Mittwoch, 8. April 2009

Ist der Deckel wieder drauf?

Es scheint so, als hätte sich die Lage wieder beruhigt, der Deckel ist wieder drauf. Doch betrachtet man die Situation etwas genauer, so hat sich im Grunde nichts geändert. Nach wie vor liegt viel hochexplosives Zeug herum.

Der Goldpreis ist enorm gefallen, die Börsen haben sich (wieder einmal) beruhigt und das Erdbeben in Italien hat die Wirtschaftskrise als Headline abgelöst.

Ich habe gestern mit einer Bekannten telefoniert, die vor wenigen Tagen aus den USA zurück gekommen ist. "Die Situation ist offensichtlich ausweglos. War beim Amtsantritt von Obama noch Hoffnung und Zuversicht zu erkennen, sind diese weitgehend verschwunden. Viele versorgen sich mit Lebensmittel und decken sich mit Waffen ein. In weiten Teilen der Bevölkerung wird angenommen, dass es in den USA zu Aufständen und Bürgerkrieg kommen wird. Nur bei den Besserverdienern gibt es etwas, was man als "Funke eines Optimismus" deuten kann. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant, ebenso die Kriminalität. Es gibt Stadtviertel, die absolut leer sind. Nur mehr von Obdachlosen und Kriminellen genutzt, verfallen die Häuser und Shoppingmalls. Dort drüben braut sich eine gewaltige Katastrophe an. Die Milliarden und Billionen erreichen all jene nicht, die wieder etwas Schwung in die Wirtschaft bringen könnten und die es auch am dringensten benötigen würden. Statt dessen werden die mit Dollars gefüttert, die Mitschuld am Niedergang haben. Dort verliert sich das Geld und kommt nicht unten an. Ich war vorige Woche bei einem Manager eingeladen, der im Süden von New York ein grösseres, ranch-artiges Anwesen bewohnt, das er von seinen Eltern erbte. Er hat eine eigene Waffenkammer, wo er auch automatische Waffen betriebsbereit und legal liegen hat. Er legte sich zwei scharfe, abgerichtete Schäferhunde zu und hat ein abfahrtbereites, vollgetanktes Fluchtauto mit Überlebensausrüstung, Bargeld und Lebensmittel hinter dem Haus im parkähnlichen Garten versteckt. Sein Anwesen baute er so um, dass er - inklusive Atombunker - vollständig autark sein kann. Er zeigte mir einen Brunnen mit eigener Wasseraufbereitung, Lebensmittellager, Stromerzeugung aus Sonnen- und Windkraft. Seine beiden Kinder werden seit Anfang des Jahres von seiner Frau unterrichtet. Wie er auch betont, sorgen derzeit viele seiner Kollege, soferne sie es sich leisten können und die Möglichkeit haben, auf diese Art vor. Es haben sich einige Firmen im Raum New York etabliert, die diese Umbauten und Vorsorgen anbieten, wie schon esagt, inklusive Waffenlager. Das ganze läuft natürlich absolut geheim ab, da darf auch der Nachbar nichts davon wissen. Mir zeigte er es, weil ich wenige Tage später nach einem fünf Jahresaufenthalt wieder nach Dutschland zurück gekehrt bin. Ich habe in seinem Unternehmen gearbeitet. Die Amerikaner haben Angst vor dem was kommen wird. Es ist, als wären sie aus einem Traum aufgewacht und finden sich plötzlich in der Realität wieder. Das Thema Wirtschaftskrise ist allgegenwärtig. Davon ist hier, in Deutschland und Österreich überhaupt nichts zu sehen, hier funktioniert noch ziemlich alles. In den Staaten kannst du durch Strassenzüge fahren, dort stehen die Wohnungen leer und die Läden sind aufgelassen und zugenagelt. Jedes Geschäft, auch die teuersten Boutiquen bieten Rabatte teilweise bis zu 75 Prozent an. An den Stadträndern wachsen Zeltstädte, die in Kürze echte Slums werden - ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Infrastruktur. Ich bin echt froh, dass ich wieder in Europa bin. Allerdings sind all diese Dinge für einen Touristen kaum zu sehen. Die Staaten erinneren mich zur Zeit an Potemkinsche Dörfer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dort alles hochgeht ... und viele wissen das!"


Johannes (schnittpunkt@gmail.com)



Meldungen:


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Geldvernichter ohne Haftung (tagesspiegel.de)



Für Deutschland gilt Alarmstufe Rot - In vertraulichen Gesprächen erklären Unternehmer der Kanzlerin, wie dramatisch die Lage ist. Bald droht ein rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Doch die Koalition agiert hilflos. (wiwo.de)

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Aus Geldnot drucken Gemeinden in den USA eigene Währungen - Wie während der grossen Depression nehmen immer mehr Gemeinden in den USA die Idee von damals auf und drucken aus Geldnot ihr eigene Lokalwährung, damit die Bürger zurecht kommen und das notleidende lokale Gewerbe unterstützt wird, berichtet die Zeitung USA Today. (alles-schallundrauch.blogspot.com)

Am Ende der Krise? Von wegen - Für die Experten von Boston Consulting ist die Wirtschaftskrise längst nicht ausgestanden. Dafür sind die Ungleichgewichte – etwa in den USA zu gross. (bernerzeitung.ch)

"Das ist ein Wahnsystem" - Der zurückgetretene schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) über die Gründe seines Abgangs, die Grabenkämpfe im Kieler Kabinett und den leichtfertigen Umgang der Politik mit den Milliardenrisiken der teilweise landeseigenen HSH Nordbank. (spiegel.de)

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Osteuropa: Angst vor dem Dominoeffekt - Analysten und Ratingagenturen schlagen Alarm: Die Finanzkrise setzt nun auch osteuropäischen Staaten kräftig zu. Welche Länder besonders betroffen sind und wo Bondanleger investiert bleiben können. (capital.de)

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Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):





Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Nadja Maleh: Komödie = Tragödie + Zeit! Schon in knapp 200 Jahren lachen wir sicher alle herzhaft über diese Krise!



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