Freitag, 24. April 2009

Formel 1 - wann ist Schluss?

Die Formel 1, höchste Motorsportklasse der Welt, wird ebenfalls von der Krise getroffen. Zog sich noch vor dem Beginn der neuen Saison aus diesen Gründen das Werkteam von Honda zurück, so kursieren jetzt weitere Gerüchte. Zum einen zücken Sponsoren den Rechenstift und würden lieber heute als morgen abspringen, doch laufende Verträge sind eben einzuhalten. Zum anderen können die Motorsportabteilungen von krisengebeutelten Automobilherstellern immer weniger sinnvoll argumentieren, warum sie auf der Jagd nach dem Weltmeistertitel sind.

Bei Mercedes Benz versucht der Betriebsrat einen Ausstieg aus der höchsten Motorsportklasse durchzubringen. Wenn die Belegschaft kurzarbeitet, die Umsätze in den Keller fallen, rechtfertigt die Präsenz in der Formel 1 nichts mehr. Auch BMW wird davon betroffen sein. Waren doch im Vorjahr Budgets von mehreren Hunderttausend Millionen nicht einmal die Garantie, ganz vorne mitzufahren (siehe Honda und Toyota). Heuer wurde zwar von seitens der Motorsportbehörde eine Budgetreduktion vorgeschrieben, doch als billig kann man die Formel 1 immer noch nicht bezeichnen.

Trotzdem versuchen einige ganz abenteuerliche Freaks nächstes Jahr neu einzusteigen. Zumindest überlegen Aston Martin und Lola diesen Schritt. Ich halte dies für nicht realistisch, denn gerade die Premiumklasse bricht derzeit beim Umsatz gewaltig ein - Aston Martins sind absolute Luxusautos und dieser Markt existiert fast nicht mehr - und weiters glaube ich kaum, dass neue Sponsoren das Experiment Formel 1 wagen werden. Denn bei allem Positiven, das Sponsoring bietet und bringt, der Nutzen ist fast ausschliesslich ein Imagegewinn, aber kaum in Umsatzsteigerungen zu bewerten. Bisher war Image wichtig, je tiefer wir in die Krise eintauchen, desto mehr zählen tatsächliche Zahlen, vor allem positive. Ausserdem kann auch ein Imagenegativum passieren, nach dem Motto: "wenn die sich die Formel 1 leisten können, brauch ich ihnen mein Geld nicht auch noch geben!"

General Motors und Chrysler sind klinisch tot. Porsche, BMW, Mercedes, Renault, Peugeot/Citroen, Fiat/Ferrari u.a. kämpfen ums Überleben. Die Japaner verzeichnen Einbrüche um die 50%. Weltweit kämpft die Automobilindustrie ums Überleben. Längst hat die Formel 1, aber auch andere Motorsportklassen den Nimbus der Entwicklung verloren. Dabei zu sein, war ein reines Imageprojekt. In der Krise und vor allem in der nahen Zukunft, wenn sich die Lage verschärft, benötigt die Menschheit zwar Helden, jedoch nicht jene im Rennwagen.

Schliessen wir eine Wette ab? Ich wette, dass die heurige Saison nicht mit allen Team zu Ende gefahren wird, wenn überhaupt der Grand Prix-Kalender bis zum Schluss eingehalten werden kann. Sollten alle Rennen gefahren werden und der Weltmeister aus fünf oder sechs verbliebenen Teams feststehen, war es trotzdem in dieser Form die letzte Saison. Die Formel 1 ist ein enorm teurer Zirkus, dieser wird der Krise zum Opfer fallen und ist damit ein Auslaufmodell ... so wie viele andere Rennsportserien auch.

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass die Rally Weltmeisterschaft heuer nur möglich war, weil ein Werksteam (von insgesamt zwei!! Citroen & Ford) gesplittet wurde, nachdem Subaru wegen der Krise sich zurückgezogen hat. Die Rally Weltmeisterschaft ist ebenfalls ein Auslaufmodell. Oder wie möchte man dem französischen Steuerzahler die Rettungsmilliarden an Citroen/Peugot erklären, wenn im Rallysport sehr viel Geld verpulvert wird und zu Hause die Belegschaft kurzarbeitet! Wie schon gesagt, ein Imagegewinn ist zu wenig!

Profitieren können private Teams durchaus, wenn sie es schaffen sollten, Sponsorengeld aufzutreiben. Doch die Luft im Sponsoring ist verdammt dünn geworden, denn wenn sich die Krise verschärft - und das wird sie - kann statt eines Imagegewinns plötzlich ein Imageverlust entstehen. Good Bye Formula One!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


Daimler Betriebsrat fordert Ausstieg (derstandard.at)
Aston Martin überlegt Einstieg (derstandard.at)
US-Regierung bereitet schnelle Chrysler-Insolvenz vor (spiegel.de)
USA stützen GM mit weiteren Milliarden (kurier.at)


Haug stichelt gegen McLaren - Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug übt Kritik am Partner McLaren. Bei Daimler wird das Engagement in der Formel 1 in Frage gestellt. (kurier.at)







Meldungen:


Pröll: "Wir sind zum Zweitschlag bereit!"
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Konjunktur: Deutschland zieht Österreich in den Keller (diepresse.com)
Eisige Stimmung - Isländer in großer Sorge (teleboerse.de)
Meinl: Staatsanwalt sieht zumindest 6,4 Mrd. Schaden (diepresse.com)
Es rollt eine Welle von Gilt-Emissionen (faz.net)
Sparmassnahme: Lettland schliesst 60% der Spitäler (orf.at)
Arbeitgeber und Politiker verdammen Warnung vor sozialen Unruhen (spiegel.de)
Goldvorräte: China stockt auf (mmnews.de)



