Sonntag, 26. April 2009

Fataler Optimismus

Derzeit lesen wir häufig in den Medien, dass es Lichtblicke gibt oder dass es 2010 wieder bergauf geht. Fataler Optimismus? Was bei all diesen Aussagen fehlt, ist eine Begründung. Bisher sind, was die Prognosen dieser Krise betrifft, die Ökonomen, Politiker und Trendforscher, alles natürlich Experten, weitgehend falsch gelegen. Selbst die aktuellen Konjunkturdaten für das jeweils laufende Jahr mussten immer wieder nach unten revidiert werden.

Wie soll ich etwas glauben können, wenn keine Begründung mitgeliefert wird? Dagegen kann ich sehr wohl begründen, dass sich die Krise noch weiter verschärfen wird und in einem weltweiten Crash mündet. Denn noch ist vieles nicht am Tisch, oder es werden Zahlen genannt, die mit der Realität sehr wenig zu tun haben (durch das neue Bilanzierungsgesetz für Banken in den USA). Dabei tauchen ab und zu auch Papiere auf, die den Wahnsinn aufzeigen, der noch auf uns zukommen wird. Diese Papiere sind aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und finden nur über Umwegen den Weg in die Medien oder ins Internet ... und werden dann natürlich abgestritten, dass es tatsächlich so wäre (US-Bankenstresstest, BAFIN-Liste ind Deutschland). Nein, nein, es müsse sich keiner Sorgen machen, es wird eh´ alles wieder gut!

Derweilen sperren wieder (übers Wochenende, wie immer) in den USA drei weitere Banken zu. Chrysler wird demnächst in Konkurs geschickt. Sind das die Lichtblicke? Irgendwie erinnert mich das Szenario an den ENRON-Skandal 2002. Damals wurde, als die ersten Untersuchungen wegen Bilanzfälschung eingeleitet wurden, die Mitarbeiter angewiesen, ENRON-Aktien zu kaufen, auch für ihre Pensions- und Altersvorsorge. Viele taten es ... und verloren alles! ENRON war einer der grössten Betrugsfälle der Geschichte und sie zogen auch all jene mit in die Pleite, die als Mitarbeiter vom Konzern abhängig waren, der Führungsmannschaft vertrauten und am Ende mit leeren Händen da standen. Und kurz vor der Pleite liessen sich die ENRON-Manager kräftige Boni ausbezahlen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor?

Betrachtet man andererseits das wilde Herumschlagen des deutschen Finanzministers Steinbrück, kann man erahnen, dass es wahrscheinlich viel, viel schlimmer ist (oder wird) als uns immer gesagt wird. Denn so verhält sich nur jemand, der die letzten "Kreutzer" zusammensucht, weil sein (Staats)Säckel leer ist. Bisher musste man den Eindruck bekommen, dass die Rettungsmilliarden irgendwann irgendeine positive Wirkung zeigen müssten. Sonst wären sie ja nicht sinnvoll. Tatsache ist, dass diese enormen Geldsummen irgendwo stranden und nicht wieder am Markt auftauchen. Im Gegenteil, die Kreditvergaben werden immer restrikitver, Banken trauen einander immer noch nicht, die Industrie stürzt weiterhin in ungeahnten Ausmassen ab, Massenentlassungen stehen vor der Tür und die Steuereinnahmen gehen ebenfalls rigoros zurück. Wann erreicht die Krise die Bevölkerung?

Es gibt derzeit KEINE Anzeichen, dass sich die Lage entspannen wird. Weder kurzfristig, noch langfristig. Alle Zeichen zeigen auf eine deutliche Verschärfung in Richtung finalem Crash.

Hat Michelle Obama vielleicht nur das Licht im "Sleeping Room" aufgedreht, so dass Barack von Lichtblicken sprechen konnte? ;-)

In den USA sind einige gewaltige Probleme zu erledigen. Dazu zählt vor allem das Bankwesen, dass durch die legale Bilanzfälschung ein trügerisches Bild liefert. Ebenso sind die Problemunternehmen Chrysler und GM noch nicht gelöst. Und AIG wird immer wieder für neue, exorbitant teure Überraschungen sorgen. Es braut sich etwas zusammen in den Staaten, das nicht mehr lösbar und nicht mehr zahlbar sein wird. Zusammen mit einer Inflation des US-Dollars, die kommen muss, denn ungestraft kann niemand, nicht einmal die FED, derartige Erhöhungen der Geldumlaufmengen durchziehen. Diese sind auch mittelfristig nicht vom Markt zu nehmen, um vielleicht einer möglichen (Hyper)Inflation die Grundlage zu entziehen.

