Mittwoch, 1. April 2009

Erwartete Entäuschung in London?

Heute begannen die G-20 Verhandlungen in London. Angeblich steht das Schlusskommunique schon fest (laut Spiegel), angeblich will Sarkozy das Treffen verlassen, sollte es nicht zu wirklichen Ergebnissen kommen und die ganze Welt erwartet, dass die mächtigsten Staatsführer Rezepte vorlegen, die die Wirtschaftskrise eindämmen.

Das einzige, das vorläufig sicher erscheint, ist die Absicht, gegen Risikospekulationen vorzugehen und den Finanzmarkt genauer zu kontrollieren und regulieren. Genaueres aber weiss man noch nicht, denn es gibt Auffassungsunterschiede. Ebenfalls Auffassungsunterschiede gibt es bei den möglichen Werkzeuen gegen die Krise. Die Amerikaner sind, wen verwundert es, für weiteres Schuldenmachen und das produzieren von neuem Geld. Dem können weder die Europäer, noch die Russen und auch nicht die Chinesen und Japaner etwas abgewinnen. Es muss auch gesagt werden, dass - ausser man druckt Billionen neues Geld - für neue Konjunkturpakete kaum mehr welches vorhanden ist. Die Rettungsboote gehen aus!

Russland und China schlägt vor, eine neue globale Leitwährung einzuführen, die den US-Dollar ablösen sollte. Dies wäre in jedem Falle der Todesstoss der US-Währung.

Dazu kommt, dass London heute eine grosse Demonstration gegen die G-20 Politk erlebt. Dass es dabei zu Ausschreitungen gekommen ist, war voraussehbar. Das Volk begehrt auf und lässt sich nicht mehr alles gefallen. Schon aus diesem Grunde wird es für die G-20 Länder schwer, unkontrolliert weiterhin Schulden zu machen! Vor allem, weil die Milliarden nicht dem Volk und den Kleinunternehmen zu Gute kommen, sondern sich in dunklen Kanälen in Banken und Konzernen verlieren. So wird auch von der US-Regierung laut darüber nachgedacht, GM und Chrysler in die Insolvenz zu schicken ... und zwar möglichst schnell.

Dass auf diesem G-20 Gipfel kaum umsetzbare Ergebnisse erarbeitet werden können, ausser einigen Absichtserkärungen, wird die Wirtschaftskrise weiter anheizen. In den nächsten Tagen und Wochen werden uns immer mehr Katastrophenmeldungen erreichen, auch, weil die Zahlen für das erste Quartal veröffnetlicht werden. Und dort steckt mit Sicherheit einiges an Sprengkraft!

Die Industrie, der Maschinenbau, die Transportbranche und weiterhin auch die Autoindustrie befinden sich im freien Fall. Bis zu 50% Rückgänge (teilweise sogar mehr), leere Auftragsbücher, Kurzarbeit, Werksschliessungen und letzlich auch Insolvenzen geben der Abwärtsspirale weitere Energie für eine Beschleunigung. Dass viele auf Ergebnisse am G-20 Gipfel gewartet haben, die offensichtlich entäuscht werden, rückt der Systemcrash nun in greifbare Nähe. Kaum ein seriöser Ökonom, der die Bruchlandung der globalen Finanzwelt und Wirtschaft in Zweifel zieht. Die Warnungen werden immer deutlicher und eindringlicher, Lösungsmöglichkeiten das Papier nicht wert, auf dem sie geschreiben wurden ... nur die Politiker wollen uns weiterhin nicht reinen Wein einschenken, dass das System auf der Kippe steht und nur ein weiterer Strum genügt, um es kollabieren zu lassen. Statt dessen schwafeln sie von einem Anstieg der Konjunktur 2010. Allerdings ohne uns zu sagen, auf welchen Prognosen und Fakten dieser Optimismus beruht!


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)



Meldungen:


29 Prozent mehr Arbeitslose im März (derstandard.at)
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Das nahende Ende einer Parenthese der Geschichte? (ef-magazin.de)
EU zahlt an Serbien 168 Millionen Euro "Vorbeitrittshilfe" (diepresse.com)
Wagoner (GM CEO) erhält zum Abschied 20 Millionen Dollar (bernerzeitung.ch)
Krise heizt Nachfrage nach Kleingärten an (orf.at)
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Krise in den USA: Letzter Ausweg Dosensuppe (stern.de)
Die schlimmsten Fehler der US-Autobauer (ftd.de)
Was Krisenökonom Keynes wirklich gesagt hat (handelsblatt.com)
G20: Proteste gegen die Institutionen (diepresse.com)



Staatsbankrott programmiert - Staaten machen Schulden, Zentralbanken drucken Geld als gäbe es kein Morgen. Die Staatsanleihen der Industrienationen laufen auf Junk-Status zu - urteilt die Ratingagentur S&P. Die Frage ist nicht "ob", sondern "wann" sie wertlos sind. Mit der Finanzkrise ist dieser Zeitpunkt näher gerückt. Weimar lässt grüßen. (mmnews.de)