Reiseverbot wegen Krise? Crash-Professor Otte über die Folgen der Krise: Suppenküchen, Obdachlose unter den Brücken, Zeltstädte, Reiseverbote und Fahrverbote. Das könnte alles spätestens im Herbst passieren. "Salopp gesagt: Dann knallt es wie ein Schlag auf den Deckel." (mmnews.de)

Das britische Pfund wird zum ernsten Problemfall - Spekulationen um die Bonität des Vereinigten Königreichs belasten das Pfund Sterling. Experten sehen Länder der Eurozone und deren Anleihen klar im Vorteil. Für Großbritannien als ehemalige Weltmacht und Finanznation Nummer eins könnte eine Rating-Herabsetzung gravierende Folgen haben. (welt.de)

Anleger schlagen US-Staatsanleihen los - An den Rentenmärkten haben Anleger kräftig US-Staatsanleihen verkauft. Zehnjährige Treasuries waren so billig wie seit dem 18. März nicht mehr - dem Tag, als die US-Währungshüter ankündigt hatten, Staatspapiere aufzukaufen. (ftd.de)

Der Zinssklave - "Sein Geld arbeiten lassen" - hört sich gut an, verschleiert aber die Tatsache, dass es tatsächlich jemand anders ist, der arbeitet, um Zinsen zu erwirtschaften. Und dieser "Andere" hat kaum eine Chance, der Zinsknechtschaft zu entkommen. Da Zinsen generell nicht zurückbezahlt werden können, entsteht eine Gesellschaft der Zinseszinsknechte, deren Zusammenbruch programmiert ist. (mmnews.de)

Warum nur Gold? Warum empfehlen Sie nur Gold und keine Streuung z.B. auch in andere Anlageklassen? (das-bewegt-die-welt.de)

Arbeitslosigkeit in Spanien steigt weiter an - Die nationale spanische Statistikbehörde INE veröffentlichte heute die Arbeitslosenzahlen für das 1. Quartal 2009. Die Arbeitslosigkeit in Spanien explodiert in Folge der Immobilien,- Finanz- und Wirtschaftkrise regelrecht. Erstmals sind mehr als 4 Millionen Spanier arbeitslos! Die Arbeitslosenquote steigt im 1. Quartal 2009 auf 17,36%, nach 13,91% im Vorquartal und nach 9,63% im Vorjahresquartal! Damit markiert die aktuelle Arbeitslosigkeit in Spanien den höchsten Stand in der gesamten EU. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Dow Jones steigt, Immobilien- und Arbeitsmarkt weiter schwach! - Die Aktienmärkte versuchen sich von den miesen realwirtschaftlichen Daten zu entkoppeln. Die heutigen Daten vom US-Census Bureau zu den Neubauverkäufen in den USA spiegeln dies u.a. ganz gut wider. Es wird eine positive Stimmung verbreitet, nach dem Motto - die Talsohle ist erreicht! "In den USA ist die Zahl der Verkäufe neuer Häuser im März zwar weiter gefallen, absolut fiel sie aber höher als erwartet aus. Die US-Aktienmärkte sind freundlich in den Handel gestartet", so der Krisenticker des Manager Magazins! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Washington verhängte Merrill-Maulkorb - Bank-of-America-Chef Lewis steht in der Kritik, weil er seine Aktionäre nicht über die Merrill-Lynch-Übernahme informierte. Doch offenbar zwangen ihn Notenbankchef und Finanzminister zum Schweigen. Rechtsprofessoren sind schockiert. (ftd.de)

Ein abgekartetes Spiel - Vordergründig ist das Finanzministerium dazu da, die Banken zu kontrollieren und zu regulieren, quasi ein Counterpart im Spiel der Mächte. Doch hinter den Kulissen wird gekuschelt auf Kosten der Allgemeinheit. Dies zeigt auch die Geschichte um die Uebernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America, die nun dank einem Aktionär an die Oberfläche gespült wurde. (zeitenwende.ch)

Hoffnung auf Stabilisierung - US-Rezession endet zum Jahresende. Hoffnungsschimmer für die USA: Anders als in der Euro-Zone wird für die Vereinigten Staaten bald wieder geringes Wachstum erwartet. Bereits Ende 2009 soll es aufwärts gehen, sagen die führenden US-Wirtschaftsforschungsinstitute vorher. (ftd.de)

Deutsches Subprime: Omas Häuschen verliert drastisch an Wert - Der Preisverfall für Ein- und Zweifamilienhäuser hat sich in den ersten drei Monaten des Jahres verschärft. Die Wirtschaftsflaute dämpft die Kauflaune und setzt Verkäufer unter Druck. (ftd.de)

Die Not im Rotlichtviertel - Eine Finanzkrise der besonderen Art: Auch in Hamburg bleiben die Freier aus, obwohl die Preise fallen. (sueddeutsche.de)




Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):





Finanzkrise? Nicht bei uns. Ganz im Gegenteil, gerade jetzt ist Optimismus angesagt! Vertrauen Sie doch bitte ruhig weiter, denn: Ihr Vertrauen..... ist unser Gewinn. Mehr auf: gamerith.net







Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Josef Hader: Worüber man lachen kann? Ich muss leider passen, ich hab keine g'scheite Antwort auf diese Frage.



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