Natürlich schlummern auch einige weitere Leichen in den Kellern von Banken und Konzernen, die darauf warten, in die Öffentlichkeit zu gelangen. Alles in allem können wir uns auf einen spannenden, wahnwitzigen und desatrösen Sommer freuen, der uns die Pervertierung unseres eigenen Systems eindringlich vor Augen führt. Abzuwarten ist, wie die Bevölkerung darauf reagieren wird. Aber ich glaube, die Zeit des Ignorierens und der Toleranz ist vorbei. Der Zorn und die Wut steigt, fragt sich nur, wann sie sich zum grossen Finale entlädt. Denn dann wütet ein Flächenbrand, der kaum mehr einzudämmen ist!



Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


Internes Papier zur Lage der deutschen Banken veröffentlicht (derstandard.at)
Soziale Unruhen, die Folgen - und das Finanztest-Glücksspiel (frank-meyer.eu)
G-7: Anzeichen der Erholung noch in diesem Jahr (kurier.at)


816 Milliarden Kreditmüll bei deuschen Banken? - Liste von deutschen Banken mit Kreditrisiken aufgetaucht. Bafin-Papier zu Bankenrisiken: Wie sich die 816-Milliarden-Euro-Summe zusammensetzt. Behörde um "Schadensbegrenzung" bemüht. Bei der Hypo Real Estate 268 Milliarden? (mmnews.de)

Bilanz des Schreckens - Gigantisches Milliardenrisiko: Die Finanzkrise trifft die deutschen Banken weitaus stärker als bislang bekannt. Kredite und Wertpapiere in problematischen Geschäftsfeldern addieren sich auf 816 Milliarden Euro, wie aus einem Bafin-Papier hervorgeht, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. (sueddeutsche.de)

Goodbye General Motors, ab in den Bankrott - Nur in einem völlig korrupten Wirtschaftssystem, das von durch und durch korrupten Regierungen beaufsichtigt wird, ist es “legal” Finanzinstrumente zu schaffen, mit denen man dann viel Geld verdient wenn eine Firma pleite geht, und nicht wenn sie überlebt. (alles-schallundrauch.blogspot.com)


Meldungen:


Steuerdiskussion: "Werden neue Einnahmen brauchen" (diepresse.com)
Ausgerechnet Lettland steht nun vorm Kollaps (welt.de)
Porsche-Chef vor Ablösung? Wirbel um Wiedeking (ftd.de)
Kartenriese Amex stürzt ab (manager-magazin.de)
FED: US-Banken brauchen mehr Kapital (handelsblatt.com)
Vier US-Banken an einem Tag geschlossen (salzburg.com)
Die Geldgier zähmen ... und alles wird gut? (derstandard.at)



Reiseverbot wegen Krise? Crash-Professor Otte über die Folgen der Krise: Suppenküchen, Obdachlose unter den Brücken, Zeltstädte, Reiseverbote und Fahrverbote. Das könnte alles spätestens im Herbst passieren. "Salopp gesagt: Dann knallt es wie ein Schlag auf den Deckel." (mmnews.de)

Drei „IWF-Bomben": 4,1 Billionen Dollar an Schaden im Finanzsektor, Eurozonenbanken brauchen dreimal mehr Kapital als amerikanische, IWF fordert Verstaatlichungen. (jjahnke.net)

Industrieaufträge in der Eurozone mit -34,5% - Am Donnerstag meldete die Europäische Statistikbehörde (Eurostat) einen Einbruch der Industrieaufträge in der Eurozone (EU 16) für den Februar 2009 von -34,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat und für die EU 27 einen Einbruch von -33,3%. (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

US-Behörden ermitteln - Im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Bankenrettungsplan der US-Regierung wird in mehreren Fällen wegen Betrugs ermittelt. Es geht um Insidergeschäfte, Bestechung und betrügerische Investitionen. Gut 130 Milliarden Dollar befinden sich noch in dem ursprünglich mit 700 Milliarden gefüllten Topf. (manager-magazin.de)

Der Lärm der Unken - Sorge vor Unruhen in der Krise. Deutschland ist ein Hort des sozialen Friedens - für Unruhe sorgen derzeit nur die Befürchtungen, dass sich dies ändern könne. Doch diese Gefahr ist real, denn es gibt kein Ventil mehr für den Zorn. (sueddeutsche.de)

Die Krise übersehen oder herbeischreiben? - Zuerst haben wir nicht massiv genug vor der Finanzblase gewarnt, jetzt betreiben wir angeblich Krisenhysterie (derstandard.at)




Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):





Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Eva D.: Worüber ich angesichts der Krise lache? Über meine letzten hundert Schilling unter meiner Federkernmatratze.



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