Hundert Tage Obama: Es ziehen Wolken auf - Barack Obamas Europareise wird zu Hause genau verfolgt. Die Amerikaner mögen ihn noch immer. Doch fragen sich zusehends mehr Personen: Wer oder was ist dieser Barack Obama? (bernerzeitung.ch)

Obama fordert Blitzprogramm gegen Rezession - "Wir werden der Krise ein Ende setzen": US-Präsident Obama verspricht, die gelähmte Weltwirtschaft wieder anzukurbeln. Vor Beginn des G-20-Gipfels in London drängen er und Premier Brown auf ein rasches Handeln. (spiegel.de)

G20 fehlen Mittel gegen Wirtschaftsabsturz - Bei ihrem Londoner Gipfel wollen die G-20-Staaten gemeinsam gegen die globale Rezession kämpfen. Doch die konkreten Beschlüsse dürften sich auf eine langfristige Reform der Finanzmärkte beschränken. Den Absturz der Weltwirtschaft wird das kaum bremsen. (spiegel.de)

Warnung für die G-20: 1933 scheiterte ein ähnlicher Gipfel spektakulär. Fast 76 Jahre ist es her, da versammelten sich schon einmal tausende Politiker und Wirtschaftsführer in London, um die Welt vor einer grossen Wirtschaftskrise zu bewahren. Damals ging es schief. (bernerzeitung.ch)

China stemmt sich gegen Dollar-Schwemme - Gewöhnlich agieren Chinas Diplomaten zurückhaltend - doch auf dem G-20-Gipfel wollen sie den Ton angeben. Die Volksrepublik fürchtet, dass Washington mit einer Dollar-Schwemme ihre Devisenreserven gefährdet. Peking verlangt deshalb eine Radikalreform des Währungssystems. (spiegel.de)

Airport Dresden: der sächsische Elefantenfriedhof - Dresden ist Deutschlands größter Flugzeugparkplatz. Wenn Überkapazitäten abgebaut oder alte Flugzeuge nicht mehr benötigt werden, parken die Airlines ihre Flieger gerne auf dem sächsischen Flughafen. Dass keine andere Großstadt in Deutschland als Parkplatz derart beliebt ist, hat einen Grund. (handelsblatt.com)

Luftfrachtverkehr bricht weiter ein - Er gilt als Frühindikator - und die Zeichen verheißen nichts Gutes: Der Abwärtstrend des Luftfrachtverkehrs scheint sich nach SPIEGEL-Informationen 2009 noch zu verschlimmern. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht. (spiegel.de)

Binnenschiffern fehlt die Ladung - Erstmals seit fünf Jahren werden weniger Güter mit dem Schiff auf Flüssen und Kanälen transportiert. Im Januar ist der Warentransport per Schiff ikm Verleich zum Vorjahr um 27,5 Prozent eingebrochen. Schon jetzt beginnen die Reeder zu rationalisieren. Wenn sich die Lage nicht nachhaltig verbessert, drohen Insolvenzen. (handelsblatt.com)

Schlechte Zeiten für M&A-Deals - Der globale Mergers and Acquisitions Markt (M&A), für Fusionen und Übernahmen, schrumpfte auch im 1. Quartal 2009. Um -32,25% ging es im Vergleich zum Vorjahresquartal weiter bergab, auf den niedrigsten Stand seit 2003. Das globale M&A Volumen lag im ersten Quartal bei noch 452,640 Mrd. Dollar, nach 668,187 Mrd. Dollar in Q1 2008! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Japans Industrieproduktion im freien Fall - Die weltweite Rezession und in Folge eine drastisch sinkende Nachfrage nach Autos und Elektronikgeräten trifft Japan gnadenlos. Heute berichtete das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) von einem saisonbereinigten Rückgang der Industrieproduktion im Monat Februar 2009 von unglaublichen -9,4% zum Vormonat! Zum Vorjahresmonat bricht der Output der japanischen Industrie sogar um nie gesehene -38,4% ein! Dies ist nun schon der fünfte Monat in Folge mit einer fulminanten Schrumpfung! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Joghurt, Krapfen, Paprika: Von der Mülltonne frisch auf den Tisch. "Freeganer" ernähren sich von Lebensmitteln, die Supermärkte wegwerfen. (derstandard.at)





Sachen zum Schmunzeln (... wenn sie nicht so ernst wären!):



Heute ist der 1. April - hier die besten medialen Aprilscherze:

Die Illuminaten gehen in die Rente
(alles-schallundrauch.blogspot.com)
Obama kommt nach Österreich (kurier.at)
Aus finanziellen Gründen verkauft die Gemeinde Graz die Erzherzog Johann Statue und die Schlossbergbahn (radiograz.at)

Eine Auswahl der besten Aprilscherze (diepresse.com)






Gibt es Positives an der Krise?
Antworten von Kabarettisten als Ansichtssache in derstandard.at

Hosea Ratschiller: Worüber ich lache? Über das leise Halskratzen, das mir mein Vorsatz beschert, die einmalige Chance zu nützen und dem Standard den brillantesten Krisenwitz zu liefern.



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