Donnerstag, 23. April 2009

Ist der Staatsanleihenmarkt am Ende?

Staatsanleihen sind Garantien eines Staates, für ein Papier auf dem ein Wert steht, nach einer gewissen Zeit, den Wert plus Zinsen zu zahlen. Das heisst, wenn ein Investor eine Ausgabe einer Staatsanleihe kauft, bekommt er nach der festgelegten Zeit das Kapital und die Verzinsung ausbezahlt. Staatsanleihen können kurzfristig, zB. 6 Monate, oder langfristig, zB. 10 Jahre laufen. Bisher galten Staatsanleihen als absolut sicheres Papier, allerdings mit einer relativ niederen Rendite.

Doch auch die Bezeichnung "sicheres Wertpapier" ist nur relativ. Bisher ging man davon aus, dass Staaten niemals bankrott sein würden, diese Ansicht hat sich geändert, deswegen sind Staatsanleihen auch nicht mehr als absolut sicher zu bewerten, denn wenn ein Staat pleite ist, können auch die Staatsanleihen wertlos werden.

Wenn Staaten Geld benötigen, geben sie Staatsanleihen heraus. In den letzten Jahrzehnten hat diese Art der Verschuldung gut funktioniert. Meist wurden dann neue Staatsanleihen herausgegeben, wenn die Staaten frisches Geld benötigten oder fällige Anleihen auszahlen mussten.

Versicherungen, Rentenfonds, Banken und private Investoren sind die klassischen Abnehmer von Staatsanleihen, aber auch andere Staaten. In vielen Wertpapierfonds findet man einen mehr oder weniger hohen Anteil, weil die Staatsanleihen für hohe Sicherheit bürgen. Das Geld scheint gut angelegt zu sein!

Während der letzten Monate ist allerdings der Verschuldungsgrad vieler Staaten exorbitant gestiegen. Wiederum wurde versucht, mittels Staatsanleihen die notwendigen Geldmittel aufzutreiben. Diese Staatsanleihen-Auktionen kommen aber derzeit leicht ins Stocken. Zuviel Staaten benötigen horrende Summen, die der ohnehin angespannte Investitionsmarkt fast nicht mehr aufnehmen kann. Ausserdem ist das Vertrauen in Staatsanleihen gesunken, nachdem einige Staaten plötzlich bankrott waren und nur durch die Hilfe des IWF und der EU gerettet werden konnten.

Wer sind die nächsten Staaten die pleite machen? Sollte dies offensichtlich bevorstehen, dann können keine oder nur wenige Anleihen verkauft werden. Vor allem steigen bei Staaten, deren Bonität schlechter wird (dabei sind nicht nur die Ratings der Agenturen ausschlaggebend!) die Zinsleistungen - das geborgte Geld wird teurer! Das wiederum bedeutet, dass Staaten, die die Krise voll zu spüren bekommen, deswegen eine höhere Verschuldung in Kauf nehmen, zusätzlich auch wesentlich höhere Zinsen zahlen müssen.

Bei den letzten Auktionen britischer und deutscher Staatsanleihen sind nicht alle aufgelegten gezeichnet worden. Die Finanzminister konnten nicht so viel Geld kassieren, als sie planten. Das ist ein untrüglich schlechtes Zeichen. Besonders Deutschland, jener Staat, der zur Zeit der Motor Europas ist, hat diesbezüglich offenbar Vertrauen verloren. Heisst das, dass die Investoren davon ausgehen, dass Deutschland diese Schulden nicht mehr zurückzahlen kann? Im Grunde undenkbar, doch wenn man genauer hinsieht, nicht mehr so abwegig!

Offensichtliche Pleitekanditaten haben es natürlich noch wesentlich schwerer, sich frisches Geld für eine weitere Verschuldung zu besorgen, daher bieten sie enorm hohe Zinsen.

Doch der Anleihenmarkt beginnt zu Stocken. Schon denken Nationalbanken wie die FED und die EZB darüber nach, eigene Staatsanleihen aufzukaufen. Ein fataler Kreislauf, der binnen kurzer Zeit kollabieren kann! Sie müssen "Geld drucken", das heisst, die Umlaufmenge des Geldes erhöhen, um dem Staat (den Staaten) Kredit in Form von Staatsanleihen zu geben. Wie ich schon des öfteren erwähnt habe, muss eine Währung, die in diesen Grössenordnungen an Menge plötzlich wächst, ohne dass irgendwelche Sicherheiten wie Gold oder gesteigerte Produktivität dahinter stecken, in die Hyperinflation fallen, da der Wert des Geldes weniger wird (nur die Menge wird mehr!).

Auf Grund dieser Tatsachen werden sich viele Investoren aus dem Staatsanleihenmarkt zurückziehen, weil offensichtlich wird, dass das eingebrachte Kapital mit Sicherheit an Wert verlieren wird (auch wenn auf den Pleitepapieren andere Zahlen stehen!)

Spätestens dann, wenn dieser Markt nicht mehr funktioniert, werden die ersten Staaten wirklich bankrott gehen - und auch fällige Staatsanleihen nicht mehr bedienen können. Die nächste Blase, die platzen wird ...

Und gleichzeitig kollabiert der Markt der Rentenfonds, weil diese besonders hoch in "sichere Staatsanleihen" investiert haben. Game over!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


Staatsanleihen: Auktionen besser recherchiert
(dasgelbeforum.de.org)



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Stermann & Grissemann: Die Krise will, dass man sich vor ihr fürchtet, aber uns schmeckt das Essen exakt gleich wie vor der Krise - und wir lachen über das Gleiche.



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