Dienstag, 28. April 2009

China - Retter oder ebenfalls Bankrotteur?

Schon seit einiger Zeit wird China in den Medien als Wirtschaftsmacht mit Sonderstatus behandelt. So, als würden sie die Krise bzw. den Crash nahezu unbeschadet überstehen. Ausserdem sieht man sie ob ihrer hohen Dollarreserven und US-Staatsanleihen als Retter der Vereinigten Staaten.

Die Wahrheit ist eine andere. Man darf nicht in den Glauben verfallen, dass die aktuellen Wirtschaftsdaten Chinas nicht manipuliert würden. Das wäre, als wandle sich der Saulus zum Paulus, noch dazu zum Wohl der gesamten Weltwirtschaft. Nein, China bekommt die Krise ebenfalls zu Spüren, auf Grund ihrer hohen Produktivität eben ein wenig später. Dafür wird es das Reich der Mitte viel stärker treffen, als viele glauben.

China ist nicht mehr und nicht weniger amerikafreundlich, wie früher. Sie haben nur erkannt, dass, wenn sie ihren hohen Standard halten wollen, Abnehmer für ihre Produkte brauchen. Und bisher war die USA der grösste Konsument der Welt, ein schier grenzenloser Markt. China eroberte - auch mit Hilfe von US-Konzernen, die ihre Produktion nach Asien verlegten - den amerikanischen Markt. Kaum ein Produkt, an dem nicht das übliche "Made in China" prangt. Bricht der amerikanische Markt zusammen, dann hat auch China ein grosses Problem. Denn die Chinesen müssen ihre produzierten Waren verkaufen, sonst schliessen die Fabriken. Seit Herbst 2008 haben angeblich unglaubliche 67.000 Fabriken in China bereits geschlossen und die Belegschaft gekündigt. Das heisst, auch in China bricht die Wirtschaft ein.

Man hat in den letzten Jahren, in denen man sich von der kommunistischen Planwirtschaft zum kapitalistischen Sozialismus entwickelte, sehr viele Arbeitsplätze geschaffen und zumindest für einen Teil der Bevölkerung einen Wohlstand erreicht. Wusstest du, dass es rund 80 Automobilfabriken in China gibt?

Der gewaltige Wirtschaftsaufschwung hatte viele Gründe, einige davon können mittelfristig allerdings enorme Probleme verursachen. China verfügt über schier grenzenloses, überaus billiges Menschenmaterial, einsetzbar als Arbeiter, die froh sind, wenn sie überhaupt einen Job bekommen und einige Yuan verdienen konnten - Millionen von Wanderarbeiter waren unterwegs, von extrem armen, ländlichen Strukturen in die Metropolen. Nun bricht der Export ein, Fabriken schliessen und Arbeitsplätze werden vernichtet - die Wanderarbeiter ziehen wieder nach Hause in die Armut. Hier baut sich ein gigantisches soziales Problem auf, das naturgemäss in Unruhen und Aufständen enden wird.

China hat kaum Gesetze zum Schutz der Umwelt. Fazit ist eine unglaubliche Verschmutzung von Flüssen, Seen, Luft und Land. Der urbane Smog ist gesundheitsgefährdend, Flüsse und Seen sind biologisch tot, das Grundwasser in vielen Gebieten ungeniessbar und der Dreck, der sich in der Landschaft ablagert, natürlich auch auf landwirtschaftlich genutzen Flächen, ist enorm. Diese Umweltprobleme zu reparieren würde Milliarden, wenn nicht Billionen kosten und Jahrzehnte dauern!

China ist, vor allem durch den Export der vergangenen Jahre zu einem gewaltigen Dollarvermögen gekommen. Man schätzt die Dollarreserven auf über 1,6 Billionen (in Zahlen: 1.600.000.000.000). Dazu kommt ein ebenso gewaltiges Vermögen an US-Staatsanleihen. Beides wollen China aber los werden, bevor dieses Vermögen wertlos ist. Die Dollarreserven benutzen die Chinesen um am Rohstoffmarkt einzukaufen. Die Staatsanleihen werden sie wohl noch einige Zeit halten, denn sonst kollabiert die USA - und das wäre nicht im Sinne eines Landes, das ebenso von den USA anhängig ist, wie die USA von China! China braucht die US-Konsumenten und die USA brauchen China als Finanzier! Eine wohl prekäre Situation für beide Staaten, die aber aufzeigt, wie vernetzt und damit abhängig wir alle in Wirklichkeit geworden sind.

Hinzu kommt eine nicht einschätzbare Unbekannte, nämlich die Manipulation aller Daten durch die chinesische Regierung. Dass diesbezüglich gelogen wird, gilt als sicher. Es wird eine sehr, sehr, sehr geschönte Variante der Wirtschaftszahlen vorgelegt. Offiziell gibt es noch keine Proteste und Demonstrationen im Land selbst. Tatsächlich gärt es bereits und Tumulte sind an der Tagesordnung, langfristig ist auch in China mit Aufständen zu rechnen. Aber Lügen und Manipulation waren in China immer schon alltäglich. Sogar die Kaiser verheimlichten die Zahl der Kriegstoten, Bauern schönten in Maos Zeit die Ernteerträge und Pressefreiheit hat es nie gegeben! Wenn allerdings die Chinesen organisiert aufstehen, mehr als eine Milliarde Menschen kann keine Armee und keine Regierung aufhalten ... wir werden es noch erleben!

