Mittwoch, 29. April 2009

Immobilien und die Krise

War man bisher überzeugt, dass Immobilien einen fast immerwährenden Wert behalten, so wird man vorsichtiger. Aber grundsätzlich muss man zwischen den verschiedenen Immobilien unterscheiden.

Für alle Immobilien gilt das Prinzip des freien Marktes: das Angebot und die Nachfrage regeln den Preis. Wenn viele Interessenten vorhanden sind, steigen die Preise auf Grund der erhöhten Nachfrage. Fehlen die Interessenten, dann geben auch die Preise nach.

Schauen wir uns die verschiedenen Immobilentypen an und blicken wir dabei auch ein wenig in die Zukunft:

Industrie- & Büroimmobilien: egal ob im urbanen oder suburbanen Gebiet, die Krise bringt Werksschliessungen, Büros werden stillgelegt, und auch die steigende Insolvenzwelle lässt viele Miet- und Kaufobjekte im Preis einbrechen. Die Talsohle ist noch lange nicht erreicht, denn es werden in den nächsten Monaten viele Objekte frei. Hinzu kommen neue Objekte, an denen noch gebaut wird. Viele Immobilienmakler nehmen keine gewerblichen Objekte mehr auf, da sie kaum zu verkaufen oder zu vermieten sind.

Mehrfamilienhäuser, Wohnhäuser, Zinshäuser: Wenn die Krise sich zum Crash entwickelt, Massenarbeitslosigkeit und Armut einzieht, werden, wie schon einmal gehabt, die Mieten per Gesetz eingefroren und damit leistbar. Dadurch werden allerdings viele Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten nicht mehr durchgeführt. Man muss aber auch bedenken, würde man jene Mieter, die nicht mehr zahlen können, hinauswerfen, stünden Hunderttausende auf der Strasse. Ausserdem ist eine leere Wohnung oder ein leeres Haus potentielles Ziel von Hausbesetzern, die es dann in Mengen geben wird. Nur, die zahlen überhaupt nichts und richten möglicherweise auch Schäden an, die zu Lasten des Eigentümers gehen werden. Fazit: Wohnraum wird sehr gefragt sein, doch Käufer wird es kaum geben. Auch die Häuser werden stark im Wert verlieren, denn verdienen kann man längere Zeit kaum damit.

Häuser mit Garten, kleine Bauernhöfe: Mit Verschärfung der Krise wird die Nachfrage dafür enorm steigen - zumindest von Leuten, die Vermögen besitzen und diese Immobilien nicht als Wertanlage, sondern als grosse Chance während der Krise sehen, sich teilweise selbst versorgen zu können, sei es durch Anbau von Obst und Gemüse oder durch Kleintierhaltung wie Hühner und Hasen. Hier könnte es zu keinem so grossen Wertverfall wie bei anderen Immobilientypen kommen. Die bisherigen Preise werden aber auch kaum zu halten sein.

Schrebergärten, Kleingärten: Diese Immobilien werden vor allem im urbanen Bereich eine enorme Konjunktur sehen. In der Regel können diese nur gemietet werden, meist langfristig. Nicht der Erholungsfaktor wird wie bisher im Vordergrund stehen, sondern, wie auch bei Häuser mit Garten, die teilweise Selbstversorgung. Ab Sommer wird es einen Run auf die Kleingärten geben, falls überhaupt noch welche angeboten werden! Hohe Ablösen werden unumgänglich sein!

Mittlere und grosse Bauernhöfe, landwirtschaftliche Nutzfläche, Wald: Wenn die Förderungen und Subventionen an die Bauern durch die EU aus Geldmangel eingestellt werden, werden viele Agrarier dicht machen müssen, da viele Bauern in der Kreditklemme stecken. Sie werden verkaufen müssen. Es wird eine regelrechte Schwemme am Markt geben ... ausser sie verstehen es, durch die Krise zu profitieren, sich selbst zu organisieren und ihre Produkte direkt zu vermarkten. Dann wird der Bauernstand einen gewaltigen, auch sozialen Aufschwung erleben. Das wird allerdings erst nach einiger Zeit passieren, denn die Umstellung am Agrarsektor geht nicht von heute auf morgen, sondern von Jahr zu Jahr. Landwirtschaftliche Nutzflächen werden (im kleinen auch für Private oder private Kollektive) äusserst interessant. Wenn der Import vieler Obst- und Gemüsesorten durch die Krise (zB. durch die Pleitewelle der Spediteure) ins Stocken kommen wird, kann selbst angebaut werden! Wälder werden, schon auf Grund der erhöhten Instandhaltungskosten durch Bewirtschaftung, sei es Jagd- oder Holzwirtschaft, eher im Preis fallen, die Nachfrage wird spärlich sein.

Jetzt in Immobilien zu investieren, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der falsche Zeitpunkt. Die meisten Preise werden noch gewaltig nach unten gehen. Mit Ausnahme der hier angeführten Häuser mit Gärten, kleinen Bauernhöfen und Schrebergärten. Abzuraten ist in jedem Fall ein Kauf durch einen Hypothekarkredit, das ist so wie Bluffen mit schlechten Karten - kann gut gehen, aber man auch gewaltig dabei auf die Schnauze fallen. Aber als Trost, dabei wirst du nicht alleine sein!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



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Daimler spart - Daimler spart nun bei seinen Mitarbeitern, insgesamt soll die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich bei ca. 60'000 Mitarbeitern um 8,75% verkürzt werden. Die geplante Tariferhöhung soll auf Oktober verschoben werden und die Mitarbeitergewinnbeteiligung für 2008 von 1'900 Euro soll erst mal einbehalten werden. Selbst die Betriebsräte sehen laut Pressemeldungen keine Alternative in den Maßnahmen und haben im Gegenzug wenigstens eine Beschäftigungsgarantie bis 30. Juni 2010 heraus gehandelt. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

S&P Case Shiller weiter abwärts - Weiterhin höhlen die fallenden Immobilienpreise in den USA die Vermögen der privaten Haushalte aus und koppeln immer noch negativ auf das Konsumverhalten der Amerikaner zurück. Die heutigen neuen Daten zum S&P/Case-Shiller Häuserpreisindex für den Monat Februar 2009 zeigen weiter an, dass immer noch kein Ende der Immobilienkrise in Sicht ist und die USA sich mitten in einer schweren Rezession befinden! Der 10 Metropolen-Index ging mit -18,8% im Vergleich zum Vorjahresmonat in die Knie, im Januar waren es -19,4%! Der 20 Metropolen-Index brach um -18,6% zum Vorjahr ein, nach -19% im Januar 2009! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)



1 Kommentar:

Berta Fatso hat gesagt…

Jetzt ist es das Beste für den Kauf von Immobilien wegen der Krise und relativ niedrigen Preis.