Dienstag, 21. April 2009

Goldkurs - ein Paradoxon?

Das Auf und Ab des Goldkurses ist seit Monaten kaum nachvollziehbar, aber doch erklärbar. Heute erschien ein Artikel in der deutschen "Stiftung Warentest", der Anlegern empfiehlt, nur in kleine Mengen Gold zu investieren. Grund, die Performance der Rendite in den letzten zwanzig Jahren wären nur 3,75% gewesen, mit Aktien hätte man durchschnittlich über 8% pro Jahr erzielt. Eine etwas eingeschränkte Sichtweise, wenn man bedenkt, welche Rolle Gold in der Wirtschaft und im Finanzwesen, vor allem in den Währungssystemen, inne hat.

Früher gab es nur an Gold gebundene Währungen. Auf den US-Dollarscheinen stand auch der Text, dass dieser Geldschein jederzeit gegen Gold eintauschbar ist. Heute wird auf den Dollarscheinen nur mehr um "Gottvertrauen" geworben. Eine vielsagende und zweideutige Phrase ...

Da heute keine Währungen mehr auf Gold basieren, das heisst, auch keine diesbezügliche Sicherheit bieten, wurden grosse Mengen Gold frei, die Staaten bzw. ihre Nationalbanken nach Gutdünken handeln konnten. Gold war nicht mehr die Grundlage der Währungen, sondern nur mehr Anlage, Vermögen und Reserve.

Der Goldkurs wird mehrmals täglich von der COMEX festgesetzt. Im Prinzip sollte der Kurs ebenso funktionieren, wie auch der Aktienhandel an den Börsen. Angebot und Nachfrage regeln den täglichen Kurs.

Seit einigen Monaten sind zwei Trends zu beobachten. Viele grosse Investoren verlagern ihre Investments von Papierwerten und Immobilien zu Gunsten von physischen Gold und Goldfonds. Das heisst, es ist eine grössere Nachfrage am Markt vorhanden. Ebenso verlagern viele Private ihre Papierwerte, wie Sparbücher, Versicherungen und Wertpapiere ebenfalls in physische Goldwerte - sprich, Barren und Münzen. Der andere Trend sind Mega-Goldverkäufe bzw. -ankäufe von Nationalbanken. Dadurch kommen immer wieder grosse Mengen Gold auf den Markt bzw. werden vom Markt abgezogen. Trotzdem bleibt der Goldkurs (noch) im Rahmen und pendelt zwischen 800 und 1000 US-Dollar pro Unze.

Viele Experten sehen den realen Wert des Goldes bei über 2000 US-Dollar pro Unze. Warum diese Diskrepanz? Wenn der Goldkurs explodiert und zuerst die 1000 Dollargrenze (langfristig) durchschlägt und weiterklettert, wäre das weltweite Währungssystem in grosser Gefahr zu kollabieren.

Die heutigen Währungen sind, wie schon erwähnt, nicht mehr an Gold gebunden. Trotzdem liegen einige Tonnen Gold als Währungssicherheiten in den Nationalbanken. Aber unser Geld ist fast ausschliesslich Papiergeld, der eigentliche Wert unseres Geldes beträgt nicht mehr, als das Papier wert ist. Der festgesetzte Wert ist ein synthetischer, der allerdings in Krisenzeiten wie jetzt äusserst sensibel und instabil ist. Wenn nun auch noch exorbitant hohe Mengen neues Geld dazukommen, das heisst, die Umlaufmenge wird gesteigert ohne dass sich die dem Geld zu Grunde liegende Goldmenge oder Produktivität erhöht, ist das Geld bzw. die Währung automatisch weniger wert. Nur lassen die Eliten eine derartige Inflation des Geldes nicht zu. Das muss fatale Folgen nach sich ziehen. Infolge der eigentlichen Geldentwertung wechseln Investoren in Werte die sicherer sind - statt Geld, Gold. Dadurch wird die Nachfrage des Goldes offensichtlich und es wird das Angebot kleiner, im Regelfall auch knapp. Fazit: der Goldkurs steigt. Kehrseite der Medaille, wenn die Investoren ins Gold gehen, wird Geld (in Form von Tagesgeld, Anleihen oder auch Börsenwerten) uninteressanter und die Nachfrage sinkt, demzufolge steigt das Angebot. Gold wird mehr wert, Geld wird weniger wert!

Dass diese Entwicklung unterdrückt werden muss, dahinter stehen Regierungen und Lobbies. Sie versuchen den Goldwert zu drücken und somit den Geldwert zu halten. Wenn allerdings der Goldkurs nicht mehr gedrückt werden kann, weil die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, kommen die Währungen unter Druck. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn der Goldpreis die 1000 Dollargrenze übersteigt ... dann kann es kurzfristig zum Zusammenbruch einiger Währungen kommen, besonders gefährdet sind die Leitwährungen wie US-Dollar, Euro, Yen und Schweizer Franken.

Dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis der Goldpreis explodiert, sollte auf Grund der unglaublichen Geldmengensteigerung und der sich verschärfenden Krise selbstverständlich sein. Der Tag ist nicht mehr fern, wo die COMEX und ihre Lobbies den Goldkurs nicht mehr drücken könnnen. Ein Goldkurs 2000 US-Dollar ist die untere Grenze, wahrscheinlich wird Gold auf über 5000 US-Dollar klettern ... je mehr sich die Krise verschärft und zum Crash ausartet, desto höher wird der Goldpreis steigen!

Deshalb kann es auch für den "kleinen Mann" nur von Vorteil sein, ins Gold zu gehen und die Papierwerte aufzulösen. Wenn das System kollabiert, ist kein Unternehmen und keine Bank vor einem Bankrott gefeit. Deshalb bieten Aktien, auch breit gestreute Fonds, ebenso wie Immobilien keine wirkliche Sicherheit! Gold schon ... zumindest kann man sich mit "kleinen" Goldmünzen in jedem Fall einige Zeit über Wasser halten. Denn was auf uns zukommt lässt uns nicht fragen, wie ich mein Vermögen retten oder halten kann, sondern wie ich und meine Familie überleben kann. Und eben in solchen Situationen kann Gold wirklich Goldes wert sein!

Noch kannst du Gold kaufen, bald nicht mehr!



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)







Themenbezogene Links:


Gold price could hit $1,500 (telegraph.co.uk)

Gold - Quo vadis? (goldseiten.de)

Gold - "Stiftung Warentest": Nur kleine Summen in Gold investieren - Die Verbraucher-Schützer weisen darauf hin, dass der Preis für Edelmetalle bereits sehr hoch sei und dass diese starken Schwankungen unterliegen können. Somit könne der Goldpreis rasch und dramatisch fallen. (diepresse.com)



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