Auch in China wurde - warum sollte es dort anders laufen - das Wirtschaftswunder auf Pump gebaut. Viele Betriebe, deren Exporte eingebrochen sind, müssen entschuldet werden oder zusperren. Nebenbei stehen noch gewaltige Ausgaben an, die teilweise noch nicht verdaut sind bzw. noch andauern: die olympischen Spiele und der Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Sichuan.

Gleichzeitig, weil eng an China gekoppelt, brechen auch andere asiatische Staaten ein: Thailand, Südkorea, Japan, Vietnam, Taiwan, Indonesien, Singapur ... nein, wir dürfen nicht an die asiatischen Retter hoffen. Sie kämpfen mit uns Seite an Seite ums Überleben, das heisst, sie fahren mit uns in die (Wirtschafts)Hölle! So gigantisch der Aufschwung war, so gefährlich und unheimlich wird der Abschwung ...


Johannes (schnittpunkt2012@gmail.com)


Links zum Thema:


Die drei tickenden Zeitbomben - die Prognose 2009 - 2010 (finanzen.coart.de)






Meldungen:


Kreditkartenschulden: Neue Gefahr für Banken im Anmarsch (handelsblatt.com)
Wohnbaubanken in der Krise - Markt bricht ein (wirtschaftsblatt.at)
Fed wünscht Zins von minus fünf Prozent (ftd.de)
Raiffeisen hilft Deripaska aus der Patsche (kurier.at)
Daimler kauft sich frei (derstandard.at)
GM wirft sich Staat und Gäubigern an den Hals (derstandard.at)
Ford mit neuem Milliardenloch (derstandard.at)
Ferrari und Maserati spüren die Krise (derstandard.at)
Leasing-Branche im Sturm der Krise (handelsblatt.com)
Daimler erwägt Lohnkürzungen für 73.000 Mitarbeiter (spiegel.de)
Daimler kauft sich frei (derstandard.at)
Bauern leiden unter sinkenden Preisen (derstandard.at)
Grossbritannien vor dem Bankrott (goldseiten.de)
Staat rettet Kommunalkredit (kurier.at)

Air-Force-Stunt löst Panik in Manhattan aus (spiegel.de)

Es wird keine Staatspleiten geben (handelsblatt.com) ... ha, ha, ha, ha, ha



Die Goldman-Verschwörung - Die ehemalige Investmentbank Goldman Sachs, so wird gemunkelt, hat die Finanzkrise für das eigene Interesse gesteuert. Die Verschwörungstheorie findet neuerdings auch schon in den Mainstream-Medien einigen Widerhall: Das Wall Street Finanzhaus Goldman Sachs habe in den USA die Macht an sich gerissen und bestimme die Politik zu eigenen Gunsten. Die Finanzkrise und die öffentlichen Rettungsaktionen fördern vor allem die Interessen der ehemaligen Investmentbank. Neben maximalem Profit liegen diese darin, unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu räumen und das US-amerikanische und in der Folge auch das globale Finanzsystem unter eigener Führung zu konsolidieren. (heise.de)

Blamage für die Propheten des Aufschwungs - "Wir haben das Schlimmste ausgestanden und werden uns schnell erholen": In der Großen Depression ab 1929 riefen vermeintliche Finanzexperten immer wieder das Ende des Abschwungs aus - und lagen auf fatale Weise daneben. Werden die Krisenmager von heute Lehren daraus ziehen? (spiegel.de)

USA fürchten Kreditkarten-Crash - Wer nur eine einzige Rate verpasst, wird oft mit Zinsen von 30 Prozent bestraft: Millionen US-Bürger ächzen unter zu hohen Kreditkartenschulden - das wird zur Gefahr für das gesamte Bankensystem. Präsident Obama ist alarmiert und will Visa, Mastercard und Co. nun zu fairen Konditionen zwingen. (spiegel.de)

Kurzupdate Deutsche Bank - Die Erträge (Umsätze) der Deutschen Bank sind im 1. Quartal 2009 um +56% angestiegen, auf 7,205 Mrd. Euro, nach 4,616 Mrd. Euro in Q1 2008! Im 4. Quartal 2008 waren die Erträge sogar mit -885 Millionen Euro negativ. Der Gewinn nach Steuern sprang auf 1,182 Mrd. Euro nach -4,814 Mrd. Euro. Verlust im Vorquartal (Q4 2008) und nach -141 Mio. Euro Verlust im 1. Quartal 2008! (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Realitätsverlust beim CEO? - Die Deutsche Bank wieder mit 25% Eigenkapitalrendite vor Steuern, so lauten die Schlagzeilen einen Tag vor Veröffentlichung der Geschäftszahlen zum 1. Quartal 2009. Josef Ackermann, der CEO der Deutschen Bank, lehnt sich selbstsicher weit heraus und verhöhnt indirekt die Konkurrenz: "man kann es im Geschäftsleben nicht mit Absicht gemächlicher angehen lassen, nur damit alle mitkommen". (wirtschaftquerschuss.blogspot.com)

