentlich bankrott ist, nicht einmal eine Krankenversicherung für alle Bürger zustande bringt, deren "neue Armut" gewaltige Zeltstädte vor den Metropolen wachsen lässt, dreistellige Milliardensummen für Kriege ausgibt, die sinnlos sind und die niemand haben will (ausser jene, die daran verdienen) ...

... der einzige Lichtblick ist, dass jetzt endlich der Frühling Einzug hält und das kalte Wetter ablöst!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)




[Quelle: humor-kamensky.sk]


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Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):





Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Andrea Händler: Als Kabarettistin neige ich dazu, mir nur selten Komisches anzuschauen. Aber in Zeiten wie diesen stehen für mich Komödien und die Programme meiner Kollegen absolut am Programm. Drama gibt es genug, selbst der Kasperl braucht etwas zu lachen.



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