Der US-Immobilienmarkt - Trotz Preiseinbruchs – US-Immobilien sind nicht billig! Perspektiven und Analyse des US-Immobilienmarktes. Ein übersättigter Markt trifft auf eine schwache Nachfrage. (mmnews.de)

Banken fürchten Moody’s - Den Banken droht eine Welle neuer Probleme aus strukturierten Wertpapieren. Die Ratingagentur Moody?s will in den nächsten Wochen die Ratings Tausender Wertpapiere drastisch herabstufen. Bundesfinanzminister Steinbrück ist alarmiert - die Bundesregierung legt beim Thema Bad Banks ein hohes Tempo vor. (handelsblatt.com)

Notenbanken bekämpfen Rekorddefizite - Die Fehlbeträge weltweit werden immer größer. Deutschland etwa droht eine Rekordneuverschuldung. Dass die Renditen auf Staatsanleihen dennoch nicht ins Uferlose steigen, verhindern die Zentralbanken, indem sie die Papiere aufkaufen - zumindest vorerst. (ftd.de)

Österreichisches Doppelbudget 2009/10: Ein in Zahlen gegossenes Trauerspiel - Der große Auftritt des österreichischen Finanzministers Josef Pröll – seine erste Budgetrede im „Hohen Haus“ – liegt hinter uns. Mit von Pathos triefenden Worten („mit ruhiger Hand“, „kühlem Kopf“ und „sicherem Blick“) erklärte er den faktischen Staatsbankrott zum glorreichen Titanenwerk seiner Politik. (ef-magazin.de)



Auszüge:


... und noch etwas (dasgelbeformum.de.org)
Die befürchteten Unruhen im Osten haben bereits begonnen! Die Krise traf Osteuropa besonders unvorbereitet und hart. Es war die erste Berührung für viele von ihnen mit der Kehrseite des Kapitalismus. Jetzt zeigt es sich auch, dass kaum eine dieser östlichen Regierungen die Probleme alleine in den Griff bekommt. Dafür lassen die Menschen ihrerWut zusehends freien Lauf. In Lettland musste der Premierminister nach Protesten der Strasse bereits zurücktreten… In Ungarn und der Ukraine, so unsere Korrespondenten, brodelt es unheimlich unter der Oberfläche. Weitere Herde, die sich abzeichnen, sind Litauen, Bulgarien und die baltischen Staaten sowie Polen. In vielen dieser Länder sind Strassenschlachten schon bald an der Tagesordnung. Nach den Jahren des sprunghaftenWachstums bricht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vom Balkan bis zum Baltikum massiv ein. Die Folgen: Die Arbeitslosigkeit nimmt rasant zu. Die nicht gefestigten nationalen Währungen sacken dramatisch ab. Und bereits droht mehreren Ländern der Staatsbankrott. In Lettland rechnen die Experten damit, dass jeder Fünfte (20 Prozent) noch in diesem Jahr ohne Arbeit sein werde …

Geithners Welt (dasgelbeforum.de.org)
in der NYT heute ein Mega-Verrss von Tim Geithner. Er sei eine klassische Marionette der Wall Street-Granden gewesen und habe sich - ausweislich seines Terminkalenders (liegt komplett vor) - ständig mit den betreffenden Herren getroffen. Von irgendeiner "Unabhängigkeit" des Chefs der mächtigsten ZB (Fed NY) demnach keine Spur. Auch nicht von seiner eigentlichen Funktion als "Überwacher" diverser Finanzgebaren. Es fehlt eigentlich nur noch das Geld- bzw. Scheck-Übergabe-Video. Steuern hatte er bereits hinterzogen (später, enttarnt) gezahlt.

Leserkommentar: Polizei Großaufgebot in Braunschweig - Rautheim !!! Übung wegen möglichen Unruhen??? (hartgeld.com)
Heute am 28.04.2009 ist ein Großaufgebot von Polizeikräften in Braunschweig / Rautheim aufgelaufen. Dort befindet sich eine alte Bundeswehrkaserne die leer steht, von mir aus können die Jungs sich treffen und ihre Schlägerrüstungen anziehen oder sich sonst wie vergnügen! WENN aber dazu noch zwei Straßen komplett gesperrt ( Rautheimer Straße und Erzberg, siehe Google Maps „ braunschweig, Rautheim“ ) werden und eine Nachrichtensperre verhängt wird könnte ich Fuchsteufelswild werden! „Das geht mich nichts an“ sagte eine unfreundliche Dame von der Braunschweiger Polizei Pressestelle. Nun gut, die Braunschweiger Presse hat meinen Anruf sehr begrüßt und nimmt sich der Sache an, dann sind die Spaßmacher wenigstens nicht allein. Ist das eine Großübung um aufkeimende Unruhen zu zerschlagen??? Ein Informat ist vor Ort und versucht Bilder zu machen, das ist aber schwierig weil weiträumig abgeriegelt worden ist!


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